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Interview: HELSTAR
Titel: Dem eigenen Anspruch gemäß

Wenn in Sachen US Metal der Name Helstar genannt wird, dann hat dies in der Regel hochehrfürchtige Gesichtsmimiken und anhaltend schwelgerische Nostalgiker-Stimmungen zur Folge.

Kein Wunder, denn die bei ihren Anhängern unvergessenen Texaner um Ausnahmesänger James Rivera zählen mit ihren ersten vier Langspielalben seit 1984 zum Allerbesten überhaupt, was der amerikanische Metal sich sowie der restlichen Welt jemals zu bieten hatte. Stets elektrifizierend kraftvoll, jederzeit hymnisch hochmelodisch und dabei selbst in progressiveren Momenten verdammt eingängig vorgehend, konnten diese Galionsfiguren absolut zeitlose Lieder-Meisterwerke für die schwermetallische Ewigkeit erschaffen.

Selbst der 1995er Ausrutscher, das bei Fans und Musikmedien weitgehend durchgefallene Album „Multiples Of Black“, konnte dem formidablen Ruf dieser global berühmten Zaubertruppe nichts Großes anhaben.

Für das neue Studioalbum „Sins Of The Past“ fanden sich die leidenschaftlichen Texanerseelen nun beinahe in der Originalbesetzung wieder zusammen.

Eingespielt wurden dafür gute alte Helstar-Klassiker samt zweier Neu-Kompositionen. Für das kommende Jahr 2008 ist zudem das erste Studioalbum seit ganzen 13 Jahren (!) angekündigt.

Von den Strapazen der jüngst absolvierten Konzerttournee mit den ebenfalls seit langem aktiven US-Kraftmetallern Vicious Rumors kann sich James in der Hansestadt Hamburg ein wenig erholen.

Doch kaum in der dortigen Plattenfirma AFM angekommen, muss er mir auch schon Rede und Antwort stehen.

Doch das ist ihm nur Recht: Denn der an diesem Tage sehr gut gelaunte und bemerkenswert sympathische Kehlenspezialist freut sich deutlich bemerkbar riesig, nach so langer Zeit endlich mal wieder aktiv im internationalen Metal-Geschehen mitmischen zu können:

„Oh ja, es tut mir beziehungsweise uns allen in der Band schon wirklich gigantisch gut, wieder vollends dabei zu sein. Ich bin nicht zuletzt sehr froh, wieder mal hier in Deutschland zu sein, weil ich euer Weizenbier über alles liebe. Es schmeckt einfach fantastisch, und davon kriegt man am nächsten Tag kein allzu großes Kopfweh. In meiner Heimat würde ich es daher wirklich außerordentlich begrüßen, solche edle und traditionelle Braukunst alle paar Tage ausgiebig genießen zu können“, offenbart der texanische Teufelsbraten erstmal in aller Seligkeit.

Seit zweieinhalb Jahren sind die amerikanischen Herren wieder als Musikgruppe vereinigt, und James sieht Helstar als richtige Familie an.

„Zum Glück ließen uns die weltweit noch immer so zahlreichen Fans über die Jahre nie unsere Ruhe, ständig erhielten wir inständige Forderungen nach einer erneuten Formierung von Helstar. Letztlich wollten wir es innerhalb der Band wohl alle, doch so richtig kam der Stein der Wiedervereinigung erst durch immer größer werdende Einflüsse und Anstöße ins Rollen. Als wir uns dann erstmal im Kollektiv damit auseinandergesetzt hatten, kam eins zum andern und die Dinge nahmen ihren Lauf. Das erste Resultat liegt ja jetzt mit `Sins Of The Past` vor.“

Helstar halten also eisern an ihrer oberedlen stilistischen Direktive fest. Etwas anderes würde für Mr. Rivera laut eigener Aussage ohnehin niemals in Frage kommen.

Von mir listig auf immer wieder trendgerecht zusammengeschusterte Subkategorien angesprochen, wird der kleine Mann mit dem großen Herzen auf einmal wie gewünscht hochgradig impulsiv:

„Manchmal macht es mich fast wahnsinnig, wenn ich mit ansehen beziehungsweise -hören muss, was die Musikmedien beziehungsweise Plattenfirmen mit massenmedialer Unterstützung den Leuten auf diesem Planeten für einen Dreck andrehen. Das allermeiste dieser unsäglichen Scheiße kommt ohnehin von hier aus den Staaten, und Vieles davon ist schnelllebiger als eine Eintagsfliege. Es zählt bald überall nur noch das schnelle Geld, davon ist auch die große und mächtige Musikindustrie nie verschont gewesen. Aber dass seit einigen Jahren jetzt auch kleinere Labels anfangen, dem großen Trend hinterzuhecheln, ist schon einige traurige Tatsache. Na, umso mehr Freude macht mir das Ganze mit Helstar – ich bin daher auch gegenwärtig beziehungsweise bei den neuen Songs fürs kommende Studioalbum voll und ganz bei der Sache.“

Ein sehr gutes Stichwort zum weiteren Gesprächskontext. Und James geht hierzu gerne noch weiter in die Tiefe:

„Die neuen Helstar-Nummern sind um einiges düsterer als unser altes Material, gewissermaßen der neuzeitlichen Weltsituation angepasst. Trotzdem halten wir natürlich mit vollem Bewusstsein an unseren traditionellen musikalischen Wurzeln fest. Der auf dem aktuellen Werk `Sins Of The Past` zu findende neue Track `Tormentor` beispielsweise kündet adäquat von der stilistisch-klanglichen Schaffensdirektive unserer künftigen Kompositionen. Auf diesem eigentlich so schönen Planeten namens Erde hat sich so unendlich Vieles zum Schlechten gewandelt, woran einige Machtinstitutionen nicht unschuldig sind – was uns immer wieder richtig wütend macht. Global die Nachrichten zu sehen oder zu hören, gleicht in Tagen wie diesen ja beinahe einer fürchterlichen Horrorshow. Abstoßend.“ In der Tat. Man muss dem Sänger auch in diesem Punkt unumwunden zustimmen.

Laut Ansicht des Autors dieser Zeilen hat der massenmediale Verdummungsgrad mittlerweile jedoch genau denselben Rang bislang höchster Intensität angenommen. Somit insgesamt also eine höchst fatale Kombination, mit welcher wirksame menschliche Manipulation absolut perfekt generiert werden kann: Zum gezielt wirtschaftlichen und monetären Wohl der wenigen Mächtigen dieses geschundenen Erdballs.

© Markus Eck, 22.10.2007

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