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Interview: DARKNESS ABLAZE
Titel: Böse verführt von brutaler Schönheit

Allzu selten gelingt es den in Sachen Leidenschaft doch eher unterkühlten einheimischen Genre-Repräsentanten in der riesengroßen Melodic Black Death Metal-Manege, eine emotional so dermaßen feurige Vorstellung darzubieten, wie sie Darkness Ablaze mit „Shadowreign“ nun zelebrieren.

Anhaltende stehende Ovationen reichen daher ja eigentlich gar nicht aus, um diesem neuen Albumspektakel der fähigen Baden-Württemberger Formation den verdienten Beifall zu gewähren. Denn hierfür muss es schon mächtiges kollektives Siegesgebrüll vom Auditorium sein!

Symphonisch herrlich hocheingängig orchestrierte Höhepunkte inklusive, bewegt einen das Songmaterial dieser verdammt genussträchtigen Tragikerscheibe nämlich primär durch einen wirklich perfekten Kontrast aus knallharten explosiven Ausbrüchen und berauschend gefühlvollen Edelpassagen vollmelodischer Feinnatur.

Gitarrist Alexander ,Ali‘ Huber freut sich zum Interviewzeitpunkt laut eigenem Bekunden gerade über seine ersehnten Semesterferien.

„Solche Tage sind schon beinahe ideal für mich: Ich kann bis mittags auspennen, und dann hocke ich eigentlich meistens vor meinem Rechner und tue etwas, das irgendwie mit der Band zu tun hat. Oder ich schnappe mir eine meiner Gitarren und übe was das Zeug hält. Also mal zusammengefasst: Ich liebe es ganz einfach, viel Zeit zu haben für das was ich wirklich tun will.”

Die dickste Neuigkeit ist, so der fingerfertige Saitenkönner, ist natürlich die anstehende Tour mit Wolfchant und Thundra. „Wir freuen uns sehr, dass es endlich mal klappt und sind alle schon ganz hibbelig. Auch toll: Unser Drummer Sascha hat vor kurzem sogar sein erstes Endorsement an Land gezogen: Er ist jetzt Teil der Agner-Familie und wird mit Drumsticks unterstützt.”

Der bisherige Bekanntheitsgrad der Jungs als Band kann im Moment so ganz genau noch gar nicht festgemacht werden, so Ali. Wir erfahren diesbezüglich:

„Das ist unterschiedlich. Hier im Raum Stuttgart gibt es dermaßen viele Bands, da bekommt man erstmal durch Mundpropaganda oder über Myspace mit, dass jemand eine neue Gruppe gegründet hat. Wenn dann aber massig Gigs folgen, wird man recht schnell bekannt. Und genauso schnell verschwindet man wieder in der Versenkung, wenn man nicht höllisch aufpasst. Wir haben die Gegend hier ja noch nicht totgespielt – dafür sind die Gigs, die wir hier schmeißen, immer wieder schöne Treffen mit alten Bekannten. Und dafür, daß es uns seit bald acht Jahren gibt, laufen seltsamerweise ziemlich viele Leute herum, die noch nie etwas von uns gehört haben. Andererseits renne ich bei mir durch meine Heimatstadt und die Metalkids, die ich auf der Straße sehe, begrüßen mich oft mit Gebrüll und wollen wissen, wie es mit dem neuen Darkness Ablaze-Album steht – ja, das passiert auch ab und an. Ich würde mal sagen, in der `Szene` bei uns sind wir schon eine Konstante, aber insgesamt noch eher `undergroundig`.”

Der rein musikalische Teil der mitreißenden Darkness Ablaze-Songs wird von Keyboarder Jens und dem zweiten Gitarristen Christof geschrieben, wie noch aus Ali rauszukitzeln ist.

„Aus meiner Feder stammen aktuell lediglich ein bis zwei Riffs, die schon ein bißchen älter sind. Die Songs sind musikalisch meistens schon komplett, wenn sie von den jeweiligen Liederschreibern abgeliefert werden. Ich glaube, die neuen Songs sind so gut geworden, weil so ziemlich jeder in der Band andere Vorstellungen von einer guten Komposition hat. In diesem Fall macht es einfach die Mischung. Danach machen unser Sänger Theo und meine Wenigkeit uns an die Texte. Mit dem Textschreiben habe ich keine großen Probleme, ich habe inzwischen Methoden entwickelt, die das alles wie von selbst gehen lassen. Ich brauche nur immer erstmal ein Thema.”

Und die meisten der Songtexte von Darkness Ablaze sind Umschreibungen von Dingen, welche die Beteiligten in ihrem täglichen Leben so beobachten.

„Auf dem aktuellen Album sind es gerade mal zwei Texte, bei denen man sagen kann, dass wirklich ein Film oder anderes Medium Pate dafür stand. Wir mögen es eben lieber, unsere Erfahrungen selbst in kleine `Geschichten` zu verpacken. Die größte Inspiration ist für uns das Leben selbst, besonders die negativen Aspekte. Die neuen Texte sind daher teilweise sehr persönlich gehalten und teilweise auch einfache Umschreibungen von Missständen. Es gibt kein primäres Thema oder ein Konzept. Angerissene Themen sind zum Beispiel: Unmenschliche Arbeitswelt, Krieg und auch religiöse Verhetzung. Bei mir ist es eher so, dass ich die Musik eines neuen Songs höre und dann irgendwie `fühle` um was es dabei gehen könnte beziehungsweise welche Emotionen beim Hörer geweckt werden könnten. Die Zeilen fließen dann nur so aus meinem Hirn. Da das alles meistens sehr spontan passiert, kann ich nicht behaupten, dass ich mich groß auf ein Thema vorbereite. Die Ideen sind schon vorher da, sie kommen auf diese Art wohl am besten ans Tageslicht.“

Darkness Ablaze haben aktuell mehr Geprügel und mehr akustische Passagen auf dem neuen Werk, aber auch wieder klaren Gesang dabei. „Auf dem letzten Album gab es eine Stelle mit Oboe, und jetzt haben wir auch noch eine Geige und ein Chello im Sound dabei. Insgesamt gehen die neuen Riffs mehr in die Richtung älteren Schwedentods. Für die hauptsächlichen Vokalisierungen als auch die klaren Passagen haben wir mehrere GastsängerInnen gewinnen können, und diese haben einen astreinen Job gemacht. Auf dem Vorgängeralbum hört man noch sehr deutlich unsere Pagan Metal-Wurzeln, die sind auf dem neuen Album zurückgefahren. Das alte Album hat verschiedene Elemente (eher moderne und die besagten Pagan-Einflüsse) noch sehr ungestüm vermischt, die neuen Songs wirken in dieser hinsicht `runder`.”

Die Baden-Württemberger wollen sich laut Ali konstant verbessern. „Und wir wussten, was wir für das neue Album musikalisch besser lassen sollten. Das war die einzige Einschränkung. Da wir die Scheibe nicht im Stil von `Wir brauchen exakt zwei Songs mit Akustikparts und so-und-so-viele Soli` planen, gab es auch keine genauen Vorstellungen wie das Endprodukt klingen wird. Wie beim Vorgängeralbum auch haben wir uns alle Optionen offen gelassen und noch während dem Aufnehmen an Liedern herumgebastelt.“

Die neuen Songs, so der Gitarrist, sind hinsichtlich ihrer Komplexität und der verwendeten Spieltechniken hart an der Grenze des für Darkness Ablaze derzeit machbaren. „Als ich die Band gegründet hatte, hatte ich mich gerade mal ein Jahr autodidaktisch an der E-Gitarre versucht. So ein Level, auf dem wir jetzt sind, hätte ich mir niemals träumen lassen, in jeder Hinsicht. Dafür, dass wir uns über solche Dinge eigentlich keine Gedanken machen ist das Ergebnis sensationell.“

Ich wollte abschließend noch von Ali wissen, worin beziehungsweise in welcher Position des weltweiten Genres sich Darkness Ablaze selbst sehen. Die Antwort kommt sogleich: „Wir sind eine Melodic Death Black Metal-Band aus dem süddeutschen Raum, die ihren eigenen Stil kreieren und verfolgen will. Das war’s auch schon.“

© Markus Eck, 17.03.2010

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