Top
Interview: ALICE COOPER
Titel: Lebensnaher Horror

Wer kennt ihn nicht, diesen bald wirklich uralten Schock’n’Roll-Haudegen und seine unglaublich vielen Veröffentlichungen?

Jetzt kommt in Form des neuen Studioalbums „Along Came A Spider“ wieder eine weitere Platte zur beachtlich langen musikalischen Historie Coopers dazu.

„Along Came A Spider“ ist ein thematisch jeweils eng zusammenhängendes Konzeptalbum, bei dem laut Aussage von Cooper jeder der aktuellen Songs auf lyrischer Ebene ein „Brief eines Serienkillers an die Polizei“ ist. Dieser dabei besungene fiktive Verbrecher gab sich selbst das Pseudonym „Spider“.

Elf Kompositionen sind auf der Platte mit drauf, und, wie Alice im Gespräch überaus freudig berichtet, und diese haben es textlich ganz schön in sich.

„Yeah, der Kerl hält sich echt für übermäßig clever, was er auch stets gerne zur Schau stellt. Ständig bringt er irgendwelche Frauen um und schreibt dann nachfolgend hämisch spitzzüngig formulierte Briefe an die Polizei – er hält sich in seinem Wahn sogar für eine unverwundbare Spinne, welcher ihre Opfer stets unerwartet ins verhängnisvolle Fangnetz gehen. Immer mehr Frauen sollen ihm bei seinem Treiben gar ins Netz geraten, wie er recht großspurig und selbstsicher verkündet“, erzählt mir der auf Portraits und live stets gruselig geschminkte Altrocker, hörbar selbst fasziniert von seiner eigenen lyrischen Kreation.

„Letztlich verliebt sich Spider aber eines Tages in eines seiner Opfer und kommt dadurch an einem spezifischen Punkt an, an dem er sein gesamtes Tun samt seinem bisherigen Lebenslauf selbstkritisch in Frage stellt – doch die Story hat weder ein glückliches Happy End noch ein schreckliches Finale; eher beides, würde ich sagen“, so Cooper mit keckem Stimmfall.

Insgesamt also eine sehr spannende Story, an welcher der berühmte Meister durchgehend sehr intensiv gearbeitet hat.

Und genau an diesen Lyriken hatte der Sänger diesmal sogar ganz besonders viel Spaß, wie er gut gelaunt bekennt.

Inspiriert wurde Überzeugungstäter Alice dazu überwiegend von all den täglichen News-Sendungen im US-amerikanischen Fernsehen, die bekanntlich immer wieder die menschlich ertragbare Brutalität bei weitem überschreiten.

Wie der beständige Künstler mir mit schelmischem Gestus gesteht, geht er mittlerweile – ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten –, überhaupt nicht mehr ins Kino, um sich zu gruseln, sondern schaltet lediglich besagte News-Sendungen ein, um tagtäglich aufs Neue mit einer ganzen Fülle an Ekel, Horror und Unmenschlichkeit geradezu überschüttet zu werden.

Nachfolgend plaudert er mit einem finsteren Lächeln aus:

„Selbst nach all den Jahren meiner musikalischen Existenz bin ich noch immer Feuer und Flamme für meine eigene Art von Kunst.“

Alice erzählt dazu gleich auch noch: „Und, ganz ehrlich gesagt, ich tue mir auch nach wie vor unglaublich schwer damit, ein so genanntes `cleveres` Rockalbum zu machen, das ist halt einfach nicht mein Ding – denn ich bin ein Mensch, der stets primär und vollends auf sein Herz beziehungsweise seine kreative Intuition hört.“

Mit seinen beiden fitten Gitarristen Keri Kelli und Jason Hook hat Mr. Cooper für „Along Came A Spider“ absolut super zusammen gearbeitet: „Ja, das war wirklich perfekte Teamarbeit; manche Songs entstanden in der Rohform sogar im Studio selbst. Auch mit dem Produzenten hat es diesmal 1a geklappt. Insgesamt also eine runde Sache!“

Gegenwärtig freut sich Alice schon riesig auf all die ganzen Live Shows zum neuen Album, wobei er den Besuchern wieder eine ganze Menge an Spektakel offerieren will: „Ja, und dazu bietet nicht zuletzt auch die graphische Konzeption beziehungsweise Gestaltung des neuen Albums wieder eine ganze Menge an bestmöglichen Grundlagen.“

© Markus Eck, 12.06.2008

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++