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Interview: ELMSFEUER
Titel: Gefühlvolle Seefahrermusik


So einige Formationen entdeckten in den letzten Jahren bekanntlich das wilde piratische Rocken für sich, was selbst bei allem ehrlichen Enthusiasmus und gut gemeintem Vorgehen nicht immer allzu originell geriet.

Doch mit ihrer erfreulich eigenständigen und dabei überaus selbstbewusst kreierten Version des Genres wissen Elmsfeuer doch sehr mit erfrischenden Ideen daraus hervorzustechen. Außerordentlich homogen ins flüssige Spiel gebrachte Gestaltungselemente aus den Bereichen Folk, Mittelalter und Rock dienen den wohltuend beflissen agierenden sechs Musikanten als Grundstock für ihre schnell ins freiheitsliebende Herz gehende Klangkunst.

Berührend Balladeskes dominiert dabei nicht gerade selten. Und die vom Käpt‘n der Mannschaft deutschsprachig besungene Mischung des einfallsreichen südhessischen Sextetts hat auch mittels einer gehörigen Portion Authentizität große Chancen auf breitenträchtige Popularität, wie das aktuelle Debütalbum „Schatzsuche“ verdeutlicht.


Dazu befragt, welche Hintergründe die Songtexte ihrer Band aufweisen, legt Geigerin Franzi dar:

„Allgemein gesagt berichten unsere Songs über die Erlebnisse der Elmsfeuer und ihrer Crew zu Lande als auch auf hoher See. Da wir stark überlegt hatten, wie wir unsere Jungfernfahrt bestreiten wollen, wurden die Songs sehr gezielt ausgewählt. Bildlich kann man sich einen ersten Landgang unserer Crew vorstellen - vom Ankern bis zur Tavernenschlägerei und der folgenden Sehnsucht nach der See. Aus diesem Grund befinden sich auch Songs von der ,Promo 1712‘ auf unserem Debütalbum.“

Der Käpt‘n der Elmsfeuer liebt es, so die Fidel-Dame im Weiteren, seine Geschichten hochtrabend und zweideutig dem Hörer zu erzählen:

„So klingt selbst eine typische Rauferei in der Spelunke eher nach einem Gelage unter Adeligen. Doch wenn man genau hinschaut und zwischen den Zeilen liest, wird schnell klar, dass es alles andere als gesittet verlief. Der Text zu ,Klaus Störtebeker‘ wurde beispielsweise von einem guten Freund des Käpt´ns geschrieben und befasst sich mit der Legende des Hanseaten. Dass wir gezielt Medien als Vorlage nutzen, können wir für dieses Album eher ausschließen. Vielmehr bestimmen Song-Art und Melodieführung das Grundthema des jeweiligen Songs.“

Die südhessischen Musiker beanspruchen das selbstkreierte Genre „Piratenrock“. Franzi: „Das bedeutet Mittelalter Rock in Seeräubermanier: Fette Riffs, klarer Gesang des Käpt´ns, prägnante Melodien. Dazu eine vielseitige Mischung verschiedener Elemente aus Folk, Rock und einer Prise Metal. Anders als bei Mittelalter Rock üblich, verzichten wir auf Dudelsack und Schalmei und verwenden stilecht Geige und Akkordeon.“

In piratigen Gewässern schippert die Mannschaft der Elmsfeuer musikalisch relativ eigenständig, wie die Geigerin konstatiert.

„Befreundete Mannschaften, wie zum Beispiel Mr. Hurley & die Pulveraffen oder Vroudenspil bedienen sich eher Folk- denn Rock-Elementen. Vergleichen wir uns aber mit der Mittelalter Rock-Szene, wären ganz klar ein paar Unterschiede zu nennen: Beispielsweise werden unsere Texte gesungen und nicht gegrölt. Wir spielen schnulzige Balladen, verwenden mehrstimmige Melodieführungen und hier und da taucht sogar ein Gitarrensolo auf.“ 



Die Kompositionen sind größtenteils von Gitarrist Dargon geschrieben, wie sie bereitwillig auspackt:

„Meist hat er eine ziemlich ausgereifte Song-Idee. Die lädt er in unserem Forum hoch und dann wird in den Proben weiter daran gearbeitet: Melodien verteilt, Drum-Betonungen ausgetüftelt und am Song-Aufbau gefeilt. Nach und nach bringen dann alle kleine Spielereien und ihre eigene Note rein. Deswegen dauert es manchmal auch länger, bis wir einen Song für ,fertig‘ erklären. Da es unser erstes richtiges Album ist, kann man weniger von einem Kompositionsprozess reden. Vielmehr haben wir eine Songauswahl aus unserem knapp eineinhalbstündigen Live-Set getroffen, mit welchem wir an Silvester unser einjähriges Bühnenjubiläum bestritten. Dennoch haben wir im Studio letztendlich noch einige Arrangements und Melodien komponiert, um die Songs noch etwas auszuschmücken. Bewusst haben wir dabei auf Keyboards und Gastmusiker verzichtet.“

Prinzipiell haben die Elmsfeuer-Notenkünstler keine Vorbilder in Sachen Komposition, wie die Geigenfrau ergänzend offenbart.

„Dem geneigten Hörer könnte jedoch auffallen, dass unser Gitarrist Dargon gerne zweistimmige Melodien beziehungsweise Riffs verwendet. Immerhin schrieb er solche in der Vergangenheit auch für seine damalige Melodic Death Metal-Band Paimon. Dort waren übrigens auch Oli und Tilman aktiv, bevor sie zu Nachtgeschrei wechselten. Ansonsten bedienen wir uns eher an stilistischen Elementen aus Folk und Rock im Allgemeinen.“

Bedingt durch Beruf etc. verliefen die Arbeiten an den Aufnahmen zur frischen Elmsfeuer-Veröffentlichung oftmals separat. Umso spannender war es dann für die Beteiligten, so Franzi, im Studio die verschiedenen neuen Melodien, Gesangsstimmen und Spielereien der Crew-Mitglieder zu entdecken.

„Dargon war jede freie Minute unterstützend anwesend. Somit konnten ein paar Melodien neu geboren und Unstimmigkeiten beseitigt werden. Besonders spannend jedoch gestaltete sich die Aufnahmesession von dem Intro der Scheibe. Erstmalig war dort die fast komplette Crew anwesend und verfolgte total aufgedreht die Entstehung unseres kleinen Hörspiels. Generell war es für uns aber größtenteils eine neue Erfahrung im Studio einzuspielen.“

Die dualen Gesänge sind sehr fein geworden. War es schwierig, diese so homogen ertönend hinzubekommen?

„Fünf von uns sechsen fiel es mehr als leicht, einfach nur zuzuhören. [grinst] Dadurch aber, dass der Käpt´n sich schon lange vorbereitet hatte, liefen die Gesangsaufnahmen beachtlich sauber und geplant.“


„Schatzsuche“ entstand unter der Regie von Witali Weber, wie Franzi weiter informiert. Mehr: „Das Fillitalli Studio liegt circa 25 Kilometer von Darmstadt in Richtung Odenwald entfernt. Zusammen mit unserem Gitarristen hat Witali, der früher Saitenzupfer bei Disbelief war, über mehr als fünf Monate unser Album produziert. Das Fillitalli Studio befindet sich noch im Aufbau und für unseren Produzenten war es die erste genrefremde – abseits des härteren Metal – Produktion.“

So wurde dort meist passagenweise aufgenommen, weil die Bandmitglieder laut Aussage der Geigerin Wert auf Taktgenauigkeit legen und auf unerwünschte Spiel- beziehungsweise Nebengeräusche verzichten wollten.

„Dies ist gerade bei mehrstimmigen Gesangs- und Melodiepassagen unabdingbar. Es ist ja auch keine Live-Aufnahme, jeder von uns spielte separat seine Spuren ein. Einzig unser Drummer trommelte die Songs komplett durch.“

Im Weiteren vom Autoren danach befragt, worin genau sie die ganz speziellen Stärken ihrer Band auf der Bühne sieht, fängt das Gesicht der Freibeuterbraut zu strahlen an.

„Wir haben bis jetzt gemerkt, dass unsere Musik dem Publikum ein Lächeln und gute Laune ins Gesicht zaubert. Dies überträgt sich unmittelbar auf unsere Spiellaune und startet somit die Stimmungsspirale. Eine weitere Stärke für uns auf der Bühne ist das grandiose Publikum vor der Bühne! Natürlich sollte man an dieser Stelle noch unsere atemberaubende Bühnenkulisse, bestehend aus einem Steuerrad und mehreren Fischernetzen lobend erwähnen. Aber vielleicht ist es auch die gewisse Ehrlichkeit und die Möglichkeit ,auf und vor‘ der Bühne Gefühle zu zeigen und zusammen eine gute Zeit zu verbringen?“

Anfang Juni wird nun das von der hessischen Piraten Rock-Formation bereits sehnsüchtig erwartete Debütalbum erscheinen. Die Fidelfrau ist, wie sie verkündet, schon jetzt sehr gespannt darauf, und auch darauf, wie die Reaktion dazu auf dem Festland aussehen wird.

„Ich hoffe natürlich, dass das Album kanonengleich einschlagen wird. Ansonsten stellt das restliche Jahr 2013 für uns einige vielversprechende Gigs in Aussicht, wie beispielsweise MPS, Hörnerfest, Hayner Burgfest, Festival Mediaval und Taverna Cerritus. Außerdem unterstützen wir aktiv die erstmalig stattfindende ,Abenteuerliche Zeitreise - Pirates‘ in Jülich. Ich erhoffe mir ebenfalls, dass wir weiterhin so viel Spaß auf der Bühne haben werden. Wir werden die Bühnen rocken und alle neuangespülten Landratten von uns überzeugen, Arrrr!!!“

© Markus Eck, 18.05.2013

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