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Interview: DARK FUNERAL
Titel: Diabolische Dynamik

Die Albumpause der Teufelshorde von sieben langen Jahren hört man dem nagelneuen Dreher „Where Shadows Forever Reign“ nicht im Geringsten an.

Ganz im Gegenteil, die Schweden um Gründungsmitglied, Gitarrist und Maincomposer Mikael Svanberg alias Lord Ahriman präsentieren sich dynamischer und intensiver als je zuvor.

Ihre Vormachtstellung als Galionsfiguren des klassischen, skandinavischen Black Metal werden sie damit nicht nur festigen, sondern sogar noch ausbauen können.

Das, was 1996 drei Jahre nach der Gründung mit dem sagenumwobenen Debütmeilenstein „The Secrets Of The Black Arts“ verheißungsvoll begann, mündet nun in einen weiteren Genreknüller. Für „Where Shadows Forever Reign“ wurde Meister Ahriman tiefer und ausgiebiger in musikalische Details eingebunden als dies früher noch der Fall war, wie der Axeman mit besonnener Stimme wissen lässt.

„2014 kam unser neuer Vokalist Heljarmadr mit Tieftöner Natt in die Band als Ersatz für den 2010 ausgestiegenen Shouter Emperor Magus Caligula. Es hat sich prima zwischen uns entwickelt. So arbeitete ich diesmal vor allem auf gesanglicher Seite enger an diversen Feinheiten mit.“

Der seit jeher vollkommen unbeirrbare Saitenschrubber und leidenschaftliche Schwarzmetallschmied hält Heljarmadr gleich in mehrerer Hinsicht für einen großartigen Stimmbandkünstler.

„Ich bin verdammt dankbar, ihn in meiner Band überhaupt dabeihaben zu können. Er nimmt das Ganze wirklich sehr ernst. Er brachte sich von Anfang an ohnehin mit geradezu ansteckender, immenser Begeisterung in die kreativen Geschicke von Dark Funeral ein. So etwas habe ich bislang echt noch niemals erleben dürfen bei uns.“ 



Wie weiter von Ahriman in Erfahrung zu bringen ist, war Heljarmadr nicht nur im Studio jederzeit mit gigantischem Eifer am Werk.

„Sondern er hat auch sämtliche seiner ,Hausaufgaben‘ tagtäglich aufopfernd absolviert. Ganz egal, wie sehr ihn das stimmlich auch herausgefordert haben mag, er ging immer schonungslos hart vor. Daher sind seine überwältigend gewaltigen und alles durchbohrenden Gesänge auch in sämtlichen Nuancen der Kompositionen nicht nur hochgradig eindringlich und markant, sondern auch optimal passend zur Musik an sich geworden.“ 


Für „Where Shadows Forever Reign“ musste die ganze Besetzung von Dark Funeral grundsätzlich tiefer in sich hineinhorchen, wie der schwer tätowierte Nietenfreak zurückblickend informiert.

„Denn ich hatte seit den ersten Erwägungen zum Album die feste Intention, dass die Lieder diesmal sehr viel konkreter die grundsätzlichen, spirituellen Beweggründe manifestieren sollten, die sich hinter der von mir geschriebenen Musik befinden. Es sollte sich vor allem eine expliziter verkörperte Dynamik darin entwickeln können.“

Für diesen ewigen Griffbrettdämonen gestaltet es sich auf gewisse Weise wie eine Eigentherapie, wenn er an neuen Kompositionen sitzt, wie er offenherzig durchblicken lässt. „Eigentlich hasse ich es sogar“, stellt er fest.

Mehr: „Es ist wie ein notwendiges Übel. Aber ich muss es tun, um etwas ganz Bestimmtes aus meinem tiefsten seelischen Inneren nach draußen zu stülpen. Für mich ist dies ein sehr persönlicher und völlig individueller Prozess. Danach fühle ich mich jedes Mals aufs Neue extrem erleichtert.“

Vieles dabei erachtet er als eine extreme Gefühlssache.

So komponierte Ahriman sämtliche Stücke für das neue Album wieder zunächst auf seiner geliebten Akustikgitarre.

„Am allerbesten haut das in ruhigen Stunden hin. Gitarre in Dark Funeral zu spielen ist für mich sowieso noch immer das Beste und Großartigste, was ich mir auf dieser Welt überhaupt vorstellen mag und kann.“


Seine sehr persönlich gehaltenen Stücke landen bei ihm deswegen auch niemals im Mülleimer.

„Denn was ich erst einmal begonnen habe, das ziehe ich auch durch, bis zum Ende. Ich kenne es nicht anders. Und so war es erneut. Ich ließ mir lieber bewusst die nötige, längere Zeit, bis auf ,Where Shadows Forever Reign‘ alles ganz genau nach meiner Vorstellung vorhanden war. Dafür fühle ich mich nun umso mehr mit dem Ganzen verbunden. Den anderen geht es diesbezüglich erfreulicher Weise ebenso, wie sie mir schon wiederholt sagten.“


Im Gegensatz zum letzten Album zogen die Beteiligten diesmal nämlich eine richtige Vorproduktion durch.

„Wir wollten, dass die neuen Songs so weit und so perfekt wie möglich fertig ausgearbeitet sind, bevor wir uns aufmachen in die Dugout Studios von Produzent Daniel Bergstrand. Und diese Vorgehensweise hat sich auf ganzer Linie ausgezahlt. Schließlich ackerten wir volle vier Wochen am Stück dort an dem neuen Songmaterial. Jeder von uns ging komplett an die eigenen Grenzen der Belastbarkeit. Daniel nahm in zweckdienlicher Manier keinerlei Rücksicht, was jedem von uns irgendwann heftig an die Substanz ging. Wir sind ihm genau dafür letztlich sehr dankbar.“

Dass der aktuelle Follow-up zu „Angelus Exuro Pro Eternus“ soundtechnisch gleichfalls kompromisslos wie kompakt und episch ins Gehör gewittert, ist also alles andere als Zufall.

© Markus Eck, 14.05.2016

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