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Interview: BLAZING ETERNITY
Titel: Aufrecht dokumentierte Persönlichkeitsentwicklung

Diese musikalisch sehr eigenständig agierenden Kopenhagener katapultierten sich im Jahr 2000 mit ihrem hochatmosphärischen Debütalbum „Times And Unknown Waters” schlagartig in die oberste Atmospheric Doom Metal-Liga.

„Times And Unknown Waters” bot gar herrlich verarbeitete Einflüsse aus den Bereichen Black-, Doom- und Heavy Metal, gruftigem Gothic Rock und auch stimmiger Folklore, mit überragenden und zeitlos schönen Melodien versetzt. Blazing Eternity titulierten ihren darauf gebotenen Stil treffsicher „Nordic Night Metal”.

Für ihr aktuelles zweites Studioalbum „A World To Drown In” vollzogen die dramaturgisch veranlagten Dänen einen markanten Stilwechsel, welcher diese Band von einer völlig neuen, viel ruhigeren und primär träumerischen Seite zeigt.

Von einer erzählfreudigen Seite hingegen zeigt sich Nachtpoet Peter Mesnickow im Interview-Dialog.

„Die Stimmung innerhalb der Band ist momentan prima, obwohl wir alle irgendwie sehr gestreßt sind. Wir üben gerade auch sehr viel, um uns adäquat auf die anstehenden Shows nach der Albumveröffentlichung von `A World To Drown In` vorzubereiten, darunter auch das diesjährige Wave Gotik Treffen 2003. Darauf freuen wir uns besonders, weil wir Deutschland und das dortige Publikum lieben. Leider hatten wir über einen längeren Zeitraum keinen Probenraum zur Verfügung, weil der alte überflutet wurde. Nach langer Suche haben wir jedoch einen neuen, sehr großen Übungsraum, welchen wir uns mit The Loveless teilen”, gibt mir Peter eingangs preis.

Rasch hängt der ehemalige Hauptsänger von Blazing Eternity, welcher diesen Part nun Emotionalvokalist Morten Lybecker überlassen hat, erfreut an: „Die ersten Reaktionen und Kritiken auf unser neues Album sind entgegen unseren Erwartungen überwiegend positiver Natur, was uns total glücklich macht.”

Wie im Weiteren zu erfahren ist, erwarteten die dänischen Dramatiker nämlich, daß alle, welche „Times And Unknown Waters” gut fanden, ihren neuen Langspieler aufgrund der Stiländerung hassen würden. Doch laut Aussage von Peter ist das exakte, erfreuliche Gegenteil eingetreten. Trotzdem bleibt mein Gesprächspartner besonnen:

„In mir vereinen sich viele verschiedene Persönlichkeitsseiten. Die meisten sehen mich als offenen, höflichen und fröhlichen Menschen – doch ich vereine auch melancholische, depressive und wütende Facetten in mir. Letztere offenbare ich jedoch nur einigen wenigen Freunden, welche mich sehr gut kennen und damit umgehen können. Wenn ich mich in solchen negativen Stimmungen befinde, bevorzuge ich die Einsamkeit. Meistens schreibe ich dann Songtexte oder unternehme lange Spaziergänge, während derer ich über alles Mögliche nachdenke.”

Der neue Sound von Blazing Eternity unterscheidet sich doch sehr vom dem des Debütalbums. Peter expliziert hierzu:

„Obwohl sich `A World To Drown In` klanglich schon ziemlich von unserem ersten Album unterscheidet, erkennt man uns meiner Meinung nach trotzdem eindeutig wieder. Die neuen Atmosphären und Melodien sind denen des Debüts ziemlich ähnlich, nur in anderer Art und Weise gespielt. Für uns bestand absolut kein Reiz darin, `Times And Unknown Waters – Part Two` einzuspielen. Wir haben stets ein Bewußtsein für Weiterentwicklung im Kopf.”

Diesem wurde für das neue Werk auch in aller Konsequenz Rechnung getragen, wie sich Peter erinnert: „Sämtliche Tracks für das Debüt wurden zwischen 1995 und 1999 geschrieben, während die neuen Songs zwischen 2001 und 2002 entstanden. Seit der Fertigstellung der Lieder für `Times And Unknown Waters` haben wir uns sowohl als Musiker als auch als Persönlichkeiten doch erheblich weiter entwickelt.”

Wie er nachfolgend resümiert, fielen bereits einige Songs des Debütalbums schon ziemlich unterschiedlich aus.

„Unsere älteren Sachen waren mitunter doch sehr von Black Metal-Einflüssen geprägt, während unsere neueren Kompositionen um einiges mehr an Ruhe und Atmosphäre beinhalten. Wir gehören eindeutig nicht zu der Sorte Bands, welche ihre Musik mit aller Kraft unbedingt so schwermetallisch als möglich erhalten wollen. Solange wir der Meinung sind, daß sich unsere Stücke gut anhören und zur generellen Atmosphäre von Blazing Eternity passen, verwenden wir sie auch. Und wie schon gesagt: Wir lieben es uns weiter zu entwickeln und zu experimentieren.”

Das ist beispielsweise sehr gut im aktuellen Stück „Stars In July” heraus zu hören.

Der neue Albumtitel definiert laut Peter mehr oder weniger die das Album umfassende lyrische Thematik von „A World To Drown In”. Der Däne blickt zurück: „Die Namensgebung für das neue Album kam mir damals in den Sinn, als ich eine längere melancholische Lebensphase durchmachte. Ich war zu dieser Zeit ziemlich traurig über diese Welt mit all ihren Lügen und Drogen, ihrer Dunkelheit, Angst, Paranoia usw. Den Text zum betreffenden Titelsong verfasste ich, als diese traurige Lebensperiode von mir überwunden schien. Ich sortierte meine gewonnenen Eindrücke und schrieb sie nieder. Es ist nach wie vor ziemlich schwer für mich, meine Songtexte detailliert zu erläutern, da sie allesamt doch sehr persönlich gehalten sind. Die Textzeile `So give me a lifetime to see right through / give me a world to drown in you` dürfte das wohl am allerbesten verdeutlichen.” Ja, sehr poetisch und tiefgründig geworden; meinen Respekt dafür.

Maßgebliche Inspirationen für die Musik seiner Band sind laut Peter die direkten Umgebungen der einzelnen Mitglieder, sowie in erster Linie selbst konsumierte Musik, Literatur und Filme. „Sowie erlebte Gefühlsmomente und interessante Konversationen. Eigentlich alles, was bleibende Eindrücke in uns hinterläßt.”

© Markus Eck, 31.05.2003

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