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Interview: BESEECH
Titel: Auf dem Highway der Seelen

Alle gefühlvollen Gothic Rocker sowie sämtliche Dark Metal Fanatiker mit Hang zu betont emotionalem Songmaterial, welche dieses wunderbare schwedische Zauberensemble bisher noch nicht kennen sollten, sind hiermit herzlich eingeladen. Nämlich, um die rührenden Klangwelten von Beseech zu entdecken.

Deren letztes Albumereignis „Black Emotions” war eines der Gothic Metal Highlights des Jahres 2000: Künstlerisch vollkommener, genial verträumter nordischer Mitternachtssound von abartig talentierten elitären Adelsmusikern. Exakt dieses nach streng auserwählten Gesichtspunkten erstellte Täterprofil passt nun auch auf ihr neues und drittes Album „Souls Highway“.

Das sensitive Septett aus Borås hat sich hörbar erneut weiterentwickelt und nimmt uns mit an der Hand in seine wolkenverhangenen Düsterreiche ausgeprägt imaginativer Natur. Trotzdem mit allerletzter Kraft auf dem Boden geblieben, sehe ich mittels eines Fernrohres hoch nach oben auf zu Beseech-Leadgitarrist Robert Spånglund.

Dieser berichtet beschwörend flüsternd direkt aus der abstrusen Gedankenwelt seines verträumten Orchesters herunter.

Und doch kann ich jedes seiner Worte gut verstehen, so, als wenn er direkt neben mir wäre.

Beflissene Chronisten also aufgemerkt, denn genau so trug es sich zu:

„Beseech wurden damals 1992 von ehemaligen Mitgliedern, dem alten Sänger Jorgen und Drummer Morgan gegründet. Von dieser Urbesetzung ist heute nur noch Klampfer Klas Bohlin in Beseech. Ich war zwar noch nicht von Anfang an in der Band, weiß aber, dass sie aus lokalen Acts zu uns kamen: Klas stammte aus einer Punkband, Morgan kam von Cemetary. Von woher Band Jorgen kam, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Sie fanden sich über diverse gemeinsame Musikerfreunde und fingen an, miteinander über ein gemeinsames Bandprojekt zu sprechen. Schnell kristallisierte sich heraus, dass gemeinsame kreative Neigungen zu einer gewissen Musikrichtung vorhanden waren. So entstanden Beseech.“

Endlich wohnen nun auch alle Bandmitglieder in einer gemeinsamen Stadt, wie Robert berichtet. „Vom Anfang weg rekrutierten sich alle Musiker in der Band aus dem Städtchen Borås, welches sieben Meilen östlich von Göteborg liegt. Nach und nach kamen aber Ersatzmusiker zu Beseech, welche aus anderen Orten stammten. So beispielsweise unsere Sängerin Lotta Höglin, welche aus Nordschweden stammt und unser Vokalist Erik Molarin, der aus einem ganz anderen Teil Schwedens zu uns stieß. In der Vergangenheit gestalteten sich Dinge wie Proben oder Bandbesprechungen nicht immer einfach, deswegen sind die beiden jetzt erst kürzlich auch endlich zu uns nach Borås gezogen.“

Auch in dieser malerischen Kleinstadt gibt’s jedoch immer einen triftigen Grund zum Feiern. Robert beichtet mit verschmitzter Miene:

„Klar, einige von uns hauen sich an den Wochenenden schon dann und wann so richtig die Hucke voll. Was will man denn hier sonst auch außer Musizieren schon groß machen?“

Obwohl das laut Robert mit solch unerschrockener Sauferei auch immer mehr nachlässt:

„Man wird schließlich nicht jünger, und der nächste Tag darauf im Gegenzug immer schlimmer. Mir persönlich kommt es dann ungefähr immer so vor, als wenn ich in der Hölle aufwachen würde.“

Nun, letztere Befindlichkeit kennen bestimmt viele Männer vom heimischen Ehebett her, in dem es mit den Jahren bekanntlich leider oftmals auch immer „nüchterner“ zugeht.

Doch zurück zu Beseech, dort wird auch nicht immer nur in rauen Mengen „geschluckt“. Robert:

„Dann und wann gehen wir in Rock-Kneipen oder besuchen lokale Konzerte. Auch ins Kino zieht es uns öfters.“

Oder sie trinken manchmal auch ganz brav nur einen Sonntagskaffee, wie er mitteilt. Meine nachfolgende Frage nach frühen musikalisch-metallischen Idolen wird erst mal scherzhaft lachend von ihm konterkariert.

„Um ehrlich zu sein, begann ich als Fan von Samatha Fox und Sabrina, meine `Leidenschaft für Musik` zu entdecken. [Und damit verbunden was anderes `hartes` wahrscheinlich auch noch. A.d.A.] Doch merkte ich dann schon recht schnell, dass hinter den großen Brüsten dieser Disco-Miezen nicht viel Talent steckte. [Musikalisches Talent jedenfalls nicht; andere `orale` Talente wurden von den jeweiligen Managern nach Karrierebeginn schnell vertuscht; A.d.A.) Eine Band, die ich aber auch heute noch sehr verehre, sind Depeche Mode. Die machen immer noch großartige Musik. Aber ich bin auch ein Anhänger der Beatles, der Doors, von Supertramp und einigen anderen aus dieser Richtung. Davon lasse ich mich gerne für Beseech beeinflussen.”

Wenn man genau hinhört, bemerkt man eine gewisse leichte Veränderung im Soundkonstrukt der Schweden. Robert stimmt hierbei vollauf zu: „Ja, das entspricht der Wahrheit. Wir haben ein paar kleine Dinge geändert, die uns nicht mehr so gefielen, aber dies geschah nicht aus beabsichtigtem Kalkül heraus. Sondern es hat sich eben so entwickelt. Unsere Fans hören immer noch sofort heraus, das wir es sind und darauf kommt es uns auch an. Tief in mir drin spüre ich intuitiv, das sie und auch die neuen Hörer `Souls Highway` eigentlich alle mögen werden. Die neue Scheibe hat meiner Meinung nach doch einiges mehr zu bieten als der Albumvorgänger.”

Und dies liegt nicht zuletzt auch an diversen Umbesetzungen innerhalb der Band, wie der Leadgitarrist schnell noch anknüpft.

„So ließen wir Erik Molarin ans Mikro, damit Lotta ihrer tollen Stimme einen größeren Raum innerhalb unserer Stücke schaffen konnte; was sie auch mutiger und selbstbewusster gemacht hat, wie man auch deutlich auf `Souls Highway` hören kann.“

Was ist denn eigentlich für ein Seelen-Highway gemeint, Robert?

„Eine mysteriöse und sinnbildlich zu verstehende Thematik. Der Highway der Seelen kann durch dich selbst führen oder kann auch der letzte Weg sein, auf dem wir eines Tages alle, ob arm oder reich, gehen müssen. Ob wir nun wollen oder nicht. Es ist die große Strasse, welche nach dem Tod in die verschiedensten Richtungen führen kann.“

Mit „Gimme Gimme Gimme“ ist auf der limitierten Digipak-Version des neuen Albums auch eine in Slow Motion gehaltene Abba-Coverversion enthalten. Robert ist nun nicht unbedingt ein Fan seiner ehemals in den 1970ern die weltweiten Pop-Hitparaden dominierenden Landsleute, wie er mitteilt.

„Trotzdem mag ich sie sehr und schätze Abba als großartige Musiker.“ Charakterstarkes Kollegenlob, welches im gleichen Zug auch auf den Beseech Gitarristen selbst passt.

© Markus Eck, 03.07.2002

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