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Interview: DUNKELGRAFEN
Titel: Gesichter des Teufels

Mit extremen Alben wie dem peitschenden 1998er Debüt „Schatten der Ewigkeit“, dem ein Jahr später erschienenen Satansstreich „Baphomet´s Aeon“ oder dem hochintensiven 2001er Höllenmanifest „Triumph des Fleisches“ schufen sich diese bitterbösen Derwische einen Status als ebenso linientreue wie ernsthafte Black Metal-Verfechter.

Vor allem im fanatischen Underground des Genres scheint die ostdeutsche Band nach wie vor ihre treuesten Verehrer hinter sich zu wissen.

Und das ist auch angemessen so, denn diese Musik ist bestimmt nicht für die breite Masse gedacht. Schmerzlich lange habe ich nichts Neues mehr von den düsteren Dunkelgrafen vernommen, nun endlich steht der neue Christenhetzer zum Release an: Das vierte Album „Oris Diabolis“. Höllenbarde und Keyboarder Dunkelgraf höchstpersönlich lässt mich in seine satanische Geisteswelt blicken.

„Zurzeit kann die Stimmung bei uns nicht besser sein. Wir haben es endlich geschafft, das neue Album zu veröffentlichen, um unsere Rückkehr nach zwei Jahren Abstinenz einzuleiten“, reibt er sich eingangs hämisch die Hände.

Als im Oktober 2001 Iskariot und Ende November des Jahres Gabriel die Band verlassen hatten, war es erst noch ziemlich unklar ob und wie es mit Dunkelgrafen weiter gehen sollte, weiß der Kerl noch zu berichten.

Dunkelgraf bilanziert weiter: „Wir legten die Band für knapp drei Monate auf Eis und jeder widmete seine Zeit anderen Dingen. Ende Februar 2002 trafen wir uns dann wieder um eine Endscheidung zu treffen. Alle waren sofort der Meinung, dass die Band so nicht sterben kann. Wir besorgten uns einen Drumcomputer um das fehlende Schlagzeug zu ersetzen und den Synth übernahm ich vorübergehend.“ Das ganze Jahr 2002 haben sie dann an neuem Material gearbeitet, um im März 2003 das Black Flame Studio zu entern und um dort „Oris Diabolis“ einzuspielen, wie mir der Meister weiter berichtet.

Von Schubladenbezeichnungen hält Dunkelgraf persönlich nicht viel, wie er bekennt: „Ich bin der Meinung, wenn man sich einer Sache verschrieben hat, sollte man diese auch so gut wie möglich durchziehen. Dies ist für mich die ehrlichste Form beim Musikproduzieren. Man sollte seine Fahne nicht in jede Windrichtung wehen lassen. Wäre dies der Fall, würde es für mich keinen Sinn mehr geben Lieder zu schreiben. Sollen das andere Bands ruhig machen, sie werden sehen was sie davon haben. Für Dunkelgrafen kommt nur eine Bezeichnung in Frage, wie sie all die Jahre war und ist: Black Metal. Es wird zwar einige Leute geben die da anderer Meinung sind, aber dies ist uns auch egal. In unseren Augen steht am Anfang immer noch das „Black“ und das ist es, was unsere Lieder und Texte ausdrücken.“

Und der Bandname der Horde hat in seinen Augen nichts an Bedeutung verloren, sondern eher an Bedeutung gewonnen. Wir erfahren hierzu:

„Dunkelgrafen gibt mir nach wie vor die Möglichkeit, eine Seite von mir auszuleben, welche man im Alltag selten zeigen kann. Es wäre doch für dieses inkompetente Volk ein gefundenes Fressen, wenn sie wüssten, was man so treibt. Diese Leute brauchen doch ihre kleinen Storys, um ihre Sensationslust zu befriedigen. Darum ist Dunkelgrafen für mich die beste Möglichkeit meinen Emotionen freien Lauf zu lassen, welche ich mit den richtigen Leuten teilen und ausleben kann.“

Das Songwriting ist zudem sehr ausgeglichen in der Band: „Da jeder seine Vorstellungen und Ideen einbringen kann. Meistens kommt einer von uns mit einer Grundbasis für einen Song, wo dann jeder seinen Brei dazu gibt. Wie es auch auf dem neuen Album der Fall war. Beim neuen Album standen wir nicht unter Zeitdruck und konnten so einige Sachen austesten und bis zum Letzten ausreizen. Das war für uns von großem Vorteil. Ein gutes Album sollte wie guter Wein sein, dieser braucht auch seine Zeit, um zu reifen und diese Zeit konnten wir uns endlich nehmen.“

„Oris Diabolis“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Gesichter des Teufels“. Dunkelgraf erinnert sich zurück:

„Oris Diabolis“ sollte am Anfang kein Konzeptalbum werden. Aber als ich die Texte geschrieben hatte, setzten diese sich hervorragend zu einem Puzzle zusammen. Daraus entstand „Oris Diabolis“. Jeder Song zeigt ein Gesicht des Teufels, welches über die Jahrhunderte oder in der Gegenwart entstanden beziehungsweise stigmatisiert wurde. Für mich ist dies wie Blutlinien, die sich durch die Epochen der Geschichte ziehen. Darum möchte ich auf zwei Songs eingehen: „Beltane“ und „Portrait Of An Antichrist“. Beltane, das Walpurgisfest, welches schon von den alten Kelten gefeiert wurde und heute noch spürbar ist. Ich finde es bloß zum Kotzen, dass so allmählich eine kommerzielle Angelegenheit daraus gemacht wird. Viele wissen gar nicht, was da gefeiert wird, sie saufen sich nur ihre hohlen Köpfe zu und alles ist in Butter. Ich halte es jedoch für wichtig, das man sich mit solchen Sachen beschäftigt, wenn man so ein Fest feiert. „Portrait Of An Antichrist“, diesen Song habe ich in Erinnerung an A.S. LaVey geschrieben, welcher wohl der bekannteste Wegbereiter des Neo-Satanismus ist. Seine Arbeit ist heute noch in Form der Church Of Satan und in seinen Schriften allgegenwärtig.“

Im Weiteren ist der entschlossene Tastenspieler der Meinung, dass die Truppe während des Kompositionsprozesses zum neuen Werk nicht nach speziellen Einflüssen gesucht hat. Sondern:

„Jeder in der Band hat seinen Ideen freien Lauf gelassen. In den neuen Songs sind zwar Elemente aufgetreten, die wir so noch nicht hatten, aber man entwickelt sich nun schließlich auch weiter. Ein gutes Album sollte die innersten Gefühle in einem wecken. Wenn ich mir eine gute Scheibe anhöre spüre ich wie sich mein Geist entweder beruhigt oder aufbrausend wird. Dies haben wir versucht mit dem neuen Album zu erreichen. Wir haben uns auch keine großen Gedanken darüber gemacht, welches Publikum wir damit ansprechen wollen. In erster Linie ist das Album für all die Leute die uns die ganzen Jahre so tatkräftig unterstützt haben. Wenn sich jemand damit identifizieren kann, dann soll er dies tun. Es sollte doch jeder selber entscheiden können ob er zu Dunkelgrafen steht oder nicht.“

An der neuen Dämonenscheibe gefällt mir neben der Musik auch diesmal ganz besonders, dass die Texte in deutscher und englischer Sprache im Booklet zu lesen sind, was den Anhängern der Gruppe nur Recht sein kann. „Den Grundgedanken hatten wir schon beim letzten Album dazu, doch haben wir es damals zeitlich nicht geschafft die Texte zu übersetzen. Auf „Oris Diabolis“ haben wir gleich nachdem ein Song abgeschlossen war, die Übersetzung vorgenommen.“

Was Bands wie Cradle Of Filth oder Dimmu Borgir heutzutage fabrizieren ist dem Sänger laut eigener Aussage „scheißegal“, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Sollen die doch ihre lustigen Videos auf Viva rauf und runter laufen lassen. Ich kann mich für solche Bands nicht mehr begeistern. Die Szene ist derzeit jedenfalls wieder stark am Wachsen, was nicht zu übersehen ist.“

Der Musikgeschmack ist bei diesen lichtlosen Adligen ziemlich weit gefächert. Dunkelgraf hierzu:

„Jeder hat so seine kleinen Faves bei uns. Shaitan hört viel Death Metal wie beispielsweise Vader, Bolt Thrower oder alte Asphyx. Apokryphos schwört sehr auf alte Ulver und My Dying Bride. Und ich höre sehr viel alte Sachen wie King Diamond, Mercyful Fate, Slayer usw.“

Wie sich dann im weiteren Dialog abschließend auftut, werden Dunkelgrafen kommendes Jahr 2004 einige einzelne Gigs und im April eine kleine Tour mit Dark Fortress spielen.

„Steht aber alles noch in den Startlöchern, also noch keine genauen Daten. Wir haben noch keine konkreten Pläne für die Zukunft, auf jeden Fall wollen wir nächstes Jahr ein neues Album auf dem Markt bringen. Satanic greetings! Dunkelgraf!“

© Markus Eck, 05.12.2003

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