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Interview: KREATOR
Titel: Pure Power

Um als europäische Thrash Metal-Truppe ein dermaßen anspruchsvolles und hochwertiges Album hinzukriegen, wie es aktuell auf „Hordes Of Chaos“ der erfreuliche Fall ist, muss man wohl schon Kreator heißen und diese Musik seit mehr als einem Vierteljahrhundert (!) selbstlos zelebrieren.

Und tatsächlich, der brandneue Studioschlag in Langspielform killt in Sachen zeitloser Topqualität total mühelos alles künstlerisch darunter Liegende aus dieser stilistischen Branche. Was für ein Riesenglück also für Fans und Band selbst, dass die unverwüstlichen Essener Rhythmusrabauken um Leitfigur Mille vor einigen Jahren zu ihrer einzig wahren musikalischen Bestimmung zurückfanden.

Wenn also überdimensionale Spielfreude auf unverbraucht hohes Aggressionspotenzial trifft und dabei auch noch eine ganze Gigadosis handwerkliches Können im Spiel ist, ja, erst dann entstehen sensationell gedroschene Knüppelmanifeste wie beispielsweise „Hordes Of Chaos“. Ich presche mit Spitzengitarrist und Kaiserschreihals Petrozza mutig eng an Seite der entfesselten Chaoshorden direkt ins Epizentrum des schöpferischen Geistes von Kreator vor.

Dort angekommen, lässt der Anführer des Elitekommandos seiner Freude über die neue Veröffentlichung erstmal völlig freien Lauf.

Es folgt Selbstwertgefühl in absoluter Reinform:

„Wie immer zuvor bin ich auch diesmal wieder restlos davon überzeugt, dass die aktuelle Scheibe unsere bisher beste ist. Wenn das nicht der Fall wäre, bräuchte ich ja keine neue Platte mit der Band zu machen. Ich bin genauer gesagt der Meinung, wenn eine Band nicht wenigstens ernsthaft den Versuch anstellt, ihre vorhergegangene Veröffentlichung selbst zu toppen, ist es völliger Unsinn, weiterzumachen. Wenn wir davon nicht immer wieder selbst in solcherlei Weise überzeugt wären, würde es Kreator schon längst nicht mehr geben. Wenn wir das also irgendwann nicht mehr in uns tragen, dann lassen wir’s“, spricht der Ruhrpottmann in aller Gelassenheit zum Thema.

Sein diesbezügliches Streben, so Meister Mille, hat sich über all die Jahre zwar natürlich an einigen Facetten abgeändert, insgesamt ist aber alles doch beim Alten geblieben. Dennoch wuchs bei ihm der nicht gerade unwesentliche Faktor Gelassenheit bis heute kontinuierlich stetig an, wie von dem Langhaarkerl italienischer Herkunft in Erfahrung zu bringen war:

„Wir müssen uns ja als Gruppe wirklich nichts mehr beweisen. Kreator müssen mittlerweile auch nicht mehr jedes Jahr ein neues Album veröffentlichen, geschweige denn, dass wir uns noch etablieren müssen. Bei uns ist mittlerweile eine, sagen wir mal, `gewisse Relevanz` zuhause, worüber ich sehr froh bin. Trotzdem stelle ich mir vor dem Kompositionsprozess beziehungsweise den Aufnahmen zu einer neuen Scheibe immer wieder dieselbe Frage, ob die Welt da draußen wirklich noch ein neues Kreator-Album benötigt. Eine wirklich wichtige Frage, wie ich meine. Denn meiner Auffassung nach gibt es ja wirklich nichts Schlimmeres als Bands, die einfach nicht abtreten wollen beziehungsweise können und Jahr für Jahr immer wieder denselben langweiligen Trott veröffentlichen und dabei immer noch peinlicher werden. Genau das wollen wir nicht.“

Solange er und seine Mannen also noch den großen Spaß und die nötige Energie in sich verspüren, um entsprechend weiterzumachen, solange wird Kreator auch kein Ende finden.

Mille mit Stolz in der Stimme, den von mir geäußerten Vergleich zu den Kollegen von Sodom zögernd relativierend:

„Ich kann gut verstehen, dass unser Schaffen und das Drumherum immer wieder mit dem von Sodom verglichen wird, dennoch denke ich, dass wir als Band ganz andere Ziele verfolgen als Tom Angelripper & Co. Überhaupt, bei vielen uns artverwandten Gruppen habe ich immer wieder den Eindruck, als wäre das Ganze für sie nur eine Art Hobby. Wir hingegen leben das Ganze im sprichwörtlichen Sinne. Ich möchte ja nicht unterstellen, dass andere Bands das nun nicht tun, aber uns und unsere Hintergründe kann man einfach mit keiner sonstigen Band überhaupt vergleichen; weder also mit Sodom noch mit irgendwelchen anderen. Wir stehen alleine.“

Wie er dazu im Weiteren auch noch preisgibt, orientiert sich der Essener Flitzefinger daher schon seit langer Zeit an nichts und niemand mehr, was die Musik von Kreator anbelangt:

„Die Aufbruchsstimmung im internationalen Thrash Metal ist ja mittlerweile schon ganze 20 Jahre her, inzwischen hat sich die Welt fleißig weitergedreht und es ist viel passiert beziehungsweise hat sich viel geändert. Kreator aber haben sich ihre eigene Nische geschaffen. Das genau ist es auch letztlich, was ich insgesamt immer wieder am besten finde an der ganzen Sache. Egal also, was passiert – wir stehen immer außen vor. Und ganz speziell zugute kommt mir dabei auch stets, dass ich selbst noch immer ein riesengroßer und vollkommen leidenschaftlicher Fan des Genres Thrash bin.“

Das infernalisch heiß lodernde Feuer im Inneren des kreativen Herzens von Riffspezialist Petrozza reicht also noch immer locker aus, um ganze Heerscharen von fanatischen Fan-Seelen zu entzünden.

© Markus Eck, 28.12.2008

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