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Interview: CRAVING
Titel: Dauerhafte Willensstärke

2005 gegründet, hielt diese Oldenburger Melodic Black Death Metal-Truppe unter der Führung von Sänger und Gitarrist Ivan Chertov glücklicherweise an ihrer musikalischen Vision bis heute fest.

Kürzlich erschien das gelungene, selbst betitelte Debütalbum und Craving, mittlerweile in Quartett-Formation tätig, konnten damit einen echten Treffer im völlig überlaufenen Genre landen. Denn die entschlossenen Niedersachsen unter dem russischstämmigen Idealisten Chertov liefern auf „Craving“ eine gekonnt umgesetzte Mixtur.

Letztere setzt sich wirkungsvoll aus lustvoll peitschender Härte, überraschungsfreudiger Dynamik, ausgeprägtem Variantenreichtum und oftmals rasch zündenden Melodien zusammen.

„Das ist für mich die Art, um mich auszudrücken. Manche Menschen malen, die anderen treiben Sport oder sonst was, und ich musiziere und betreibe eine Band“, antwortet Ivan kurz und knapp auf die Frage, was das Arbeiten mit Craving ihm primär bedeutet.

Der Craving-Frontmann holt dazu noch weiter aus:

„Ich lebe und atme Craving. Ich beschäftige sehr viel mit der Band. Vieles wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht Druck gemacht hätte. Das Ganze nimmt also einen großen Stellenwert in meinem tagtäglichen Leben ein.“

So hat ihn laut eigenem Bekunden vor allem sein eiserner Wille, diese Band durchzusetzen, als Künstler am Leben gehalten. „Manchmal war es ganz schön hart, beispielsweise als die Hälfte der Band ausgetauscht werden musste. Aber wie heißt es so schön: ,Was mich nicht tötet, macht mich stärker‘.“

Wie er im Weiteren unumwunden darlegt, stellen für Ivan das Leben, die Freude am Leben und die Gesundheit und das Wohlbefinden von seinen Mitmenschen und ihm selbst das Heiligste auf dieser Welt dar.

Hört man die aktuellen Kompositionen auf dem Album, so bemerkt man als Craving-Kenner rasch einen recht großen Qualitätssprung von den damaligen Demos bis heute. Ivan hierzu:

„Zwischen der Demos und heutigem Album steht zum Beispiel eine komplette Umbesetzung der Band. Außerdem entwickelt man sich über die Jahre als Mensch und Musiker. Die ,Demo 2006‘ hatte eine sehr raue Produktion und man hörte, dass die Band zu der Zeit noch keinen richtigen Weg eingeschlagen hatte. Hingegen hat die ,Revenge‘-EP schon grob die Richtung des aktuellen Materials angegeben, aber sie litt ebenfalls unter einer schlechten Produktion. Zwei Stücke von der ,Revenge‘-EP wurden dieser CD entnommen, umarrangiert und extra neu eingespielt. Wir haben für das Debütalbum ein richtiges Studio gebucht und mit Leuten zusammengearbeitet, die ihr Handwerk verstehen. Das Ergebnis kann sich wie ich finde hören lassen, produktionstechnisch es gibt allerdings immer einen Weg nach oben. Und ich hoffe, wir werden das Niveau weiterhin halten und ausbauen können.“

Bisher konnten die Oldenburger mit der aktuellen Band-Besetzung erfreulich gut fahren.

„Es macht sehr viel Spaß mit der Band unterwegs zu sein. Wir kommen bestens miteinander klar. Zum Glück herrscht Harmonie in der Gruppe und ich hoffe, dass es auch so bleibt. Falls unser Bassist Eugen arbeiten muss, hilft uns ein Freund der Band am Bass aus. Sein Name ist Leonid Rubenstein und er ist ebenfalls ein toller und sehr talentierter Zeitgenosse.“

Wir gehen zu den Songtexten beziehungsweise der Bedeutung von deren Inhalten über, und Ivan weiß dazu zu erzählen:

„Das ist unterschiedlich. Der größte Teil der Craving-Lyriken beschäftigt sich mit der Natur, wie beispielsweise in den Liedern ,Revenge‘, ,By The Blowing Wind‘ und ,Into The Forest‘. Wir erzählen aber auch frei erfundene Geschichten, wie in den Songs ,Wolfsherz‘, ,Ein Funken Abendrot‘ oder in ,Lug und Litanei‘ sowohl als auch Legenden wie in ,The Song Of The Prophetic Oleg‘ und sogar auf realen Ereignissen basierende Lyriken wie in ,Lord Of The Flames‘. In letzterem Track geht es um den Untergang von Pompeji. Darüber hinaus haben wir das Stück von einem russischen Dichter des Silbernen Zeitalters, Nikolay Gumeljow, als Lyrik verwendet. Das Gedicht stammt aus dem Jahre 1921 und ist in seinem Gedichtband ,Die Feuersäule‘ zu finden. Es handelt sich darin um einen afrikanischen Brauch: Wenn man einem erjagten Leoparden nicht sofort die Schnauzhaare abbrennt, so wird der Geist des Leoparden, gemäß dieses Brauchtums-Glaubens, den Jäger für immer und ewig verfolgen. Unsere Lyriken sollen den Hörer fesseln und ihn dazu bringen, sich mit den Themen näher zu befassen.“

Ob er Inhalte der Lyriken von der inhaltlichen Tragweite auch in seinem ganz persönlichen Dasein vorfinden kann, lautet die nächste Fragestellung. Ivan überlegt kurz, dann offenbart er:

„Der Song ,Revenge‘ entstand vor Jahren aus einer Laune heraus, als sich meine ehemalige Band trennte. Damals fand ich die Trennung nicht in Ordnung, jetzt kann ich glücklicherweise darüber lachen und bin den Leuten nicht mehr nachtragend. Der Text blieb jedoch, es handelt sich allerdings nicht um die Ereignisse von damals, sondern nur um das Gefühl welches ich dabei empfand.“

Im Kontext des Dialoges geht es speziell zum abschließenden Track auf dem aktuellen Album über: „Lug und Litanei“. Ich frage den Bandboss dazu, welche er auf dieser Welt für die allergrößte dauerhafte Lüge überhaupt hält, die der Menschheit von den Meinungsmachern bis heute aufgetischt wird. Der stellt fest:

„Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich an dieser Stelle so nicht beantworten kann. Ich empfinde beispielsweise unser ganzes System als eine Lüge. Aber es gibt sehr viele Lügen auf dieser Welt und welche die allergrößte ist, soll jeder für sich entscheiden. In der Lyrik von ,Lug und Litanei‘ eben wird die Kirche und die heftige Vorgehensweise der Inquisition im Mittelalter kritisiert.“


Das Frontcover-Artwork zum Debütalbum ist schön eigenständig und hebt sich gemäß der Meinung des Autoren von der Masse an Photoshop-Grafiken anderer Bands in positiver Weise ab. Der Sänger und Gitarrist weiß dazu zu berichten:

„Das Werk wurde von einem mexikanischem Digital Artist namens Chris Cold auf meine Anfrage angefertigt. Auf das Motiv kam er allerdings von ganz alleine. Ich habe ihm schlicht und einfach alle Song-Themen mitgeteilt. Es hat leider sehr lange gedauert, um das Bild fertig zu bekommen, denn Chris musste für ein halbes Jahr zum Militär und brach den Kontakt für fast ein Jahr ab. Erst durch die wiederholte Kontaktaufnahme im Juni 2011 konnten wir endlich das fertige Ergebnis in den Händen halten. Chris kann übrigens fließend russisch sprechen. Die Welt ist halt nicht so groß, wie man denkt.“

Ivan bekundet im Zuge des weiteren Gesprächsverlaufs, dass Bands wie Ensiferum, Wintersun und Finntroll über die Jahre einen großen Einfluss auf ihn ausgeübt haben.

„Finntroll‘s ,Jaktens Tid‘ aus dem Jahr 2001 war das erste Album, welches für mich eine ungewöhnliche und interessante Genre-Mixtur darbot. Ich bin ebenfalls ein großer Iron Maiden-Fan. Meine allererste eigene Metal-Kassette war ein Iron Maiden-Mixtape aus den ersten vier Alben, zusammengestellt von dem Vater eines ehemaligen Freundes. Ich mag Tapes nach wie vor sehr! Ich denke, man hört die oben genannten Einflüsse aktuell bei uns deutlich heraus. Musiker wie Devin Townsend, Chris Caffery, Max Cavalera und auch Mikael Åkerfeldt beschäftigen mich. Besonders Devin Townsend erschafft mit seinem Sound meiner Ansicht nach sehr vielschichtige Klanglandschaften.“

Denkt er nun an die neuen Craving-Songs, so dominiert in ihm eindeutig die Freude darüber, das Material nun endlich veröffentlicht zu haben, wie Ivan wissen lässt.

„Und es kommen natürlich die Erinnerungen an unseren Studioaufenthalt im Juli 2010 hoch. Das war eine sehr tolle Erfahrung und hat bei all dem Zeitdruck und Anstrengung sehr viel Spaß gemacht.“

Griffige und nachvollziehbare Melodien sind den Musikern bei Craving sehr wichtig, wie nachfolgend zu erfahren ist.

„Denn mit Melodie kann man am besten die Stimmung eines Liedes vermitteln. Man sollte damit allerdings nicht übertreiben, um das Gleichgewicht in den Songs beibehalten zu können.“


Ivan hofft sehr, wie er im weiteren Verlauf des Interviews verlauten lässt, dass Craving in der nächsten Zeit die Gelegenheit bekommen, ihre Lieder oft live präsentieren zu können.

„Leider haben wir uns aufgrund von spätem Signing, was im November 2011 war, mit den Bewerbungen für die Festival-Saison verspätet. Und somit waren fast alle Festivals zu diesem Zeitpunkt in Sachen Billing bereits schon voll. Ich hoffe, dass es 2013 besser aussieht. Wir würden gerne noch dieses Jahr zum Touren kommen, aber ob das realisierbar ist, wird sich ebenfalls zeigen. Wir freuen uns sowieso generell über alle Live-Auftritte. Im Juli spielen wir auf einem dreitägigen Open Air Festival, dem Ragnarock Open Air in Hessen, zusammen mit den grandiosen Powerwolf. Am 22.09.2012 haben wir einen Auftritt in Braunschweig, leider habe ich von Seite des Veranstalters noch keine weiteren Informationen zu anderen Bands bekommen. Am 12.10.2012 geben wir eine exklusive Headliner-Show in unserer Heimat in Oldenburg, gespielt wird das gesamte Album am Stück. Also seid dabei! Vielen Dank für das tiefgehende Interview und das tolle Review, Markus! An die Hörer: Falls euch unser Album gefällt, kauft es euch und unterstützt die Band auf direktem Wege! Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden die Interessenten auf www.cravingmetal.de sowie auf facebook.com/cravingofficial - wir danken euch.“

© Markus Eck, 10.05.2012

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