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Interview: CHILDREN OF BODOM
Titel: Rasende Symphonien

Die flinken Finnenbengel Children Of Bodom haben mit ihrem aktuellen dritten Album alle mit den Vorgängerscheiben geweckten Erwartungen sowie sämtliche an die Band gestellten Anforderungen hinsichtlich ihrer Weiterentwicklung bravourös erfüllt.

Sorgte die größtenteils aus Helsinki stammende Melodic Death Metal-Band um den sagenhaften Gitarrenartisten und Flitzefinger Alexi Laiho schon mit dem 1998er Debüt „Something Wild“ und dem schmissigen Nachfolger „Hatebreeder“ schon jeweils für Furore, wird es auch diesmal offene Münder geben ob des gigantischen Potentials von Children Of Bodom.

„Follow The Reaper“, so der auffordernde Titel des neuen Werkes, enthält abermals quirlig speedige Mitgeh-Nummern in Hülle und Fülle, die mit hohem technischen Können gespielt werden und die vor eingängigen Melodien nur so strotzen.

Erfreulicherweise wurden diesmal die Keyboards nicht mehr allzu sehr in den Vordergrund gemischt, so daß der kraftvolle und energiegeladene Sound des spielfreudigen Quintetts in seinem bisherigen Optimum zum tragen kommt.

Laihos ekstatische Riffs entladen sich abermals in wahren Gitarrengewittern, welche sich donnernd und mächtig Bahn brechen.

Sich stellenweise gar selbst überholend, zieht er erneut sämtliche Register seines umfangreichen Repertoires.

Der für sein enormes Können noch relativ junge Saitengenius genießt in der einschlägigen Szene bereits hohes Ansehen.

Überhaupt, das ganze Album ist erneut ein wunderbarer Reigen an zündenden und knackigen Songs, die für einen Liebhaber dieser Sparte eine reine Wonne darstellen können.

Die Mischung macht es, und die stimmt hier eben ganz einfach. Solchermaßen beeindruckt, mache ich Bassist Henkka Blacksmith meine persönliche Aufwartung, um für Metalmessage letzte News über den anstehenden Release der nordischen Zorneskinder einzuholen.

„Ja, der Sensenmann ist wie schon auf den Vorgängern auch auf der aktuellen Scheibe vertreten. Er ist sozusagen die Leitfigur in unserer Musik. Wir werden diese optische Linie auch beibehalten. Ich würde ihn aber deswegen jetzt nicht als das Maskottchen der Band bezeichnen. Er reflektiert eben perfekt unsere in den Songs verarbeiteten Thematiken. Auf der aktuellen CD ist er samt dem Lake Bodom und einigen Grabsteinen zu bestaunen, was meiner Meinung nach sehr gut zueinander paßt“, entgegnet dieser prompt, auf das Frontcover-Artwork von „Follow The Reaper“ angesprochen.

Lake Bodom: Im Sommer 1960 ereignete sich an diesem finnischen Fluß eines der schlimmsten Verbrechen der dortigen Kriminalgeschichte.

Ein Irrer metzelte dort in einer Nacht vier zeltende Teenies nieder.

Drei starben an den Messerstichen; einer überlebte, erlitt aber durch den Schock einen Gedächtnisverlust.

Der Mörder wurde nie gefaßt. Soviel zum Bandnamen.

Das derzeit in den Regalen bereit stehende Tondokument stellt aus meiner Sicht das bisher technisch ausgereifteste und überlegteste Album der Kinder von Bodom dar, was sich mit jedem weiteren Hördurchlauf verfestigten kann.

Wie siehst du denn selbst die aktuelle Sachlage, Henkka? Und erzähl mir bitte nicht, die neue Scheibe sei die Beste, die ihr je veröffentlicht habt!

Der Mann bleibt trotz aller musikalischen Klasse liebenswert bescheiden:

„Natürlich lieben wir unser neues Album und sind auch verdammt stolz drauf. Es steckt ein unvorstellbarer Arbeitsaufwand dahinter. Ob es unser Bestes ist, werden die Fans entscheiden. Wir als Musiker benötigen erst mal etwas Abstand zu der Sache, um dann ein endgültiges Urteil abzugeben. Einige Leute sagten schon, daß unser aktuelles Material stark vom bisher gewohnten differieren würde, was ich aber nur bis zu einem gewissen Punkt teile. Wir haben lediglich den Melodic-Faktor noch etwas nach oben geschraubt und die Songs mögen dadurch ein wenig entschärfter erscheinen. Auch Alexi singt seine Vocals in einer melodischeren Variante. Unsere Grundhärte haben wir nach wie vor beibehalten, worauf wir auch großen Wert gelegt haben. Deswegen agieren auch die Keyboards nun nicht mehr so vordergründig. Wir spielen ja immerhin noch Metal, und der sollte einfach hart und vor allem druckvoll sein“, so Mr. Blacksmith zu ersten Meinungen zum neuen akustischen Straßenfeger seiner Band.

Mir persönlich sagt die transparente und detailverliebte Produktion von „Follow The Reaper“ in hohem Maße zu, die erstmals außerhalb der Heimat der Jungs gefahren wurde.

So nahm die Band bei keinem geringeren als Producer-Mastermind Peter Tägtgren im renommierten Abyss-Studio in Schweden auf. Henkka erinnert sich:

„Wir wollten diesmal einfach mal einen anderen Produzenten haben, der sich unserer Songs annimmt. Nicht, daß wir mit dem alten unzufrieden gewesen wären, aber da wir uns von der musikalischen Erscheinungsweise her etwas aufgestylt haben, entschieden wir uns dann auch, mal woanders aufzunehmen. Und es hat sich sehr gelohnt. Das bewährte Team Tägtgren/ Lars Szöke hat auch bei uns wieder super funktioniert. Unser Material war komplett fertig, als wir das Studio enterten, und die beiden redeten uns auch nicht in die Kompositionen rein. Aber was Peter und Lars aus unseren Stücken noch alles raus holten, ist schon sagenhaft. Peter kreierte einen völlig eigenen Sound für uns. Und da er selber bei Hypocrisy singt, gab er Alexi viele enorm brauchbare Tips, die dieser an Ort und Stelle gleich prima umsetzen konnte. Da Peter bei seiner Band auch die Keys spielt, profitierte sogar unser Mann an den Tasten, Janne Wirman, ebenso in erheblichem Maße von den erfahrenen Ratschlägen des Mischpult-Masters. Wir sind den beiden Haudegen und dem Studio allesamt sehr dankbar! Vielerortens vernimmt man zwar Klagen, daß nun wirklich jede Band bei Peter aufnimmt, aber er ist nun mal einfach der Beste. So kommt man bei einem gewissen Anspruch bezüglich der Qualität der vorhandenen Studiotechnik und einem entsprechend adäquaten und kompetenten Betreuungspaket gar nicht um das Abyss herum.“

© Markus Eck, 02.10.2000

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