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Interview: BRAINSTORM
Titel: Kontinuierlich frisch

„2013 haben wir uns total auf’s Songwriting und die Produktion des neuen Albums konzentriert“, lässt Gitarrist Torsten Ihlenfeld wissen.

In der Tat haben sich die beliebten schwäbischen Power Metaller um Ausnahmesänger Andy B. Franck lediglich für ein paar Festivals wie zum Beispiel Karmoygeddon in Norwegen, Graspop in Belgien und Masters Of Rock in Tschechien sowie ein paar Einzelshows entschieden.

Und von der besagten Hingabe der Band profitiert die Qualität der neuen Liederkollektion „Firesoul“ enorm. Mit dieser zehnten Platte beweist die 1989 gegründete Formation zeitgleich einen immensen Willen zur Ausdauer.

Typisch
„Wenn du mit ,typisch‘ Brainstorm sagen willst, dass ,Firesoul‘ eine geile Metal-Platte geworden ist? Und dass wir es wieder einmal geschafft haben, typisch nach Brainstorm zu klingen ohne auch nur ansatzweise verstaubt zu klingen? Sondern dass wir auch mit dieser zehnten Albumveröffentlichung noch frisch und hungrig klingen wie zu Anfangstagen? Ja, dann ist die neue Scheibe eindeutig typisch Brainstorm“, gibt ein freudig lachender Torsten sehr gut gelaunt zu Protokoll. 


Härter und schneller in Aufbruchsstimmung

Daraufhin gezielt befragt, was genau die geneigten Hörer seiner eigenen Einschätzung nach auf musikalischer Ebene auf der „Neuen“ erwartet, reißt der Mann die Augen weit auf. Dabei erhellt sich die Miene des Klampfers noch mehr:

„Vor allem eines – Heavy Metal. ,Firesoul‘ ist meiner Meinung nach härter und schneller als beispielsweise unsere letzten beiden Alben. Das Ganze klingt für mich wie eine Mischung aus ,Metus Mortis‘ und ,Soul Temptation‘. Allerdings und natürlich, wie das eben 2014, also zehn Jahre später, klingen muss. So ist auch die übergreifende Bandmeinung. Und wir sind verdammt stolz darauf, dass uns mit unserer zehnten Platte unserer Meinung nach etwas ganz Besonderes gelungen ist. Und dass wir es auf ,Firesoul‘ geschafft haben, die Vibes von oben genannten Alben - und die Frische und Kraft und Aufbruchsstimmung von damals – in ein aktuelles Soundgewand zu packen und einzufangen.“

Gegenseitiges Geben
Lebensfreude beziehungsweise eine lebensbejahende Einstellung gehören für Brainstorm auch sowieso ganz einfach dazu, so der Axeman.

„Wir haben jede Menge Spaß am, beim und während des Musikmachens, ob im Studio oder ganz speziell auf der Bühne. Und wir sehen uns in einer sehr privilegierten Lage, das tun zu können was uns Spaß macht. Dabei können wir auch noch anderen Menschen eine gute Zeit schenken oder auch Kraft geben in Situationen, in denen es vielleicht auch Mal nicht so gut läuft. Und dafür sind wir sehr dankbar und versuchen das so gut es eben geht durch geile Liveshows und gute Platten unseren Fans zurückzugeben. Wenngleich wir durchaus in unseren Texten auch Dinge beleuchten, die unseres Erachtens nach im Argen liegen. Bei aller Lebenslust wäre es fatal, mit Scheuklappen oder der berühmten rosaroten Brille durch’s Leben zu laufen. Wir sind uns unserer Verantwortung unseren Fans gegenüber, wie auch uns als Individuen unserem Planeten gegenüber durchaus bewusst.“

Voller Herzblut
Das Band-Gefüge harmoniert bei Brainstorm auf jeden Fall einfach hervorragend, so der Gitarrist.

„Wir kennen uns alle mittlerweile sehr lange, quasi in- und auswendig. Wir mögen uns, obwohl wir uns kennen, sozusagen. Und bei aller Harmonie: Bei uns fliegen durchaus Mal, in positivem Sinne, die Fetzen, vor allem in der kreativen Phase, also während des Songwritings. Und das ist auch genau richtig so, denn das zeigt, mit wie viel Herzblut jeder einzelne von uns nach wie vor bei der Sache ist. Und das immer mit dem größten Respekt voreinander. Respektlosigkeit und Gleichgültigkeit sind mit das Schlimmste, was einer Band (und auch Menschen im Allgemeinen) passieren kann. Wir versuchen immer, das Bestmögliche rauszuholen. Und das geht nur mit Ideen und Input jedes Einzelnen. Und mit angeregten oder gerne auch mal hitzigen Diskussionen. Und eben mit fünf Individuen, die zwar jeder für sich ein eigenes Ego haben, aber sich letztendlich dem bestmöglichen Ergebnis für die Band unterordnen können. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!“

Auf dem Boden geblieben
Die allergrößte Stärke der neuen Brainstorm-Lieder sieht der Mann laut eigener Aussage direkt in der Ehrlichkeit der Kompositionen an sich.

„Hinter unseren Songs steckt kein Kalkül, sondern die Liebe zur Musik und zum Metal. Wir sind ja nach wie vor selbst Fans und wenn’s nicht rockt ist es bekanntlich für’n Arsch! [lacht] So denken, hören und fühlen wir unsere Songs, die vor allem erstmal vor uns selbst bestehen müssen. Und um ein bisschen fach-spezifischer zu werden: Ich glaube man hört unseren Nummern an, dass hier Metaller die Songs schreiben. Und dass die Riffs und Songs an sich ihren Namen auch noch verdienen. Wir sind alle mit den ganz Großen unserer Szene aufgewachsen. Und wir haben als Fans erleben dürfen, wie richtige Songs auf einen selbst wirken. Und das versuchen wir mit unseren eigenen Kompositionen. Wir versuchen, Songs mit Herz und Seele – und mit Power – zu schreiben. Denn: A good song is a good song is a good song. Punkt.“

Wir sprechen nachfolgend über das grundsätzliche Songwriting der Band. In der Regel liefert er mit seinem Gitarrenkollegen Milan Loncaric zunächst die Basics an, wie Torsten Einblick gewährt. 



„Sprich, einem Song in Rohform oder einem geilen Riff. Daraus entsteht dann im Proberaum zusammen mit unserem Drummer Dieter und Bassist Antonio das Grundgerüst eines Songs, bevor Andy dann seine Ideen beisteuert und erste Melody-Lines und Lyrics entwirft. Dann arrangieren und feilen wir alle zusammen ganz klassisch im Proberaum an den Songs, bis wir dann mal eine erste Aufnahme davon machen. Und dann geht’s an die Feinarbeit. Man sieht, eine sehr traditionelle Herangehensweise. Wir nehmen uns für das Songwriting so viel Zeit wie möglich. Aber wenn man sich so lange kennt, ist der kreative Prozess, zumindest meistens, wie eine gut geölte Maschine, die, wenn Sie Mal läuft, nur schwer aufzuhalten ist. Jeder weiß, wie der andere tickt, oft auch, wie der jeweils andere sich den Song oder einen bestimmten Part vorstellt, sodass es oft relativ weniger Worte bedarf, bis bei einem Song mal das Fundament steht.“

Mit offenen Augen am Werk
Textlich handelt „Firesoul“ von einem Sektenanführer, der versucht auszusteigen, aber von seinen „Gefolgsleuten“ mit Folter zum Weitermachen getrieben wird.

„Hiervon haben wir auch einen Videoclip gedreht, in dem wir versucht haben, das Thema auch visuell umzusetzen.“

So fühlt der Schwabe sich zuweilen selbst wie eine Feuerseele in dieser Welt, wie er offenbart.

„Soziale Gerechtigkeit ist leider ein Thema, dass viele Menschen nicht mehr zu interessieren scheint. Jeder ist sich selbst der Nächste, ,nach mir die Sintflut‘ denken viele … und so weiter. Wegschauen statt helfen. Ja, es wäre zu wünschen, die Menschheit würde sich ein wenig besinnen. Die Erde braucht uns nicht, aber wir brauchen die Erde. Und wenn jeder nur ein bisschen dazu beitragen würde, dann wären wir schon einen ganz großen Schritt weiter.“

Direkt aus dem Leben
Was die lyrischen Inhalte der neuen Lieder generell betrifft, da geht es ganz unterschiedlich zu, so der Klampfer.

„Es gibt so viele interessante und auch brisante Themen über die es sich lohnt zu schreiben, da haben wir uns noch niemals auf nur ein einzelnes Thema eingeschossen. Wir wollen durchaus ab und an den Finger in brisante Belange legen oder Dinge aus unserer Sicht aufzeigen. Wir nehmen für uns aber nicht in Anspruch, mit erhobenen Zeigefinger durch die Weltgeschichte zu laufen. Wir wollen manche Dinge, die es unserer Meinung nach Wert sind sich damit zu beschäftigen, etwas beleuchten und eventuell auch mögliche Lösungsansätze aufzeigen. Auf der anderen Seite gibt es auch manchmal einfach nur schöne, positive Geschichten (oft mit realem Hintergrund) zu erzählen, die genauso jeden Tag passieren wie negative. Das Leben ist kein Ponyhof, aber auch keine Löwengrube. Und ein Stück weit sind wir selbst dafür verantwortlich, ob das Glas jetzt halbleer oder doch lieber halb voll ist. Aus unserer Sicht ist es halbvoll, Tendenz steigend“, proklamiert er lachend.

Hungrig nach Energie
Seine allerschönsten Momente beim Musikmachen empfindet Torsten, wie er bekennt, direkt beim Songwriting. „Zum einen ist da das Gefühl, kreativ etwas zu erschaffen oder erschaffen zu können, was andere Menschen erfreut. Zum anderen finde ich es dabei großartig, die Energie zu spüren, während ein neuer Song entsteht. Und natürlich liebe ich die Liveshows, die Energie auf der Bühne, die Kommunikation mit dem Publikum, den Kontakt zu den Fans … die Kunst ist der Wein des Lebens und der Applaus des Künstlers‘ Brot! Wir hoffen natürlich, dass ,Firesoul‘ unseren Fans ebenso gefällt wie uns. Und dass es künftig jede Menge Live-Shows gibt. Und mindestens weitere zehn Alben und weitere 25 Jahre Brainstorm! Denn genau das wollen wir 2014 mit unseren Anhängern feiern!“

© Markus Eck, 20.03.2014

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