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Interview: FARMER BOYS
Titel: The Boys are back

Wer den zweifellos erheiternden Bandnamen dieser Stuttgarter Formation erstmalig vernimmt, denkt primär wohl erst mal an Traktor, Mistgabel und Kuhfladen. Geboten wird hier jedoch ebenso abwechslungsreicher wie durchdachter New Emo Rock mit knackigen Riffs und mitunter erfrischender kompositorischer Erscheinung.

Und obwohl diese unbefangen musizierenden Schwabenbengel damit in Sachen dröhnender Härte so mancher New Metal-Truppe zwar nicht viel nachstehen, weisen ihre Stücke dennoch hin und wieder gar poppige Einflüsse auf. Ein buntes musikalisches Gemisch also. Knapp vier Jahre liegen nun zwischen ihrem letzten Album „The World Is Ours“ und dem neuen Erguss „The Other Side“. Auf der anderen Seite sah sich auch Gitarrist Alex von mir in ein Gespräch verwickelt.

„Wir stammen aus dem Großraum Stuttgart. Andere Bands aus unserer Gegend sind Die Fantastischen Vier, Undertow, End Of Green, Stone The Crow, Pur, Camouflage, Stereo.Pilot und Tieflader“, weist mich Alex zu Beginn erst mal geographisch ein.

„Das erste Riff das ich spielen konnte war `Seek And Destroy` von Metallica. Ich hatte schon mit 14 Jahren meine erste Band mit eigenen Songs am Start. Da war ich Gitarrist und Sänger. Mein Spiel ist und war schon von Beginn an sehr song-orientiert. Das Wichtigste ist für mich der Song und nicht der Schwierigkeitsgrad des Riffs. Eine große Rolle spielt bei mir auch die Eigenständigkeit. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Einflüssen und Sounds. Ansonsten habe ich, glaube ich, über die Jahre einen ziemlich eigenen Stil entwickelt, sowohl mit der Band als auch an meinem Instrument.“

Es fällt ihm ziemlich schwer, sich selbst zu beschreiben, wie er nachfolgend kritisch mit sich selbst ist:

„Das überlasse ich lieber anderen. Eine herausragende Eigenschaft von mir ist mein katastrophales Zeitmanagement“, feixt der Schwabe.

Der Gitarrist der Farmer Boys, im Weiteren nach seiner Weltsicht befragt, äußert daraufhin die Ansicht, dass die erste Welt auf Kosten der dritten lebt.

„Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Die meisten Weltkonflikte führen darauf zurück. Aber in allen Zuständen bieten sich auch immer Chancen für neue, positive Entwicklungen, welche auch schon im Kleinen viel bewirken können und welche diese Welt täglich besser machen.“

Wie sich dann endlich auftut, wurde die Stuttgarter Kapelle bereits im Schüleralter gegründet. „Um mit zwei Songs auf deutsch einen Mitschüler zu nerven, der im wirklichen Leben `Farmer Boy` war. Ja, es vielleicht auch noch heute ist?“, entsinnt sich Alex zurück.

Jahre später haben die zwei damaligen Gründer eine echte Band gestartet. „Die Suche nach einem Bandnamen endete bei der ersten Idee von damals. Als ich mit unserem damaligen Bassisten Ralf Botzenhart in die Band kam fingen wir zusammen an, an unserer Idee und Vorstellung von neuem harten Sound zu arbeiten. Unsere Beweggründe waren auf jeden Fall einen neuen, eigenen Stil zu kreieren und Rockstars zu werden!“, entfährt es meinen Gesprächspartner erneut grinsend.

Metallica waren seine erste Begegnung mit harter Musik, wie er preisgibt.

„Dicht gefolgt von Slayer, die mich damals echt umgehauen hatten. Diese Power und Energie hat mich vollkommen überwältigt und sich bis heute in mir festgebissen. Mein erstes selbst gekauftes Metal-Album war dann daher auch schließlich `Master Of Puppets` von Metallica.“

Alex selbst tituliert die musikalische Schöpfung der Farmer Boys als sehr emotionale Musik.

„Brachial und fett mit wunderschönen Stimmungen und Gefühlen. Schon unser Debütalbum war der Versuch aus allen unseren Einflüssen ein Album zu machen, dass eigen und neu ist. Mit unseren damaligen Mitteln. Es ist uns auch damals schon gelungen ein paar richtig gute Songs zu schreiben und die Energie stimmte auch schon. Ich würde überhaupt nichts anders machen und bin froh über alle Fehler und Erfahrungen die ich und die Band gemacht haben.“

Als Einflüsse dafür macht der Gitarrenheld so einige Bands verantwortlich: Von Rock- und Metal-Acts wie Slayer, Metallica, AC/DC, Black Sabbath, Crowbar, Janes Addiction und Konsorten über Depeche Mode, Aha und Front 242 bis hin zu Pink Floyd, Mylene Farmer, Madonna oder diversen Filmsoundtracks.

Ihre Vorgängeralben liefen im Großen und Ganzen eigentlich gut, wenngleich sie damit leider noch nicht steinreich geworden sind, wie Alex scherzt. „Mit jedem Album konnten wir unsere Verkäufe steigern und mehr Leute erreichen. Aus künstlerischer Sicht bin ich natürlich der Meinung, dass wir uns mit jedem Album musikalisch steigern konnten und die Qualität der Songs immer besser wird. Ich bin auch stolz darauf bei diesem neuen Album zum ersten Mal selbst produziert zu haben. Auch eine schöne Entwicklung über eine lange Zeit mit vielen Erfahrungen.“

Alex freut sich zukünftig nun sehr darauf, dass die Musik der Farmer Boys endlich auch mal international veröffentlicht wird. Außerdem würde er gerne in naher Zukunft damit anfangen andere Bands zu produzieren, wie er abschließend noch gesteht.

© Markus Eck, 20.01.2004

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