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Interview: ENSIFERUM
Titel: Kompromisslose Überzeugungstäter

Dass ihr neues Studioalbum ein solch übermächtiger Viking Folk Metal-Brecher werden würde, das hatten wohl die dahinter stehenden Musiker selbst nicht erwartet. „Victory Songs“ trägt den siegessicheren Plattentitel somit also völlig mit Recht.

Und wahrlich, die aktuellen furiosen Ensiferum-Kompositionen erschallen dermaßen kraft-, seelen- und würdevoll aus den Lautsprechern, dass man sich selbst bereits mit geringer Hingabe glatt inmitten von altnordischem Seeschlachtengetümmel wähnt. Und obwohl der episch-wikingische Kriegersound der wirklich enorm spielstarken Finnen um Gitarrist und Grummelsänger Petri Lindroos über die Jahre von nicht wenigen Gruppen adaptiert beziehungsweise teilweise frech kopiert wurde, mussten die beliebten Originale niemals um ihre Vorherrschaft fürchten.

Sogar ganz im Gegenteil, wie „Victory Songs“ geneigte Ohrenpaare mit wieselflinken Großepiker-Partituren eins ums andere Mal mit prägender Nachhaltigkeit lehrt.

Wie Petri aktuell berichten kann, blieben er und seine Klangwaffentruppe sich stilistisch auch für die neue Platte selbst so gut als möglich treu. Der Nordmeister spricht:

„Einige kleine Veränderungen zum älteren Material sind schon auf `Victory Songs` zu hören, was ja nur normal ist, wie ich denke. Niemand will sich als Künstler schließlich auf irgendeine Art und Weise wiederholen mit seinem Schaffen. Im Großen und Ganzen ist jedoch aktuell alles wie immer bei Ensiferum, wir haben eben unseren Stil und daneben auch unsere genauen Vorstellungen, wie wir unsere Ideen umsetzen.“

Wie außerdem dazu noch zu erfahren ist, hängte sich Gitarrist und Klarsänger Markus Toivonen als Hauptkomponist ordentlich in die Seile für die neue Veröffentlichung.

„Markus leistete wirklich ganze Arbeit. Dermaßen eingängige Stücke hatten wir selten am Start, worüber wir selbstverständlich über alle Maßen glücklich sind. Je ein Song auf der aktuellen Scheibe stammt daneben von mir und von unserer Keyboarderin Meiju Enho. Absolute Ehrensache, dass wir beide uns auch riesige Mühe gaben, denn gegen Markus als Songwriter kommt man ohnehin nicht an, aber versuchen kann man es ja.“

So machen Ensiferum mit ihren derzeitigen Siegesliedern nicht zuletzt auch verlorenen Boden gut, denn mit dem vorangegangenen 2006er Minialbum „Dragonheads“ waren nicht alle Fans der Band so recht zufrieden – wenn überhaupt.

Petri lässt dies allerdings nicht so einfach auf sich sitzen und stellt dazu mit markanter Phrasierung klar:

„Wir waren zu der Zeit in großer Eile, was die Fertigstellung von `Dragonheads` anging. So konnten wir lediglich einen komplett neuen Song draufpacken. Mit `White Storm` und `Warrior´s Quest` fanden zwei uralte Kompositionen ihren Weg auf dieses Minialbum, welche wir hierfür neu aufnahmen. Dann gab es da auch noch die Amorphis-Coverversion sowie ein traditionelles finnisches Medley. So recht glücklich waren wir auch nicht mit der Angelegenheit, aber diesmal hatten wir glücklicher Weise die nötige Zeit, um gleichsam ausgereifte wie unverbrauchte Stücke zu kreieren.

Ausgekoppelt aus dem aktuellen Album „Victory Songs“ wurde auch eine feine CD-Single mit dem Lied beziehungsweise Titel „One More Magic Potion“.

Dafür nahmen die Finnen eine fantastisch umgesetzte Coverversion des ewigen Uriah Heep-Klassikers „Lady In Black“ auf.

Der Gitarrist und Vokalist resümiert hierzu:

„Es ist zwar nur ein `Two-Tracker`, aber ich denke, allein die Qualität beziehungsweise Originalität der speziellen Coverversion kann den Hörern schon riesengroße Freude bereiten. Wir alle in der Band lieben die tolle Musik dieser Rock-Dinosaurier schon seit wir denken können. Uriah Heep haben in ihrem Genre zweifellos große Geschichte geschrieben. Nur wenige Bands dieser Prägung können auf einen dermaßen umfangreichen Fundus an dermaßen brillanten Liedern zurückblicken. Wir haben `Lady In Black` ganz bewusst ein wenig entfernt vom Original gehalten und in diesem Zuge auch einige traditionelle Instrumente verwendet – eben so, dass man den urtypischen Ensiferum-Style darin reichhaltig vorfinden kann. Ich bin mir sicher, dass all unsere ernsthaften Anhänger den Song fanatisch lieben werden.“

Wir gehen schließlich zu all den martialischen Lyriken auf „Victory Songs“ über. Und wie der Titel eben schon eindeutig deklariert, so der gute Petri, steckt der neue Tollkühnenteller wieder mal voller pathetischer Textzeilen über altertümliche Schlachten und Kämpfe.

„Das ist eben genau unser Ding. Scharfe Schwerter, massive Schilder, spitze Speere. Aber auch massig tiefrotes Blut, salziger Schweiß und dicke Tränen. Nur das macht die lyrische Mischung erst letztendlich in ihrer Gesamtheit für uns aus. Musik wie die unsere schreit ja auch förmlich nach solcherlei Wortgebilden“, lässt der Frontmann mit gleichfalls tiefer als auch enorm selbstsicherer Stimmfärbung verlauten.

Wie der Anführer der fähigen Formation dann abschließend expliziert, stellt „Victory Songs“ für ihn auf jeden Fall 100 % Ensiferum in Reinkultur dar.

Und letzteres steht für den Kerl felsefest, wie er wissen lässt, selbst mit erwähnten kleinen Modifikationen musikalischer Natur.

„Trotzdem, irgendwelche Kompromisse haben wir absolut keine gemacht, das kann uns niemand nachsagen. Sehr froh bin ich im Nachhinein noch immer, dass wir eben die ausreichende Zeit dafür zur Verfügung hatten und demnach in aller nötigen Ruhe so lange an den Stücken arbeiten konnten, bis sie uns irgendwann dann nicht mehr verbesserungswürdig erschienen. Und genau das hört man unseren neuen Kreationen auch deutlich an: Die Lieder wirken ausgereift und damit zeitlos.“

© Markus Eck, 21.03.2007

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