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Interview: ENSOPH
Titel: Kaleidoskop der Emotionen

Seit 1997 treiben diese eigenwilligen Italiener ihr avantgardistisches musikalisches Unwesen. Und die obermorbide Mischung aus Gothic-, Progressive-, Electro- und Industrial-Metal des bizarr gekleideten Quintetts könnte landestypischer wohl nicht sein.

Theatralisch, philosophisch und esoterisch gehen Ensoph vor, diverse Anklänge an vergleichbare Dunkelkünstler wie Theatres Des Vampires sind dabei nicht von der Hand zu weisen.

Das neue Studioalbum „Project X-Katon”, abermals ein überaus experimentelles Stück neurotisches Klang-Traumata, zeigt den Fünfer um Sprachrohr und Drummer Xenos wieder mal von völlig neuen Seiten.

„Ich führe ein sehr zurückgezogenes Leben. Den Großteil meiner Freizeit verbringe ich zwischen meinen vielen Büchern, die ich über alles liebe: Schriftwerke, die sich um Esoterik, traditionelle Kulturen, Theologie und zeitgenössische Philosophie drehen“, berichtet der 28-jährige Schlagwerker.

Daneben ist er laut eigener Aussage noch mit weiteren Bands als Songwriter und Musiker beschäftigt, bei denen er außer Ensoph noch mitwirkt.

„Ich bin nämlich Perkussionist in einem mittelalterlichen Sackpfeifen-Projekt sowie in einer Black Metal-Truppe."

Auch im Bereich Industrial-Mucke ist Xenos aktiv, wie der Vielseitige mir erzählt. Er hängt an:

„Ich habe einen kleinen, aber feinen und engen Freundeskreis, der für mich meine Familie darstellt sowie eine liebe Freundin, die alles mit mir teilt – auch, wenn das Zusammenleben mit mir wohl alles andere als einfach ist. Wenn ich mein Dasein scharf ins Visier nehme, stelle ich immer wieder fest, dass ich eigentlich eine glückliche Person bin.“

Mittels den Klängen von Ensoph möchte Xenos den Leuten einen fiktiven Schlüssel in die Hand geben, mit dem man an seiner Welt und seinen Gedanken teilhaben kann.

„Wir möchten die Menschen in allererster Linie zum Nachdenken anregen, allerdings aus meiner ganz speziellen Sicht der Dinge heraus. Ein weiteres Ziel mit Ensoph ist es, mich auf künstlerische Weise bestmöglich auszudrücken, mich und meine Visionen, Obsessionen und Reuigkeiten zu vermitteln.“

Dadurch sind die Stücke von Ensoph auch niemals im Voraus planbar, so der Schlagzeuger.

„Was wir als Musiker mit der Band jedoch nun ganz genau erzeugen wollen, ist also nicht so einfach in präzise beschreibende Worte zu fassen. Unsere Lieder sind ein Kaleidoskop der Emotionen. Man findet Leidenschaften, Hass, Depressionen, raue Energien und eine gehörige Portion Verzweiflung darin vor.“

Alle diese Empfindungen sind nach Meinung von Drummer Xenos jedoch ziemlich wichtig für uns Menschen.

„Wir sollten sie so gut als möglich ausleben, um nicht wahnsinnig zu werden. Humane Emotionen sind schließlich letztendlich unmöglich auf Dauer zu verbergen, auch wenn es in unserer modernen Gesellschaft immer unschicklicher wird, negative Gefühle zu zeigen.“

© Markus Eck, 22.02.2006

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