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Interview: GRIMNESS
Titel: Trink- und spielfreudig

Diese 2001 noch als Duo gegründete italienische Black Death Metal-Macht fetzt neuerdings gar furios.

Knallhart, vehement und manisch martialisch geht es bei Grimness aktuell zur Sache, und doch reichern die vier kompromisslosen Knallbolzen ihre abartig abwechslungsreichen Kompositionen mit einer ungeheuren Portion an elektrifizierender Originalität an.

Einem 2002er Minialbum schmeißt das spielstarke Quartett nun sein kapitales Debütalbum „Increase Humanity Disgust” hinterher.

Und dieses überraschend hochqualitative Mörderteil bläst so einiges aus dieser musikalischen Richtung mühelos über den Haufen.

Sänger und Gitarrist Valerio Di Lella säuft wie der Rest seiner Truppe laut eigenem Bekennen gerne ordentlich und ebenso mühelos mächtig was weg.

„Ja, wir hauen uns schon ganz schön oft die Hucke mit allerlei Hochprozentigem voll. Doch wir arbeiten auch emsig an neuem Material für das nächste Album und planen Konzerte; wie immer bei uns“, bringt er lachend ins Gespräch ein.

Und nahtlos geht es weiter: „Mit Grimness können wir uns als Künstler bestmöglich ausdrücken. Die Band ist unsere ganz eigene Sprache, die jeder leicht verstehen kann. Und unsere Musik stellt für uns wohl den einzigen möglichen Weg dar, hundertprozentig mit unseren Leben zufrieden zu sein. Ohne Grimness wären wir vielleicht wohl lediglich vier gewöhnliche Alkoholiker.“

Na dann Prost, Jungs! Wir gehen, ohne die Flaschen abzusetzen beziehungsweise ohne Umschweife zu den Einflüssen für den ungewöhnlichen Sound der Italiener über. Valerio gibt mir zu Protokoll:

„In diesem Zusammenhang sind sicherlich Voivod zu nennen, deren Songs unserer Meinung nach einen superben Brückenschlag von gewöhnlichem Metal zu dissonanten und industriell anmutenden Klanglandschaften darstellen. Voivod dürfen eine ganze Reihe an Bands extremerer musikalischer Ausrichtungen massiv beeinflusst haben, darunter Thorns, Satyricon, Cadaver Inc., Red Harvest, Aborym und so weiter. Ebenfalls kommen in unserem Sound diverse Punk- und Rock-Einflüsse zum Tragen, von Konsorten wie beispielsweise Discharge oder Queens Of The Stone Age. Mir ist bewusst, dass einige unserer Hörer mit meiner letzten Aussage nicht einverstanden sein werden. Doch ich denke, dass es Dutzende von Rock-, Punk- oder anderen, diesen beiden Stilistiken recht ähnlichen Bands gibt, die bestimmt dunkler und aggressiver sind als Hunderte an Möchtegern-Black Metal-Horden. Doch ich habe dies lediglich erwähnt, um unseren Background, der für das moderne Feeling in unserer Musik verantwortlich ist, bestmöglich darzustellen. Doch selbstverständlich lieben auch wir die goldenen Jahre der Death Metal-Historie. Ikonen wie Pestilence, Carcass, Death, Morbid Angel haben sich da ebenso in unserem Geist festgefressen wie all die anderen Größen: Celtic Frost, Motörhead, Slayer sowie all die anderen Bands, die jeder Metal-Fanatiker beim Fachsimpeln aufzählen würde.“

Ich bitte meinen Dialogpartner, den Lesern die Musik von Grimness mit einigen wenigen Worten selbst bestmöglich und griffig darzulegen.

Und Valerio tituliert den Output der Band: „Wir veranstalten extreme Metal-Aggression, wie sie im Jahr 2005 geboten werden sollte.“

Ich mache im Weiteren keinen Hehl daraus, dass mir „Increase Humanity Disgust” überaus gut gefällt.

Der Shouter und Sechssaiter selbst ist nicht gänzlich glücklich mit dem aktuellen Werk. Er geht ins Detail:

„Musiker sind doch nie zufrieden mit ihren Stücken. Im Großen und Ganzen bin ich aber jedoch schon ziemlich zufrieden. Doch unser kommendes Material wird besser werden und auch besser klingen. Fest steht, dass das folgende Album noch vor dem Sommer 2006 erscheinen wird.“

Abschließend beklagt Valerio nicht ganz zu Unrecht noch die italienische Metal-Szene beziehungsweise ihre seit Gedenken defizitären internationalen Erfolge.

„Es wimmelt bei uns eigentlich vor guten und interessanten Metal-Bands, doch am Ende passiert immer nichts mehr. Vielleicht liegt es daran, dass die Leute weltweit vor dem Schwermetall unseres Landes stets die italienische Küche bevorzugen? Das ist wohl ein Fluch, der auf uns lastet.“

© Markus Eck, 22.07.2005

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