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Interview: ISOLE
Titel: Aus tiefsten Tiefen

Für ihr aktuelles Tragik-Manifest wagten sich die vier schwedischen Schwerenöter von Isole scheinbar weiter und auch gefühlsoffener denn je zuvor in die eigenen seelischen Abgründe hinab.

Denn die dabei zutage geförderten ultramelancholischen Kompositionen nagen an den Zukunftshoffnungen der Menschheit so gierig und heftig wie völlig ausgehungerte schwarze Riesenratten an einem Batzen schimmligem Harzer Käse.

Doch „Born From Shadows“, so der bedeutungsschwangere Titel des neuen und fünften Isole-Albums, tritt dabei mit einer dermaßen verzehrenden musikalischen Schönheit an die geneigte Epic Doom Metal-Öffentlichkeit, dass beinahe schon von betörend düster erstrahlendem Trauer-Gigantismus fabuliert werden kann.

Einnehmend vokalisiert werden diese paralysierenden liedhaften Abgesänge dabei mit hochgradig hypnotischem Zungenzauber dualer Präsenz.

Für letzteren zeichnet auf „Born From Shadows“ auch Gitarrist Christer Olsson als echter Spitzenkönner verantwortlich.

„Unser neues Werk stellt für mich die bislang dunkelste Perle dar, welche wir mit Isole je erschufen. Und ich denke, die Songs des Albums gelangen uns besser als alles andere, was wir bislang musikalisch kreierten. Ich durchlebte nämlich dafür eine überaus produktive Periode, in welcher mich meine Inspiration so sehr durchzog wie es niemals zuvor beim Komponieren der Fall war. Es fühlte sich einfach fantastisch an. Und sogar meine Gitarrensoli wurden davon in starkem und positivem Maße beeinflusst. Dennoch bin ich auch gleichzeitig noch immer sehr neugierig auf unsere eigenen ,frischen‘ Lieder; im Sinne der quälenden Frage: Könnten wir es nicht sogar noch besser hinbekommen haben? Vielleicht werde ich dieses Gefühl ja für immer haben, nach jedem weiteren Album? Das Gefühl, niemals ganz zufrieden zu sein mit den eigenen Kreationen. Dies bitte ich nicht falsch zu verstehen - denn ich bin natürlich sehr stolz auf ,Born From Shadows‘, aber der Perfektionist in mir überschattet stets meine Stimmung“, lässt Christer offenherzig wissen.

Dann gerät dieser manisch denkerisch veranlagte Charakter dennoch berechtigt ins merklich innigliche Schwärmen.

„Wir liefern den Fans mittels der neuen Platte eine dynamisch variierende Version an dunkler Musik, welche nicht nur für Doom Metal-Anhänger geeignet ist. Denn wir haben auch andere Elemente in unserem Sound. Die Atmosphären sind für uns der wichtigste Inhalt in den Liedern. Unser primäres künstlerisches Ziel war es daneben auch schon immer, die Songs trotz der eigentliche Enge der Doom Metal-Stilistik so lebendig und variantenreich als möglich zu halten. Und der duale Gesang ist daneben mittlerweile zu einem echten Markenzeichen von Isole geworden. Um die neuen Nummern auf ,Born From Shadows‘ restlos zu erfassen und um zu verstehen, worum es bei uns im eigentlichen Sinne geht, muss man die Scheibe allerdings schon des Öfteren anhören, denke ich.“

So wird er wohl zeitlebens nicht in der Lage sein, fröhliche Klänge zu erzeugen, wie der Sänger und Saitenspieler vor mir im Weiteren darlegt.

„Nein, unsere Musik wird niemals glückselig klingen, weil mir solcherlei Melodien etc. einfach nicht liegen. Doch neben diesem Kontext möchte ich mir bei Isole keine musikalischen Grenzen setzen. Solange es also gut und dunkel ist, bin ich zufrieden.“

Und somit drehen sich die umfassend durchdachten Songtexte des neuen fesselnden Isole-Tränentellers gemäß nachfolgender Aussage des Schweden auch größtenteils um Themenbereiche wie Dunkelheit und Verzweiflung.

„Der Titeltrack ,Born From Shadows‘ beispielsweise ist eine wohl klassische ,Gut gegen Böse‘-Story, welche darin durch zwei Steine symbolisiert wird, und zwar den ,Mondstein‘ und den ,Schattenstein‘.“

Der Text des Songs ist inspiriert durch die Buchreihe des russischen Autoren Nick Perumov, wie dazu noch in Erfahrung zu bringen ist.

Zwei der neuen Stücke tragen sogar autobiographische Züge seiner eigenen Person, wie Christer noch ergänzt.

„Und zwar ,The Lake‘ und ,My Angel‘. Ich schrieb dazu sehr persönlich gehaltene Zeilen über mein eigenen Leben beziehungsweise meine Vergangenheit und meine Zukunft. So ist ,The Lake‘ sogar zu meinem absoluten Favoriten auf der neuen Veröffentlichung geworden. Das herrlich progressiv angelegte Lied ist mit Doom Gesängen der alten Schule durchzogen, aber wir brachten auch krassere Gesangslagen mit ein, welche teils gar an Black Metal-Anmut erinnern. Insgesamt findet man als Hörer eine Menge an Einflussbandbreite in dem Stück, und gleichzeitig hört sich der gesamte Track wie aus einem einzigen Guss an. So liebe ich es.“

© Markus Eck, 25.09.2011

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