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Interview: COVENANT
Titel: Nordische Impressionen

Sänger und Frontmann Eskil Simonsson, Keyboarder Joakim Montelius sowie Tastenmann Klas Nachmanson, besser bekannt als Covenant, waren seit jeher hochanspruchsvolle Sound-Perfektionisten.

So zeichnet sich auch „Northern Light“, das neue und fünfte Studioalbum der beliebten schwedischen Edelelektropopper durch unweigerlich in die Beine gehende Digitalrhythmik und in faszinierender Art und Weise aneinander gefügte Klangcollagen mitunter sehr surreal anmutender Natur aus.

Das Anzug tragende Elektroniktrio sieht hinter der Entwicklungsgeschichte zu „Northern Light“ einen rein natürlich entstandenen Prozess.

„Die neuen Songs gingen uns leicht von der Hand, obwohl sie sich vielleicht aufwändiger anhören. Wir befanden uns während des Songwritings zu `Northern Light` in einem sehr emotionalen, stimmungsvollen und ungewohnt sanften Geisteszustand. Die so entstandene Musik spiegelt unsere verarbeiteten Gefühle wider, wir suchten schon immer die perfekte Verbindung zwischen Seele und Musik. Unserer Meinung nach ist die beste Musik die, welche direkt aus dem Innern der Musiker nach draußen dringt, einen Soundtrack ihres Lebens darstellt“, gibt Traumklangzauberer Joakim einleitend zu Protokoll.

Er knüpft an und offenbart Unerwartetes.

„`Northern Light` wurde während einer eher verworrenen und ziemlich verzweifelten Bandsituation geschrieben. Unser Sänger Eskil zog nach Berlin und hatte sich dort erst mal den neuen und doch sehr ungewohnten Lebensgegebenheiten anzupassen, ich war frustriert von meinem Leben hier in Schweden, suchte nach einem Ausweg und dachte viel daran, gravierende Änderungen vorzunehmen; was ich auch jetzt noch tue. Normaler- und verständlicherweise tragen solche Begleitumstände nicht gerade dazu bei, leichtverdauliche Tanzmusik zu kreieren, was das neue Album zu einer recht ernst klingenden Scheibe werden ließ.“

Diesem Statement zufolge enthält „Northern Light“ überwiegend negative Gefühlswallungen, welche Joakim präzisiert. „Es flossen Emotionen über Verlust, Frustration, Melancholie, Stress, Hoffnungslosigkeit, heruntergeschluckten Ärger und auch das Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, ein.“

Zieht man den aktuellen Albumtitel in Betracht, spekuliert man schnell auf eine Relation zur Heimat des Dreiers; eine Ansicht, die der Keyboarder im Großen und Ganzen teilt.

„Die hier bei uns in Schweden ständig präsente, typisch skandinavische nördlich kalte Romantik hat uns zwar von Bandbeginn an geprägt, aber die auf `Northern Light` verarbeiteten kalten Gefühlsebenen können einen auch in Kanada oder Russland beschleichen. Doch obwohl wir an die Menschen und nicht an Nationen glauben, üben die Natur und das Klima bei uns einen immensen Einfluss auf die Gemüter der hier lebenden Menschen aus, so auch auf uns.“

Das brachte eine trotz aller enthaltenen Melancholie vielseitig klingende Veröffentlichung hervor, die viele akustische Facetten aufweist, denen interessante Einflüsse zugrunde liegen, wie Joakim resümiert.

„Covenant ließen sich ja schon immer von einem sehr weiten Musikspektrum beeinflussen, doch diesmal lief irgendwie sowieso alles anders als bisher gewohnt. Wir gingen erst in uns, dann zurück und entdeckten einige Singer und Songwriter der 1960er und -70er neu, so beispielsweise Van Morrison`s `Astral Weeks`, Leonard Cohen, Springsteen`s `Nebraska` oder auch Jeff Buckley. Es brachen sich aber natürlich auch wieder unsere Vorlieben für Acts wie Radiohead, Primal Scream, Depeche Mode, Pan Sonic, Suicide oder New Order Bahn.“

© Markus Eck, 27.09.2002

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