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Interview: AETERNUS
Titel: Unbeirrbare Eigenständigkeit

Mit ihrer neuen Veröffentlichung geben die Norweger Aeternus Vollgas. Die Scheibe lief nach dem Eintreffen bei mir rauf und runter. Sie offenbarte sich als spröde und anfänglich nicht auf Anhieb zugängliche Angelegenheit.

Umso mehr war ich dann nach hartnäckigen Annäherungsversuchen hocherfreut über die sich mir erschließenden Songs, die sich als durchtriebene Killer erwiesen.

„Shadows Of Old“ ist bereits das dritte vollständige Album des aus dem beschaulichem Städtchen Bergen emporsteigenden Trios, das es so meisterhaft versteht, puren Death Metal auch für fanatische Black Metal Lunatics schmackhaft zuzubereiten.

Bereits seit 1990 existent, lieferten Aeternus nach langer Reifezeit das erste Demo an die ins Visier genommenen Adressaten erst 1995 aus. Dann jedoch ging es ein wenig schneller voran und man schob gleich ein Jahr später die erste (und mittlerweile recht schwer zu bekommende) MCD „Dark Sorcery“ hinterher, der dann nach abermalig einem Jahr der Debüt-Longplayer „Beyond The Wandering Moon“ auf dem Fuße folgte.

Um den Release-Intervall einzuhalten, gab es ein Jahr später gleich nochmal saftigen Nachschlag in Form des zweiten Albums „...And So The Night Became“.

Jetzt, am Ende des Jahres 1999 angekommen, schieben Aeternus wiederum ein Jahr später einen weiteren Scheit ins prasselnde Feuer der ungestüm-beinharten Spielfreude.

Mit diesem Album, welches ein Musterbeispiel an zackigem und agilem Nordic Death Metal darstellt, können sich die flammenden Musikanten, welche sich auf dem Cover der aktuellen Veröffentlichung sichtlich wohl im ewigen Feuer zu fühlen scheinen, hoffentlich einer angemessenen Hörerschicht offenbaren.

Zu abwechslungsreich und hörenswert ist „Shadows Of Old“, als daß diese Perle wuchtigen Musizierens in der Masse untergehen darf!

Pfeilschnell und knallhart ist der Vortrag des Bergener Syndikats; durchtränkt mit schmissigen Double-Bass-Einlagen, für die einem stellenweise die Worte fehlen.

Überhaupt tun Aeternus gut daran, an ihrer Art des Spielens festzuhalten, denn es stärkt den Hörer, den ehrlichen und trendlosen Sound der Norweger verzückt zu konsumieren; besonders, wenn man auf Bands abfährt, die auf dem einmal gewählten Pfad der Eigenständigkeit beständig wandeln.

Für Aeternus zu keiner Minute der Band-History ein Thema diesbezüglicher Erwägungen, wie mir Ares, Sänger und Gitarrist der polternden Bande, der die Band zum o.g. Zeitpunkt gründete, mit sprichwörtlicher Gelassenheit in einem gleichfalls interessanten wie anregenden Gespräch mitteilte.

Eines gleich vorweg; „Shadows Of Old“ hat mich erneut voll auf den Death Metal-Trip gebracht, so spritzig klingen die Stücke deiner neuen Platte. Ich bin sehr neugierig auf die Entstehungsgeschichte eines solch´ bravourösen Werkes, welches so machtvoll aus den Boxen donnert.

„Oh, vielen Dank für deine lobenden Worte, Markus. Wir sind auch überaus zufrieden mit allem, was „Shadows Of Old“ betrifft. Wir wollten mit dieser Scheibe in noch stärkerem Maße einen Schritt in Richtung Death Metal-Style machen, was uns auch, wie ich durchaus behaupten kann, gelungen ist. Ich bin der Unzahl an Up To Date-Black Metal-Bands einfach schon lange überdrüssig und so kann ich mich in meiner Band gemäß meiner Vorstellungen äußern, wie diese Art von Musik zu klingen hat, ohne mit den Legionen an ebenfalls in diesem Metier operierenden Acts in einen Topf geschmissen zu werden. Von Anfang an sind wir mehr im Death als im Black Metal involviert gewesen und so wird es auch bleiben.“

Lobenswerte Einstellung. Zumal das Resultat seiner idealistischen Bemühungen ein in dieser Richtung absolut herausragendes Produkt ist.

Mir gefällt seine Art der Vokalisierung, die in ihrer beeindruckenden Intensität nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Wie schafft es Meister Ares, eine solch´ brachiale Stimme zu erlangen und auch zu bewahren, die wie ein Donnerschlag zwischen die Gitarrenklänge fährt?

„Ach, weißt du, ich bin ein leidenschaftlicher Jack Daniels-Konsument und rauche eine Unmenge an Zigaretten, daß hält meine Stimme in Form für Aeternus. Von heute auf morgen bekommt man so ein growlendes Shouting natürlich auch nicht auf die Reihe. Ich begann 1993 mit dem Gesang und mußte eine Menge Arbeit investieren sowie unzählige Varianten der Technik ausloten, um so zu klingen wie heute. Denn ich will ja nicht nur effektiv und gleichfalls brutal klingen, man soll ja auch verstehen, was ich singe!“

Das ruft sogleich die nächste Frage auf den Plan! Erzähle mir doch bitte etwas über die Inhalte eurer Songs! Satanic as hell?

„Nein, auf keinen Fall! Auch in dieser Sache kann ich mich für das Gedankengut der meisten schwarzen Diener der Dunkelheit nicht erwärmen. Die Lyrics unserer Songs beinhalten ausnahmslos Thematiken wie vergangene Zeiten, in denen die Kriege regierten sowie keltische Überlieferungen und traditionelle Erzählungen aus längst im Bewußtsein der Menschen verblaßten Epochen.“

Wie kann man den dazu passenden Titel des Albums deuten? „`Shadows Of Old` versinnbildlicht die Seelen der Vergangenheit, welche für ihre Ideale oftmals bis zum Heldentod gekämpft haben. Das ist es, was mich so sehr an der Vergangenheit und ihrer Mystik fasziniert.“

An seiner Einstellung könnten sich so manche Düsterkundler eine Scheibe abschneiden. Eigenständigkeit als Tugend macht eine Band erst so richtig interessant.

© Markus Eck, 28.10.1999

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