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Interview: BELPHEGOR
Titel: Und es regnete tote Engel

Ihre ebenso besessen wie ekstatisch gespielten Höllenhymnen sind seit jeher ultraderbste und manisch sexistische Blasphemie in rauer Reinform. Also ein knackend harter Brocken für fromme bibeltreue Schäfchen und wohl eine onanistische Steilvorlage für jeden ergebenen Ziegenbockverehrer.

Nun haben Belphegor ein neues Studioalbum namens „Lucifer Incestus“ eingespielt. Und Ketzerkehle Helmuth, Six-String-Sexist Sigurd, Teufelstieftöner Barth samt Schlagzeugschurke Torturer leisteten abermalig ganze Arbeit. „Phallelujah, ihr wollüstigen Incubus- und Succubus-e“, begrüßt Vokalfetzer Helmuth die ergebenen Erektionsjünger von Belphegor. Der sich hochenergisch formulierende Sänger, dessen simple Lebensformel laut eigenem Bekenntnis „Sex + Alk = Metal!“ lautet, ist ebenso wie Bandkollege Barth derzeit in bester Stimmung.

„Die Stimmung bei uns in der Schlucht ist wunderbar, da wir wissen, dass auf euch ein alles vernichtender Höllensturm losbrechen wird. `Lucifer Incestus` ist abschussbereit und wartet nur auf die Detonation. Falls Luftschutzbunker vorhanden sind: Schaut, dass ihr noch einen Platz findet! Viel Spaß meine Damen und Herren“, wünscht der Bassist den Hörern.

Das neue Blasphemiewerk wurde in den schwäbischen Mastersound-Studios bei Produzent Alex Krull aufgenommen.

Helmuth blickt auf die verbrachte Zeit dort zurück:

„Alex hat uns sehr geholfen und ist ein absoluter Profi an den Reglern, er zauberte uns endlich den Sound für Belphegor, nach dem ich seit Jahren suche. `Lucifer Incestus` ist unser abwechslungsreichstes und auch musikalischstes Werk bis dato. Es ist einfach auch der brillante Sound, der viele Feinheiten rausholt und wie ich bereits sagte: Das klangliche Gerüst, Bass und Drums ist präzise wie die Hölle. Es war echt der Hammer, im Studio die Gitarrenlinien über all diese genialen und präzisen Trommelsalven darüber zu spielen. Wir haben extrem dafür geübt und uns somit auf unseren Instrumenten wieder massiv steigern können. Auch bei den Bassfiguren und im Bereich Gitarrenriffs haben wir ganz neue Harmonien und Läufe ausgecheckt sowie gelernt, diese in unseren Sound mit einzubeziehen. Wir wollen immer intensiver werden und nie klingen wie irgendeine andere Band. Ich glaube, spätestens seit `Necrodaemon Terrorsathan` kann man definitiv von einem typischen Belphegor-Style und -Sound sprechen. Wie auch immer, in einigen Songs hatte ich acht bis neun Gitarrenspuren laufen, das wäre früher nie möglich gewesen. Trotzdem achteten wir darauf, dass alle Songs live ohne Probleme reproduzierbar sind, denn Belphegor ist seit jeher nun einmal eine rasende Live-Kapelle gewesen.“

Insgesamt waren sie für „Lucifer Incestus“ knapp über vier Wochen mit den Aufnahmen, dem Mastering und dem endgültigen Mix beschäftigt, wie mich Helmuth anschließend in Kenntnis setzt.

„Da wir das stärkste Line-Up seit Gründung der Truppe im Camp haben, kann man wirklich von einer enormen Weiterentwicklung sprechen. Es scheint unglaublich, aber `Necrodaemon Terrorsathan` wurde diesmal massiv übertroffen, egal ob im Song-, Lyrik- oder Soundbereich. Dieses neue orgiastische Werk ist der ultimative Höllenritt!“

Und laut den vertrauenswürdigen Informanten des Autoren waren die infamen Österreicher nachträglich nochmals im Studio, um einen weiteren Track mit ganzen 260 bpm (!) aufzunehmen.

Helmuth haut hierzu raus:

„Ja, wir haben beschlossen, `Swarm Of Rats` nicht herzunehmen, stattdessen neu einzuspielen und eben erst auf das nächste Album zu geben. Dafür haben wir noch `den` absoluten Hyperblast-Track eingespielt, wahrlich der schnellste Song, welchen wir bis dato aufgenommen haben. Es handelt sich hier um die Titelnummer und auch den CD-Rom-Videoclip, welcher auf der Digipak-Version des aktuellen Albums als Bonus enthalten ist. In `Lucifer Incestus` geht es um den Triumph der Sünde, die Phallusverehrung. `Converte linguam tuam in natibus meis` – dreh´ mir die Zung` im Arsch herum!“

Und Drummer Torturer liebt das Blast-Spielen, so Helmuth: „Wir haben immer nach so einem Maniac gesucht die letzten Jahre, der Vierviertel-Takte und Ähnliches hasst und der nur ballern will. Torturer ist übrigens Deutscher, aus dem Ruhrpott. Nur schade, dass es so lange gedauert hat, bis er sich zu uns gesellt hat. Aber dafür ist die Steigerung enorm, speziell eben im Schlagzeugbereich. Echt unglaublich, wie schnell und präzise der Mann knüppelt.“

Da das letzte Studiogemetzel namens „Necrodaemon Terrorsatan“ ja schon eine ganze Ecke her ist, interessiert mich die musikalische Ausrichtung des neuen Blast-Exzesses seiner Vollstreckertruppe. Barth lässt daher verlauten:

„Blast, Blast und noch mehr Blast-Geknüppel auf höchstem musikalischen Niveau. `Lucifer Incestus` ist als Gesamtkunstwerk anzusehen. Dies geht bei den disharmonischen Soundcollagen an, über die Lyrik bis hin zum genialsten bisherigen Cover-Artwork von Belphegor. Blasphemische Hyperblast Death Black-Kunst eben.“

Wie der Bassist dann weiter Einblick ins Bandgeschehen gewährt, hat sich seit „Necrodaemon Terrorsathan“ so einiges bei Belphegor ereignet.

„Im April 2002 feierten wir unser zehnjähriges Bestehen und veröffentlichten auf unserem hauseigenem Label Phallelujah Productions den `Infernal Live Orgasm`. Das Album zieht einen Querschnitt durch die bisherige Schaffensphase Belphegorscher Death Black Metal-Ergüsse. Vertreten sind acht Live-Schnulzen, die schneller gebolzt werden als auf den regulären Outputs. Mit `Swarm Of Rats` und `Der Untergang PT.II` wurden darauf auch zwei Studionummern geschoben, die exklusiv dafür eingespielt wurden. Sowie zwei Demo-Tracks aus längst verflogenen Demozeiten und zwei Videoclips. Veredelt mit fettem Booklet, welches dem ganzen dann noch die Dornenkrone aufdrückte. Auch konnten wir endlich unser altbekanntes und leidiges Drummer-Problem lösen. Nach vielen nichtigen Bewerbungen stieß Torturer zu uns, ein alles zermalmendes Artilleriegeschütz aus deutschen Landen. Ein wahres Geschenk der Hölle. Live waren wir auch nicht untätig, wir verwüsteten einige Festivals, wie beispielsweise das `Inferno` im hohen Norden, das `Fuck the Commerce`, das `Summerbreeze` bei den Germanen und in der Schweiz das `Z-7`-Festival. Dazu prügelten wir mehr als 30 Gigs, die uns durch Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Tschechien und die Schweiz führten.“

Diese höllische Live-Veröffentlichung wurde von den Fans mit ebenso höllischer Begeisterung aufgenommen. Barth:

„Dank der guten Zusammenarbeit mit Napalm Records setzten wir ohne große separate Werbung bereits annähernd fünftausend Einheiten davon ab.“

Mit diesem Teil wurde ja auch einiges geboten. Barth ergänzt:

„Also für unsere ganzen Maniacs war diese Scheibe sowieso ein absolutes Muss. Wegen dem 24seitigen CD-Booklet werden wohl auch heute noch einige eifrige Vertreter der Moral mit offenem Maul vor Scham wie die Affen auf und ab hüpfen, da wir sie damit regelrecht verarschten und im Booklet Bände sprachen. Der Release war ein einziges Lästerlied auf die Zensur!“

Ich gehe wieder zum aktuellen Album über, Barth legt mir die Bedeutung des Titels dar. „`Lucifer Incestus` bedeutet übersetzt soviel wie `Umtriebiger sexbesessener Totendämon`. Der Titel steht für Erhabenheit, Stolz, Macht, Umkehrung der Werte und grenzenlose Geilheit. Also für all die schönen verruchten Dinge, die unsere Abortgesellschaft aus dieser Welt zu verbannen versucht. Der Titel bezieht sich aber auch auf die Musik, die diesmal im mächtigsten Soundgewand den Himmel entflammt und in der alle diese Tugenden vollkommen ausgereizt werden.“

Helmuth ergänzt seinen Mitstreiter und bringt das lyrische Konzept des neuen Albums adäquat näher: „Das Motto darauf lautet `Hellsex & Blasphemy`, und zwar in der offensivsten Form! Wir haben die ganze kranke Geschichte der Christen aufgearbeitet. Die Songtexte spielen eigentlich mit der ganzen vorhin genanten Thematik, eingehüllt in den Bockspelz und den fauligen Gestank der Blasphemie. Sie stinken so elend, dass die Englein tot vom Himmel fallen.“

Ein Frontcover liegt dem Verfasser zum Zeitpunkt des Interviews leider noch nicht vor. Daher soll besser Barth in Bezugnahme dazu sprechen. Dieser erläutert:

„Beim Cover handelt es sich diesmal um kein Foto. Wir entschlossen uns für eine Zeichnung, die für das Gesamtwerk steht und mit keiner Fotographie machbar gewesen wäre. Im Mittelpunkt steht der Teufel in der Pose des leidenden Nazareners. Voll Stolz und Macht, umringt und verehrt von befallenen Weibsdämonen. Badend im Gewirr der Schlangen, die er mit Sperma impft, mit seinem Gift der Geilheit.“

Helmuth legt da noch schnell begeistert nach:

„Eines der ästhetischsten und mächtigsten Cover, die ich in diesem Bereich je in die Hände bekam!“

Und wie der Kerl entsprechend der Fragestellung weiter berichten konnte, haben Belphegor ihre Symbiose aus schnellem Black- und brutalem Death Metal immer weiter entwickelt und in der letzten Dekade Stufe für Stufe verfeinert.

„Das heißt nun aber nicht, dass wir mit den Albumvorgängern nicht zufrieden sind. Im Gegenteil, wir haben jederzeit versucht das Beste aus uns rauszuholen, um es auf CD, Vinyl oder Tapes zu bannen. Aber `Lucifer Incestus` stellt eben die Speerspitze unseres bisherigen Werkens dar, die logische Steigerung zum 2000er Höllenmusical `Necrodaemon Terrorsathan`. `Lucifer Incestus` erscheint übrigens auch als auf Gatefold-Vinyl-LP. Überhaupt: Ich scheiße auf CDs, denn die ganzen Frontcover kommen erst auf den Vinylversionen so richtig gut rüber. Auch der Sound speziell im Black- oder Death Metal-Genre ist viel geiler auf LP-Format, weil es so richtig kratzt und dreckiger klingt. Alleine schon die Atmosphäre zu Beginn, wenn man die Nadel auf das Vinyl auflegt, ist herrlich! Ich denke auch, dass so einige Leute auf Vinyle von uns warten, da wir viele entsprechende Anfragen via Email bekommen und vor allem vor Ort bei unseren Konzerten haben.“

Helmuth, welcher mir im Weiteren das von mir verlangte Nennen von Einflüssen versagt, um die Eigenständigkeit seines Höllenkommandos zu unterstreichen, prognostiziert weitere extreme Live-Shows seiner Band. Dafür reichen ihm offenbar wenige Worte:

„Let the `Tollwutmusick` do the talk!“ Und auf abschließende weise Worte wollten sowohl Barth als auch Helmuth nicht verzichten. Barth beschwört: „Verfallt der Geilheit des `Lucifer Incestus`, getauft von seinem Gift! Wir sehen uns am Bühnenaltar!“ Helmuth gibt sich wie immer nicht die geringste Blöße und haut natürlich entsprechend nach: „Thanx für den Support, Markus, alter Höllenfukker! Ein dreifaches Hurra auf Hurenmenschen und Schenkendirnen!“

© Markus Eck, 06.01.2004

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