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Interview: EISBRECHER
Titel: Multiple Herausforderung

Mit dem 2012er Albumvorgänger „Die Hölle muss warten“ konnten die bayerischen Elektro Rocker ihre bislang größten Erfolge überhaupt verbuchen. Die Band ließ umfangreiche Touren nachfolgen, wobei Eisbrecher bei umjubelten Konzerten ihre bekannten Live-Qualitäten umfangreicher denn je hervorhoben.

Nun schiebt das Quintett endlich einen Longplayer nach. Und auf „Schock“ präsentieren sich die atmosphärenfreudigen Urheber nicht nur härter, intensiver und oftmals eindringlicher, sondern auch tiefgründiger und abgründiger.


Mit Bedacht gearbeitet
Hinsichtlich der dreijährigen Wartezeit bis zur aktuellen Albumscheibe stellt Gitarrist Noel Pix klar, dass Eisbrecher sich dem Trend vieler Bands, jedes Jahr eine neue Platte zu veröffentlichen, definitiv nicht anschließen.

„Denn dabei kommt zu 100 Prozent nur Blödsinn raus. Gutes Ding braucht Weile, hat mal jemand gesagt. Ich glaube, ich war es, bei einem Interview zur letzten Platte. So haben wir uns bewusst mehr Zeit genommen. Nach fünf Alben wird es leider nicht einfacher, Songs zu schreiben. Deswegen erfolgte sinnbildlich ein Druck auf den Reset-Knopf um die Birne erst mal wieder freizukriegen nach dem ganzen Rummel um ,Die Hölle muss warten‘.“

Anhaltend inspiriert
Laut Vokalist und Chefcharismatiker Alex erwartet die geneigten Hörer diesmal wieder eine randvolle Packung an Musik. „Wir zünden ein Rock and Roll-Hit-Feuerwerk, das die Leute sowohl zu Hause als auch im Club oder sonst wo aus den Badelatschen hauen wird! Die ungeneigten Hörer hingegen werden weiterhin nicht begreifen, was ihnen entgeht, wenn sie Eisbrecher ausblenden. Unsere Songs sind immer frisch, spiegeln die Zeit, in der sie entstanden sind wieder und vor allem werden sie mit der Zeit immer besser! Kein Album ist wie das andere. Der Eisbrecher-Stilmix bleibt eine Herausforderung für Herz, Hirn und untenrum. Irgendwie haben wir das Glück, zeitlose Kompositionen zu erschaffen. Das merkt man am besten in den Clubs, wo sich inzwischen sehr viele Eisbrecher-Songs als Dauerdreher etabliert haben.“

Hohe Selbstsicherheit
Eisbrecher haben sich seit Ende 2012 so richtig ins Songwriting und in die Ideenfindung für „Schock“ gestürzt, wie der megalässige Sänger weiter wissen lässt.

„Erst noch etwas entspannter, dann wurde es immer wilder. Alles eigentlich wie immer, nur hat das Ganze diesmal mehr Zeit bekommen. Wir begannen in Hamburg, dann legten wir in Berlin an, dann arbeiteten wir parallel in Hamburg, Berlin, Freising und Münster. Alles genau so wie es sich für ein ordentliches mittelständisches, deutsches Unternehmen gehört. Flexibel, motiviert, mobil, kreativ und belastbar. Mit diesen Qualitäten bekommen wir jeden Job!“

Noel ergänzt seinen Kollegen. „Vor allem 2014 war im Zeichen der neuen Platte. Wir haben bewusst live zurückgefahren und nur wenige Festivals gespielt. Das schadet auch gar nicht, man muss nicht immer überpräsent sein und die alten Knochen freuen sich auch mal über die Couch zu Hause. Wir waren aber die Jahre davor auch ganz schön unterwegs. Somit volle Konzentration auf das Arbeiten im Studio.“

Direkt aus dem Leben
Die neuen Stücke gerieten den Eisbrechern außerordentlich tiefsinnig und vor allem düster. Alex lässt dazu vom Stapel:

„Es kommt wie es kommt, so oder so! Da wir real sind, unsere Umwelt real ist und da das was wir so treiben ebenfalls sehr real ist, glaube ich mit Fug und Recht behaupten zu können, dass alles was du auf ,Schock‘ zu hören bekommst einer gewissen Realität entspringt. Und da unsere Realität durchaus eine Schnittmenge mit der Realität vieler anderer Menschen hat - der Beweis: du hast es als Realität erkannt - werden wir vielen aus der Seele sprechen.“

Bewährte Arbeitsteilung
In Sachen Songwriting ergaben sich bei der Formation bis heute keine großen Änderungen, so Noel. „Rupert Keplinger ist ja als neuer Bassist vor zwei Jahren zu Eisbrecher gestossen. Der Mann verdient sich als professioneller Songwriter seine Brötchen und war natürlich herzlichst eingeladen mit uns zu schreiben. Ansonsten hat sich nichts Großes verändert. Ich mache die Hits und Alex sieht halt gut aus“, scherzt er in verschmitzter Manier.

Zufriedene Retrospektive
Alex holt erwartungsgemäß etwas weiter dazu aus.

„Das meiste kommt aus dem Eisbrecher-Kopf-Bauch-Unterleib. Und zusammen mit Freunden und Kollegen wird dann etwas Großes daraus; etwas, das jetzt ,Schock‘ heißt. Pix macht Musik, Alex macht Text, Pix und Alex machen Texte, unser Bassist Rupert schreibt Musik, zusammen mit Justin Balk auch mal einen Text. Es geht wild zu. Dann kommt Chris Busek ins Spiel, der mit Michelle Leonhard ein Ding raushaut, dass die Wände wackeln! Henning Verlage hat eine Idee, die dann Pix und Rupert umsetzen. Es hat alles in allem ganz hervorragend geklappt, sonst würden wir immer noch feilen. Denn wir hören erst auf, wenn wir von uns selbst beeindruckt sind, wenn wir uns selbst überrascht haben. Wir machen so lange weiter bis es dreizehn schlägt. Und die 13 steht für Vollbedienung! Der Eisbrecher hat eine motivierte, großartige, fähige Mannschaft. Das hört man der Scheibe an. Das gilt für auf und hinter der Bühne ebenso!“

Anregender Ausbruch aus dem Gewohnten
Wie Noel dem im Weiteren noch anfügt, haben sie fürs Texten und Songwriting ihre 40 Demos in die Tasche gepackt und sind aus Bayern in die Hauptstadt entflohen, um mal den normalen Studiotrott hinter sich zu lassen.

„Geplant war eigentlich eine Woche, aber das hat so wunderbar funktioniert, dass wir uns da gleich für zwei Monate eingenistet haben! Warum das so gefunzt hat, kann ich eigentlich gar nicht genau sagen. Die berühmte Berliner Luft vielleicht. Wir haben das Großstadtflair nur einmal so richtig wahrgenommen als Alex Getränke vor seiner Nase geklaut wurden. Ansonsten waren wir nicht einmal aus. Aber alles in allem bin ich über zwei Jahre an der Scheibe gesessen.“

Aufruf zur Offenheit
„Schock“ - ganz klar sehr zeitgemäß, wenn man auf den Straßen der größeren Städte etwas genauer Ausschau nach dem heutigen Homo Sapiens hält … doch was genau steckt hinter dem Titel?

Laut Alex ist der Titelsong des neuen Albums aus der Sicht des Systems zu verstehen. „Um es zu schocken, zu erschüttern, braucht es sehr viel mehr, als nur Stammtischgemaule, Hintenrum-Gefrotzel auf Facebook, feige Anschwärzerei und entrücktes zu Gott-Gebete. Che Guevara hat das System überstanden, den kalten Krieg, Wirtschaftskrisen und Kriege. Na los! Kommt und versucht das System zu schocken. Es wird nicht leicht!“ 


© Markus Eck, 02.01.2015

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