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Interview: HEL
Titel: Im direkten Dialog mit der Natur

Ihr neues und viertes Album „Das Atmen der Erde“ bietet vor allem anspruchsvoll gesinnten Freunden von erlesener Notenkunst zwölf meisterlich kreierte Epic Pagan Metal-Kompositionen. Nachhaltig berührende Lieder voller Tiefgang, voller Liebe, voller Hingabe und voller Leidenschaft.

Und tatsächlich erreichen die drei außergewöhnlich beflissenen Sauerländer Idealisten-Seelen von Hel damit ein künstlerisches Hochniveau, dessen Abstand zum belanglosen Bodensatz des Genres astronomisch groß anmutet.

Fakt ist ebenfalls: Äußerst selten wurden derlei sehnsüchtig und schwärmerisch geartete Emotionen, zumal in heidnisch geprägter und naturnah lyrisierter Metal-Stilistik, so dermaßen inniglich umgesetzt, wie es Hel auf ihrem aktuellen wertvollen Artefakt so authentisch vermögen.

„Es war schon ein grandioser Moment als die CDs aus dem Presswerk kamen, aber wirklich gefeiert haben wir nicht. Wir drei sind nämlich ziemliche Langweiler in dieser Hinsicht. Ich war der erste in der Band, der die neue CD gesehen hat, und ich konnte somit die beiden anderen beim Erhalt beobachten. Ein schöner Moment“, weiß Vokalist, Gitarrist und Tastenspieler Skaldir zu berichten.

Stilistisch gesehen spielt das Trio mit dem neuen Werk in einer ganz eigenen Liga. Wir sprechen daher im Weiteren darüber, ob die neue signifikante Anmut der Lieder komplett von selbst entstand, oder ob Hel sich dafür des Öfteren auch an ihrem altem Schaffen orientiert haben. Skaldir resümiert:

„Alles was man in der Vergangenheit geschaffen hat, schwingt natürlich unterbewusst immer mit. Aber wir machen es jetzt nicht wie Manowar und hören, bevor wir ein neues Lied schreiben, a-l-l-e vorherigen Alben komplett durch. Wir haben uns eher mit den ersten neuen Songs gegenseitig beflügelt, was eine schöne Herangehensweise ist. Ich weiß noch gut, als ich Valdr das erste Lied, das ich für ,Das Atmen der Erde‘ geschrieben habe, präsentiert habe. Er fühlte sich gleich angespornt seine eigenen Lieder so gut wie möglich zu machen. Man möchte auf eine Art mit jedem weiteren Lied einen drauf setzen. Aber nicht als Konkurrenten, sondern für das Gesamtziel.“

Solcherlei kreative Linientreue wird von mir nur zu gerne gelobt. Hel, die ewigen Überzeugungstäter also? „Wir machen uns wirklich immer ziemlich viele Gedanken über unsere Alben. Zwar ist ,Das Atmen der Erde‘ kein echtes Konzeptalbum wie ,Falland Vörandi‘, aber es gibt viele Verbindungen zwischen den Liedern, Texten oder zu älteren Songs, die aber wohl nur die wenigsten je erkennen werden. Trotzdem ist es für uns wichtig, dies zu tun. Es ist uns wichtig, dass alles, was wir tun, stimmig ist.“

Der angeregte, aber angenehm entspannte Interview-Dialog dreht sich nachfolgend darum, wie es Hel möglich war, so immens viel an ergreifend authentischen Emotionen in ein solcherlei anmutig ertönendes Epic Pagan Metal-Manifest zu packen.

„Authentizität ist uns bei allem, was wir tun, extrem wichtig“, konstatiert mein Gesprächspartner, „ich höre selbst auch gerne ,echte‘ Musik. Musik, bei der man sofort merkt, dass auch nur um Musik geht und nicht den ganzen Musikzirkus drumherum. Ich glaube, das richtige Wort hierfür ist ,Bewusstsein‘. Man muss sich nur bewusst machen, was passiert, was man erlebt. Dann muss man auch nicht lange nach Inhalten suchen, über die man schreibt. Es ist dann einfach da, und es ist echt.“

So rührt es einen so tiefgründigen Menschen wie ihn sogar zu Tränen, wie der Sänger ganz ungekünstelt antwortend offenbart, wenn Menschen einen engen Zusammenhalt für ihre richtige Sache zeigen, auch wenn dies aussichtslos scheint.

Welches seine liebste und für ihn individuellste Lebensweisheit ist, das ist für Skaldir laut eigenem Bekunden nicht leicht zu sagen. Er geht in sich:

„Das ist schwer, vor allem wenn es nur eine sein soll. Aber ich probiere mal diese hier: ,Keine Zeit zu haben ist nur das Verschleiern von Prioritäten‘. Es ist leider erschreckend wahr, auch wenn ich das auf mich selber anwende. Wie oft sagt man jemandem, man hätte keine Zeit, dabei ist einem in dem Moment aber nur etwas anderes wichtiger. Jedes Mal, wenn mir jemand sagt er hätte keine Zeit, ist mir die genannte Lebensweisheit ein gewichtiger Wegweiser.“

Lässt der passionierte Sauerländer Naturfreund den vorangegangenen Arbeitsprozess zum neuen Langspieler Resümee vor seinem geistigen Auge passieren, fühlt er sich eigentlich rundum wohl dabei. Er informiert dazu:

„Es waren wirklich über drei Jahre, die ich mit dem Album verbracht habe, da ich ja auch die komplette Aufnahme und Mischung selbst durchgeführt habe. Dennoch war ich nie genervt von der ganzen Arbeit. Es ist am Ende eine sehr lohnenswerte Sache. Jetzt haben die ersten Fans die CD, an der wir so lange gearbeitet haben. Deren Reaktionen zu lesen ist so erfüllend.“

Es kommt ja tendenziell immer noch mehr Schrott auf den Musikmarkt. Welchen neuen Bands schenkt ein Musiker wie Skaldir also derzeit überhaupt noch gerne sein Gehör? Er überlegt … und gibt dann preis:

„Mir gefällt das neue Album von H.e.a.t., einer schwedischen Hardrock-Band. Aber die Band gibt es auch schon ein paar Jahre. Aus dem Pagan Metal-Bereich fallen mir Irminsul ein. Die haben ein tolles Debütalbum veröffentlicht, das leider etwas untergegangen ist. Ansonsten sieht es in dem Bereich eher schlecht aus. Die Labels sollten mal besser aussieben, und nicht jeden Schrott veröffentlichen. Dann könnte man solche Fragen auch einfacher beantworten.“

Seit dem Album „Tristheim“ im Jahr 2007 ist so einiges in seinem (künstlerischen) Leben passiert; gerne gewährt Skaldir den geneigten Lesern einen Extrakt daraus.

„Ein sehr einschneidendes künstlerisches Erlebnis waren die Gesangsstunden, die ich vor kurzem genommen habe. Ich wollte schon länger mal Gesangsstunden ausprobieren, war aber immer skeptisch, weil viele Techniken eher für klassischen Gesang entwickelt wurden. Daher suchte ich nach Techniken für Metal- und Rock-Gesang und fand die ,Complete Vocal Technique‘, die alles beinhaltet, was man mit der Stimme machen kann. Sogar Growls werden dabei nicht ausgeklammert, und jeder zertifizierte Lehrer muss alle Modi und Effekte beherrschen, weil alles gesund produziert werden kann. Dann fand ich eine Lehrerin in Bochum, und kann nur jedem raten auch mal ein paar Stunden zu nehmen. Mir hat es jedenfalls sehr viel gebracht, was man hoffentlich auch auf unserem neuen Album hören kann.“

Die lange Veröffentlichungs-Pause von Hel bis jetzt gerät zum weiteren Inhalt des Dialoges. „Valdr sagt immer: ,Gut Ding will Weile haben‘. Und er hat Recht. Leider gerät man in der heutigen Zeit mit so langen Pausen zwischen den Veröffentlichungen sehr leicht in Vergessenheit, und Fans wünschen sich sicher auch öfter mal ein neues Album. Aber bei uns dauert es halt immer so lang. Auch wenn man sich mit so großen Abständen zwischen Alben meist selber ins Knie schießt. Etwas halbgares möchten wir nicht veröffentlichen. 2008 wurden die ersten Songs für ,Das Atmen der Erde‘ komponiert. 2009 haben wir das Album erst mal vorproduziert. 2010 wurde dann der Großteil der Songs aufgenommen, bis auf den Gesang. Der folgte dann ein Jahr später. Gemischt muss das ganze ja auch noch werden. Im Alter ist man halt auch nicht mehr so motiviert wie mit 18 Jahren.“ [lächelt]

Der große „Pagan Metal-Boom“ der letzten Jahre ist bekanntlich, vor allem in all dem immer schlimmer werdenden „Modern Metal“-Brimborium, mittlerweile definitiv vorbei. Hel selbst sahen sich jedoch niemals als Teil dieses Booms. Und Skaldir blickt zurück:

„Auf dem Höhepunkt des Pagan Metal haben wir ja mit ,Tristheim‘ ein absolutes ,Anti-Album‘ veröffentlicht. Kommerziell gesehen war das zwar reiner Selbstmord, aber ich bin trotzdem froh dass es so gekommen ist. Ich finde es wirklich schlimm, was aus dieser Musikrichtung geworden ist. Wenn wir uns als eine der ersten deutschen Pagan Metal-Bands für das Wort ,Pagan‘ schämen müssen, weil es nur noch mit ,Blut, Titten und Saufen‘ in Verbindung gebracht wird, dann ist das einfach eine Schande. Zum Glück gibt es aber noch Bands, die guten Pagan Metal mit anspruchsvollen Texten schreiben.“

Live-Konzerte: Bekanntlich trifft man gerade auf Pagan Metal-Gigs stets primär auch noch immer die so genannte „Spaß-Fraktion“ an, mitsamt ihrer unsäglichen und wirklich abstoßenden Vermüllung der Umgebung bei Festivals. Hat dieser leidige Umstand den Musikern von Hel die Freude am Live-Spielen mittlerweile eigentlich geschmälert? Wir erfahren:

„Hel war ja immer mehr ein Projekt als eine Band, daher gehörte es für uns auch nie dazu, live zu spielen. Trotzdem haben wir ein einziges Mal live gespielt, weil es eine interessante Erfahrung für uns war. Unser Konzert beim Ragnarök Festival 2007 war das erste und auch letzte. Aber auf Metal-Konzerte zu gehen ist mittlerweile eher eine Qual für uns. Ich persönlich bin ja großer Progressive Rock Fan, und gehe mittlerweile lieber zu Konzerten dieser Musikrichtung. Da ist man dann plötzlich nicht mehr der Älteste im Saal und die Zuschauer sind einfach Musikliebhaber, die ein gutes Konzert genießen wollen. Und eben keine 16-jährigen Selbstdarsteller, die der Welt beweisen wollen, wie laut sie brüllen können und wie viel Alkohol sie vertragen. Für das Problem der Gelände-Vermüllung, gerade bei Pagan Metal-Festivals, möchte man sich eigentlich auch nur schämen.“

Wie würde also ein absolut ideales Konzert für Hel nach Ansicht der Band sein müssen? Einzigartig, exklusiv, mitten im abgelegenen Mischwald, auf einer größeren Lichtung, mit vielen Fackeln etc.? Erlesenes und zahlenmäßig geringes Publikum und wunderbarer Vollmond bei sternenklarer Nacht?

„Das klingt zwar alles sehr schön, aber ich glaube, für mich wäre es wirklich das Schönste, wenn ich in einem Konzertsaal sitzen könnte und anderen Musikern dabei zuzusehen könnte, wie sie unsere Lieder spielen. Am besten einem Orchester.“

Über das Schaffen von Hel wurde ja bislang über die Jahre so einiges berichtet. Wie schätzt Skaldir persönlich die Situation in deutschen Landen hinsichtlich der Seriosität der „Fachpresse“ zu der von seiner Band zelebrierten Art von Musik ein?

„Wir machen ja für das neue Album bewusst kaum Promotion. Das ist nicht ohne Grund passiert. Als junge Band ist man noch scharf darauf, Reviews über seine Musik zu lesen. Als wir damals mit unseren ersten Bands Demo-Tapes an Magazine geschickt haben, war es für uns wie Weihnachten, Bewertungen darüber zu lesen. Im Laufe der Jahre hat sich das aber bei uns total gewendet, und das, obwohl wir mit Hel eigentlich überwiegend positive Kritiken für unsere Alben bekommen haben. Aber es interessiert uns ehrlich gesagt einfach nicht mehr, was Musikkritiker von unserer Musik denken. Wichtig ist, was die Leute, die die CD gekauft haben, darüber sagen. Daher haben auch nur wenige ausgewählte Leute, wie eben Metalmessage oder der Pagan Herald, eine CD bekommen. Das war wahrscheinlich der falsche Weg um Weltruhm zu erreichen, aber es fühlt sich eigentlich sehr gut an.“

Wir setzen uns im Weiteren damit auseinander, wie die Hel-Musik von den Hörern und Medien außerhalb des Metal-Bereichs bislang aufgenommen wurde.

„Das ist interessant, dass Du das ansprichst. Tatsächlich bin ich etwas überrascht, dass auch Leute, die mit Metal nicht viel zu tun haben, das neue Album auch wohlwollend aufnehmen. Von alleine würden sie zwar nicht darüber stolpern, aber wenn man es ihnen dann mal vorspielt, wissen sie es schon zu schätzen. Mit ,Tristheim‘ haben wir stilistisch auch schon mal ein ganz anderes Album veröffentlicht, was einem ja auch mal neue Hörerbereiche eröffnen kann.“

Wenn der Autor den wirklich grandiosen Opener „Wo die Tannen thronen“ hört, so erinnert ihn dieser auf herrlichste Weise an den Song „Gods To The Godless“ vom 2000er Primordial-Album „Spirit The Earth Aflame“. Und der Hel-Mann legt dazu dar:

„Wir kennen das Lied und mögen Primordial. Und wenn es auch musikalisch anders als ,Wo die Tannen thronen‘ ist, kann ich schon verstehen, dass die beiden Lieder einem ein ähnliches Gefühl geben können. In ,Wo die Tannen thronen‘ geht es eigentlich ganz simpel um Heimat und Ursprung. Dabei kann Heimat aber nicht nur der Ort sein an dem man geboren wurde. Der Wald, der Wind oder die Natur generell kann auch die Heimat sein. Ich persönlich denke bei dem Lied schon an den Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Ich finde, es ist ein Lied, zu dem man nicht viel erklären muss, weil es selbst so deutlich zu einem spricht. Daher bin ich jetzt auch lieber still.“ [lächelt]

Das weitere Gespräch behandelt im Folgenden die Frage, ob es daneben einen oder mehrere Tracks auf dem neuen Hel-Tonträger gibt, welche Skaldir ganz besonders nahe am Herzen liegen. Der Meister lässt hierzu verlauten:

„,Neun Gestade tiefer‘ ist mein persönliches Highlight. Es war eine spannende Reise für mich. Nachdem ich die ersten Minuten dafür komponiert hatte, war da plötzlich das Schluss-Riff und ich wusste, dass da noch eine Menge passieren muss, bis ich vom Anfang dort hin komme. Also deutet sich das Schluss-Riff schon im Laufe des Liedes immer wieder mal an, bis dann doch das aussöhnende Ende des Liedes kommt und sich der Kreis dann letztlich schließt.“

„Das Atmen der Erde“ ist ein wunderbar poetisch und auch inspirierend spirituell anmutender Titel. Skaldir nennt nun den Hintergrund:

„Der Titel war Valdrs Idee, und als er ihn mir nannte, wussten wir sofort, dass das der Titel sein muss. Das Atmen der Erde kann man jeden Tag sehen, hören und spüren. Dabei schien der Titel mit jedem Tag, der verging, aktueller zu werden. Stürme, Vulkanausbrüche, Erdbeben ... uns muss bewusst sein, dass die Erde lebt und sich ständig verändert. Das sind auch keine Naturkatastrophen, sondern einfach nur Natur. Eine Katastrophe sind solche Veränderungen meist nur für die Menschen. Im Lied ,Eroberer‘ kann man noch mehr über den Titel erfahren. Mit dem Atmen der Erde sind allerdings auch für die Menschen positive Erscheinungen gemeint.“

Wie lange die Erde sinnbildlich überhaupt noch „frei atmen“ wird können, bei dem mehr und mehr ansteigenden Grad der rücksichtslosen Vergewaltigung durch die destruktive Spezies Homo Sapiens, darüber wird nachfolgend von dem Hel-Sänger sinniert. „Ich weiß es nicht. Im Vergleich zum Alter der Erde ist unsere Spezies ja nur ein kleiner Teil ihrer Geschichte. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Menschen es schaffen werden, sich früher oder später selbst zu vernichten und dabei wahrscheinlich auch einen Großteil der Erde zu verwüsten. In ein paar tausend Jahren wird sich das aber wieder selbst reguliert haben. Für uns ein langer Zeitraum, für die Erde wieder nur ein kleiner Fleck in ihrer Geschichte.“

So ist Skaldir auch lieber in der Natur unterwegs als unter den heutigen „Ich"-Menschen, wie er ganz offen erzählt.

„Ich war noch nie ein besonders geselliger Mensch und bin nur selten mal abends weggegangen. Nur für Konzerte von Bands, die ich unbedingt sehen möchte, bewege ich mich mal unters Volk. Ich bin meistens zu Hause und jeden Tag mit meinem Hund im Wald. Obwohl ich Zweisamkeit und die Gesellschaft meiner Freunde sehr genieße, bin ich am liebsten allein.“

Die aktuellen Liedertexte von Hel sind hauptsächlich ohnehin aus Gedanken, Bewusstsein und Selbstreflexion entstanden, wie mein Gesprächspartner dem Gesagten noch anfügt.

Skaldir gibt an, für Hel selbst keine Liedertexte zu verfassen. „Dafür sind Valdr und Hamar zuständig. Aber um die Frage zu beantworten: Ja, es gibt es reale Dinge und Geschehnisse in ihrer Vita, welche neben Leidenschaft zur Naturromantik auch Einzug in den lyrischen Kontext des neuen Werkes fanden. Welche Sachen das aber genau sind, würde aber keiner von beiden in Interviews wirklich erörtern.“

Ob er ein Charakter ist, der aus seinen größten Fehlern das Meiste lernt, lautet die nächste, ebenfalls im vorherigen Kontext stehende Fragestellung.

„Ich weiß nicht, ob das, was man dabei lernt, sich proportional zur Größe des Fehlers verhält. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Fest steht, dass man aus Fehlern irgendwann mal lernen sollte. Wenn man das nicht tut, bleibt man stehen und entwickelt sich nicht weiter.“

So sind die Hel-Alben stilistisch auch alle recht verschieden, wie der Sauerländer Musikus feststellt.

„Irgendwie entwickelt sich nach einem Album bei allen eine neue Richtung, in die man strebt. Wie das genau passiert, kann ich gar nicht sagen. Ich denke, wir inspirieren uns gegenseitig. Wir hatten zum neuen Werk von Anfang an eine Sache im Hinterkopf, einen wirklich lohnenswerten Gedanken. Und zwar haben wir das neue Album mit dem Hintergedanken komponiert, dessen Lieder auch live umsetzen zu können. Ein Album wie ,Falland Vörandi‘ ist eigentlich unmöglich live umzusetzen. Aber beim neuen Album würde das gehen. Und auch wenn wir nicht mehr live spielen werden, hat sich das sehr positiv auf das Album ausgewirkt. Zudem haben wir endlich mal die Gesänge sinnvoll aufgeteilt. Früher haben alle alles gemacht. Jetzt haben wir die persönlichen Stärken ausgespielt. Das bedeutet, dass Valdr für (fast) alle Sprechparts zuständig war, Hamar für den Bass-Gesang und ich für die höheren Lagen und den harschen Gesang. Mein Gesangs-Beitrag auf ,Das Atmen der Erde‘ ist dieses mal am höchsten, womit die anderen beiden aber auch glücklich waren.“

Skaldir legt auch noch dar, wie der Entschluss zustande kam, die neue Platte von Hel letztlich als Eigenpressung, merklich von Liebhabern für Liebhaber, auf den Markt zu bringen.

„In der Vergangenheit hatten wir nur Kummer mit den Labels. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr auf die gesamte Musikindustrie und wollten lieber selbst die Kontrolle behalten und wieder persönlich mit den Leuten in Kontakt sein. Wir hatten hier schon einen Label-Vertrag liegen, aber glücklicherweise im letzten Moment die Notbremse gezogen. Jede zusätzliche außenstehende Person, die sich in deine Kunst einmischen will, ist eine zu viel.“

© Markus Eck, 03.05.2012

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