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Interview: BLACKGUARD
Titel: Mit Herzblut, Mut & Pullen

Ein erstrebenswerter Zustand in einer emotional ziemlich unterkühlten Welt: Die Sinne jauchzen, die Seele erbebt, das Blut siedet und der gesamte Bewegungsapparat gibt sich schließlich ekstatisch dem berauschenden Diktat harschrasanter Kraftrhythmiken hin.

Kurzum, metallischmusikalisch wonniges Hörerleben nach Maß eben. Zugegeben, ein höchst seltenes Erlebnis. Doch dafür reicht es in diesem Falle, ganz einfach das nagelneue Langspielspektakel dieser kanadischen Klangkunsthandwerker auf- beziehungsweise einzulegen und der Lautstärke ihr absolutes Vorrecht zu überlassen.

„Profugus Mortis“ betitelt, verzückt diese wahre Superplatte nämlich mit einer springlebendigen stilistischen Viking Folk Metal-Mixtur aus dem elitären Schaffen von wüsten Nordhorden wie Thyrfing, Ensiferum und auch Finntroll.

Feierlich erfüllt von sensationeller Gitarrenarbeit und bemerkenswert pfiffig versehen mit einer fetten Extraportion an vollmelodischen Equilibrium’schen Ingredienzien, gelangen den Montrealern hier lauter zeitlose Hits.

Dabei dürfen natürlich auch monumental ausarrangierte Groß-Epiken höchst dramatischer Natur nicht fehlen, und die begnadeten Blackguard machen auch auf diesem Sektor alles richtig.

Sänger und Cheflyriker Paul Ablaze ist trotz seines vergleichbar jungen Alters bereits wohl so etwas, was man gerne einen alten Hasen nennt:

„Ich lernte glücklicherweise eine ganze Menge Wichtiges von den ganzen Bands, in denen ich zuvor war – nur mit diesem ganzen Wissen konnte ich dafür sorgen, dass sich die Geschicke bei Blackguard letztlich genau zu dem entwickelten, unter dem man uns heute kennt.“

Natürlich lief auch in der Historie seiner aktuellen Wellenbrechertruppe nicht immer alles komplett nach Plan, jedoch: „Ja, ich war mir ehrlich gesagt nicht immer ganz sicher, ob sich meine Pläne auch allesamt nach meinen Vorstellungen realisieren ließen, doch ich sollte glücklicherweise noch jedes Mal eines Besseren belehrt werden – denn der immens starke Zusammenhalt der Blackguard-Crew ließ es einfach nicht zu, dass sich Antriebslosigkeit breit machen konnte. Wir ziehen nämlich alle am selben kreativen Strang, was die Weiterentwicklung und den Werdegang der Band angeht.“

Wir gehen zur wirklich brillanten Saitenkunst auf „Profugus Mortis“ über.

„Keine Ahnung, wie es Kim und Terry geschafft haben, ihre Fertigkeiten dermaßen hoch nach oben zu entwickeln. Sie spielen alle beide ja schon seit so einigen Jahren Gitarre, und zudem üben sie auch heutzutage noch immer wie die Irren. Beide lieben das was sie hier tun – und das zahlt sich nun eben aus.“

Betrachtet man als geneigter Interessent das aktuelle Frontcover der neuen hochfidelen Schwarzwächterscheibe, dann fällt neben signifikanter Saufthematik unweigerlich auch eine gewisse Nähe zu gewissen historischen Trappergeschichten aus der Heimat der Gruppe auf.

Paul hierzu: „Mit der ganzen populären Piratenschiene verbindet mich eigentlich sowieso nichts. Das Bild auf der Platte basiert auf der vor allem in Quebec und auch darüber hinaus ziemlich berühmten alten heimatlichen Volkssage aus `La Chasse Galerie`: Darin geht es um eine Gruppe Holzfäller, welche weit entfernt von ihren Familien in der einsamen kanadischen Wildnis für den Lebensunterhalt hart schuften müssen. Vor lauter Heimweh lassen sie sich schließlich auf einen Pakt mit dem Teufel ein, um den Silvesterabend daheim mit ihren Lieben verbringen zu können. Eine wirklich großartige Story, an der mir vor allem der unbedingte Wille der Holzfäller gefällt, an diesem speziellen Tag mit ihren Familien und Freunden feiern zu können – dafür bringen sie ein großes Opfer.“

Wie der Vokalist zum lyrischen Kontext nachfolgend ebenso noch zu berichten weiß, befassen sich seine Songtexte jedoch mit einer ganzen Vielzahl an diversen Inhalten.

„Ach, das geht bei mir von besagten Quebecer Mythologien über allerlei fröhliche Saufbelange und brüderlichen Zusammenhalt bis hin zu dem Punkt, wo wir Menschen mit unserer geschundenen Welt mittlerweile angelangt sind. Alles, was mich irgendwie inspiriert, wird von mir für Texte verwendet – ich adaptiere und arrangiere die Dinge dann so, dass sie natürlich zu unserer Musik dazupassen.“

Gibt es etwas, was dieser unbekümmert erscheinende Musikus in seinem bisherigen Leben überhaupt so richtig bereut? Er zieht die Augenbrauen hoch:

„Ja, ich hätte viel mehr die Schulbänke drücken sollen, als ich noch die Chancen dazu hatte.“

Trotzdem, seine Träume lässt sich dieser Kerl von niemandem nehmen:

„Mein oberstes Ziel es ist es, mit dem was ich tue und was um mich herum geschieht, stets glücklich zu sein. Ich hoffe daher inständig, dass das vor allem auf musikalischer Ebene der Fall sein wird, denn ich habe so einen Riesenspaß daran beziehungsweise damit. Ich hasse die schlimme Vorstellung, dass das auf einmal für mich zu Ende sein könnte!“

Doch danach sieht es im Moment ja zum Glück noch lange nicht aus. „Die Leute sagen mir immer wieder, ich wäre ein sehr guter Frontmann – und ich schließe mich deren Meinung sehr gerne an“, platzt es abschließend noch voller Lachen aus dem ebenso trink- wie feier- und erzählfreudigen Kreischbarden heraus.

© Markus Eck, 20.02.2009

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