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Interview: ELMSFEUER
Titel: Fest am Ruder


Als André ‚Dargon‘ Abram, der erste Maat der Elmsfeuer-Mannschaft, im Jahr 2009 seine E-Gitarre zur Bandgründung in den frischen Nachtwind hielt, trug er bereits pure Entschlossenheit in sich.

Daher entwickelten sich die Geschicke der Offenbacher Piratenrocker auch wie gewünscht, wovon vor allem die Popularität des 2013er Debütalbums „Schatzsuche“ profitieren konnte. Trotz aller nachfolgenden Schwierigkeiten, primär aufgeworfen durch allerlei Besetzungswechsel an Bord, blieb man strikt auf Kurs.

Jetzt hissen die sechs Seeseelen ihre totenköpfige Schiffsflagge wieder hoch in den Genresturm der gesamten Mittelaltermusik. Und das neue Album „Teufel der Meere“ hat den kreativen Laderaum bis oben voll mit hörenswert kaperndem Liedgut.

„Nach dem Release von ‚Schatzsuche‘ folgten eine Menge Konzerte quer durch Deutschland, wie beispielsweise Wacken Open Air, Festival Mediaval, Hörnerfest, MPS-Veranstaltungen sowie verschiedenste Clubkonzerte. Im Herbst 2014 verließen uns Akkordeonspielerin und Bassist. Geeigneten Ersatz am Bass fanden wir unmittelbar mit Djast, der Platz am Melodieinstrument bescherte uns jedoch nur Arbeit, Ärger und schließlich Stillstand. Viele Castings bis hin zum festen Mitglied haben wir etliche Male durchlaufen und wurden meist kurz bevor es Ernst wurde sitzen gelassen“, lautet das Basisresümee von Dargon.


Die aktuelle Bandbesetzung zeichnet sich daher vor allem durch den vierköpfigen, harten Kern aus.

„Gesang, E-Gitarre, Geige und Drums. Im Winter 2014 kam Djast und seit einem Dreivierteljahr hilft uns Sebastian als Multiinstrumentalist an der E-Gitarre aus. Mit Sebastians Fähigkeiten an Gitarre, Klavier und Keyboard samt einem bemerkenswerten Midiflöten-Digital-Dingsbums haben wir nach dem letzten Melodieabgang durch die Flöten beschlossen, in dieser sechsköpfigen Besetzung weiterhin Gas zu geben.“

Von den alten Freibeutern und ihrem wilden Treiben sind Elmsfeuer dermaßen eingenommen, so offenbart Dargon, dass für Elmsfeuer einzig eine maritime Variante von Rockmusik infrage kommt.

„Ich glaube es ist die Faszination an Piraten, die sofort mit bunten Bildern, Krach und Abenteuerlust vor dem geistigen Auge erscheinen. Auch die Möglichkeit, augenzwinkernd Zweideutigkeiten zu erzählen und auf der anderen Seite wieder etwas geheimnisvoller zu wirken, ist sehr reizvoll. Außerdem dürfen wir rockige Schunkelnummern im Dreivierteltakt spielen.“

Die Momente auf der Bühne, bei denen der Funke buchstäblich auf das Publikum überspringt, sind für ihn der stärkste Antrieb, um solcherlei Lieder zu machen. Er schwärmt:

„Wenn sich zu ‚Seeräuberleyd‘ eine Polonaise bildet, oder wenn kleine Piratenanwerber unsere Bastelvorlage für eine Piratenkiste am Merchstand abholen. Aber auch die vielen Umarmungen, herzlichen Kommentare, ob nun persönlich oder digital, und die Zugaberufe.“


Zum einen ist der Mann ziemlich stolz auf das nun vorliegende Album-Endergebnis, vor allem unter den damaligen Umständen.

„Es fällt mir auch ein Riesenstein vom Herzen, das gute Stück aus dem Presswerk zu bekommen und keinen Fehler mehr zu entdecken. Dann geht es mit der Neugier auf Reaktionen unserer Fans weiter, das wird ziemlich spannend! Bis jetzt konnten wir schon durchaus positive Reaktionen ernten.“

Inmitten der mittlerweile ziemlich zahlreichen, stilistisch artverwandten Formationen, sehen sich die Offenbacher Musikanten gemäß Dargons Einschätzung nach wie vor recht eigenständig:

„Klarer Gesang plus Rockformation. Das gibt es eigentlich nicht viele Bands. Man muss aber auch sagen, dass wir Piratenbands uns motiviert untereinander unterstützen und gerne zusammen auftreten. Zum Beispiel vermittele ich auch befreundete Mannschaften, wenn wir eine Konzertanfrage bekommen, aber selbst nicht passen oder spielen können.“


Die neuen Kompositionen auf „Teufel der Meere“ bestechen durch einen hohen Gehalt an Melodie und bieten Wiedererkennungswert.

„Durch den Gesang wirken sie nicht so brachial, sondern bekommen eine komplett eigene Note.“ Elmsfeuer ließen mit ihrem Debütalbum eine gute Mischung aus härteren, schnelleren, schunkelnden und balladesken Nummern vom Stapel.

„Das kam auf CD, wie auch live gut an und so war dies eigentlich unser Hauptaugenmerk bei der Songauswahl für die neue Veröffentlichung. Einige Stücke haben wir zum Teil vorher schon live erproben können, andere haben wir teilweise noch im Studio mit dem letzten Schliff versehen.“


„Teufel der Meere“ ist eine logische, akustische wie auch textliche Weiterführung von „Schatzsuche“. „Bildlich stieß die Elmsfeuer bei dem Debüt gerade in See, bereit, um auf Kaperfahrt zu gehen. Für ‚Teufel der Meere‘ hat die Elmsfeuer schon einiges einstecken müssen. Dies spiegelt auch das Auf und Ab der letzten zwei bis drei Jahre im Bandgeschehen wieder. Gerade Songs wie ‚Das Böse stirbt nie‘ oder ‚Die Schlacht‘ spiegeln das neue Motto ‚Jetzt erst recht‘ wider. Als Abschlusslied haben wir mit ‚Das Meer‘ einen würdigen Nachfolger zu ‚Weltenrand‘ gefunden - anfangs noch theatralisch und ergreifend, dann zunehmend entfesselnd bis sich abschließend im Endlosen verlierend.“

Aufgrund der unzähligen Musikerwechsel und für das fehlende Akkordeon haben Elmsfeuer beschlossen, Franzi an der Geige viel mehr Spielraum zu geben.

„Zuvor standen Akkordeon und Geige auf gleicher Ebene und umspielten sich mit ihren Melodien. Bei ‚Teufel der Meere‘ hat die Geige ihre Dominanz bekommen und darf sich austoben. Dies wird nun auch für weiteres Songwriting so beibehalten. Außerdem haben wir beim neuen Album erstmals Backingvocals verwendet, die wir auch live einbauen.“

Es muss rocken und berühren, sagt Dargon. „Ob dies bei einem eher traurigeren Lied oder einem sogenannten ‚Hüpf+Sauflied‘ passiert, ist erstmal zweitrangig. Außerdem müssen wir beim Komponieren schon Spass in den Backen bekommen und uns gegenseitig mit kleinen Nuancen und Spielereien überraschen.“

Musikalische Einflüsse gibt es bei der Offenbacher Gruppe nicht, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Dafür spielt jeder schon zu gefestigt sein eigenes Instrument. Vielleicht hört man bei ‚Teufel der Meere‘ meine frühere musikalische Vergangenheit heraus, so habe ich etwas mutiger kleinere Spielereien und schnellere Soli eingebaut, wie auch das 2-stimmige Schweden-Death-Riff bei ‚Schiffbruch‘.“

Wie Gesangsmann Käpt´n Wirti anschließend zu berichten weiß, handeln die neuen Elmsfeuer-Texte von verschiedenen Themen, sowohl fiktionalen als auch welchen mit Realitätsbezug.

„Wenn man sich die Songs näher betrachtet, fällt einem auf, dass ‚Bewegung‘ ein vorherrschendes Leitmotiv darstellt, was nicht zuletzt auch einer gewissen Aufbruchstimmung innerhalb der Band geschuldet ist. Aber auch emotional sollen die Texte den Hörer bewegen und stellen die Protagonisten vor schwere Entscheidungen. Dies leitet dann auch zum zweiten großen Themenkomplex des Albums über, nämlich ‚Wendepunkte‘. Das lyrische Ich steht häufig vor einschneidenden Ereignissen und muss sich nun für eine Richtung entscheiden. Hieran zeigt sich vor allem, dass die Texte ernster geworden sind: Auch, wenn sie es vordergründig vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt vermuten lassen, gibt es bei den spaßigen Stücken, die natürlich nach wie vor auf dem Album zu finden sind, auch eine zweite, tiefere Ebene, die durchaus zum Denken anregen soll.“

Nach wie vor beobachten Elmsfeuer das Publikum vor der Bühne und sind auf die Reaktionen gespannt, so Dargon. „Aber auch das Zusammenspiel der Geschichten und Interaktionen zwischen Käpt´n und Publikum überraschen uns immer wieder. Generell wollen wir natürlich, egal ob kleiner Club oder größeres Festival einen überzeugenden Eindruck hinterlassen.“


Und der E-Gitarrist hofft, das Elmsfeuer an die aussichtreichen Kaperfahrten, die sie mit „Schatzsuche“ begonnen haben, jetzt endlich anknüpfen können. „Dass Fans erster Stunde sagen: ‚zwar kein Akkordeon… aber ich finde es trotzdem geil!‘ Ich hoffe aber auch, dass wir weiterhin durch die Arbeiten am Album für uns etwas gelernt haben und für das dritte Album auch umsetzen werden. Für 2017 haben wir noch einige Konzerte gebucht und nun geht es an die Festivals 2018!“

© Markus Eck, 04.07.2017

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