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Interview: DRACONIAN
Titel: Offenherzige Gefühlsübermittlungen

Wer sich offenherzig dazu bekennt, ein passionierter Anhänger dieser schwedischen Schwerenöter zu sein, gibt damit unbewusst schon eine ganz definitive Facette seiner Persönlichkeit preis: Er ist ein tiefgründiger Mensch.

Denn der todtraurig erklingende und jedwede Lebensfreude restlos abwürgende Gothic Doom Metal von Draconian ist von verzehrend depressiver Anmut und Schönheit.

Besser also, man ist schon vorher unheilbar schwermütig, sonst wird man es hier. Unweigerlich. Gegründet wurde die bitterernste skandinavische Friedhofsgemeinschaft bekannter Weise 1994, ihr offizielles 2003er Debütalbum „Where Lovers Mourn“ offenbarte gleichfalls große Hingabe und Klasse.

Zwei Jahre später nahm dann der aktuelle Nachfolger „Arcane Rain Fell” erneut so einige nach Erlösung verlangende Nebelseelen vollkommen für sich ein.

Und dies glückt nicht zuletzt auch dank der bemerkenswert intensiven Leistung von Sänger Anders Jacobsson, welcher mir sein Tränenorchester mit aktuellem Fokus hier wieder etwas näher bringt.

„Die jüngere Vergangenheit meinte es leider überhaupt nicht so gut mit uns. Wir verloren zwar ein Bandmitglied und gewannen dafür im Gegenzug wieder eines hinzu, aber auch unser alter Keyboarder hat sich mittlerweile von uns verabschiedet. Zuerst nur, was Live-Gigs anbelangt. Doch seine psychologische Kondition ist bedenkenswert schlecht. Es wird also wohl nur eine Frage der nachfolgenden Zeit sein, bis auch er uns verlässt.”

Zunächst hilft der solchermaßen gebeutelten Band ein Session-Mitglied mit Namen Sanne Karlsson an den Tasten aus, so lässt Anders verlauten, und das war noch nicht alles:

„Selbst unser Tieftöner Jesper Stolpe hat vor einiger Zeit den Abgang gemacht, nun müssen wir nach einem neuen Bassisten Ausschau halten. Es wird nicht einfach. Wir hatten sogar schon einen Ersatzmann für den Kerl, den wir bereits eine Weile zuvor kannten. Doch der erwies sich als unehrlicher Mistkerl, dem man absolut nicht über den Weg trauen kann. Er verursachte uns soviel Ärger und Kopfzerbrechen, dass ich ernsthaft anzweifle, dass wir jemals vergessen können, was er uns alles mit seiner egoistischen und ignoranten Art angetan hat.“

Wie der Vokalist fortfährt, sagte jener schnoddrige Unhold seine Teilnahme am schwäbischen SummerBreeze-Festival 2005 kurz vor knapp ab, sodass Draconian nur durch eine gehörige Portion Glück in allerletzter Minute einen Ersatz fanden.

„Olof Götlin half uns schließlich am Bass aus, derselbe Musiker, der auf `Where Lovers Mourn` die Geigenspuren eingespielt hatte. Kürzlich fanden wir glatt einen `richtigen` neuen Viersaiter, Fredrik Johansson. Dieser sollte eigentlich gleich auf einer bevorstehenden Tour mitspielen, doch die wurde unerwartet wegen eines offensichtlichen Betrugsversuchs der zuständigen Booking-Agentur abgesagt. Der für die Tour Verantwortliche wiederum schlug einen anderen solange, bis dieser ins Koma fiel. Harte Zeiten, möchte man meinen; es kann für uns also nur besser werden. Doch Fredrik bleibt nun erstmal in der Band, was durchaus positiv zu werten ist, weil er ein großartiger Mensch und Bandkollege ist.“

Die abschließende Frage an Anders, welcher sein allergrößter Musikertraum als Sänger ist, zieht im Weiteren eine für diese Band bestätigende Antwort nach sich.

„Der hat sich größtenteils bereits erfüllt: Meine und die Gefühle meiner Band genau den Leuten näher zu bringen, die das zu schätzen wissen. Das ist alles. Und unsere treuen Fans sind der beste Dank dafür. Ihnen mit unserer Kunst genau das zu geben, was sie sich von uns wünschen, das stellt etwas Großartiges dar.“

© Markus Eck, 06.10.2005

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