Top
Interview: KING DIAMOND
Titel: Künstlerische Identität

Fanatischen Anhängern der Sparte Horror Heavy Metal ist der umtriebige Däne Kim Bendix Petersen ein ebenso fester wie beliebter Begriff. Schließlich liefert der stets böse geschminkt auftretende Ausnahmesänger seit nicht wenigen Jahren faszinierend eigenständige Musikkreationen.

Einst hauptsächlich bei der nicht minder verehrten Kultgruppe Mercyful Fate als Frontmann unter dem Künstlernamen King Diamond tätig, wechselte der talentierte Visionär und Vokalist Mitte der 80er Jahre zum primären Solistendasein mit Begleitband über.

Und waren sich Headbanger aus vielen stilistischen Kategorien in Sachen Musik an sich stets einig über die hohe Güte von King Diamond, so polarisiert gerade der absolute ungewöhnliche Eunuchengesang des Meisters die Fronten noch immer enorm. Ein einmaliges und individuelles Markenzeichen jedoch, welches die Figur King Diamond unter zahllosen Kollegen stets eindeutig heraushebt.

Für die Kunst des Kings gilt also für immer die Formel „Lieben oder hassen“.

Seine vielen Fans werden sich aufgrund des brandneuen Langspieldiskus „Give Me Your Soul… Please“ aber wieder für Ersteres entscheiden.

Denn für diese erneute Konzeptscheibe wurde wiederholt markantmelodische Gruselmusik vom Qualitativsten kreiert.

„Wir lieben das was wir tun noch immer mit ganzem Herzen. Eine wichtige Voraussetzug für gute, homogene Musik. Mit meiner Band habe ich großes Glück, wir verstehen und stets prächtig, daher spielen wir nun schon seit einigen Jahren in derselben Besetzung. Letzteres verschweißte uns als Künstler mit der Zeit immer fester, sodass auch unsere kompositorischen Geschicke meiner Auffassung nach äußerst positiv davon betroffen wurden“, verkündet der King mit wohltuend herzlichem Stimmklang.

Der seit einigen Jahren im US-Bundestaat Texas residierende Sänger ist laut eigener Aussage wirklich rundum glücklich mit der neuen Gruselvorstellung. Er fügt an:

„Ich bin der Meinung, das neue Studioalbum `Give Me Your Soul… Please` gelang uns gar noch besser als der Vorgänger `The Puppet Master`, welcher ohnehin schon sehr gut war. Wir perfektionierten unser Zusammenspiel noch mehr, alles in allem sind wir mittlerweile eine vollkommen aufeinander eingestimmte Einheit als Band. Selbst bei der Produktion kam der neue Output viel besser weg, so sind diesmal auch die Basslinien bestens herauszuhören. Aktuell fügen sich auch meine Gesangslinien geradezu fantastisch in sämtliche neuen Kompositionen ein und sogar all die atmosphärisch angelegten Hintergrundgesänge stehen da nicht im Geringsten nach. Wir haben es hervorragend hinbekommen, dass der Hörer zwei meiner übereinander gelegten Gesangsspuren hört, welche sich zudem sogar noch markant von den Hintergrundvokalisierungen abheben. Überhaupt, die ganze Scheibe weist eine signifikante Harmonie auf, was die Übereinstimmung der ganzen instrumentellen und gesanglichen Einzelkomponenten anbelangt.“ Genau so also stellt sich der 51-jährige Überzeugungstäter eine optimale King Diamond-Veröffentlichung vor, wie er bekennt.

Mit seinen Mitmusikern, besonders dem fingerfertigen Gitarristenduo Andy La Rocque und Mike Wead, arbeitete der Gänsehautkönig auch während des vorangegangenen Kompositionsprozesses wieder sehr eng zusammen.

Er resümiert in diesem Kontext zu „Give Me Your Soul… Please“:

„Ich kenne sie durch und durch, und ich muss ehrlich sagen, so dermaßen motiviert wie für das aktuelle Album habe ich die zwei selten erlebt. Mike und Andy bestätigten mir dies auch immer wieder selbst. Beide waren total heiß darauf, so viele und so gute Soli als möglich in den aktuellen Liedern zum Tragen kommen zu lassen.“

Und auf die Spiel- und Einsatzfreude den langjährigen King Diamond-Tieftöners Hal Patino färbten solcherlei euphorische Zustände merklich ab, wie ich erfahre.

„Sein Bassspiel geriet ihm im Laufe des Songwritings immer umfangreicher und detailfreudiger, er schien geradezu über sich selbst hinauszuwachsen. Manchmal lieferte mir Hal sogar solch prägnante Spielmuster, sodass ich meine Gesangslinien glatt an seinen Basstönen anlehnen konnte. Wirklich fantastisch, ich schätze ihn sehr“, lobt der aussagefreudige Schminktopfbenutzer seinen getreuen Viersaitenzupfer mit allem Nachdruck.

Schlagzeuger Matt Thompson war schließlich der letzte und fünfte im spielerischen Bunde, welcher seinen Beitrag in die für ihn entsprechend vorbereiteten Kompositionen einzubringen hatte.

King erinnert sich verschmitzt schmunzelnd an dessen aufgebrachte Reaktion hinsichtlich der anspruchsvollen Vorgaben:

„Matt war völlig aus dem Häuschen und merklich massiv überrascht, und machte mir scherzhaft Vorwürfe, wie ich ihm nur all die ausgetüftelten Songstrukturen aufbürden konnte. Ich beruhigte ihn recht rasch, und legte ihm nahe, sich dies zum Vorteil zu machen und sein Spiel nach Lust und Laune daran anzugleichen beziehungsweise danach auszurichten. Nach einiger Zeit, es dauerte gar nicht lange, kamen die ersten freudigen Rückmeldungen von seiner Seite aus. Mein Plan funktionierte also perfekt.“

Gut so. Auch die neue Horrorplatte ist wieder mal ein ausführlich durchdachtes Konzeptalbum geworden.

Der auf okkulter Ebene bekannter Maßen sehr gut informierte Schwermetallkönig plaudert abschließend aus dem lyrischen Nähkästchen.

„Die aktuelle Story dreht sich um ein kleines Geschwisterpaar, welches vom Vater ermordet wird. Im unheimlichen Totenreich finden sich die getöteten Kinder jedoch überhaupt nicht zurecht. Ich verarbeitete mit dieser fiktiven Geschichte all die täglich geschehenden Grausamkeiten an unschuldigen Kindern, welche über die globalen Medien im Überfluss in die Wohnzimmer der Menschen transportiert werden. Massenmedial zur Schau gestellte Grausamkeiten, die offenbar dadurch immer noch mehr herzlose Nachahmer aus dem Kreise der Erwachsenen auf den Plan rufen. So geistern die beiden Kindergespenster immer wieder in der Welt der Lebenden herum, um sich neue Seelen zu holen, mittels derer sie ins reale Dasein zurückkehren können. All ihre Kraft und all ihr Streben konzentrieren sich in diesem Zuge darauf, endlich wieder in der Welt leben zu können, aus der sie so urplötzlich heraus gerissen wurden. Meine Story dazu ist ebenso spannend wie geheimnisvoll geworden.“ Typisch King Diamond eben.

© Markus Eck, 13.06.2007

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++