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Interview: DARK PRINCESS
Titel: Herzblut für Leidenschaften

Schnell ins Ohr gehende Dramatikermelodiken tiefemotionaler Anmut sind neben einer gehörigen Portion innovativer Eigenständigkeit das riesengroße Pläsier dieser russischen Gothic Dark Metal-Enthusiasten. Inmitten ausgefeilt aufgebauter Kompositionen thront Sängerin Olga Romanova mit kraftvollen und beseelten Vokalkünsten.

So profitiert auch das aktuelle zweite Dark Princess-Studioalbum „Stop My Heart” ebenso umfassend wie hochwertig von nachhaltig ergreifenden Stimmdarbietungen.

Mit der erfreulich homogen inszenierten Ausgestaltung von schön vorsichtig umgesetzter stilistischer Modernität können ihre Lieder sowohl Nostalgiker, Traditionalisten als auch eher unerfahrene Genre-Neueinsteiger ziemlich schnell für sich einnehmen.

Gekonnt aneinander gestellte Stromgitarren-Fundamente dienen der sechsköpfigen Band erneut als hochstabile Grundlage für haufenweise romantisch-sehnsüchtige Klangbilder.

Wie bereits auf dem gelungenen Debütalbum „Without You“ brillieren die Moskauer also wieder mit hochqualitativem Ausnahmematerial.

In der Heimat bereits mit so einigen Musikpreisen ausgezeichnet, freut sich das feinfühlige Sextett jetzt auch darauf, in Westeuropa zahlreiche neue Anhänger zu gewinnen.

Frontfrau Olga ist diesbezüglich bester Dinge, wie sie mir verrät.

„Bislang erhielten wir ja lediglich in den russischen Medien entsprechende Beachtung für unsere kreative Arbeit, bei euch in Deutschland beispielsweise dürfte uns beziehungsweise unsere Musik noch niemand kennen. Das wird sich jedoch schon sehr bald dramatisch ändern, denn wir starten mit unserem neuen Label hier bei euch eine breit angelegte Werbekampagne – die ersten Rezensionen sind auch schon eingetroffen, und diese fielen erfreulich gut aus“, weiß die stimmgewaltige Schönheit zu berichten.

Aus diesem Anlass heraus dreht sich unsere nachfolgende Kommunikation darum, wo sich die Russendame selbst beziehungsweise die Musik von Dark Princess in fünf oder gar zehn Jahren sieht. Doch die stolze Olga ist extrem abergläubisch, wie sie in aller Offenheit zugibt. Daher:

„Ich mache niemals weit in die Zukunft hineinreichende Pläne, was mein Leben anbelangt. Und das gilt erst Recht für Dark Princess. Ich lege mich eben ungern fest. Was ich aber wirklich inständig hoffe, ist, dass die klangliche und lyrische Konzeption unserer Musik auch weiterhin für uns und auch andere interessant und auch relevant bleibt.“

Wie sie in ihrem angeregten Redefluss fortfährt, arbeitete die Band bis zuletzt sehr hart am neuen Album.

„Das Ganze gestaltete sich gleichfalls sehr anstrengend, aber auch sehr aufregend – manchmal waren wir gar bis tief in die Nacht hinein damit beschäftigt. Man muss wissen: Wir sind ausgesprochene Qualitätsfanatiker, die erst dann zufrieden mit ihrem Werk sind, wenn es uns perfekt erscheint. Immer und immer wieder nahmen wir die Lieder auf, und das solange, bis wir wirklich nichts mehr zu verbessern hatten. Am längsten feilten wir am Gitarrensound von `Stop My Heart`, was uns einiges Kopfzerbrechen bereitet hatte. Doch es hat sich vollauf gelohnt, nicht gleich den erstbesten Klang-Prozessor dafür zu verwenden, wie man deutlich auf dem neuen Album hören kann.“

An ausgeprägtem Selbstbewusstsein und -Wertgefühl gebricht es der zielstrebigen Russin also nicht im Geringsten.

Wie sie weiter erzählt, resultiert das emotional so herrlich stimmige und so genussreich sensitive Zusammenspiel der Gruppe daraus, dass sich die Beteiligten schon von Kindertagen an in und auswendig kennen.

„Meine Musiker gingen sogar zusammen in denselben Kindergarten – ebenso besuchten sie dieselbe Schule und Universität. Natürlich sind wir trotzdem unterschiedlich empfindende und denkende Individuen, die nicht immer einer Meinung sind – erst Recht nicht auf musikalischem Sektor. Doch sind differente Ansichten hinsichtlich Dark Princess zum Glück nicht fundamental, sodass wir stets immer wieder auf einen gemeinsamen künstlerischen Nenner kommen. Was unser dem zugrunde liegendes Geheimnis ist? Wir respektieren einander, und das sowohl auf freundschaftlicher als auch auf schöpferischer Basis.“

Als die so gut aufeinander eingespielte Gothic Dark Metal-Band die Arbeiten am Albumvorgänger „Without You“ beendet hatte, machten sich in Olga diverse relevante Erkenntnisse breit. Die Vokalistin erinnert sich:

„Mir wurde dabei schlagartig bewusst, dass wir viele Dinge, die wir mit unserer damaligen Musik eigentlich ausdrücken wollten, letztlich gar nicht realisiert wurden. Wir sprachen nachfolgend im geschlossenen Kreise sehr lange darüber, wie wir diesen Missstand in Zukunft konstruktiv ergiebig abändern könnten. Für uns stand in jedem Fall fest, dass wir genug Leidenschaft und kreative Kraft für ein weiteres Album in unseren Herzen hatten. Aus den Ergebnissen unserer Lagebesprechungen heraus entstand schließlich das neue Album, für welches wir all unsere Erfahrungen einfließen haben lassen.“

Die sechs Russen sind ohnehin echte Überzeugungstäter, so Olga.

Ständig auf ihre Musik fixiert, sammeln Dark Princess laut weiterer Aussage somit eine breite Vielfalt an Eindrücken in ihren Köpfen und speichern sie für den Kompositionsprozess ab.

„Wir sind glücklicher Weise wirklich immens kreative Menschen – was es uns möglich macht, aus einer großen Anzahl von Impressionen musikalische Bausteine für unsere Lieder zu machen. Ganz egal also, ob es sich dabei um von hohen Bäumen abfallendes Herbstlaub, tänzelnden Schneefall, klassische Musik oder intensiv geschriebene Bücher handelt – wir verarbeiten alles, was irgendwie nachhaltigen Eindruck auf uns macht. Natürlich auch Erfahrungen mit Menschen, die wir mit ganzem Herzen lieben.“

Somit erstreckt sich das lyrische Terrain, welches die ansehnliche dunkle Prinzessin aus dem Russenland besingt, auch über Dementsprechendes. Olga expliziert ihre Liedertexte gerne.

„Die Konzeption unserer Lyriken ist aber trotz aufgelisteter Vielfalt vergleichsweise einfach strukturiert: Es geht um die Liebe in all ihren inniglichen Ausformungen, den Tod, aber auch um so stimmungsvolle Jahreszeiten wie Spätherbst oder Frühlingsbeginn.“

Weiter in die Tiefe möchte die Sängerin aber zu diesem Punkt nicht gehen.

Denn Olga möchte die Hörer von „Stop My Heart“ am liebsten zu ureigenen und individuellen Interpretationen anleiten, wie sie mir in erneut aller weiblichen Entschlossenheit kund tut.

„Jeder beziehungsweise jede wird in unseren Liedern in Gedanken etwas wieder finden, was selbst am eigenen Leibe schon einmal eindringlich verspürt wurde, da bin ich mir sehr sicher.“

Doch erst auf der Bühne entfaltet sich ganze Kraft der Kompositionen ihres gleichfalls spiel- als auch emotionsfreudigen Düster-Ensembles, da ist sich die mental auffallend gefestigte Vokalistin ganz sicher. Und das mit gutem Grund.

„Unseren bisher erfolgreichsten Auftritt hatten wir am ersten November dieses Jahres, in Krasnodar. Die Leute dort waren total aus dem Häuschen. Krasnodar liegt etwa 1.540 Kilometer südlich von unserer Heimatstadt Moskau, es war ein weiter Weg für uns dorthin – doch es hat sich voll und ganz gelohnt.“

Zum Zeitpunkt des Interviews planen Dark Princess gerade die Aufnahmen für einen Videoclip zu ihrem populärsten Lied „The Game“ vom ersten Album „Without You“.

Doch auch sonst ist gegenwärtig und künftig so allerhand los bei dieser passionierten russischen Dramatikertruppe.

„Wir möchten sobals als möglich diverse Festivals außerhalb Russlands bespielen – bei uns selbst werden wir hingegen schon recht bald auf eine ausgedehnte Konzert-Tour gehen, um die russische Version der Veröffentlichung des neuen Studioalbums `Stop My Heart` mit hoffentlich sehr zahlreichen Auftritten zu flankieren. Und wir haben bereits schon damit angefangen, mit ersten Schritten am dritten Album zu arbeiten. Langweilig wird uns also ganz sicher nicht werden in der nächsten Zeit, das steht fest.“

© Markus Eck, 31.12.2007

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