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Interview: DUIVELSPACK
Titel: Publikumsnaher Klamauk

Mittelalter Fun Folk? Genau, so nennt diese lästerliche aber liebe Gesandtschaft ihren Stil. Haarscharf an der letzten Jahrtausendwende gegründet, spielen diese drei frohsinnig-schelmischen Mittelalter-Musikusse auch noch immer in der Originalbesetzung. Letzteres spricht eindeutig für die gute zwischenmenschliche Harmonie in der Detmolder Gaudi-Gruppe. Überhaupt haben es sich Duivelspack eindeutig erfolgreich zum künstlerischen Ziel auserkoren, der musikalisch entsprechend zugeneigten Menschheit mittels vielfältigem Klang-Ulk pure Heiterkeit ins Gemüt zu teufeln.

„Nur wer lacht, vergisst den Dreck hinter seinem Rücken“, proklamiert der dreiköpfige Haufen zurecht, und die neue Veröffentlichung „Kindsköpfe“ reflektiert das erhellende Ansinnen von Duivelspack auch ebenso erschöpfend wie erheiternd. Vokalist Arne Heger alias Arnulf der Puster hängt sich bei dem aufgeweckten Dreier auch bei den Blasinstrumenten voll rein und besorgt es der Trommel richtig stark.



Ob die meisten der Leute überhaupt verstehen, was die Kerle mit ihrer Kunst Lustiges anzetteln wollen, darüber dreht sich der Dialog zu Beginn.

„Ach, das ist doch eigentlich nicht wichtig. Wir neigen in Deutschland dazu, Dinge immer in Schubladen stecken zu wollen. Für diese Menschen haben wir das Label ,Mittelalter Fun Folk‘ entwickelt, damit sie sich was vorstellen können und uns in irgendeine ihrer Schubladen stecken können. Wir machen Musik auf Nachbauten mittelalterlicher Instrumente, haben eine Menge Spaß an dem, was wir tun und wir sind eindeutig folkig angehaucht ... Mittelalter Fun Folk eben“, legt der Sänger gut gelaunt das Selbstverständnis seiner Meute dar.

Er fügt dazu noch flugs an: „Unser entsprechendes Ziel: Authentisch zu sein, Spaß an dem zu haben, was wir tun, unser Publikum ernst zu nehmen und uns selbst dafür nicht immer so ganz ernst zu nehmen.“

Was nun die Musik von Duivelspack im Speziellen auszeichnet, das ist für den kecken Barden schwer zu beurteilen, wie er bekennt.

„Wie wir von unserem Publikum immer mal wieder hören, gibt es ein paar Punkte, die uns auszeichnen. Wir machen primär keine langweiligen Frontalkonzerte, spielen also nicht vor, sondern für und mit unserem Publikum. Es ist uns also besonders wichtig, das Publikum als Teil des Konzertes zu verstehen. Spontaneität und Wortwitz sagt man uns ebenfalls nach. Wir sind eine absolute Live-Band. Unsere CDs zu hören ist zwar schön, live kommt aber die Interaktion und der Klamauk mit dem Publikum dazu. Das macht uns wohl aus, wie man auf unserer vorangegangenen letzten Live-CD ,Ja, Schatz!‘ hören kann.“

Letztere folgte bekanntlich dem ebenfalls 2010 auf den Markt gebrachten Studio-Langdreher „Dicke Freunde“. Arnulf der Puster resümiert schwitzend:

„Rund ein Jahr arbeiteten wir für die Lieder des neuen Werkes. Wir spielten daneben auch ordentlich viele Konzerte, und wir haben uns in das Abenteuer Merchandising gestürzt. [grinst] So haben wir neben unseren CDs und dem Liederbuch auch T-Shirts und solchen Kram in unser Sortiment aufgenommen. Auch haben unser Bandlogo überarbeiten lassen und viel hinter den Kulissen an Plänen für die Zukunft gearbeitet.“


Auf ihren ersten acht CDs haben Duivelspack eher für die Gruppe übliche Sauf- und Rauflieder, freche Gassenhauer und Balladen zum Besten gegeben, so der Sänger anschließend. Die aktuelle „Neunte“ war ursprünglich als reine Kinder-CD geplant. Davon sind die Beteiligten aber abgerückt. Wir erfahren mehr:

„Letztlich haben wir eine CD für Kinder, über Kinder und von Kindern, nämlich von uns, gemacht. Als Gäste haben wir unsere beiden lieben Berliner Kollegen von Das Niveau eingeladen und eine Ü18-Version ihrer ,Lieder übers Vögeln‘ aufgenommen. Das hat eine Menge Spaß gemacht. Die Produktion der CD war zum ersten mal komplett anders: Sonst gehen wir grundsätzlich zusammen ins Studio, alle drei. Dieses Mal haben wir uns nicht ein Mal im Studio getroffen, jeder hat für sich seine Parts aufgenommen. Termine machten eine andere Produktionsweise unmöglich. Aber trotzdem hat es eine Menge Spaß gemacht. Und ich denke, dass man das auch hören kann.“

So haben die Detmolder Jecken laut Arnulf zum ersten Mal durchgängig das Abenteuer gewagt, einen Bass in alle Lieder zu packen. „Das haben wir vorher noch nie gemacht. Es ist unser ,Pop-lastigstes‘ Album. Ansonsten sind wir unserem Stil sehr treu geblieben, haben ihn nur ein wenig erweitert und uns musikalisch fortbewegt. Das sollte, neben neuen Liedern, sowieso immer ein Grund sein, eine neue CD zu machen.“

Der Kompositionsprozess zum neuen Album lief im Großen und Ganzen wie gewohnt ab. „Mit der Ausnahme, dass unser Fiedler Daniel dieses Mal überdurchschnittlich viele Lieder komplett geschrieben hat.“

Hinsichtlich Akzeptanz in der Mittelalter-Szene schätzt sich der flotte Dreier selbst als eine Art „Geheimtipp“ ein, wie in Erfahrung zu bringen ist. Der Puster erläutert:

„Zwar haben wir uns in den vergangenen zwölf Jahren einen guten Namen erspielt und eine breite Basis an Fans und Freunden, aber wir sind eben keine laute Dudelsack-Trommel-Combo. Wir legen Wert auf gute Texte, wir sind nicht unbedingt Verfechter von all zu platter Animation des Publikums und wir sind auch nicht die Typen dafür. Wer zu uns kommt, der mag auch mal eine Sekunde über eine Pointe nachdenken. Wir haben uns, glaube ich, einen Bekanntheitsgrad erspielt, und wir ziehen auch Leute, sind aber eben doch eher der Act für Clubs bis 150 Besucher, nicht für Riesen-Hallen.“

Auch noch nach musikalischen Einflüssen befragt, weiß der Mann wie folgt Einblick zu gewähren:

„Hm, ein wenig Beatles, ein wenig Ärzte, ein wenig französische Troubadoure, ein wenig irischer oder skandinavischer Folk, moderner Pop oder Rock, Liedermacher ... ich glaube wir versuchen einfach jedem Text die Musik z geben, die er in unseren Ohren gerade braucht, egal welche Richtung. Aber auch da bleiben wir uns treu, weil wir unseren Klang und unseren Stil gefunden haben. Der wird an verschiedene Musikrichtungen angelegt, da kommen sehr spannende Dinge dabei heraus ... immer wieder.“

Für die Lyriken der neuesten Duivelspack-Kompositionen ist einzig so richtig das tägliche Dasein selbst von Relevanz gewesen. Arnulf: „Für die neue CD war es definitiv das Leben und der private Alltag. Wir drei haben zusammen sechs Kinder, die liefern wahrlich genug Stoff und Anregungen für Lieder, wenn man eine CD machen will, die sich mit Kindern beschäftigt.“

Das Duivelspack ist aber ohnehin eine sehr kreative Band, so der fidele Pustemann. „Wir haben immer wieder so viele neue Ideen, was mich nach all den Jahren immer wieder wundert. Wir haben über 100 Lieder auf neun CDs heraus gebracht, haben ein Liederbuch mit 150 Seiten und es ist nicht geplant, bald in den Sack zu hauen und aufzuhören. Ich denke an viele unserer Lieder, die mir nach wie vor unglaublich gut gefallen, und ich freue mich, dass wir in den vergangenen zwölf Jahren so viel zusammen geschaffen und geschafft haben. Und ich freue mich total darauf, diese Liedersammlung in den kommenden Jahren noch mehr zu erweitern. Schließlich wollen wir noch bis 60 weiter machen...“

© Markus Eck, 15.09.2012

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