Top
Interview: HARMONY DIES
Titel: Stilgetreue Entschlossenheit

1992 gegründet, entwickelten sich diese geschickten Berliner Todesmetallschmiede im Underground zu einer ebenso reputierten wie spieltechnisch respektierten Szenegröße.

Und sie wurden eines der brutalsten, gnadenlosesten und auch besten Riffmonster aus deutschen Landen, welches das Genre kennt.

Die ersten beiden Demos „Living Corpses” und „Slope“ ließen diese Entwicklung aufgrund der darauf enthaltenen Songs schon gleich damals kurz nach der Bandgründung auch deutlich ahnen.

Mit dem selbstproduzierten Minialbum „Slaughtered” fuhren Harmony Dies nach den beiden Demos erneut positive Reaktionen ein, welche die Band nachfolgend darin bestärkten, 1998 auf dem Label Ars Metalli nacheinander ihr knochenhartes Debütalbum „Don`t Trust” sowie den nicht minder brutalitätssüchtigen Albumnachfolger „I´ll Be Your Master“ herauszubringen.

Harmony Dies verbogen beziehungsweise zertraten bisher gewaltlüstern so einige morsche Bühnenbretter, darunter mit härtesten Acts wie Vader, In Flames, Deranged, Krisiun, The Haunted, Incantation, Mayhem, um nur einige zu nennen.

Axtschrubber Kai Mertens blickt trotz bisher vollzogener und auch aktueller Besetzungswechsel bei Harmony Dies frohen Mutes in die Zukunft seiner kurstreuen Knüppelschwinger-Combo.

„Wir haben jetzt seit einem guten Jahr den Torsten neu an den Drums, er hat sich sehr gut eingearbeitet und gibt echt alles. Er bringt sich auch sehr gut in die neuen Songs mit ein, was natürlich besonders wichtig ist. Ansonsten sind wir jetzt erst mal mit nur einem Gitarristen unterwegs, da Jens Harmony Dies verlassen hat. Aber wir sind schon fleißig am antesten von neuen Kandidaten, so werden wir sehen ob demnächst schon wieder alles vollständig bei uns ist.“

Die Band hat nach der schmerzlich langen Veröffentlichungspause auch allen Grund dazu, voller Optimismus nach vorne zu schauen:

„Dafür war einerseits sicherlich der Besetzungswechsel an den Drums verantwortlich. Der hat eine Menge Zeit gekostet , wobei es sich aber echt gelohnt hat, das ganz in Ruhe anzugehen. Und andererseits waren wir nie die schnellsten; wir machen das ja auch alles nebenbei und müssen sozusagen Job und Musik gegeneinander managen.“

Auch den vollzogenen Label-Wechsel hat man souverän unter Dach und Fach gebracht, wie der Gitarrist berichtet.

„Der Labelwechsel war einfach nötig, bei Ars Metalli lief es nicht so gut und so haben wir uns einen neuen kompetenten Partner gesucht. Ärger gab es nicht direkt, aber es lief halt nicht mehr so wie es zwischen einem Label und der Band laufen sollte, und da haben wir uns entschieden zu wechseln.“

Kai, wie liefen die ersten beiden Scheiben eigentlich?

„Ich würde sagen sehr zufriedenstellend für Underground Death Metal, wie wir ihn spielen.“ Und welche davon war die erfolgreichere Veröffentlichung? Kai klärt auf:

„Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, vom Verkauf her sind beide ähnlich gut weggegangen und von den Leuten her gab es da sehr geteilte Meinungen, welche nun die bessere Scheibe ist. Ich persönlich bevorzuge ja die `I`ll Be Your Master` weil der Sound einfach etwas besser ist, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.“

Wir machen nun einen schnellen Schwenk von alten Releases zum neuen Album-Release. Der Titel steht momentan laut Statement von Kai noch gar nicht definitiv fest:

„Wir haben uns erst mal für den Titel `Impact` entschieden, es kann aber sein das da noch mal was passiert.“ Beim Songwriting für ihre Kracher lassen sich Harmony Dies wie gewohnt immer etwas länger Zeit. Dies war auch diesmal beim Kompositionsprozess für die neue Todesstahlattacke nicht anders, wie ich erfahre.

„Das kann man immer gar nicht so genau sagen bei uns, das zieht sich ja doch immer recht hin bei uns. Dann war diesmal noch der Drummerwechsel. Ich schätze mal, im Moment kommen wir circa ein halbes Jahr Songwriting bis jetzt. Aber es fehlen ja auch noch ein paar Tracks, so dass wir am Ende ungefähr ein Dreivierteljahr zusammen haben werden. Insgesamt lief und läuft alles sehr gut, Torsten fügt sich sehr gut ein und hat wirklich gute Ideen, so dass wir sehr gut vorankommen. Auch songmäßig sind wir alle sehr zufrieden mit den neuen Stücken, wenn dann noch der Feinschliff im Studio kommt, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Ich denke das könnte das beste Harmony Dies-Album werden – aus unserer Sicht natürlich, was die Leute sagen werden wir sehen, ich bin schon gespannt.“

Bleiben wir bei den neuen Stücken von Harmony Dies, auf denen hat sich nämlich auch lyrisch nichts im Gegensatz zur Vergangenheit verändert, wie Kai bekennt.

„Nein, ein lyrischer roter Faden existiert in den Texten der neuen Tracks eigentlich nicht, die Songs stehen alle für sich selbst. Im Moment könnte ich mir auch nicht vorstellen so was wie ein Konzeptalbum zu machen.“

Die lauten Berliner frönen laut Kai dem ausgehärteten Todesstahl in aller Hingabe, ohne jegliche Kompromisse.

„Wir sind alle Death Metal-Maniacs und hören zwar auch andere Sachen, aber Death Metal ist das was wir machen wollen. Und ich denke das hört man auch. So spielen wir schon jetzt einige der neuen Songs live, um mal anzuchecken wie die Dinger auf der Bühne so funktionieren. Wir haben immer auf eine einfache Death Metal Show gesetzt, und das wird erst mal so bleiben. Wir lassen uns auf der Bühne einfach gehen. Unsere Songs bringen uns einfach dazu irgendwas zu machen – bangen, rumrennen, böse rumgucken. Was halt so passiert wenn man böse Death Metal-Musik zelebriert. Große Bands, die uns beeinflusst haben sind sicherlich Extremtruppen wie Suffocation oder auch Death, um nur einen Bruchteil von für uns wichtigen Bands zu nennen. Der Musikgeschmack bei uns in der Band fängt irgendwo bei Rockmusik an und geht dann bis Death Metal oder auch Black Metal. Ich hör mir gerne mal was anderes an, es sollte halt nur handgemachte Musik sein, das ist mir wichtig. Als meine Faves würde ich Suffocation, Death, Cynic, Atheist, Necrophagist und Misery Index nennen.“

Herausgekommen ist unter solcherlei Einflüssen bisher ein krachender Musikmix. Wie definieren denn Harmony Dies ihren Stil? „Thrashy Death Metal”? Kai bleibt hierzu sehr bodenständig:

„Ich denke wir machen einfachen, rohen und brutalen Death Metal. Diese Stilschublade ist groß genug für uns, wir werden sicherlich nicht das Rad neu erfinden, aber wir möchten bei dem was wir machen gut sein, beziehungsweise sehr gut.“

Das sind sie, ohne den geringsten Zweifel. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, als ich Kai nach den Inhalten der neuen Todeshits frage. Der will mir nämlich nichts darüber erzählen.

„Eigentlich möchte ich darüber nichts sagen. Es war noch niemals mein Ansinnen irgendjemand meine Sache aufzudrängen oder vorzukauen, was ich mit einem Song gemeint habe. Die Stücke sollen einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der bei jedem unterschiedlich sein kann.“ So erfahre ich weiterhin ehrlich Gesagtes in dieser Angelegenheit:

„Das ist ja gerade das Interessante, wenn man sich mit Leuten unterhält und immer mal wieder ganz neue Sichtweisen zu hören bekommt, was natürlich auch sehr erschreckend und deprimierend sein kann.“ Jeder Künstler bedarf jedoch solcher Gegensätze, um effektiv kreativ zu sein.

Auf dem kommenden Frontcover der neuen Scheibe wird laut Aussage von Kai nach auch diesmal wieder ein gemaltes Bild sein. „Etwas Genaues möchte ich aber jetzt noch nicht dazu sagen, da es noch nicht fertig ist.“

© Markus Eck, 26.09.2002

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++