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Interview: ANCIENT CEREMONY
Titel: Okkulte Philosophien

Ancient Ceremony sind einer der dienstältesten einheimischen Black Death Metal-Vertreter. Bereits 1991 ins harte Leben gerufen, wurde man schon recht bald fündig bei der Suche nach einem ureigenen Stil. Dieser bietet das jeweils Beste aus den Bereichen Black-, Death-, Doom- und Gothic Metal.

Man debütierte 1994 mit der verheißungsvollen EP „Cemetary Visions“, welche im 1997er Release „Under Moonlight We Kiss“ einen gar prächtigen Nachfolger angehängt bekam.

Die Band wurde bei Cacophonous unter Vertrag genommen und alles sollte gut werden angesichts des beeindruckenden Vortrags der melancholischen Musikanten aus der schönen Stadt Trier. In die selbe Kerbe wie sein Vorgänger schlug auch der zwei Jahre später erscheinende Output „Fallen Angels Symphony“, der keinen mit den Vorgängern gewonnenen Fan enttäuschte.

Die Jahre gingen ins Land. Was beim englischen Label, daß mit Cradle Of Filth eines der größten Zugpferde dieses Genres im Stall hatte, unter großen Erwartungen für Ancient Ceremony begann, bot jedoch drei Jahre später nicht genügend, diese gänzlich zu erfüllen.

Die Kapelle um Bandleader und letztes verbliebenes Gründungsmitglied Chris Anderle wartete das Ablaufdatum des Vertrages ab, um mit dem darauf folgenden Labelwechsel nun auch einen etwas modifizierten Sound zu erzeugen.

So sind auf „Synagoga Diabolica“, dem neuesten und aktuellen Streich der Trierer, verstärkte druckvolle Death-Metal-Elemente zu vernehmen, welche durch beängstigende Horror-Samples einen gruseligen Support erhalten.

Die neue Stilistik von Ancient Ceremony ist jedoch ein köstlicher Happen für jeden, der auf enorm harte wie gleichfalls atmosphärische und düstere Kost abfährt.

Vokalakrobat Anderle ist außerordentlich beschlagen in okkulten und mystischen Belangen, was Garant für ein hochinteressantes und gleichermaßen lehrreiches Gespräch ist.

„Unser Band-Credo lautet: `There is no real art without the influence of the devil` und das solltest du in unserer Musik auch hörbar nachvollziehen können!“, beginnt Chris die Kommunikation.

„Wir wollten uns beim neuen Album auf gar keinen Fall wiederholen oder am Ende gar noch in die kommerzielle Richtung steuern. So haben wir die schwülstigen Arrangements in den Hintergrund gestellt und die Extreme in der Musik noch weiter ausgelotet. Unsere vorherigen Scheiben klangen alle doch ziemlich harmonisch, was seinerzeit ja durchaus OK war, aber mit der kompletten Neubesetzung keimte in mir doch wieder die Lust auf, so richtig auf den Putz zu hauen. Die anderen fünf Bandmembers ließen sich davon nur zu gerne anstecken und so arbeiteten wir in Übereinstimmung miteinander an den Songs, ohne ständig Änderungen vorzunehmen.“ Das ist nicht zu überhören.

Man kauft der Band die Entwicklung zur Gänze ab, klingt das neue Album doch in keinster Weise nach kommerziellen Zugeständnissen. Im Gegenteil, wo andere noch mehr Bombast und noch immer mehr Theatralik in ihren Songs integrieren, setzen Ancient Ceremony dieser Tage verstärkt darauf, die Hörerschicht auf ihre Instinkte zu reduzieren.

Ancient Ceremony werden mit der neuen Erscheinungsweise ihrer Akustik bei den bereits gewonnenen Fans aber doch sicher für flatternde und auch verdutzte Ohren sorgen. Chris hierzu:

„Mag sein. Aber wer von einer Band immer wieder das Selbe erwartet, gönnt ihr keine Eigendynamik. Solch überwältigendes Feeling wie bei den Aufnahmen zu den neuen Songs hatte ich lange nicht mehr! Und das belebt meine Kreativität doch enorm. Und das ist es auch, was mir an der Musik Freude und Erfüllung schenkt.“

Konnte man das neue Material denn schon live auf Bewährungsprobe schicken?

„Ja, wir spielten dieses Jahr schon circa 15 bis 20 Konzerte in Tschechien, Belgien und auch in Holland. Anfangs waren die Leute schon ein wenig schockiert ob unserer abgeänderten neuen Direktive. Als die Magie der neuen Songs sich aber dann vollends entfalten konnte, ging das Publikum voll mit, weil sie die Kraftübertragung spürten, die von uns ausging. Letztendlich enterten sie des Öfteren gar die Bühne, umarmten uns und schossen eine Unmenge an Fotos.“

Schön zu hören. Es zahlt sich doch immer wieder aus, seinen eigenen Weg zu gehen.

Chris pflegt schon seit längerem gute Kontakte zu mehreren satanistischen Organisationen und okkulten Zirkeln, darunter auch die First Church Of Satan aus den Vereinigten Staaten von Amerika, welche in der Walpurgisnacht zum 30.04.1966 gegründet wurde.

Desweiteren verfügt der Kerl laut eigenem Bekunden über eine höchst umfangreiche Privatbibliothek in Sachen Satanismus und er zählt Nietzsche und Crowley zu seinen absoluten Lieblingsautoren. Er lässt zu diesem Kontext noch wissen:

„Ja, zur Church habe ich guten Kontakt, obwohl ich jetzt ja nicht unbedingt der ultimative Verfechter ihrer Lehren bin. Es steckt mir zuviel Esoterik und gesellschaftliche Orientierung in ihren Philosophien. Doch es herrschen durchaus interessante und auch produktive Ansätze in den dortigen Denkweisen. Auch zum Sixhundred Club habe ich einen ziemlich guten Draht. Jedoch möchte ich gleich vorneweg mit allen Vorurteilen aufräumen: Die ganzen bekannten Schauermärchen wie menschenverachtende Konfessionen und blutige Rituale existieren ausschließlich in den Köpfen der Gegner der Church Of Satan. Dort geht es in weitesten Sinne um die größtmöglich zu erlangende individuelle Freiheit des Einzelnen. Es ist eine große anerzogene Furcht in den Köpfen der Menschen vor dem Thema Satan. Und es ist ein Paradigma: Das Christentum benötigt den Teufel für die Rolle des bösen Gegengottes, den Feind des Christengottes. Der Satanismus in seiner Reinform ist die höchste Stufe an Entwicklung, die ein Mensch erreichen kann bei der Selbstfindung. Davor hat die Kirche Angst. Ein Mensch der komplett an sich selbst glaubt, ist ein Schäfchen weniger in der hörigen Gemeinde. Er braucht keinen Erlöser mehr, da er sich selbst als seinen eigenen Gott ansieht.“

© Markus Eck, 02.09.2000

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