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Interview: EISBRECHER
Titel: Harte Navigation

Die kommende „Sturmfahrt“ zählt musikalisch definitiv zum reifsten und lyrisch bedeutungsvollsten, was es bislang von Kapitän Alexx und seiner Mannschaft in die Ohren gab. Und auch für das unerhört breite, betont atmosphärische Klangbild dieses siebten Studioalbums streckte Maincomposer, Leadgitarrist und Produzent Noel Pix den Kopf weitsichtig aus dem Eisbrecher-Brückenfenster. 



Die 14 neuen Titel bieten insgesamt eine kompositorisch geballte und bemerkenswert originelle Ladung, aus der die markantesten Bestandteile der beiden Vorgängeralben herausragen. 


Bei schweißtreibenden 30° schleppt sich der Autor am 15. Juni ins kleine, aber feine Freisinger Pixstudio.

Es geht in eine Idylle, wo der zweite Steuermann Noel nebst bärtigem Schiffsführer nachmittags schon darauf warten, doch endlich die neue Platte vom Stapel zu lassen.


Der nicht selten nah am Metal andockende Sound von „Sturmfahrt“ offenbart das fetteste, druckvollste und dynamischste Electro Rock-Erlebnis, das der bayerische Fünfer bis heute in Fahrt brachte.

Hierfür saß Pix auch am Equipment in seinem Berliner Pix Loft Bunk Studio, wie er sagt.

Den fragend aufrüttelnden Opener „Was ist hier los“ präsentieren Eisbrecher seit 23. Juni, er gewann die Wahl in der Band zur ersten Singleauskopplung von „Sturmfahrt“.


Es folgt die Nummer „Besser“, woran sich der fulminant arrangierte Titelsong anschließt. Für „Das Boot“ nahmen sich Eisbrecher diesmal dem musikalischen Grundthema des weltberühmten Filmsoundtracks an, was erfreulich clever und hörenswert ausgefuchst strukturiert wurde.

„Das Original wurde vom ehrwürdigen Herrn Klaus Doldinger komponiert, und nicht von der Technoformation U 96 beziehungsweise Alex Christensen“, stellt Pix klar, „wir haben zwei Zitate aus diesem Lied übernommen, jedoch nicht gesampled, sondern neu komponiert und daraus den Song gestrickt.“ 



Alexx fügt an: „Unser ‚Das Boot‘ ist eine wunderschöne Metapher, die perfekt in die heutige Zeit passt. Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen. Wer es hört, wird es verstehen. Und wer nichts verstehen will - jeder darf, keiner muss!“


Nach dem „Automat“ ertönt das Grauzone-Coverlied „Eisbär“.

Weiter geht es mit „Der Wahnsinn“, „Herz auf“, „Krieger“ und „Das Gesetz“.

„Wo geht der Teufel hin“ ist auch textlich exzellent geglückt, ganz sicherlich einer der bedeutungsvollsten Tracks auf „Sturmfahrt“. 


„Beinahe jeder, der Hirnzellen hat, und diese sich auch verknüpfen lässt, leidet heutzutage unter ‚Burnout‘“, kommentiert Alexx zu „Wo geht der Teufel hin“.

„Die Menschen tauschen sich ja auch zu wenig miteinander aus, ja, vereinsamen elend mit dem ganzen Lebensdruck. Und davon bleibt auch der Großmeister der Sünde, des finsteren Gedankengutes dieser Welt, Satan, der Teufel, nicht verschont.“



„Wir sind ‚Rock’n’Roll‘“, „D-Zug“ und „Das Leben wartet nicht“ machen schließlich den Seesack zu. Die vielen, gekonnt inszenierten, balladesken Momente sind nicht nur völlig klischeefrei, sondern können auch stets sehr nachdenklich machen. Solcherlei gefühlvoll zelebrierte Echtheit zählt mit zu den herausragenden Stärken auf der neuen Liederkollektion.

Noel kommentiert zum neuen Release: „Nein. Wir erfinden uns nicht immer neu. Ich denke auch, dass dies eigentlich gar nicht möglich ist. Als ich dieses siebte Album anging, war dies natürlich auf keiner Ebene leicht für mich. Ich habe daher einfach primär versucht, mich selber zu überraschen. Und das passiert nicht, wenn man sich in einer ständigen Dauerschleife befindet, sich immer selber wiederholt. Genau das wollen wir aber nicht. Ich hatte vorab keinen Plan, hoffte aber, dass ich auf meiner Reise viel Neues und Frisches einfließen lassen zu können. Ich hoffe, dass ich die Leute nun auch damit überraschen kann. Bislang ist uns das ja auch ganz gut gelungen.“

Alexx, auf seine gehaltvoll-symbolträchtigen Songtexte angesprochen, ergänzt in geradezu bestechender Lässigkeit:

„‚Schwierig‘ ist es immer. Wenn es einfach wäre, wäre es auch nix wert. Es war vor allem wie immer ein schwieriger Kampf. Die deutsche Sprache ist und bleibt eine schwierige Sprache. Und eben auch eine schwere Sprache, um sich auszudrücken, ohne die immer gleichen ‚Reim-dich-oder-ich-fress‘-dich’-Komponenten zusammenzubauen. Wichtig ist: Was für die Musik gilt, gilt auch für den Text. Überraschend bleiben, sich selbst überraschen, Neues erzählen - Altbekanntes in neuem Gewande! Wir haben in den zweieinhalb Jahren, in denen wir diese neue Platte gemacht haben, das Zeitgeschehen durchdenkend reflektiert, um letztlich ein tolles Statement zur Zeit abzugeben.“

Offiziell veröffentlicht wird „Sturmfahrt“ am 25. August. 


© Markus Eck, 17.06.2017

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