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Interview: BEYOND TWILIGHT
Titel: Nordische Zusammenkunft

Die Veröffentlichung ihres klangvollen Debüts „The Devil´s Hall Of Fame“ wird der talentierten Formation Beyond Twilight schlagartig einen weitreichenden Bekanntheitsgrad ermöglichen.

Das reizvolle Album beinhaltet das Beste aus der jeweilig erfolgreichsten Zeit solcher Ikonen wie Ronnie James Dio oder auch Savatage. Speziell letzteren kommen die Beteiligten stellenweise doch ziemlich nahe.

Und nachdem von den Savatage-Urgesteinen – welche mit „Gutter Ballet“ unanfechtbar den Zenit ihres grandiosen Schaffens erreicht haben – schon lange nichts mehr brauchbares kam, scheint der melodische Erstschlag unserer nordischen Freunde gerade recht zu kommen.

Die acht auf dem Werk enthaltenen Stücke reflektieren einiges an hingebungsvollen Passionen an diese Musikrichtung, was sich wie ein goldener Faden durch die ganze Scheibe zieht. Dabei hat man es hierbei beileibe nicht mit dogmatischen Hinterwäldlern zu tun.

Stellenweise registriert der aufmerksame Hörer eine geradezu gespenstische Symbiose aus Altem und Neuem, aus Tradition und Moderne. Wobei die etwas neuzeitlicheren Einflüsse jedoch nicht überdosiert wurden.

Vorherrschend regiert bei Beyond Twilight melodisch akzentuierter, abgrundtief dramatischer Power Metal der elitären Klasse.

Die ständig präsenten psychotischen Momente irdischer Entrücktheit können die erzeugte dramatische Gesamtstimmung nur noch vertiefen.

Ein beseelter und klagend-aggressiver männlicher Gesang kann zudem enorm fesseln. Beyond Twilight haben sich dieser Musik wirklich mit Haut und Haaren verschrieben.

Sie kreierten für „The Devil´s Hall Of Fame“ trend- und zeitlosen, kraftvollen Metal mit dem gewissen Etwas, den man gerne auch noch als Metal-Greis stockschwingend und sabbernd im Altersheim einfährt, was einen informativen Dialog mit Bandleader Finn Zierler für mich zwingend notwendig macht.

„Beyond Twilight nahmen in ziemlich mysteriöser Weise Form an. Mehr als zwei Jahre lang versuchte ich in Dänemark eine Metalband zusammen zu stellen, doch ohne nennenswerten Erfolg. Auch reiste ich vom einen Ende Schwedens zum anderen, bevor ich geeignete Mitstreiter fand. Die Musiker sind nun handverlesen. Ich fand sie auf vielerlei Wegen. Der Sänger beispielsweise wurde in Norwegen gefunden; als mein Manager mir dort den charismatischen Jørn Lande vorstellte, verstanden wir uns sofort blendend. Ich und Jørn trafen uns schnellstmöglich zu einer Session, er überzeugte augenblicklich und wir arbeiteten zusammen.“

Die Band besteht also aus schwedischen, norwegischen und dänischen Musikern.

Einige Mitglieder haben früher bei Yngwie Malmsteen, Uli Jon Roth (Scorpions), The Snakes (ex-White Snake), The Ark, Mundanus Emperium, Twilight, Destiny, Millenium etc. gespielt.

Finn kommentiert: „Die `Nordic Metal League`, könnte man dazu fast sagen.“

Doch das tut der Zusammengehörigkeit innerhalb von Beyond Twilight nicht den geringsten Abbruch:

„Sogar ganz im Gegenteil, die Distanz schafft um einiges mehr an Freiräumen. So hatten wir niemals zuvor eine bessere Stimmung in der Band.“

Die zwischenmenschliche Chemie stimmt also in dieser nordischen Zusammenkunft von Enthusiasten.

Die sympathische Truppe weiß mit meinem Gesprächspartner einen wahren Workaholic in ihren Reihen, wie dieser anschließend bekennt:

„Ich bin der Maincomposer und Songwriter. Sozusagen der Motor in der Maschine, ich komponierte alle Songs, die auf dem Album enthalten sind und produzierte sie auch gleich noch. Jørn Lande schrieb die gesamten Gesangslinien; zusammen arbeiteten wir auch die epochalen Chor-Arrangements aus.“

Der Style der Gruppe ist ziemlich originell. Auf inspirativer Ebene liegt eine 14-tägige Nordafrika-Reise zugrunde, auf der Finn neues Material zu komponieren begann.

„Ich verbrachte viele Tage in der Sahara-Wüste, in Höhlen, auf hohen Bergen, in Vulkanen und an den Küsten und Stränden. Die Musik habe ich lediglich auf dem Papier komponiert und ohne jegliche Hilfe eines Instruments. Den Stil des Album kann man meiner Meinung nach am allerbesten als `Cinematic Poundering Metal` klassifizieren.“

Die Beyond Twilight-Songs enthalten in der Tat jeder für sich ein pulsierendes Eigenleben.

„Sie sind sehr persönlich zu sehen. Für uns sind sie wie unsere Kinder, die schon ihr eigenes Leben leben. Sie enthalten viele Geheimnisse und sie sprechen auch jeder für sich ihre ganz eigene Sprache. Sie sind immer wieder anders. Und doch sind sie nicht menschlich und deswegen unsterblich. [So habe ich das auch noch nie gesehen; A.d.A.] `Hellfire` beispielsweise, der Opener auf dem Album, repräsentiert alle enthaltenen Stücke. Am Anfang des Tracks dominiert eine echt unheimliche Atmosphäre; der `Hauptdarsteller` der Album-Thematik hackt sich durch einen Computer, verschmilzt mit ihm und dringt somit/damit in sein eigenes Gehirn ein. Er geht auf eine lange und mysteriöse Reise tief in sein Inneres, das ihm dann auf einmal total unbekannt vorkommt. Dort sieht er in beklemmenden apokalyptischen Visionen untergehende Planeten und gefangene Seelen, welche mittels implantierter Microchips grausam und bedingungslos regiert werden. Der PC-Freak kann schon schnell nicht mehr aus dieser hypnotischen Gefangenschaft der Cyberwelt entkommen. Ist das, was er sieht, wirklich nur Illusion? Bald wird er im Höllenfeuer tanzen. Oder `Shadowland`, der dritte Song auf der CD: Ein sehr dunkles Stück, das auf der anderen Seite den melodischsten Chorus und die schönste und anmutigste Stimmung von allen unseren Liedern hat. Es beginnt mit immenser Heavyness und schlägt alsbald über in eine Seelen schlürfende Semiballade.“

Der Mann fügt dazu noch an: „Der Rest von `The Devil´s Hall Of Fame` ist sehr komplex und schon fast als progressiv zu sehen. Denn wir hören uns privat eigentlich alles an, was gut ist. Von Metal bis Klassik über Jazz und Rock bis hin zu Fusion; viel progressive Musik. Keiner von uns hat irgendwelche wirklichen musikalischen Grenzen. Wir sehen die Band in der Szene daher als originelle Trendsetter mit bisher so nicht gehörten Charakteristiken, sowohl lyrisch als auch musikalisch.“

Der Bandname regt mich trotz seiner plakativen Zusammensetzung schlagartig zu einigen Spekulationen an.

Finn legt daher dar: „Beyond Twilight bedeutet für uns die logische Weiterführung unseres vorherigen Bandnamens, der früher einfach nur Twilight lautete. Als sich Twilight damals auflösten und wir nach einem neuen Namen suchten, stießen wir auf den jetzigen. Er gefiel allen Beteiligten sofort, weil wir die alten Zeiten hinter uns lassen wollten, aber mit der Band und dem Konzept immer noch stark verbunden waren. Beyond Twilight beschreibt auch irgendwas dunkles, atmosphärisches und unheimliches. Keiner weiß, was dahinter verborgen liegt.“

Perfekte Wortwahl, welche die Musik der musizierenden Nordmänner auch schon gleich noch einmal perfekt kategorisiert. Nun sollte eigentlich wirklich jeder wissen, was er hier vorfindet.

© Markus Eck, 19.07.2001

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