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Interview: GRAVE DIGGER
Titel: In aller Puristik

Mit ihren letzten Alben buddelten sich diese teutonischen Schaufelschergen immer tiefer in kompositorisch ungewohnte Regionen hinein, welche für die vielen Fans nicht immer leicht zugänglich waren. Davon bekamen auch Kultvokalist Chris ,Bolle‘ Boltendahl und seine Grabmannschaft Wind. So bietet das brandneue Studioalbum „Ballads Of A Hangman” glücklicherweise wieder puren und unverfälscht klassischen Grave Digger-Sound, wie man ihn kennt und liebt.

Aber nicht nur deswegen stehen die Zeichen für die Gladbecker auf Sturm. Auch mittels eines neuen Label-Deals kann nun voll durchgestartet werden. An den Start zu einem neuen Interview begab sich auch Kehlenteufel Chris, welcher für mich gerne wieder kurz seinen langstieligen Friedhofsspaten zur Seite legte.

„Vor einigen Tagen hatten wir ja unsere Listening-Session zum neuen Studioalbum, welche glücklicherweise insgesamt echt super abgelaufen ist. Die anwesenden Leute reagierten begeistert auf unsere neuen Songs, was uns natürlich allesamt in der Band riesig freut“, kann der Chefgräber erwartungsgemäß gut gelaunt berichten.

„Mit den neuen Liedern schlagen wir auf jeden Fall wieder in dieselbe Kerbe, die wir mit unseren bewährten alten Nummern einst gehauen haben. Damit sind wir nun definitiv wieder auf dem Weg nach oben. Obwohl, ich würde nicht sagen, dass wir mit der Band je unten waren. Denn: Wir bemühen uns ja stets nach Kräften, mit Grave Digger immer gleich bleibende Qualität abzuliefern. Wenn ein Album nun mal weniger verkauft und ein anderes mehr, ist das nicht von uns vorher kalkuliert oder so. Das neue Werk `Ballads Of A Hangmen` ist auf jeden Fall purer Metal, und damit wird’s auch wieder so richtig abgehen“, so Chris in aller Vorfreude und Ehrlichkeit.

Wie der Sänger anschließend eindeutig klarstellt, waren er und seine treue Truppe beim Songwriting für die aktuelle Scheibe primär drauf bedacht, Stücke zu schreiben, welche die Fans bereits nach ein- oder zweimaligem Hören mitsingen können.

„Gleichzeitig hatten wir zum Ziel, das Gitarrenriffing wieder viel mehr in den Vordergrund zu stellen. Ich glaube, auf der neuen Platte ist uns das auch ziemlich gut gelungen.“

Ausschlaggebend für die willkommene neue Änderung in der Stilistik der beständigen Gladbecker Teutonenhelden war laut Chris, dass er hinsichtlich des letzten Albums „Liberty Or Death“ eine gewisse Stagnation im Schaffen der Band registrierte. Er erinnert sich zurück.

„Ich besprach das mit meinem Gitarristen Manni Schmidt und wir einigten uns im Zuge dessen darauf, einen zweiten Gitarristen in die Band zu holen. Das einerseits, um unseren Live-Sound noch zu komplettieren, und andererseits auch, um neue Einflüsse für das aktuelle Album reinzuholen. Und mit unserem neuen Mann Thilo Hermann, der seit 2007 bei uns ist, ist das glaube ich auch wirklich perfekt gelungen.“

Wir gehen zur lyrischen Ausrichtung des neuen Grave Digger-Materials über. Chris erläutert in diesem Zusammenhang:

„Als wir letztes Jahr mit Therion auf Tour gingen, schenkte mir meine Frau als Reiselektüre ein kleines Büchlein, welches den Titel `Mexikanische Sonetten` trägt. Enthalten sind da drin wirklich so allerlei bitterböse Gedichte über Tod, Teufel, Saufen und Weiber, alles Mögliche in der Richtung eben. Als ich nach einer Inspiration für neue Songtexte suchte, habe ich mir das Büchlein zur Hand genommen. Und das war eine gute Idee, denn diese Gedichte regten mich nachfolgend wirklich ungemein zu eigenen Texten an. Als ich dann nach einiger Zeit schon mal so circa vier oder fünf Texte für die neuen Lieder fertig gestellt hatte, dachte ich mir: `Mann, das liest sich ja alles wie `Balladen eines Henkers`, also soll das kommende Album auch diesen Titel bekommen. Die Jungs in der Band fanden das auch super, so erhielt die aktuelle Scheibe schließlich ihre jetzige Namensgebung.“

© Markus Eck, 29.09.2008

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