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Interview: IMPALED NAZARENE
Titel: Musikalische Kriegführung

Mit ihrer neuesten Attacke in Form des siebten Studioalbums „Absence Of War Does Not Mean Peace” machen die aus Finnland stammenden gepfählten Nazarener ihrem vorauseilenden Ruf als eines der chaotischsten – aber auch besten – akustischen Exekutionskommandos der gesamten Black- und Death Metal Szene einmal mehr alle erdenkliche Ehre.

Ganz in der stark thrashig angehauchten Linie ihres letzten Outputs “Nihil” ist auch das neue Monument des metallischen Donners ausgefallen.

Erlesen roher und brillant inszenierter Up-To-Date-Black Metal mit vielerlei spielerischen Raffinessen. Bandboß und Metal-Lunatic Mika Luttinen zieht wieder einmal mit aller Lässigkeit vom schweißnassen Leder.

„Wir hatten einige Veränderungen in der letzten Zeit in unserem Line-Up. So verließ uns Jani Lehtosaari schon im Sommer 2000, um sich voll und ganz auf seine neugegründete Plattenfirma Solardisk zu konzentrieren. Er wurde von Arc v 666 ersetzt. Alexi Laiho von Children Of Bodom, der auf unserer letzten CD mitspielte, war leider nie so recht für uns da; er war zu beschäftigt mit Children Of Bodom und auch Sinergy. Also ersetzten wir auch ihn durch einen neuen Mann namens Somnium. Er ist auch bei Finntroll dabei. Dieses neue Line-Up arbeitet nun seit Dezember 2000 zusammen und im Moment sieht es ganz gut dafür aus, daß dies auch so bleibt.“

Der durch seine exzessiven und wohl auch unnachahmlichen Bühnenaktivitäten berühmt-berüchtigt gewordene Fronter ist, wie er berichtet, natürlich neugierig auf die kommenden Reaktionen von Seiten der Presse und der Fans auf das aktuelle Album. Dennoch gilt:

„Aber selbst, wenn man uns mit Scheiße bewirft, ist es uns auch egal und keiner aus der Band wird seinen Schlaf deshalb verlieren.“

Mikka ist auch für genau diese Coolness bekannt.

Der Bandname ist eine pure Provokation für jedes religiös streng gläubige Schäfchenherz.

„Er stellt einen riesigen Teil meines Lebens für mich dar. Die Band wird bald elf Jahre alt; nicht schlecht für einen Haufen porno- und alkoholkranker Fucker wie uns, was?“

In der Tat. Die lange Existenz der verrückten Horde spricht für sich. Meine Vermutung hinsichtlich einer lyrischen Grundidee des neuen Albums wird von Mika barsch abgewiesen:

„`Absence Of War Does Not Mean Peace` hat kein hauptsächliches zugrundeliegendes Konzept. Jeder Song darauf steht vollkommen für sich alleine und ist individuell textlich ausgearbeitet worden.“ Und der Albumtitel meint, was er sagt, so Mika: „Zu allen Zeiten schon brodelte immer der Krieg unter den Völkern. Es ist die Natur des Menschen, anderes Leben zu zerstören und wir Erdenbewohner haben dies bisher auch ganz gut hingekriegt.“

Man kann ihm, dem oberkrassen Finnen, da einfach nicht widersprechen.

Für die Aufnahmen und die Produktion des neuen Werkes verbrachten Impaled Nazarene ganze zwei Wochen in den Astia Studios.

„Co-Produced wurde `Absence Of War Does Not Mean Peace` vom Besitzer der Astia-Studios Anssi Kippo.“

Danach wurde das Teil von Mikko Karmila in den bekannten Finnvox-Studios laut Mika in vier Tagen gemixt und dann noch mal einen Tag lang gemastert.

„Unsere längste Production bis jetzt.“ Das Klangresultat ist auch überwältigend und der Aufwand hat sich also definitiv gelohnt.

Mika spricht weiter: „Ich hatte im Sommer 2000 erst zwei Songs für die neue Scheibe fertig geschrieben, so mußten wir uns die Zeit immer öfter nehmen, um mehr Material zusammen zu kriegen. Normalerweise schreiben wir die Stücke nach und nach. Alles ist dann im Zeitraum zwischen August 2000 und 2001 entstanden. Ich verwendete diesmal sogar endlich die Riffs des Tracks `The Madness`, welche noch aus dem Songwritingprozeß für unsere damalige Veröffentlichung `Latex Cult` übergeblieben waren. Allerdings sah der Song vom Aufbau damals noch ganz anders aus.“

Der Finne ist froh, wie er verlauten lässt, den Song endlich verwenden zu können und den Fans zugänglich gemacht zu haben. Das kann er sein, denn das Stück ist ein echter Brecher vor dem Herrn da unten. Die Aufteilung beim Songwriting ging wie immer vor sich:

„Ich schrieb drei Songs, unser Trommler vier und die beiden Gitarristen brachten jeder für sich zwei Stücke zusammen. Wir arbeiten nicht als Einheit, wenn es ans Komponieren geht. Sondern wir bevorzugen es seit jeher, jeder für sich zu Hause kreativ zu sein. So bringen wir zu den Rehearsals dann in der Regel schon zu 95 % fertige Stücke mit. Wenn alle das jeweilige Lied mögen, wird es gemeinsam ausgearbeitet. Wenn nicht, dann legen wir das eine oder andere Riff auf Halde und warten, bis wir wieder verwenden können. So geht es eigentlich sehr demokratisch bei uns zu und die Ideen werden niemals weggeworfen. Das ist sehr wichtig bei Impaled Nazarene, denn im Gegensatz zu vielen anderen Bands können wir auf Tour keinerlei brauchbares Material erstellen.“

Mikka verfaßte auch diesmal alle Lyrics, was aber nicht die Regel ist, wie er expliziert. „Es hängt immer von der jeweiligen Situation ab. Ich hatte den Job, alle Texte für das neue Album zu verfassen und so mußte ich aus Zeitnot die Songtexte für sechs Tracks im Studio aufs Papier bringen.“

Der Streßfaktor war daher enorm für ihn. „Aber letztendlich hab ich es doch noch geschafft.“ Mr. Luttinen arbeitet in dieser Richtung immer nach demselben Prinzip: „Ich warte auf eine Idee oder einen inspirierenden Eindruck, greife den Gedanken auf und arbeite ihn nachfolgend intensiv aus.“

Ich betitelte nachfolgend den akustischen Style der Finnen als „Deadly Black Insane Metal“. Mika hielt jedoch dagegen, Impaled Nazarene seien die einzige Nuclear Metal-Band dieses Planeten. „Das waren wir immer und werden es immer sein.“

© Markus Eck, 15.08.2001

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