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Interview: AUTUMN
Titel: Voller Variantenreichtum

Auf den ersten oberflächlichen Hörer klingen diese holländischen Gothic Metal-Repräsentanten eigentlich genau genommen wie viele andere ihrer Kollegen auch. Also nicht gerade Aufsehen erregend.

Doch mit jeder Minute intensiverer Zuwendung zu ihrem neuen Album „Summer´s End” vertiefen sich gegenteilige Eindrücke mit zunehmender Intensität. Zu authentisch wirkt die mit stellenweise kräftigster Instrumentierung dargebotene atmosphärische Dramatik, welche Autumn darauf bieten.

Überhaupt, das niederländische Sextett macht verhältnismäßig wenig Aufsehen um seine von Sehnsüchten und Verlangen durchzogenen Kreationen. Ebenso Sängerin Nienke de Jong und Wutgrunzer Meindert Sterk. Sie ergehen sich während ihrer zahlreichen aufwühlenden Stimmbandduette niemals in Effekthaschereien. erreichen genau dadurch aber auch einen gehörigen gesanglichen Tiefgang.

Wie Schlagwerker Jan Grijpstra mir berichtet, tat sich in der jüngeren Vergangenheit so einiges bei seiner Band.

„Nach unserem 2002er Debütalbum `When Lust Evokes The Curse` war es ja bereits nicht gerade langweilig, bei Autumn mitzumachen. Aber gerade während des letzten Jahres 2004 hatten wir wirklich eine ganze Menge an Belangen rund um Autumn zu bewältigen. Wir wechselten dabei auch zu einer neuen Company, um das aktuelle Werk zu veröffentlichen. Das war eine gute Sache für uns, kostete dabei aber auch eine Menge Zeit, Nerven und Energien.”

Und wie der Drummer mir zudem erzählt, wird der Sechser im kommenden Februar eine Single veröffentlichen:

„Der Titel steht momentan noch nicht fest, die Single wird bei euch in Deutschland jedenfalls zusätzlich noch von einem Videoclip begleitet. Danach werden wir auf Tour gehen, um als Supportgruppe von Within Temptation durchzustarten. Die Tourdaten sind auf unserer Website in Erfahrung zu bringen.”

„Summer´s End” ist laut Jan zum Interviewzeitpunkt in der Heimat des Ensembles bereits ganze vier Monate in den Shops.

„Die Verkäufe laufen prächtig an. Das Album wird daneben ebenfalls in Belgien veröffentlicht, wo wir neben unserer Heimat auch schon erfolgreiche Konzerte dazu gespielt haben. Ich kann nur hoffen, dass die Leute in Deutschland ebenso auf uns abfahren werden.”

Zwei der neuen Songs, nämlich „The Coven” und „Gospels In Dusk”, sind Teil einer Trilogie, wie nachfolgend zu erfahren ist. Der Fellklopfer erzählt hierzu: „Teil eins, namens `The Witch In Me` ist auf unserem Debütalbum zu finden. Der Song behandelt die Thematik, wie jemand durch diverse Rituale zu einer Hexe wird. Wie schon auf `When Lust Evokes The Curse` drehen sich viele der neuen Songtexte wieder darum, wie wichtig Mutter Natur für das menschliche Leben doch ist. Und darum, wie sehr die Menschen vergangener Zeiten mit ihren natürlichen Umgebungen verflochten waren und wie gut sie dabei im Vergleich zur heutigen Zeit doch eigentlich gelebt haben. Auch alte Legenden aus diesem Bereich wurden von uns lyrisch verarbeitet. Viele davon haben auch in der Gegenwart noch Bedeutung, was ihre eigentlichen Botschaften angeht.”

Jan ist der Meinung, dass der aktuelle Langspieler aber auch rein musikalisch gesehen, beziehungsweise gehört, ein vielschichtiges Album voller Diversitäten geworden ist. Wir erfahren:

„Das liegt daran, dass wir jedem bei uns die Freiheit geben, seine individuellen persönlichen Vorlieben, Ansichten und Geschmäcker kreativ bei Autumn einzubringen. Was mich persönlich anbelangt, höre ich beispielsweise überaus gerne Musik von Faith No More, Opeth, After Forever und Rammstein. Ich mag überhaupt eine ganze Menge an Stilistiken, auch Gruppen, die nicht gerade aus dem Rock- oder Metal-Bereich kommen. Eine solch' ausgeprägte Einflußbandbreite gilt übrigens auch für den Rest der Band, was ich total großartig finde. So etwas garantiert ja eigentlich immer so einigen Variantenreichtum.”

Ihre kompositorische Ungezwungenheit ermöglichte es den Holländern dann auch letztendlich, ihr neues Erzeugnis mehr denn je in Gemeinschaftsarbeit entstehen zu lassen.

Der Kesselwart zeigt in diesem Zuge einige Unterschiede zum Albumvorgänger von Autumn auf.

„Wir hatten diesmal eine deutlich angestiegene Vielzahl an Vorgehensweisen für unser Songwriting zu verzeichnen. Für `When Lust Evokes The Curse` benötigten wir einige Jahre, um alles fertig zu stellen, während hingegen einige der Stücke für `Summer´s End` lediglich in wenigen Monaten kreiert wurden. Diese schnellere Kompositionsweise ermöglichte es uns, Songs mit viel klareren Strukturen entstehen zu lassen. Auch konnten wir den Sound der Lieder um einiges kraftvoller werden lassen.”

Im Hause Autumn ist man daher gegenwärtig noch immer sehr zufrieden mit den erzielten Resultaten, wie Jan sich freut: „Ich liebe den Sound des Albums. Es ist beinahe perfekt produziert. Die Songs an sich, ihre Aufbauten sowie all die Riffs, die Melodien und Songtexte. Alles ist echt großartig geworden.”

Und wie er im Anschluß daran schmachtend zurückblickt, konnten die Bandmitglieder es schier gar nicht erwarten, endlich wieder an das Ausarbeiten neuer Gothic Metal-Klangskulpturen zu gehen.

„Wir tourten in der Vergangenheit sehr viel, und die Pause zwischen den beiden Alben beträgt ja immerhin ganze zwei Jahre. Aber da wir alle an reguläre Alltagsjobs gebunden sind, konnten wir lediglich die Wochenenden für die Band nutzen. Das bedeutet: Wenn wir touren, können wir nicht komponieren. Daher traten wir eine Zeitlang in letzter Konsequenz überhaupt nicht mehr live auf, um uns auf die neuen Songs bestmöglich einlassen zu können.” Hört man den achten Track von „Summer´s End”, das Überstück „The Green Angel”, glaubt man ihm diese Aussage bedenkenlos.

© Markus Eck, 26.01.2005

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