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Interview: BURN MY SHADOWS
Titel: Eng zusammengeschweißt

Scheinbar wie aus dem Nichts explodierten diese potenten Newcomer in mein musikalisches Bewusstsein hinein.

Kein Wunder, denn die wirklich extrem kontrastreichen Kompositionen von Burn My Shadows halten einen heftig auf Trab! Die begabte Gruppe, gegründet im Frühjahr 2008, bietet euch spürbar ehrlich gemachtes Intuitivkönnen, zudem merklich geprägt von starken idealistischen Visionen.

Letzteres schließt neben einer scheinbar gigantischen Black Death Metal-Soundwand hochmassiver Zusammensetzung auch die kompromisslose Umsetzung des ausgeprägten Sinnes aller Beteiligten für kreative Ästhetiken mit ein.

Zu erfahren ist solcherlei willkommenes Treiben auf dem aktuellen Donnerdebüt „Havoc“, einem wahrlich mächtigen Albumschlag.

Recht selten sind sie bekanntlich geworden, die speziellen Bands aus dem Metier, die auf diese noble, niveauvolle und eben durchdachte Weise vorgehen – inmitten immer expliziter präsenterer Extreme voller Abgestumpftheit, Ekel und Verrohung.

Da sind die sechs gut aufeinander eingespielten Bajuwaren hier schon von ganz anderem Kaliber.

Und sie feuern ihre künstlerische Munitionierung gut gezielt und daher treffsicher aus allen Rohren; wovon man sich nicht zuletzt auch mittels ihres erfreulich signifikanten Melodiegespürs überzeugen kann.

Im Interview vermittelt sich Gitarrist Chris durch bodenständige und vernünftige Ansichten. „Ja, weil wir das wollen, machen, können! Jeder von uns ist ein Teil. Zusammengefügt ergibt es das, was Burn My Shadows zelebrieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Jeder bringt sich auf seine Weise in die Band ein. Die Chemie und Muse stimmt einfach zwischen den Bandmitgliedern und genau das ist es was uns dazu antreibt“, entfährt es dem Saitenmann, von mir darauf angesprochen, warum er und die Band genau das tun, was sie tun, also genau solcherlei Musik kreieren.

Auf besagtem Debütalbum „Havoc“ erwartet die Hörer primär sehr abwechslungsreicher Black Death Metal, so Chris.

„Melodiös und emotional, gepaart mit groovigen brachialen Parts. Der Gesang ist sehr experimentierfreudig, bewegt sich aber meist im grunzigem Death- und kreischendem Black Metal-Gesang. Für uns ist Metal ohnehin nicht nur eine Musikrichtung, sondern sehr viel mehr. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir diese Musik Kraft gibt und mir in schwierigen Lebenssituationen hilft, diese zu überwinden. Für meine Bandkollegen ist es genauso. Das ist es was uns noch enger zusammenschweißt. Wahrscheinlich bringen wir gerade dies in unserer Musik zum Ausdruck.“

Der Keyboarder des Trupps ist ein echt fähiger Mann. Durch sein fingerfertiges Spiel geraten die Stücke zu gigantischen musikalischen Monumenten, wie ich finde. Chris geht hierzu gerne näher darauf ein:

„Das Grundgerüst der Songs steht meistens schon, ehe sich Jim mit seinen Parts mit einbringt. Wir lassen ihm aber dabei alle Freiheiten, die Lücken der Songs mit seinem eigenen Melodien und seinem Sound zu schließen.“

Den Großteil der Songs auf der Scheibe hat er selbst geschrieben, wie mein Gesprächspartner erläutert.

„Den Song „Rabenschrei“ haben wir unserem zweiten Gitarristen Geri zu verdanken. Die Synthie-Sachen hat Jim beigesteuert. Musikalische Einflüsse gibt es genug - aber ich will hier nicht jede einzelne Band aufzählen. Am meisten haben mich Bands aus dem Black- und Death Metal-Bereich beeinflusst.“

Alle Texte hingegen stammen laut Chris von Vokalist Eugen. „Unser Sänger ist ein sehr emotionaler Mensch mit sehr viel Lebenserfahrung. Ich glaube, er könnte, wenn er möchte, einen ganzen Buchband an Songtexten schreiben - egal ob jetzt aus eigener Erfahrung oder zu kritischen Themen aus Politik und sonstiger Scheiße, die auf dieser Welt passiert.“

Das aktuelle Album-Frontcover steht für das Ende der bekannten Welt, welches laut Auffassung der Band letztendlich der Mensch verschulden wird. Chris spricht: „Die Kirche auf dem Bild soll bedeuten, dass es auch keine Religion schaffen wird die Menschheit vor dem „Havoc“ zu bewahren.“

Bei der großen Menge an melodisch ausgerichteten Black Death Metal-Bands, die es zurzeit gibt, existieren darin mit Sicherheit noch viele Künstler, die sich von den anderen Formationen des gleichen Genres absetzen. Da ist sich jedenfalls Chris sicher:

„Die Meinungen der Leute gehen hier sicherlich weit auseinander, darum will ich hier auch keine Bands nennen. Die Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr unterschiedlich, was andererseits ja wieder positiv ist. Burn My Shadows kann man eigentlich nirgends so richtig einordnen, da einfach zu viele Faktoren auf unsere Musik einwirken. Am besten aber könnte man es als „Ästhetischen Black Death Metal“ umschreiben. „Havoc“ ist sicherlich auch sehr melodisch, aber direkt in die Schublade „Melodic Black Death Metal“ würde ich die Band nicht stecken.“

Burn My Shadows, so der Gitarrist, haben zwar als Band eine gewisse Vorgehensweise, um neue Songs zu schreiben, aber: „Wie schon erwähnt machen wir, was uns gefällt und das funktioniert prächtig.“

Chris erhofft sich für 2011, wie er noch offenbart, dass die Songs des neuen Albums in viele Ohren gelangen und dass er „Havoc“ mit seinen Kerlen einem breiten Publikum auf möglichst vielen Bühnen präsentieren kann. Er verkündet zu diesem Kontext: „Momentan sind wir dazu in der Planungsphase. Wir möchten natürlich jede Menge Gigs spielen. Mal schauen, was sich so alles ergibt.“

© Markus Eck, 06.11.2010

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