Top
Interview: HROSSHARSGRANI
Titel: Von Schlachten und Schwertern

Im unheiligen und von blizzardartigen Eisstürmen durchzogenen Wolfswinter 1998 Anno Bastardi zum Dasein erweckt, kündeten schon bald darauf so einige Demotonträger vom hingebungs- und wirkungsvollen Epikschaffen dieser verschworenen österreichischen Mittelerde-Musikanten. Im dunklen Schicksalsjahr 2000 erschien dann endlich das offizielle Debütwerk, die EP „...Of Battles, Ravens And Fire”.

Der ein Jahr später erschienene Nachfolger „The Secret Fire“ etablierte Hrossharsgrani's Tolkien-Hymnen weiter in der Dark Ambient- und Fantasy-Szene, welche die vordergründig hörspiel- und soundtrackartigen Monumental-Inszenierungen der drei Österreicher aufgrund bisher ungehörter Klangerscheinung dankbar annahm. Die wie schon das außergewöhnliche Debüt außerordentlich atmosphärisch gehaltene Veröffentlichung war erneut eine einzige Hommage an J.R.R. Tolkien und seine berühmte Ringtrilogie. Nun ist das neue Klangspektakel „Schattenkrieger” veröffentlicht, und wie von Hrossharsgrani auch nicht anders zu erwarten, verlassen Legendentexter Hugin, Mystikkomponist Munin und Überlieferungs-Erzählerin Fylgja ihren stolz beschrittenen Stilistikpfad zu keiner Nachtsekunde.

Als ihm über Umwege zu Ohren gekommen war, dass ich ein Anhänger des Düstertrios bin, machte Hugin für mich jedoch eine Ausnahme und setzte sich mit mir für viele Stunden ans prasselnde Höhlenlagerfeuer.

„Hrossharsgrani wurde von mir gegründet. Die ersten Zeitalter sowie ruhmreiche Erzählungen aus folgenden Epochen hier an dieser Stelle: 1998 formierte sich die Kampfmaschinerie Hrossharsgrani zum ersten Schlag. Doch blicken wir ruhig noch ein wenig zurück: Nach ein paar ersten Rehearsals wurde das erste richtige Demo „Der Pfad zum Tor der Toten“ (CDR/200 Stück + MC/33 Stück) veröffentlicht, auf dem rauer, primitiver Barbarian Black Metal zelebriert wurde. Die sechs enthaltenen Tracks, einschließlich des Titelsongs, `Schönheit gibt es nur im Kampf`, `Schwerter & Äxte`, `Heimfahrt nach Hördaland`, `Barbarenblut` und `Bußfertigkeit`, brachten es auf eine Spielzeit von über 56 Minuten. Das Front-Cover wurde von Nick Resch extra für diesen Tonträger gemalt. Im farbigem Jewel-Case befand sich ein rostiger Nagel als Gimmick! Die MC-Version beinhaltete mit `Anämisch in einem Universum aus Blut`, `Wintertod` und `Heidek´s Ende` drei Bonustracks. Es folgte die MC `From The Dark Ages`. Dieses auf 250 Stück limitierte Tape stellt eine Compilation aus diversen Rehearsals von 1999 dar. Veröffentlicht wurde das Teil als Split-Release zwischen Ered Gorgoroth Productions und Nox Infandus Records“, raunzt mir der in sich gekehrte Tragik-Lyriker eingangs zu, während sich seine vom Wind gegerbten Hände im wärmenden Schein der Flammen reiben.

Nach einigen Momenten nachfolgenden Schweigens formen seine verhärmten Lippen erneut resümierende Wörter: „Zwischen Dezember 1999 und Januar 2000 begab ich mich erneut ins Studio um das Nachfolgedemo `Ancient Tales` (CDR+MC) einzuspielen. Diesmal war es ein Konzeptalbum über die nordische Mythologie, auf 74 Min. wurde Raw Viking Black Metal dargeboten. Untermalt von vielen Acoustics und Schlacht- beziehungsweise Naturgeräuschen wurde Kreisch- und Klargesang gefahren; letzterer, um von der glorreichen Tagen der Wikinger zu künden. Das CD-Layout bestimmte ein mittelalterliches Bild, auf welchem sich Walküren über einer Meeresbrandung zeigen, ein A4 Poster war im Booklet der auf 300 Stück limitierten CD beigelegt. Die Tape-Version enthielt zudem die vier Bonustracks `Heroism`, `The Gates Of Mordor`, `Weltenbrand` und `Triumph In Every Fight (extended Version)`. Das Poster vom CD-Release zierte das Cover des auf 100 Stück limitierten Tapes. Die CD wurde im März 2000 veröffentlicht, die MC im Mai 2000. Es gab auch noch eine auf 20 Stück limitierte CDR-Version mit dem Bonus-Outro `Weltenbrand` (andere Version als beim MC Release) inklusive einer speziell signierten Inlaycard, welche nur über NPR erhältlich war. Zwischen den Demos wurden mit `Blut` (CDR; 9 Stück), `Sagen & Gedichte` (CDR; 10 Stück), `In The Mystic Forest` (MC; 300 Stück) und `Die Rückkehr zum Pfade` (MC; 66 Stück) auch ein paar Rehearsal-Mitschnitte aufgenommen. In den ersten Zeitaltern unseres musikalischen Wirkens wurden noch die Welten dunkler Ambient-Musik durchstreift, um von Wesen zu künden, die die Nacht durchwanderten, den Untoten, den Vampiren. Es wurde dem blutigen Erbe Lord Byron´s und Bram Stoker´s Tribut gezollt. `Der Pfad zum Tor der Toten` und `Ancient Tales` forderten ihren Blutzoll und bildeten zugleich den Abschluss des ersten Zeitalters.“

Sehr veröffentlichungsfreudig ist er also, der Kerl. Zu Beginn des Jahres 2000 wurde dann laut Hugins Erzählung ein weiterer, gewaltiger Schritt gewagt:

„So wurden die Hallen des CCP Studios geentert um die Debüt-CD/LP `...Of Battles, Ravens And Fire` zu kreieren, Schlachten und Chöre geleiteten den Hörer durch eine längst vergangene Zeit voller Mythen und Legenden. Das Cover der MCD ziert ein Walkürenritt. Das Cover der auf 300 Stück limitierten Picture-LP (Split mit Mittwinter und Inlaycard) ziert ein feuerspeiender Drache. Beide Motive wussten die Musik des Debüts bestens bildlich darzustellen. Der 2001er Nachfolger `The Secret Fire` etablierte Hrossharsgrani's Hymnen weiter in der Szene. Fylgja, Munin und ich legten mit diesem Werk den Grundstein einer neuen Epoche. Eine musikalische Reise fernab von den bereits so ausgetrampelten und breitgeschlagenen Pfaden der schwermetallischen Schmiedekunst bildete die Basis für einen Deal mit dem Label CCP Records. Eine Allianz, die für Hrossharsgrani in jeder Schlacht mit Erfolg gekrönt ward!“

Besagte Veröffentlichung erzählte laut Bekunden des Urhebers von den ersten Zeitaltern an, als die Welt noch jung und das geheime Feuer vom Herzen der Arda ausgesandt ward. Eine Geschichte von Elfen, die durch mystische Zauberwälder tanzen, von feuerspeienden Drachen deren Schwingen die Wolken erobern; von tausend Grotten Menegroths am Flusse Esgalduin, von blinkenden Schwertern im Lande des Schattens, von gefallenen Kriegern am Hügel der Tränen; von den Silmarill, die das Licht der Bäume erhellen und vom Meisterring, welcher dem dunklen Herrscher die Macht über Mittelerde verleiht.

Hugin berichtet dazu weiter mit funkelnden Augen: „Wir schufen hier ein Werk, geschmiedet in des Drachenfeuers Glut und gehärtet im ewigen Eis des Nordens. Ein symphonisches Epos mit Chören, welche von Schlachten und Schwertern berichten, die auszogen um Reiche, die bewachsen mit gewaltigen Zauberwäldern, umgeben von majestätischen Bergen, üppigen Feldern, Blumen von solcher Pracht wie man sie nirgendwo findet, zu erobern. Hörner erklingen und der Harfen Klänge flüstern im Sturme der Schlacht von Klag und auch Pein der gefallenen Helden. Mit metallischer Epik und Melodien aus längst vergessener Zeit wurde die wunderbare Welt J.R.R. Tolkiens vertont, welche ihre Pracht und Herrlichkeit in neuer, gewaltiger Form erstrahlen lassen. Das Covermotiv der Scheibe soll die Ringschmiede darstellen. Die ersten 2000 Stück dieser 48-minütigen CD trugen den Sticker am Jewel Case: `The ultimate soundtrack for all fans of Tolkien´s The Lord Of The Rings`.“

Zu Beginn des nachfolgenden Jahres begannen Hrossharsgrani mit den Arbeiten zu „The Secret Fire“, ein Epos basierend auf J.R.R. Tolkiens „Lord Of The Rings“ und „The Silmarillion“. Hugin führt hierzu schwärmerisch aus: „Es wurde ein Konzept geschaffen welches eine Zuflucht vom tristen Alltag in eine bessere, glorreiche Welt voll von Magie und Wundern führt. Klassische Melodien gepaart mit der stählernen Härte des Metals führen hier einen Kreuzzug durch die Welt von Mittelerde. Fylgja, Munin und ich zogen aus, um zu verkünden von mystischen Zauberwäldern, von feuerspeienden Drachen deren Schwingen die Wolken erobern. Sowie von blinkenden Schwertern im Reiche des Nordens und von der Macht, die in dunklen Schlachten ihre wahre Stärke findet. Nun angekommen im Jahr 2003, das Blut stockt erneut in den Adern beim Klang der Klingen, wird eine weitere, gewaltigere Schlacht geschlagen. Der Weg der Krieger ist besiegelt, geschaffen von Fleisch und von Stahl, getauft in Feuer und Eis, erhebt sich mit eiserner Kraft der Kriegsherr Hrossharsgrani um seinen Kampf im Lande des Schattens zu schlagen. Symphonische Schwermetallhymnen und mystisch-bombastische Schlachtchöre geleiten durch Todessümpfe, erheben sich hoch in die Lüfte und jagen dunkle Wesen durch Geisterwälder. Mächtige Gitarrenriffs, Kriegstrommeln, Pauken und Fanfaren bilden eine Symphonie gleich eines Walkürenrittes! Unser drittes Werk ist erneut eine gekonnte Symbiose von heroischen Schlachthymnen und charakterstarken Hörspielpassagen. Ein Epos, das die Grenzen des Herkömmlichen zu sprengen vermag und in Welten führt wo Fleisch, Stahl und der Heldenmut noch nicht im Schatten der Angst verborgen liegen. `Schattenkrieger` ist eine weitere Ode an den Kampf, ein weiteres Manifest der Gewalt des Schwertes, ein Album welches jeden aufrichtigen Metal-Warrior sofort in seinen Bann ziehen wird.“

Da Hugin sich schon seit den 1980ern in diversen Bands herumschlug, dort jedoch niemals seinem individuellen Geist völlig freien Lauf lassen konnte, sehnte er sich nach einiger Zeit danach, etwas Eigenes, noch nie da Gewesenes zu kreieren, wie ich von ihm erfahre:

„Ich wollte jene Epik, Schönheit und Gewalt, wie sie nur in Schlachten zu finden ist, mit der Kraft des Metal vereinen. So versuchte ich längst vergessen geglaubte Zeiten in eine Soundcollage zu packen, welche ihrer würdig schien. Jene Intros und Outros wie sie einst Bathory zelebrierten, legten den Grundstein meines Schaffens. Wurde hier doch vieles im meinem Geist widergespiegelt, was einst glorreich und stark war. Klänge aus Natur, Fleisch und Stahl, welche diese In- und Outros in sich vereinten, und Soundtracks wie die von Conan, Dracula, Gladiator sowie epischer Metal, waren die wirklichen Schöpfer unserer Kunst. Aber auch die guten alten Hörspiele trugen so einiges zum Sound Hrossharsgrani's bei, wurde hier doch die Kluft zwischen Buch und Film gekonnt überbrückt. Zu fremden Klängen malt der eigene Geist sich sein Bild und somit seine eigene Welt, in die es sich stets zu flüchten lohnt. Stellt Hrossharsgrani also meine Flucht vom tristen Alltag dar oder sind es die Vertonungen alter Geschichten welche in mir die Kriegerseele wecken“, teilt mir mein Gegenüber fragend mit. Die Antwort darauf liegt vermutlich schon in seiner Frage verborgen.

Hugin entdeckte seine Passion für die Thematik von J.R.R. Tolkien ohnehin schon vor langer Zeit, wie er offen bekennt.

„Das geht Jahre zurück, als ich im zartem Alter von zehn Jahren den Animationsfilm von Ralph Bakshi zum Thema `The Lord Of The Rings` im Kino sah. Die dunkle Seite hatte mich schon damals fest im Griff, war ich doch nachhaltig von Wesen wie den `Dark Riders`, den Orks oder dem Herrscher Sauron begeistert. Ich versuchte mich danach ganz und gar in jene Welt von Mittelerde zu flüchten, in dem ich nahezu alle Geschichten Tolkiens in gedruckter Form verschlang. Später waren es dann Bands wie Valar, Summoning, Nazgul und Druidian Forest, welche gekonnt die Thematik der `Ringe` mit dem Klang des Schwerstahls verbanden und in mir Jahre nach dem Genuss der Bücher wieder jene Glut entfachten, welche mich als Kind schon in ihren Bann zog. So war es eigentlich ein Muss, Hrossharsgrani ebenfalls auf den Spuren der Orks wandeln zu lassen!“

Geduldig lauschend, konnte ich dem Hrossharsgrani-Lyriker nachfolgend auch entlocken, dass sein Musikgeschmack eher breit gefächert ist. Hugin gibt preis: „Vom Black Metal bis hin zu industriellen Elektronikklängen kann mich eigentlich jede Art von ehrlicher Musik beziehungsweise Soundcollagen begeistern. Derzeit ist meine Seele ganz und gar dem Pagan Black Metal verschrieben, der in mir dir ruhmreiche Zeit des Schwertes wieder zu neuem Leben erweckt. Doch so neu ist diese Leidenschaft meinerseits nun auch wieder nicht, es begann eigentlich schon 1988, als Bathorys `Blood Fire Death` bei Under One Flag-Records erschien. Als ich diese Gatefold-LP das erste Mal in Händen hielt und dann diesen mächtigen heidnischen Hymnen lauschte, wusste ich, dieser Sound wird mich bis zu meinem Grabe (und darüber hinaus) begleiten. War dieses Album doch der Grundstein des Pagan Black Metal, und beeinflusste Heeresscharen von weiteren Bands, welche diesem Mythos Tribut zollten. Eine wichtige Verbindung zum Pagan Black Metal stellt natürlich auch der Anteil an Folk-Passagen für mich dar, deshalb bin ich auch ein großer Verehrer mittelalterlicher oder kriegerischer Folkmusik wie sie Perunwit oder Wejdas grandios erschallen lassen. Aber wie bereits erwähnt, bin ich experimentellen Klangwelten auch nicht abgeneigt, diese müssen jedoch sehr bedrohlich und düster durch die Boxen donnern. Ältere Alben von Laibach oder Melek Tha und Eupraxia stellen hier meine Favoriten dar. Hier könnte ich den Bogen noch weiter spannen, vom True Metal wie ihn die Österreicher Angry Angels perfekt zelebrieren bis hin zu dunkler Ambient-Kunst von Mortiis. Ansonsten: Bathory – `Twilight Of The Gods`, Riger – `Des Blutes Stimme`, Conan – Soundtrack, Venom – `Welcome To Hell`, Saxon – `Power And The Glory`, Running Wild – `Gates To Purgatory`, Judas Iscariot – `Distant In Solitary Night`, Summoning – `Dol Guldur`, Vinterriket – `Kälte`, Ozzy Osbourne – `Blizzard Of Ozz`, Manowar – `Battle Hymns`, Juvenes – `Riddle Of Steel`, Pink Floyd – `Dark Side Of The Moon` und noch ein paar Hundert solcher Acts mehr. Doch auch Soundtrack-Alben lassen mein dunkles Herz höher schlagen.“

Nach diesem Exkurs in seine Hörgewohnheiten führte mir Hugin noch ausgeprägte Filmpassionen vor Augen:

„Uns haben die ersten beiden Teile der Ring-Trilogie sehr gut gefallen. Ist hier doch in filigranster Kleinarbeit auf wirklich jedes Detail geachtet worden, so dass das Gesamtwerk die Welt um Mittelerde gebührend widerspiegelt. Dass Romanfiguren wie Tom Bombardil im Film nicht in Betracht gezogen worden sind, nehme ich gelassen hin, da sie der Gesamtheit nicht unbedingt dienen und somit zu viele Handlungsstränge vermieden wurden. Weiterhin finde ich die Landschaftsaufnahmen von Mittelerde beziehungsweise Neuseeland grandios, dies alleine rechtfertigt jede Sekunde des Films. Außer, dass ich von Zeit zu Zeit einen Blick in Tolkiens Bücher werfe oder mir die Verfilmungen von Peter Jackson und Ralph Bakshi zu Gemüte führe, entflammen auch Bücher von `Tolkienzeichnern` wie John Hove und Allen Howard in mir diese Leidenschaft, nach deren Illustrationen auch Peter Jacksons Trilogiewelt erschaffen wurde. So kann ich beim Lauschen von Tolkien orientierter Musik und Schmökern in den Zeichnungen jener Künstler Kraft schöpfen. Da ich wie erwähnt die Zeichnungen John Hoves und Allen Howards bereits seit geraumer Zeit kenne, war für mich jene Welt die Peter Jackson erschuf genau jene, die ich mir vor meinen geistigen Auge ausgemalt habe. Auch der Soundtrack von Howard Shore weiß zu begeistern, durch eben jenen Soundtrack kam ich auf die Musik Enjas, welche sehr spirituell angehaucht ist und für gewisse Stunden unabkömmlich in meinem Leben geworden ist.“

Hugin kann sich gleich mit mehreren Romanfiguren aus der Trilogie identifizieren, wie sich anschließend im Gespräch auftut: „Die Gier nach Fleisch stellt mich wahrscheinlich mit den Orks gleich. In der Lust am Kampfe bin ich möglicherweise ein Uruk-Hai. Im Ehrgefühl müsste ich eigentlich aber dann doch ein Elb sein – doch bin ich ein Mensch und eine dies alles in mir.“

Der kreative Zusammenhalt bei Hrossharsgrani hat aus den Beteiligten über die Jahre fest zusammenhaltende Streiter für die eigene Sache gemacht, wie mir Hugin nachfolgend verrät: „Zu zwei meiner engsten Verbündeten und Verwandten im Geiste gehören Fylgja und Munin, welche im Jahre 2000 zu Hrossharsgrani kamen und die Kampfbereitschaft stärkten, auf dass von diesem Zeitpunkt an jede folgende Schlacht im Bunde geschlagen ward! Es war für mich nicht zum Muss geworden, unbedingt Mitstreiter zu suchen. Sondern es war ein natürlicher Lauf der Dinge, welcher uns nach jahrelanger enger Freundschaft zusammenschweißte und zur Einheit werden ließ. Jeder von uns ist schon seit geraumer Zeit im Bereich des Metals tätig; lediglich die Art des Metals, welcher wir frönten war eine andere. Und gerade diese Mischung von verschiedenen Sparten und auch die Verwendung `Metal-fremder` Elemente machte schlussendlich den Sound Hrossharsgrani's aus. Da wir im letzten Jahr so viel Zeit wie nie zuvor miteinander verbracht haben, durch die lange Zeit im CCP Studio und im Proberaum, um das neue Album `Schattenkrieger` aufzunehmen, wurde unsere Freundschaft noch mehr zusammengeschweißt. Wir treffen uns zwei- bis dreimal die Woche, um neue Ideen zu besprechen, um zu Proben oder einfach nur um über den Alltag zu plaudern.“

Ich hingegen plauderte nach dieser Ausführung Hugins mit ihm über seine heutige künstlerische Sicht des Debütalbums. Interessantes tat sich mir auf: „`...Of Battles, Ravens And Fire` war zuerst als Demo gedacht, es wurde an einem einzigen Tag im CCP Studio aufgenommen. Dennoch finde ich es aus künstlerischer Sicht durchaus gelungen, da es musikalisches Neuland betrat und somit den Weg für unsere Art von Klängen ebnete. Erst ein gutes halbes Jahr nach den Aufnahmen kam es zum Deal mit CCP Records. Da ich zuvor nie an eine Labelveröffentlichung gedacht habe, wollte ich diese EP als Split-CD mit der deutschen Viking Black Metal-Band Nachtfalke anfangs noch selbst veröffentlichen. Doch sagte ich natürlich sofort zu, als ich von CCP den Deal angeboten bekam; war es doch für mich das Sprungbrett in eine andere Dimension, eine Welt von der ich nicht zu Träumen gewagt hatte. Denn es war doch auch schon immer eine sehr eigenwillige Musik, welche Hrossharsgrani zu Tage brachte.“

Hinsichtlich des aktuellen Releases „Schattenkrieger“ besteht seine Hoffnung laut eigener Aussage nun darin, dass ihm dieses Werk auch in zehn Jahren selbst noch gefällt. Und Hrossharsgrani werden in noch entfernter Zukunft auch endlich mal einen Live-Gig zum Besten geben. Hugin blickt für mich in Zukunft: „Wir werden extra für dieses Konzert einen (überlangen) Song schreiben, welcher nur dieses eine Mal live vorgetragen werden wird. Es wird eine wahrhaftige Schlacht auf der Bühne stattfinden. Blut, Schwerter und Äxte werden die Halle in Schutt und Asche legen. Es wird keine Gefangenen geben – Fleisch & Stahl!“

Man darf doch mehr als gespannt sein ob dieser Ankündigung. In einem deutschen Metal-Magazin hat jemand Hrossharsgrani einmal in einem Review als „Die Soundtrack-Battle Hymn-Combo Hrossharsgrani“ tituliert. Hugin stimmt hierbei zu: „Ich finde, das passt sehr gut. Selbst würde ich unsere Art von Musik als `Heroic Battle Hymns` bezeichnen.“

Dann kamen wir auch auf das Hrossharsgrani-Logo zu sprechen.

„Das Bandlogo stammt von meiner damaligen Freundin Heidi Bagar, die auch für einige andere Bands das Logo oder Cover gestaltet hat. Unser Logo ist über all die Jahre hinweg dasselbe geblieben, lediglich wurde seit dem `Schattenkrieger`-Album ein Schatten zugefügt, um dem Logo mehr Ausdruckskraft zu verleihen.“

Der Bandname Hrossharsgrani stammt zu meinem Erstaunen nicht aus Tolkiens Erzählungen, wie Hugin mir nachfolgend erläuternd offenbart:

„Da muss ich dich leider enttäuschen, der Name Hrossharsgrani stammt aus der nordischen Götterwelt. Eine kurze Geschichte dazu, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen: `...Vikar war mit seiner Schar auf einer Insel gelandet, um dort zu rasten. Als jedoch die Zeit für die Abfahrt gekommen war, gab es keinen Fahrtwind, und vergeblich harrten die Krieger von Tag zu Tag auf die Möglichkeit, wieder in See stechen zu können. Schließlich wussten sie nur noch einen letzten, furchtbaren Ausweg aus ihrer Lage. Sie gelobten Odin ein Menschenopfer. Das Los sollte es bestimmen, und dieses fiel auf Vikar. Darüber waren alle bestürzt und beschlossen, am nächsten Morgen zu beraten, was sie tun sollten. In der Nacht wurde Starkad geweckt, und vor ihm stand Hrossharsgrani, der Mann, der ihm einst das Leben gerettet hatte. Er forderte Starkad auf, ihm zu folgen, und brachte ihn in einem Nachen zu einem kleinen Eiland in der Nähe der Insel. Nach der Landung führte Hrossharsgrani Starkad durch einen Wald auf eine Lichtung, wo alles für ein Thing vorbereitet war. Zwölf Stühle standen dort, von denen elf besetzt, der zwölfte aber noch leer war. Ihn nahm Hrossharsgrani ein, und die Anwesenden begrüßten ihn als Odin, so dass Starkad erkannte, wer sein Geleiter in Wirklichkeit war. So außergewöhnlich wie der Bandname, so sollte sich auch das musikalische Wesen Hrossharsgrani's gestalten.“

Zurück zum neuen Werk; Hugin legt mir musikalische Einflüsse dar: „An erster Stelle stehen da Soundtracks á la `Gladiator` oder der gewaltige Sound von Rammstein, dann die Verwendung klassischer Elemente. Ansonsten gibt es eigentlich keine speziellen Einflüsse, da wir stets versuchen unseren eigenen Weg zu gehen, fernab der bereits so ausgetrampelten Pfade des Metal. Wenn man will, hört man bei `Schattenkrieger` alles Mögliche heraus – oder auch nichts. Eines ist jedoch gewiss: Es ist ein typisches Hrossharsgrani-Album. Diesmal setzten wir darauf, sämtliche Samples zum größten Teil selbst zusammen zu stellen. So fügten wir also Sounds von diversen Sample-CDs aneinander, legten etliche Spuren mit verschiedensten Geräuschen übereinander und fügten noch das eine oder andere selbst erzeugte Geräusch mit ein. So entstand der atmosphärische Background zu `Schattenkrieger`. Jedem, der sich in eine andere Welt voller Mythen, Schlachten, Mut, Ehre und Gewalt führen lassen und dabei nicht auf die Epik des Metals verzichten möchte, sei geraten, einmal in die Welt Hrossharsgrani's einzutauchen!“

Anschließend gab der Linzer Tolkienverehrer mir auch die Bedeutung des aktuellen Albumtitels preis.

„Wie du bereits zu Beginn unseres Dialoges richtig bemerkt hast geht es bei `Schattenkrieger` grundsätzlich um J.R.R. Tolkiens `The Lord Of The Rings`. Doch mit dem einen Unterschied zu anderen `Tolkien-Bands` ist die Geschichte von `Schattenkrieger` bloß an das Werk des Meisters angelehnt. Klar, es ist die Welt von Mittelerde mit all ihren Wesen und Ländereien, jedoch aus der Sicht eines Außenstehenden erzählt – nämlich aus meiner. Die `Schattenkrieger` stellen die Nazgul dar. Traurige Wesen, vom dunklen Herrscher nur für diesen einen Zweck in ihrem Schattenleben gelassen, um den einen Ring, den der Macht, zu jagen. Der Text des Titelsongs ist in einer Zweideutigkeit verfasst, so dass er auch außerhalb von Mittelerde durchaus Sinn ergibt. Für mich bedeutet das Wort Schattenkrieger genau das, für was unsere Musik steht: Schatten, Dunkelheit, Mystik, Grauen, Krieger, Schlachten, Ruhm und Ehre.“

Das aktuelle Albumcover ist, so Hugin, eine Fotocollage aus verschiedenen Relikten des nordischen Altertums:

„Die Idee und die Fotos stammten von mir, zusammengestellt wurde das Ganze von Munin. Das Cover der limitierten Digipak-Version ist ein wenig anders als das der Jewel Case-Version und ist auf 1.000 Stück beschränkt; die Vorgehensweise bei der Gestaltung war dieselbe. Da auf dem Cover Schild und Helm aufgeführt sind, stellt dies klar den kriegerischen Aspekt der Musik auf `Schattenkrieger` dar!“

Die Arbeit am neuen Album dauerte genau von Oktober 2001 bis November 2002, der ganze kreative Prozess war erst mit Fertigstellung des Werkes beendet. Es war somit die längste Zeit, die Hrossharsgrani bis dato mit der Kreation eines Albums verbrachten. Hugin blickt zurück:

„Den größten Anteil am musikalischen Wesen des aktuellen Albums hatte Munin, welcher nächtelang beim Komponieren saß. Er widmete nahezu seine ganze Freizeit mit der Erschaffung neuer Hrossharsgrani-Songs. Da es sich über einen so langen Zeitraum erstreckte, wurde unter nahezu jeder Gemütsverfassung komponiert. Die meisten der neuen Titel wurden nach Mitternacht verfasst. Wo zu dieser Zeit überall sonst die Ruhe eingekehrt ist, war für Munin die Zeit des Kampfes – es herrschte meist eine positiv angespannte Atmosphäre, in der man oft eine Stecknadel fallen hören hätte können. Die Texte für `Schattenkrieger` stammen allesamt aus meiner Feder, jedoch nahm ich gerne jede Art an Ideen meiner Gefährten an, was auch dem Gesamtkonzept sehr gut tat. Ich versuchte meist, mir mit etwas Sport wie Laufen durch die wunderbaren Wälder meiner Heimat meine Gedanken frei zu machen, danach setze ich mich an meinen PC und hämmerte auf meine Tastatur ein. Aber erst einige Tage später entschied ich ob der Text mit zur Probe genommen wird oder ob ich ihn doch besser vernichte. Die andere Seite war dann wiederum jene, in der ich die Texte direkt bei der Probe schrieb, beflügelt durch die dabei gehörte Musik.“

Wie in meiner CD-Kritik zum neuen Album schon explizit erwähnt, bin ich leider überhaupt nicht mit der Umsetzung der gesprochenen Passagen auf „Schattenkrieger“ zufrieden. Hier hätte es um einiges mehr an stimmlichem Charisma und sprachlicher Hingabe erfordert. Hugin versprach mir jedoch: „Leider haben wir so lange Zeit mit der gesamten Aufnahme verbracht, aber nur einen einzigen Nachmittag mit den Hörspielpassagen. Diesen Fehler werden wir beim nächsten Album aber nicht mehr machen, da werden wir die Hörspiele gesondert gestalten und nicht im Zuge der Musikaufnahme.“

Da bin ich ebenfalls schon sehr gespannt. Denn meiner Meinung nach ist Hrossharsgrani sowieso etwas Einmaliges, was es in dieser Form nicht noch einmal gibt. Hugin stimmt mir hier abschließend zu: „Danke für dieses Statement. Wie bereits erwähnt, versuchen wir stets, musikalisches Neuland zu betreten und trotzdem unserer Linie treu zu bleiben. Schönheit gibt es nur im Kampf!“

© Markus Eck, 25.03.2003

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++