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Interview: CHILDREN OF BODOM
Titel: Haßerfüllter Inhalt

Welcher Schwermetallfreak kennt sie nicht oder hat zumindest schon einmal irgendwie von ihnen gehört?

Die Rede ist von den wieselflink aufspielenden Hochgeschwindigkeitsfanatikern Children Of Bodom. Ja, genau, diese schwermelodischen Finnenraser, welche ihren Bandnamen nach einem bekannten einheimischen See und den dort geschehenen Verbrechen gewählt haben. Verbrecherisch gut sind auch ihre bisherigen drei Alben „Something Wild“, „Hatebreeder“ und „Follow The Reaper“ anzuhören.

Diese boten erfreulich durchdacht komponierten und vor allem hervorragend instrumentierten pfeilschnellen Blackend Melodic Death Metal mit massiver Keyboardkonturierung, welcher durch die mitreißende Art seines Vortrages wahrlich elektrifizierende Wirkung innehat.

Während der ruhige Lake Bodom sehr reizvoll anzusehen ist, ist die bewegungsfreudige Musik von Children Of Bodom hingegen sehr genußvoll zu hören.

Vor nicht allzu langer Zeit hat das spieltechnisch überragende Quintett um Gitarrenflitzefinger und Frontvokalist Alexi „Wildchild“ Laiho nun die Aufnahmen zum vierten Langeisen hinter sich gebracht.

So ruft mich Alexi kurzerhand aus der Schweiz an, wo die fünf schnellen Bodom-Kinder an diesem Abend ihrem dortigen Auditorium noch kräftig einheizen sollten, um Einzelheiten zum neuen Werk in Erfahrung zu bringen.

„Entgegen dem Albumvorgänger `Follow The Reaper`, welcher im Abyss aufgenommen wurde, haben wir die neue Scheibe diesmal wieder wie unsere ersten beiden Alben in den Astia Studios in unserem Heimatland von Producer Anssi Kippo aufnehmen und produzieren lassen. Das neue Album wird den Titel `Hate Crew Deathroll` tragen. Es steckt keine tiefere Bedeutung dahinter, wie man vielleicht annehmen möchte. Wir, Children Of Bodom, sahen uns schon immer als `Hatecrew`, welche hochmelodischen, aber knallharten Todesstahl spielt. So ist der Titel komplett auf uns als Band bezogen“, gähnt der Gitarrenhexer zu Anfang aus meinem Telefonhörer.

Und es soll nicht das letzte Mal während unseres Interview-Gespräches sein, dass sein Körper auf diese spezielle Art und Weise einen gravierenden Sauerstoffmangel auszugleichen versucht.

Children Of Bodom befinden sich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs nämlich gerade mit Sinergy auf Europa-Tour.

Also mit der Band um Stahlröhre Kimberly Goss, in welcher ihr ehemaliger Freund Alexi nach wie vor seine Saitenkünste unter Beweis stellt.

Ehemaliger Freund? Alexi: „Ja, wir haben uns vor einiger Zeit getrennt, aber in aller Freundschaft. So spiele ich aber nach wie vor bei Sinergy Gitarre.“

Nach dieser Info leite ich schnell zu den neuen Songs über.

Und Alexi berichtet zum Opener von „Hate Crew Deathroll“:

„Wir haben ihn `Needle 247` betitelt, was ein Slangbegriff ist. Von der Bedeutung ungefähr mit `Pissed Off`zu vergleichen; nach dem Motto: `24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche` dieselbe Scheiße machen zu müssen und vollkommen angepisst davon zu sein. Obwohl es ein typischer Bodom-Track ist, superschnell und melodisch, haben wir doch auch die eine oder andere Überraschung eingebaut, wie beispielsweise leichte Industrialanleihen. Die Fans werden überrascht sein, den Song aber sicher genauso wie unsere anderen Tracks lieben.“

Die zweite Neukomposition erhielt laut Alexi den Titel „Six Pounder“, was sich auf Kanonen aus dem 19. Jahrhundert bezieht:

„Wie schon `Needle 247` birgt auch `Six Pounder` die eine oder andere Überraschung im gewohnten Sound; wir haben hier erstmals sogar leichte New Metal-Einflüsse verarbeitet. Ansonsten ein weiterer Song in der Art, wie man es von uns gewöhnt ist.“

Der dritte Brecher auf „Hate Crew Deathroll“ ist ihnen anscheinend besonders gut gelungen, wie zu erfahren ist:

„`Joke Hold` ist genau das, was wir unter einem gitarrenorientierten Track verstehen. Sehr schnell, total catchy und mit einigen wirklich coolen Keyboardleads“, gab der Children Of Bodom-Maincomposer zu Protokoll, und fügte hörbar grinsend an, daß das vierte Stück des vierten Albums „Bodom Beach Terror“ getauft wurde. „Wie der Titel schon andeutet, geht es hier lyrisch mit sehr schwarzem Humor erneut um die Taten des Serienkillers vom Lake Bodom. Dieses Stück ist sehr, sehr heavy gehalten, ein sehr abwechslungsreicher Midtemposong mit einigen speedigen Einlagen und einem herrlichen Solo.“

Der nachfolgende Stampfer „Angels Don´t Kill“ ist ein für die Verhältnisse der Finnen extrem langsamer Song geworden, wie Alexi fortfährt.

„Der Song hört sich total depressiv an. Erneut ein wirklich sehr heavy arrangierter Track, auf dem ich trotzdem eine für mich höchst zufriedenstellende Gitarrenarbeit abgeliefert habe. Worüber es textlich geht, kann man sich aufgrund des Titels ja schon denken.“

Man kann. Deswegen schwenken wir gleich zu Song Nummer sechs über, namentlich „You´re Better Off Dead“:

„Ein sehr aggressiver und erneut ein für uns sehr typischer Track mit griffiger Melodik. Textlich dreht sich `You´re Better Off Dead` hauptsächlich um eine `Fuck you, I hate you!`-Attitüde, wie sie eigentlich lyrisch das ganze neue Album durchzieht.“

Beim achten Song „Blood Red Riding Hood“ wurde Alexi das einzige Mal kompositorische Unterstützung vom seinem Gitarrenkollegen Alexander Kuoppala zuteil, wie abschließend noch zu erfahren ist:

„Ein totaler Children Of Bodom-Knaller, supermelodisch und von sehr aggressiver Grundstimmung. Der Song mit dem definitiv schwarzmetallischsten Flair auf unserem neuen Album. Textlich eine Art aufsässige und sehr coole Kiddie-Story, aber bestimmt nicht im Disney-Style“, lacht Alexi schelmisch, um dann schließlich den letzten Song auf „Hate Crew Deathroll“ als den Titelsong preiszugeben, welcher laut eigener Aussage typischer für seine Band gar nicht sein könnte.

© Markus Eck, 01.12.2002

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