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Interview: ARISING FEAR
Titel: Metal als Lebensstil

Diese vier gigantisch motivierten Jungspunde sorgen amtlich schwermetallisch für einen Wahnsinnsalarm!

Bei Arising Fear verschreiben sich Vokalist und Gitarrist Alex Rauh, Gitarrist und Sänger Kevin ,Kev‘ Pöllmann, Fellverdrescher Tobi Möhring und Tieftöner Tom Franz der gemeinsam kultivierten Leidenschaft für das Erschaffen ihrer ureigenen Musikkunst. Erstmals aufgetürmt wurde das schlagstarke Modern Thrash Metal-Schwergewicht im Jahr 2008 in Augsburg. Und seitdem feilen die vier Beteiligten ebenso emsig wie trefflich zielorientiert mit Erfolg an ihrem außergewöhnlich eigenständigen Stil.

Die oftmals geradezu granithart kesselnde Nachwuchs-Combo selbst bezeichnet ihren extrem dynamischen und erfreulich variantenreich besungenen Wuchtbrummen-Sound als Mischung aus klassischem Heavy Metal, Thrash sowie Elementen aus dem Metalcore-Bereich. Im August 2009 nahmen sie ihre selbstbetitelte Debut-EP auf, die im darauffolgenden September geneigte Ohren rigoros erstürmte.

Seit dem 2013er Wintereinbruch schufteten diese vier Ambitionierten im Studio und arbeiteten mit geradezu besessener Detailverliebtheit an ihrem Debütalbum, welches auf den symbolschwangeren Titel „Beyond Betrayal“ getauft wurde.

Das Schicksal meinte es gut mit Kev: Seine erste selbst gekaufte Metal-Scheibe war „God Hates Us All“ von Slayer.

„Ich war 13 und kam gerade von einem Sommercamp mit ein paar Kumpels nach Hause, bei dem wir beschlossen, irgendwann mal selbst Musik zu machen. Der erste Halt auf der Rückfahrt war dann der Plattenladen um die Ecke und ich hörte die nächste Zeit nichts anderes mehr. Ohne die Plattensammlung meines Dads und die ständige Beschallung seit Kindertagen wäre ich ziemlich wahrscheinlich nicht so früh zum Metal Fan geworden“, wie er offenbart.

Wir zwei gehen gleich über zur stilistischen Mixtur der neuen Platte. Wie ist sie Arising Fear-Neulingen seiner Meinung nach am besten zu erklären?

„Auf jeden Fall ein Mix aus allen Bands die wir selbst geil finden. Für uns besteht der Sinn beim Musik zu machen darin, alle unsere Lieblingsbands in einen Topf zu werfen und daraus letztlich genau das zu machen, was wir als Fans gerne hören würden. Stilistisch geht die Platte in die moderne Richtung des Thrash Metal. Wer also auf thrashige Riffs und melodischen Gesang steht oder auch mal die eine oder andere Metalcore-Scheibe auflegt, der wird ,Beyond Betrayal‘ definitiv mögen.“

Nachfolgend gezielt befragt, welche Bands die Jungs von Arising Fear packen, welche Bands sie fesseln und welche Bands sie regelrecht anbeten, wird der Gitarrist schlagartig positiv unruhig.

„Verdammt viele! Vor allem Bands, welche einfach ihr Ding durchziehen und sich nicht zwanghaft an die etablierten Klischees bestimmter Genres halten. Wir haben in letzter Zeit öfter Sachen gehört wie ,Hey, die haben ja gar keine Matte am Start und machen so etwas wie Thrash Metal. Die können ja gar nicht gut sein.‘ Da denkt man sich dann schon seinen Teil und zweifelt auch mal an der Toleranz mancher Metalheads. In der Hinsicht packt uns auf jeden Fall die wahrscheinlich am meisten diskutierte Band der Welt: Metallica. Wir Alle stehen auf Bands wie Pantera, Machine Head, Slayer oder As I Lay Dying. Persönlich sieht das bei jedem von uns anders aus. Unser Sänger und Gitarrist Alex hört beispielsweise die In Flames- und Killswitch Engage-Diskographie rauf und runter, unser Drummer Tobi steht total auf System Of A Down oder Volbeat, wobei unser Bassist Tom mit den Scheiben von Hendrix und den Beastie Boys schlafen geht. Mich persönlich fesseln Bands wie Annihilator, Alice In Chains oder Black Sabbath etc.“

Die neuen Stücke der Augsburger Modern Thrasher sind außerordentlich eingängig und wirken oftmals auch massiv lebenslustig geprägt. Kev spricht hierzu:

„Musik zu hören soll unserer Meinung nach Spaß machen. Egal ob man die Musik selbst spielt oder sich beim Feiern oder Autofahren davon bedudeln lässt. In erster Linie handeln die Lyrics von persönlichen Erlebnissen, die wir in der letzten Zeit durchgemacht haben, da war schon der eine oder andere Schicksalsschlag dabei, welchen wir in den Texten verarbeiteten. Daher auch die von dir angesprochenen, teilweise Mut machenden Lyrics. 


Die Lyrics auf „Beyond Betrayal“ drehen sich zumeist um schlechte Erfahrungen, welche die Beteiligten in den letzten Jahren durchgemacht haben.

„Es geht primär darum, sich selbst treu zu bleiben, sein eigenes Ding durchzuziehen und bestimmte Themen im Alltag nicht allzu Ernst zu nehmen. Letzteres ist, was Metal als Lebensstil für mich bedeutet: Freunde treffen, eine gute Zeit erleben und Spaß haben. Wir wollen mit unseren Lyrics einfach eine Message rüberbringen, unseren Fans etwas geben, mit dem sie sich identifizieren können.
Für mich ist Metal auch in gewisser Weise Therapie, soll heissen: Die Musik ist immer da, egal wie scheisse es einem gerade geht.“

Und genau so fühlt es auch der Rest der Band, wie in Erfahrung zu bringen ist. Jetzt folgt die reine Begeisterung:

„Musik machen und Metal an sich, das ist für uns alle in gewisser Weise eine Art Therapie. Wenn du auf der Bühne stehst oder im Proberaum bist, gehört der Moment dir. Du kannst dich fallenlassen, komplett aus dir herausgehen und das, was dich ankotzt, durch das Mikro und deine Gitarre loswerden. Es ist einfach ein unglaubliches Feeling auf der Bühne zu stehen und den Leuten etwas zu bieten, das sie richtig geil finden. Für uns gibt es einfach wenig Schöneres als ein Publikum zu sehen, welches komplett ausrastet!“

Das Band-Gefüge harmoniert bei Arising Fear nicht zuletzt auch durch das zuvor Erwähnte auf jeden Fall hervorragend, wie der Axeman berichtet.

Die involvierten Musiker kennen sich laut Statement von Kev schon ewig und es hat sich im Laufe der Jahre eine riesige Freundschaft zwischen den Jungs entwickelt.

Der Band war es verdammt wichtig, wie er anfügt, das neue Album musikalisch so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

„Das, was man auf ,Beyond Betrayal‘ hört, ist kein stures Breakdown-Chorus-Breakdown-Songwriting oder durchgehendes Highspeed-Gebolze. Ich denke, die größte Stärke der Songs liegt darin, dass man auch nach mehrmaligem Hören immer wieder neue Sachen entdecken kann, ohne dass die Tracks an Eingängigkeit oder Aggressivität verlieren. Von melodischem Thrash Metal über heavy Midtempo-Nummern bis hin zu Balladen ist auf ,Beyond Betrayal‘ alles vertreten.“


Die Grundideen für die Songs stammen grundlegend von Frontmann Alex, dann wird zusammen im Proberaum daran weitergearbeitet, so Kev.

„Stehen die Songs in der Rohfassung, setzen Alex und ich uns zusammen, nehmen die Tracks in unserem Homestudio auf und schreiben die Texte zu den vorhandenen Melodien. That’s it. Ein großes Thema für uns ist auch, dass jeder in der Band zu 100 Prozent zufrieden ist mit dem Ergebnis. Da gibt’s schon mal die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. [lacht] Für ,Beyond Betrayal‘ ist vieles aber auch erst im Studio entstanden. Während der Aufnahmen fielen uns spontan einzelne Elemente oder Harmonien ein, die einfach mit auf das Album mussten.“ 



Nachdem die EP erschienen ist, begann im Großen und Ganzen die Songwritingphase für das aktuelle Album.

„In der Zeit haben wir neben dem Spielen von Shows tonnenweise Riffs und neues Material geschrieben, welches es nicht alles aufs Album geschafft hat. Die Songs auf ,Beyond Betrayal‘ sind dann, wie gesagt, fast alle aus dem vorhandenen Material im Studio entstanden. Sie sind also Ergebnis der letzten paar Jahre unserer Bandgeschichte. Diese Lieder verarbeiten musikalisch und textlich alles, was wir in der Zeit so durchgemacht haben.“ 



In Sachen Songwriting herrscht bei Arising Fear strikte Arbeitsteilung vor.

„Alex schreibt den Hauptteil der Songs und Gesangsmelodien. Ich kümmere mich um die Backgroundvocals sowie die Leadgitarren und Tom und Tobi erledigen die Rythmusarbeit.“

„Beyond Betrayal“ ist moderner, eingängiger Metal, wie Kev konstatiert.

„Wir haben auf der Platte großen Wert auf die Gitarrenarbeit gelegt, Cleanpassagen, zweistimmige Melodien und Soli eingebaut und versucht die Songs so kompakt und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Am besten einfach mal selbst reinhören und sich ein eigenes Bild machen.“

Und was genau steckt hinter dem Titel „Beyond Betrayal“?

„Einerseits waren wir einfach auf der Suche nach einem Albumtitel der möglich schnell ins Ohr geht und dabei die Musik und die Aggressivität beziehungsweise die Energie die von Ihr ausgeht bestmöglich widerspiegelt. Andererseits fasst der Titel die Lyrics auf dem Werk zusammen, behandelt also Themen, welche uns in der Songwriting-Phase für das Album direkt oder indirekt betroffen haben.“

Fühlt sich mein Geprächspartner selbst auch oftmals wie „hinter dem Verrat“ in dieser, auf sozialem Sektor immer fauliger werdenden Welt? Kev nickt ebenso schlagartig wie vollauf entschlossen:

„Definitiv. Was sich hier im Moment abspielt, ist teilweise wirklich sehr enttäuschend. Auf musikalischer und kreativer Ebene wissen viele Leute einfach nicht, wie viel Arbeit und Hingabe beispielsweise darin steckt, eine Band am Laufen zu haben, Platten aufzunehmen, Shows zu organisieren. Viel zu viele sehen die Musik einfach als selbstverständlich an. Supportet eure Bands, geht auf Konzerte und kauft die Platten!“ [lacht]

Im verbleibenden Rest von 2014 möchte der Quirlige so viele Live-Shows wie möglich spielen und das nächste Album fertig bekommen, wie er frohgemut verkündet. „Die Songs für den ,Beyond Betrayal‘-Nachfolger entstehen derzeit. Wir wollen das nächste Album definitiv 2015 raushauen und nochmals ordentlich einen draufsetzen! Wir erhoffen uns in Zukunft auf jeden Fall verdammt viele Shows, Festivals und auch ein Label, welches uns helfen kann unsere Musik zu verbreiten!“

© Markus Eck, 05.04.2014

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