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Interview: DARK FORTRESS
Titel: Gottlose Reisen durch die Vergangenheit

Ihre 1998er Split-CD mit Barad Dür wirbelte einigen medialen Eisstaub auf, welcher von ihrem drei Jahre später erschienenen und überaus gelungenen Debütalbum „Tales From Eternal Dusk“ in alle Winde verstreut wurde.

„Tales From Eternal Dusk“ offenbarte nicht nur vom Pestfleck weg einiges an hochkreativem Potenzial, sondern auch grandiose Nachtatmosphären und erbaulich anspruchsvoll vertonten Welthass. Meine begeisterte Rede ist von den talentierten Landshuter Dunkeldienern Dark Fortress.

Ihr mitreißend melodischer und eindringlich emotionaler Epic Black Metal ist von prachtvoller Erscheinung, die Band stets mit immenser Hingabe bei der Sache. Nun feiern Dark Fortress ihre zweite Albumorgie „Profane Genocidal Creations“, zu welcher alle Anhänger von qualitativ orientiertem und melodisch akzentuiertem Schwarzstahl recht herzlos eingeladen sind.

„Aktuelle Line-Up-Wechsel gibt es diesmal keine zu vermelden, was auch gut so ist. Das gegenwärtige Line-Up scheint mittlerweile aufeinander eingespielt zu sein, was das Komponieren erheblich vereinfacht, und für die Zukunft einiges erhoffen lässt“, verkündet mir Geifervokalist Azathoth zu Beginn unseres zweiten Interviews aus dem dunklen Festungslager seiner phonstarken Hasshorde.

Er erzählt weiter: „Doch die derzeitig vorherrschende Gefühlslage in der Band ist leider eher weniger gut, da ein Teil alles andere als zufrieden mit dem Sound unseres neuen Albums ist. Zum anderen ist die Stimmung natürlich eher gedämpft, nachdem wir unseren Auftritt bei unserer eigenen Release-Party am 15.02.2003 zusammen mit Sear Bliss und Cirith Gorgor, nur eine Stunde vor dem Konzert absagen mussten auf Grund eines krankheitsbedingten Ausfalls meinerseits.“

Der Blutgurgler mit dem charismatischen Keiforgan ist derzeit also leider Teufels nicht gerade obenauf, wie er mir weiter zukrächzt.

„Nach dem besagten Vorfall bei unserer Release-Party ist sowohl mein physisches wie auch mein psychisches Befinden nicht gerade das Beste, was denke ich auch verständlich ist, wenn man so nah an der Schwelle des Todes stand.“

Da ist es wohl nur zu normal, dass man sich Gedanken macht, was denn gewesen wäre, wenn diese Existenz zu Ende gewesen wäre. „Ja, ob es nicht sogar in jedem Fall besser gewesen wäre, dieses Dasein endlich hinter sich lassen zu können. Aber das Schicksal hatte mich diesmal wohl noch nicht für den Tod vorgesehen, was hoffentlich bald der Fall sein wird, da es hier in diesem „Leben“ nichts mehr gibt, was mich halten würde. Im Gegenteil, jeder weitere Tag ermüdet mich zusehends und verbittert meine Seele immer mehr. Es gibt für mich auch keinen Grund, daraus ein großartiges Geheimnis zu machen, da mittlerweile sowieso schon alles zu spät ist, und der Tag der Abrechnung bevor steht.“ Bittere und mich vollkommen betreffend machende Resignationsworte, ohne Zweifel. Und aufgrund meiner Kenntnis von Azathoth auch grundehrliche Bekenntnisse, welche einerseits optimale Vorraussetzungen für wirklich authentische Vokalisierung der Dark Fortress-Lichtrequien bedeuten, andererseits ein Gefühl von Traurigkeit für diese ungewöhnliche Persönlichkeit in mir auszulösen vermögen.

Azathoth geht nachfolgend für mich in die Tiefe seines Ichs.

„Ich würde mich als sehr introvertierten Menschen bezeichnen, der oftmals in seiner eigenen Welt lebt, und in dessen Welt wenig Platz für andere Menschen scheint. Ich habe mich einfach im Laufe der letzten Jahre zu sehr an die Einsamkeit gewöhnt, als dass ich mich seelisch anderen Menschen gegenüber öffnen könnte. Was wohl auch in jedem Fall sowieso vergebens wäre, da nur die Wenigsten dazu in der Lage sind oder bereit wären, meine verbitterte Lebensphilosophie nachzuvollziehen.“ Black Metal – a way of life. Kompromisslos. Daher hat sich auch die Attitüde von Dark Fortress über die Jahre nicht geändert, wie der Sänger stolz bekennt: „Da hat sich nicht viel verändert, da wir nach wie vor von dem überzeugt sind, was wir tun. Was uns noch mehr in unserer Überzeugung bestärkt, ist die Tatsache, dass wir im Laufe unserer mittlerweile neunjährigen Bandexistenz schon viele Bands kommen und gehen gesehen haben, die sich bisher immer noch selbst durch ihr pseudo-elitäres Gelaber ins Abseits des Geschehens katapultiert haben. Und dadurch wieder mal ein ums andere Mal der Beweis erbracht war, dass Image und extreme Sprüche eben nicht alles sind!“

Da mag er recht haben. Azathoth definiert mir in diesem Kontext seinen ungebrochenen Hang zum Black Metal: „Es ist nach wie vor vom emotionalen Standpunkt her die extremste aller Musikrichtungen. Und solange ich mich in dieser Musik wieder finde, denke ich noch nicht mal im Traum daran irgendetwas anderes zu machen. Weil Black Metal nach wie vor für mich nicht nur Musik ist, sondern eine Lebenseinstellung, die man entweder hat oder nicht. Black Metal ist für mich wie ein Seelenspiegel, dessen einzige Aufgabe es ist, einem jeden Tag aufs Neue vor Augen zu führen, dass man nur existiert um für den Tod zu leben.“ Welches sind wohl die seiner Meinung nach momentan besten und fähigsten Black Metal-Bands? Azathoth: „Da gibt es einige, aber dann auch wieder doch nur wenige, die meine Seele berühren. Bands, die dies noch schaffen sind in jedem Fall Shining, Forgotten Tomb, Secrets Of The Moon, Craft, Katharsis, Naer Mataron oder auch Forest Silence (Nebenprojekt Von Sear Bliss).“ Als wir dann auf die Reaktionen aus dem In- und Ausland für das Debütalbum „Tales From Eternal Dusk“ zu sprechen kamen, tendierte die Gesprächsstimmung in eine erfreulichere Direktive – der Sänger resümiert: „Die Reaktionen waren regelrecht überschwänglich, womit wohl keiner von uns wirklich gerechnet hatte. Man ist dann doch ziemlich überrascht, wenn man auf einmal Post von Fans aus aller Welt erhält; teils auch aus Ländern, von denen wir nicht einmal wussten, dass unser Album dort erhältlich war, bzw. ist.“

Laut Azathoth gab es aber positive wie auch negative Stimmen:

„Die positiven haben uns zumeist als die neuen Dissection betitelt, was uns einerseits geehrt, aber andererseits dann im Laufe der Zeit doch genervt hat, weil wir so viel nun auch wieder nicht mit Dissection gemeinsam hatten. Der größte Teil fand die Musik in jedem Fall [teilweise auch gerade wegen der angeblichen Ähnlichkeit mit Dissection] genial, während uns ein geringer anderer Teil gerade auf Grund der Ähnlichkeit zu Dissection einen Strick daraus zu drehen versuchte – mit der Begründung, dass wir nur ein billiger Abklatsch wären, und keine eigenen Ideen hätten. Und man ja von uns nichts bräuchte, wenn man die beiden Dissection-Alben schon zu Hause hätte. Fehlende Originalität war wohl genau betrachtet der einzige Kritikpunkt. Was uns ziemlich egal ist, weil wir nie behauptet haben, irgendetwas neu erfinden zu wollen, da wir im Endeffekt alle unsere Inspirationen haben. Diese Inspirationsquellen waren ja schlussendlich auch ausschlaggebend dafür, dass wir die Band überhaupt erst gegründet haben. Warum sollten wir also zwanghaft versuchen irgendwelche neuen Richtungen zu gehen? Davon abgesehen, sieht man ja was dabei rauskommt. Denn wenn Originalität bedeutet, Wege der Marke The Kovenant oder Dødheimsgard [bzw. DHG] oder Ulver zu gehen, dann lasse ich mich tausendmal lieber als billigen Abklatsch bezeichnen.“

Nun aber endlich zum neuen Album „Profane Genocidal Creations“, dazu hat mir Azathoth einiges zu berichten:

„Es dürften im Endeffekt keine anderen Einflüsse als auch schon beim Debüt „Tales From Eternal Dusk“ gewesen sein, nur, dass die auf „Profane Genocidal Creations“ neu dazugekommenen Mitglieder natürlich auch neue Einflüsse in die Band gebracht haben. Was sich ja nur positiv auf den Gesamtsound von Dark Fortress auswirkt und wohl erst seine Vollendung auf unserem nächsten Album finden wird. Hinsichtlich der auf dem neuen Album reflektierten Emotionen ging es uns in erster Linie um eine gewisse düstere Aura, die wir uns als Ziel für dieses Album gesetzt hatten. Größtenteils ist uns die Umsetzung, zumindest was das Songwriting anbetrifft, erfolgreich gelungen. Der Albumtitel ist mehr oder weniger nur eine allgemeine Umschreibung für das, was im textlichen Konzept behandelt wird. Dort geht es um eine Reise durch die Vergangenheit mit besonderem Hauptaugenmerk auf die so genannten gottlosen Schöpfungen, wie beispielsweise Attila, dem Hunnenkönig. Ich finde, dass das neue Album etwas düsterer und vielleicht auch etwas brutaler, ursprünglicher als sein Vorgänger ausgefallen ist. Eine Entwicklung, die sich wohl auf dem nächsten Album sehr extrem fortsetzen wird.“ Man ist bereits gespannt. Ebenso gespannt war ich auf die textlichen Unterschiede von „Profane Genocidal Creations“ zum Vorgängeralbum, dessen Lyrics allesamt den düsteren Visionen von Azathoth entstammten. Ich erfuhr: „Sie behandelten persönliche Träume und Visionen, die allesamt mit dem Tod in direkter Verbindung standen. Somit waren sie automatisch wohl etwas melancholischer, während die Texte des neuen Albums bereits vor mehreren Jahren, so um 1998 herum, von einem Kumpel von uns verfasst wurden, der sich ziemlich viel mit Fantasy-Geschichten auseinandersetzt. Demzufolge ist das lyrische Konzept von „Profane Genocidal Creations“ auch nur als fiktiv zu betrachten, bzw. eben nur wie eine Fantasy-Story. Er hat es wirklich voll drauf solche Fantasy-Stories zu schreiben, und daher fragten wir ihn damals auch. Mittlerweile ist er allerdings wohl auch selbst nicht mehr so mit der Qualität dieser Texte zufrieden, und auch wir nicht so sehr, weshalb die Texte im Booklet nicht abgedruckt sind. Vielmehr haben wir die Texte eigentlich nur verwendet, weil sie eine musikalische Herausforderung darstellten; soll heißen, wir wollten sehen, ob wir in der Lage sind, dieses vom lyrischen her vorgegebene Feeling musikalisch umzusetzen. Alles war aber auch nur ein einmaliges Experiment, da ich in Zukunft das Schreiben der Texte wieder übernehmen werde.“

Mit dem Songwriting der aktuellen Scheibe an sich sind sie allesamt sehr zufrieden. „Das einzige Problem, das wir hatten, war die Verteilung der Songs, da das Album doch eher mit einigen langsameren, epischeren Tracks beginnt und dann eigentlich erst ab dem Stück `Through Ages Of War` ordentlich durchtritt. Aber dieses Manko war uns bereits vor dem Komponieren der Songs bewusst. Wir hatten diesbezüglich einfach keine andere Wahl, weil wir beim Komponieren der Musik einfach an den Umfang und an die Stimmung der Texte gebunden waren, und dies so perfekt wie möglich umsetzen wollten. Nur so kam es also zu dieser etwas ungünstigen Tracklist. Für dieses Album war eigentlich jeder in das Songwriting mit einbezogen. Was diesmal eine echte Herausforderung für uns darstellte, da es sich bei den Texten um ein Konzept handelt, welches es erstmal auch musikalisch galt einzufangen – und zu vermitteln.“ Was Dark Fortress auch gut geglückt ist, wie ich meine.

Beim ersten Durchlauf von „Profane Genocidal Creations“ fiel mir das pompöse und für eine Black Metal-Scheibe doch sehr untypische Intro auf; Azathoth blickt daher für mich in die Vergangenheit:

„Das Intro komponierte Morfeus (Ex-Limbonic Art), mit dem ich seit längerer Zeit in Kontakt stehe. Mir gefielen einige seiner klassischen Kompositionen seit jeher, und daher fragte ich ihn einfach, ob er denn Bock hätte ein Intro für unsere neue Scheibe zu komponieren. Ich überließ ihm daraufhin die Texte und auch die Vorproduktion, die wir von dem Album machten. Er schickte mir dann einige Zeit darauf dieses Intro, welches meiner Meinung nach doch noch einen sehr deutlichen Limbonic Art-Touch hat. Und obgleich seines epischen Grundcharakters doch auch perfekt zu der Gesamtstimmung unseres Albums passt.“

Meine anschließend an den Dark Fortress-Sänger gestellte Frage nach einem eventuell vorhandenen, persönlichen Fave auf „Profane Genocidal Creations“ entlockte ihm Folgendes:

„Schwierig zu sagen. Ursprünglich hatte ich andere Favoriten, aber auf Grund der versauten Produktion gehen leider ausgerechnet diese Songs auf dem Album total unter. Hierbei beziehe ich mich insbesondere auf `Passage To Extinction` und `In Morte Aeternitas`, so dass mir im Endeffekt sowieso nur noch `Defiance Of Death` und `A Fortress Dark` wirklich gut gefallen. Die meisten Stücke haben mit Sicherheit unsere beiden Gitarristen Santura und Asvargr komponiert, auch wenn sie zumeist nur mit vereinzelten Riffs bei den Bandproben ankamen, und jeder einzelne dann Einfluss darauf hatte, inwiefern man das Songwriting dann gestalten könnte. Die einzelnen Riffs entstanden ja zumeist zu Hause und wurden dann bei den Bandproben ausgearbeitet, bzw. aneinandergehängt, also kann ich über die von dir angefragte Stimmung während des eigentlichen Komponierens nicht allzu viel sagen. Ich weiß aber, dass sich unsere beiden Gitarristen bevorzugt von der lyrischen Vorlage inspirieren lassen.“

Das Frontcover zu „Profane Genocidal Creations“ ist wieder von Kris Verwimp, der doch sehr unscharfe Druck meiner Meinung nach überhaupt nicht zufrieden stellend – wie schon beim ersten Album von Dark Fortress auch. Doch Azathoth konstatiert dem entgegen:

„Ich bin mit dem Cover wieder sehr zufrieden. Und ich bin diesmal der Meinung, dass der Druck im Gegensatz zum Debüt vom farblichen her sehr nah am Original liegt. Obwohl ich dazusagen muss, dass mich der farbliche Unterschied zwischen dem Original und der Endversion des Debüts anfangs zwar sehr gestört, mir aber dann im Endeffekt doch sogar besser zugesagt hat. Beim neuen Frontcover ging es im Endeffekt um eine künstlerische Fortsetzung unseres ersten Covers, weshalb der Tod in Form einer Metapher auch auf dem neuen Cover wieder zu sehen ist. Grob gesagt ging es also um die Symbiose aus Tod und Blasphemie, jener Emotionen also, die auch lyrisch im Vordergrund stehen.“

Da steht der Bandname Dark Fortress doch eher im Hintergrund, wie der Sänger mir erneut klarstellte: „Über die Bedeutung machen wir uns ehrlich gesagt nicht mehr allzu viel Gedanken, zumal der Name ja auch ehrlich gesagt vom Klang her an Klischee kaum noch zu überbieten ist. Einziger Grund, warum wir den Namen nach wie vor verwenden ist wohl, dass wir uns mit diesem Namen bereits einen gewissen Status erspielt haben und es wohl keinen Sinn mehr machen würde den Bandnamen jetzt großartig zu ändern.“

Trotz der aus eingangs erwähnten Gründen verpatzten Release-Party gibt es schon weitere Pläne, das aktuelle Material auch live umzusetzen, wie zu erfahren war:

„Ja, die gibt es. Auch wenn wir nach wie vor sehr sehr wenig live spielen, da nur wenige Veranstalter an uns herantreten, und wir auch nicht so sehr die Zeit, beziehungsweise die notwendigen Connections haben um regelmäßig live zu spielen. In jedem Fall ist dieses Jahr unser Open Air-Debüt geplant, und zwar auf dem Party.San-Open Air – zumindest wenn sich dort nicht ein ähnlicher Vorfall wie bei unserer Releaseparty wiederholt! Außerdem wollen wir natürlich das ausgefallene Konzert in unserer Heimatstadt Landshut, wo unsere Releaseparty stattgefunden hätte, noch nachholen. Mit welchen Bands ist aber noch unklar. Ansonsten sind wir da eigentlich für alles offen.“

Abschließend gibt mir der erzählwillige Dark Fortress-Fronter noch Zukunftspläne seiner Band bekannt: „Wir arbeiten derzeit an den Songs für unser drittes Album, welches voraussichtlich den Titel „Stab Wounds“ tragen wird. Wir hoffen, dass wir soundtechnisch diesmal mehr rausholen können, wobei ich klarstellen möchte, dass einige von uns ja jetzt bereits mit diesem Sound zufrieden sind. Welches Studio wir nun für unser drittes Album aufsuchen werden ist aber noch ungewiss. Ebenso über welches Label „Stab Wounds“ dann erscheinen wird, da unser Vertrag mit Red Stream Records durch die Veröffentlichung von „Profane Genocidal Creations“ eigentlich abgelaufen ist. Wir sind zwar eigentlich relativ zufrieden mit der Arbeit von Red Stream und könnten den Deal jederzeit verlängern, allerdings ist die Distanz und die dadurch mangelnde Kommunikation, bzw. auch die geringere Promotion in Europa weniger zufrieden stellend für uns. Weshalb ein Label in Europa durchaus von Interesse für uns sein könnte. Wir sind da eigentlich relativ aufgeschlossen, was das angeht. Für evtl. News könnt Ihr Euch jederzeit auf unserer Homepage auf dem Laufenden halten: www.thetruedarkfortress.com“

© Markus Eck, 26.02.2003

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