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Interview: FIMBULTHIER
Titel: Mit dem Blick nach vorne

„Wir haben versucht unsere Musik mehr auf das Wesentliche zu reduzieren. Wir wollten uns weiterentwickeln und vor allem, eine neue Herangehensweise an das Genre finden. Wir haben dabei deutlich unsere Melodic Death Metal-Anteile ausgebaut und auch versucht, mal über den Tellerrand zu blicken“, gibt mir Gitarrist und Vokalist Yves eingangs zu Protokoll.

Überhaupt, es hat sich in der jüngeren Vergangenheit so einiges getan bei dieser Nachwuchshorde, wie der neuerdings als Fimbulthier-Frontmann agierende Musiker der heidenmetallischen Formation aus dem Erzgebirge im gemeinsamen Gespräch kundtut. Die augenscheinlich überfällige Veröffentlichung des Nachfolgers zum 2007er Album-Erstschlag „The Battle Begins“ ist jedenfalls für Mitte 2010 eingeplant.

„Von der Urbesetzung bin momentan nur noch ich an der Lead-Gitarre und am Mikro übrig. Die zweite Axt hat sich Bert (ehemals Wishmaster) erstritten und am Schlagzeug hat es sich Nafta (Testimony, Wishmaster, Fed Zeppelin ect.) gemütlich gemacht. Außerdem befindet sich unser zweites Album „...Rise“ derzeit sogar im Endspurt. Als kleinen Vorgeschmack kann sich bis dahin schon mal auf unserer MySpace-Seite der Titeltrack zu Gemüte geführt werden.“

Ich hakte gleich mal nach, ob die Kerle noch immer genauso ambitioniert sind wie dies beim ersten Album der Fall war. Yves bleibt locker:

„Natürlich hat sich mit der Zeit, was das Arbeiten als Band angeht, eine gewisse Pragmatik eingeschlichen. Ungeachtet dessen, wollen wir musikalisch immer noch das machen, was uns Spaß macht. Auch wenn wir damit auf einigen Widerstand stoßen könnten. Denn wir sind immer noch in erster Linie Musiker. Aber ich denke, es haben sich definitiv die Richtigen gefunden; zumal wir uns, wenn es drauf ankommt, noch gegenseitig in den Arsch treten können. Auch wenn wir uns schon vor unserem gemeinsamen musikalischen Schaffen kannten, und alle aus der gleichen Stadt kommen. Unseren Proberaum, den wir uns mit NOFX und Led Zeppelin teilen, verlassen wir eigentlich nur zum Bier holen“, scherzt der Saitenspieler und Kehlenquäler feixend.

Was Live-Aktivitäten betrifft, so ist es das letzte Jahr ziemlich still um Fimbulthier geworden. Yves erläutert hierzu: „Nach den drastischen Veränderungen in der Besetzung mussten wir uns erstmal als völlig neue Band zusammenraufen. Als uns dies gelang, wurde exzessiv an der Arbeit am neuen Material begonnen. Das ist auch der Grund, dass ich nicht in die Vergangenheit blicken möchte. Wir freuen uns über jeden der seinen Weg auf eines unserer Konzerte finden wird, und uns damit die Gelegenheit gibt, ihm gegebenenfalls den Stock aus dem Arsch zu ziehen.“

Wie mein Gegenüber mir im Weiteren noch preisgibt, werden die Songs seiner Band von allem beeinflusst was die jeweiligen Songschreiber umgibt: „Dabei spielen für uns Ereignisse, die uns selbst betreffen oder betrafen, eine größere Rolle als historisch Vergangenes, zu dem wohl die wenigsten wirklich Bezug finden können. Musikalisch gesehen sind wir für alles offen und sehen dabei auch gerne über Vorurteile hinweg, was sich natürlich auch auf unsere Musik auswirkt.“

Das zentrale lyrische Thema auf dem kommenden Werk wird wie der Albumtitel „...Rise“ schon vorab vermuten lässt, das sich Erheben über Zwänge einer Gesellschaft und Geister der Vergangenheit sein, so Yves.

„Zwänge und Geister, die man nur abschütteln kann, wenn man akzeptiert, Teil des Problems zu sein. Dabei bringen wir uns alle, so gut wie möglich, gleichermaßen ein. Ich denke, an dem Punkt, an dem man mit seinem Schaffen 100 % zufrieden ist, sollte man ohnehin aufhören Musik zu machen. Es gibt immer vieles, was man anders machen würde im Nachhinein, aber im Großen und Ganzen sind wir zufrieden mit dem bislang Geschaffenen. Wir sind natürlich auch nicht reich geworden mit unserem ersten Album, freuen uns aber über die im Allgemeinen gute Akzeptanz unseres Debütalbums.“

Für Yves ist es innerhalb dieses Kontextes zunächst immer sehr schwer, etwas nüchtern zu sehen. Er berichtet: „Ich verliere mich zwar gerne in den Songs von Fimbulthier, gleichsam empfinde ich unsere Kompositionen aber auch als künstlerisches Schaffen, das eben gemacht wird, weil der Künstler in mir danach strebt, sich entsprechend auszudrücken. Meiner Meinung nach drückt sich wahre Kunst erst dadurch aus, dass eine Symbiose dieser beiden Ansätze stattfindet.“

Seine musikalischen Wurzeln liegen wie bei vielen Hörern im Metal der achtziger Jahre wie beispielsweise Metallica, Slayer oder Iron Maiden. Mehr noch: „In der heutigen bunten Welt des Metal, in der es unmöglich geworden ist, viele Bands irgendeiner Musikrichtung zuzuordnen, kann ich nur noch einige Beispiele dazu geben: Amon Amarth, Alestorm, All That Remains, Behemoth, Cradle Of Filth, In Flames, Wintersun oder beispielsweise Hatebreed. Und es hat sich gezeigt, dass die Entwicklung im Pagan- beziehungsweise Viking-Bereich genauso verlaufen ist wie in vielen anderen Musikrichtungen. Die Bands, die wirklich gute und überzeugende Musik gemacht haben, sind nach wie vor aktiv und erfolgreich. Es gibt also durchaus noch Bands, welche die Fähigkeit haben das Publikum in ihren Bann zu ziehen, und es werden definitiv noch weitere dazukommen. Grundsätzlich sehe ich das jedoch nicht allzu kritisch. Es ist ja so, dass vielen Bands, die früher in ihren Proberäumen versauerten und miese Demos aufnahmen, jetzt über das Internet eine Plattform gegeben wird, um ihr Zeug öffentlich zu verbreiten. Das ist aber kein szenespezifisches Problem, sondern ein in der gesamten Musikwelt vorhandenes. Man hat aber als Fan beziehungsweise Konsument ja auch immer noch jederzeit die Möglichkeit, selbst zu entscheiden welchen Bands man seine Aufmerksamkeit schenkt beziehungsweise welche man besser links liegen lässt. Wir selbst als Band konzentrieren uns jedenfalls darauf, guten Metal zu machen und saubere Shows abzuliefern.“

© Markus Eck, 23.10.2009

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