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Interview: DESASTER
Titel: Konzeptionelle Linientreue

Die von starkem Idealismus geprägte Musik dieser 1988 gegründeten Koblenzer Black Thrasher ist entgegen dem Bandnamen alles andere als desaströs, da macht auch ihr neuer und vierter Albumknaller „Divine Blasphemies“ keine Ausnahme.

So gibt es wie gewohnt immens kraftstrotzende und vor funkensprühender Spiellaune schier berstende Kompositionen zu erleben, welche die zahlreichen Fans der Band erneut aufs Höchste beglücken werden.

Schon das überragende 1996er Debütalbum „A Touch Of Medieval Darkness“ wies Desaster als entschlossene Formation aus, mit der man zukünftig zu rechnen hatte.

Im Laufe der Jahre kultivierten sie ihre ureigene Mischung aus Black-, Thrash-, Death-, Speed- und 80er Heavy Metal sowie mittelalterlichen Klangelementen zu ihrer eigenen Domäne aus.

Vokalist Sataniac ersetzte vor einiger Zeit den alten Shouter Okkulto.

„Ich bin seit August 2001 dabei, und seitdem war die Stimmung in der Band immer sehr gut. Wir haben 2002 viele Einzelgigs, eine Tour mit Holy Moses und Fatal Embrace absolviert sowie ein gutes Album eingespielt. Wir waren also nicht faul, und freuen uns über das Erreichte! Der Spaß an der ganzen Sache ist uns auch wesentlich wichtiger als Erfolg. Mit einer Band wie Desaster kann man ohnehin nur einen begrenzten Erfolg genießen. Warum sollte man also alles und vor allem sich selbst allzu ernst nehmen? Unsere Musik nehmen wir schon sehr ernst, aber wir behaupten mit Sicherheit nicht die Härtesten, Schnellsten, Besten und Größten zu sein. Sondern wir machen das, was wir können, und was uns vor allen Dingen Spaß bringt und uns befriedigt“, berichtet der Schreihals.

Das hört man gerne. Blicken wir zu Anfangs doch noch etwas zurück; auch das letzte Desaster-Album „Tyrants Of The Netherworld“ lief im Großen und Ganzen gut, wie ich von Sataniac erfahre. „Die Reaktionen waren schon sehr gut, aber über die Verkäufe kann ich wenig bis gar nichts sagen.“

Letztere werden sich wohl den Reaktionen angeschlossen haben. Die harmonische Zusammenarbeit mit ihrem Plattenlabel Iron Pegasus ist der Band sehr wichtig. Mein Gegenüber berichtet hierzu: „Das läuft sehr freundschaftlich und unkompliziert, beide Parteien wollen nach Möglichkeit die üblichen Widrigkeiten des Business außen vor lassen. Auch wenn dies natürlich nicht immer gelingt. Der Inhaber Costa ist ein feiner Kerl und ein riesiger Metalmaniac, genau wie wir. Also, das passt!“

Das neue Frontcover der aktuellen Scheibe weiß die Blicke auf seine Seite zu ziehen.

Sataniac stimmt mir sofort zu und gibt bekannt:

„Das hat der Michael Westfahl, ein Kollege von uns gezeichnet.“

Geht es um verarbeitete musikalische Einflüsse für die neue CD, so erfahren wir:

„Mein allergrößter Einfluss ist wahrscheinlich Slayer. Unser Six-Stringer Infernal ist da vielleicht noch eine Ecke engstirniger, aber genau das macht seinen Stil, bzw. den Desaster-Stil aus. Ich mag keine fröhliche oder leicht verdauliche Musik, also kann ich gar nichts anderes wie harten, schnellen Stoff zu fabrizieren. Unsere Haupteinflüsse liegen definitiv im den 80ern, auch wenn es auch heutzutage noch eine handvoll guter Metalbands gibt.“

Verständlich. Denkt man über den Titel des neuen Werkes nach, kommt man schnell ins Grübeln. Sataniac präzisiert: „`Divine Blasphemies` ist ein Paradoxon. Ich denke nämlich seit Jahren darüber nach, warum jeder immer nur über das Christentum herzieht. Klar, die westliche Welt ist nun mal größtenteils christlich geprägt, aber was ist mit den fanatischen Moslems, oder sonstigen, von Dogmen geprägten Religionen? Die `göttliche Gotteslästerung` richtet sich also gegen alle, die nur für ihren Gott leben und einfach die vielen Fakten und Erkenntnisse die man heute hat, ignorieren. Ich lebe und helfe mir lieber selber. Und glaube nur an meine Freunde. Auf `Divine Blasphemies` geht es im Prinzip um die Dinge, die mich heute so stören: Religion, Politik und die Gesellschaft; nur eben in ein passendes klischeebeladenes Gewand gekleidet, welches für eine Band wie Desaster unerlässlich ist.“

Beim Songwriting herrscht laut Aussage des Desaster-Vokalisten Arbeitsteilung, obwohl diverse einzelne Ideen vorab separat ausgearbeitet werden.

„Eigentlich entstehen die Stücke mit allen zusammen im Proberaum. Klar, dass die Riffs vorher bei einer Person entstehen. Infernal hat bisher - soweit ich weiß!? - alle Riffs alleine komponiert. Für das neue Album haben wir den Song `Necrolord` von meiner alten Band Divine Genocide gecovert. `Shadowinds` stammt von mir, und das Riffing von `Spare No Coward` war die erste Riff-Gemeinschaftproduktion zwischen Infernal und mir. Die Texte sind zum größten Teil von mir. Ich könnte es aber auch nicht akzeptieren wenn ich dauernd die Texte von anderen vortragen dürfte.“

Und um einen griffigen Text zu verfassen, bedarf es bei Sataniac keiner besonders aggressiven Stimmung, wie er noch offenbart.

„Das ist ganz verschieden. Kommt darauf an, wann einen die Muße küsst! Je nach Stimmung halt! Ich versuche dabei meistens an Dinge zu denken über die ich mich mal furchtbar aufgeregt habe, und dann fallen mir beim Anhören des instrumentalen Songs immer wieder ein paar schöne Vokabeln und Reime ein. Die neuen Songtexte drehen sich vor allem um Death & Destruction! Dunkelheit! Anti-Religion! Wie gesagt, alles was mir auf den Sack geht, wird angeprangert: Die verdummende Konsumgesellschaft, Religionen, die bösen unter den Fanatikern sowie uneinsichtige Frauen, usw. Alles wird von mir in ein nicht zu offensichtliches lyrisches Gewand gepackt und fertig.“

Heavy-, Thrash- und Black Metal-Fans gleichermaßen werden an der neuen Scheibe „Divine Blasphemies“ wieder ihre dunkle Freude haben. Der Sänger bekennt dazu: „In dieser Richtung habe ich keine Ahnung. Aber ich denke, man muss schon ein wenig die alte Schule der 80ger Jahre genossen haben, um zu erkennen wo wir geklaut – ähhemmm, ich meine, um die neue Scheibe wirklich zu lieben. Aber wir wollen das nicht festlegen. Desaster sind Metalfans, und machen Musik für Metalfans! Auch wenn heutzutage nicht mehr alles Metal ist was glänzt.“

Abschließend gibt Sataniac noch einige spezielle Worte an seine Hörer und zukünftigen Fans zum Besten. „Wenn euch unser aktuelles Album gefällt, dann kommt auf jeden Fall mal auf einen Desaster-Gig. Da bekommt ihr dann eine 100%ige `Desastrous Metalattack`! In diesem Sinne: Bang Or Be Banged!“

© Markus Eck, 08.01.2003

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