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Interview: LOREENA MCKENNITT
Titel: Mit Herz und Seele

Als kreativ weit herausragende und interkulturell unschätzbar wertvolle Künstlerin von Weltklasseformat schätzen sie die einen mit riesiger Bewunderung.

Anderen wiederum verhelfen ihre betörend zauberhaften und erhebend feierlichen Anmutskompositionen samt ihrer archaisierenden Mystik zu höchst spirituell beseelten Wonnen samt emotionalen Höhenflügen. In einem ganz spezifischen Betrachtungspunkt sind sich jedoch allesamt einig: Der Kanadierin Loreena McKennitt hat ihr Schicksal eine gar außergewöhnliche musikalische Begabung mit auf den Lebensweg gegeben.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert nun schon ist die historisch bekanntlich sehr bewanderte Reiseliebhaberin als Musikerin und Komponistin aktiv, zahlreiche hohe Musikpreise wurden ihr verliehen und weltweit bislang 14 Millionen verkaufte Alben sprechen eine allzu deutliche Sprache.

Von bezaubernden irischen, keltischen und orientalischen Klangnuancen ist nun auch die neue Veröffentlichung „A Mediterranean Odyssey“ geprägt, welche mittels stimulierend alttraditionellem Folklorereigen wieder zum stimmungsvollen exotischen Eintauchen in längst vergangene Epochen einlädt.

„Das Ganze wird als aufwändiges 2-CD-Set erscheinen. Zum einen aus der CD `The Olive And The Cedar“, welche eine von mir persönlich wohlüberlegt zusammengestellte Mischung aus bereits veröffentlichten Studioaufnahmen bietet. Die zweite CD, `From Istanbul To Athens` betitelt, enthält auf knapp einer Stunde Gesamtspieldauer die Liederhöhepunkte meiner diesjährigen Konzerttournee durchs Mittelmeergebiet, inklusive fünf Stücken, die es bislang noch gar nicht auf meinen Live-Veröffentlichungen zu finden gab. Ich persönlich freue mich wirklich sehr, den Hörern in Form von `A Mediterranean Odyssey` eine ebenso feierliche wie auch erinnerungswürdige Veröffentlichung präsentieren zu können“, weiß Loreena mit gleichfalls freudig geprägter als auch erwartungsfroher Stimme zu erzählen.

„Und darüber hinaus werden die sorgfältig von mir ausgewählten Aufnahmen auf `From Istanbul To Athens` ganz bestimmt für viele Liebhaber meiner Musik, welche bislang noch keine Live-Veröffentlichung von meinen Konzerten besitzen, ganz bestimmt sehr interessant sein. Denn die dargebotenen Live-Versionen meiner Kompositionen unterscheiden sich doch immer wieder merklich von den zugrunde liegenden Studioversionen, was natürlich auch stets in unmittelbarem Zusammenhang mit den jeweiligen Auftrittsorten beziehungsweise den dortigen klanglichen Möglichkeiten steht“, ergänzt sie voller Hingabe.

Auf die anschließend gestellte Frage, in welchem Teil beziehungsweise Land dieser Erde sich, im direkten Zahlenvergleich untereinander, wohl mittlerweile die meisten Anhänger ihrer einzigartigen Spiritualitätsmusik auf einem Fleck befinden, entgegnet die Dame lächelnd:

„Das ist wirklich sehr schwierig zu sagen, weil das schon sehr schwer zu erfassen ist. Denn die meisten Hörer halten ihre Leidenschaft für meine Lieder doch sehr privat. Deutschland aber ist beispielsweise ein sehr starker Markt für meine Musik. Aber auch in der Türkei und Griechenland werden viele meiner Veröffentlichungen gekauft, wie ich mitbekommen habe.“

Spricht Loreena voller Liebe anschließend über Musik an sich, so üben schöne Notenspiele noch immer eine große Faszination auf sie aus.

„Die Art, in der Musik eine Person berühren kann, ist gleichermaßen emotionaler als auch psychologischer Natur. Ich selbst bevorzuge daher verschiedene Arten von Genres, die ich gerne höre – was stets von meiner persönlichen Verfassung abhängt beziehungsweise in welche spezielle Stimmung ich durch das Hören geraten möchte. Ich habe mittlerweile realisiert, dass der Großteil der Hörer meine Lieder primär wegen der enthaltenen hohen Emotionalität favorisiert.“

Und die gut informierten unter ihren zahlreichen Anhängern schätzen nicht zuletzt die im hochästhetischen McKennitt-Liedgut stets so inniglich transportierte Historiensuche.

„Als ich damals auf meiner Hochschule erstmalig erfuhr, wie tief beziehungsweise wie wichtig die Verbindung zwischen altgeschichtlichen Belangen und tradierter Folkloremusik doch ist, hat mich das vom ersten Moment an bis heute nicht mehr losgelassen. All die uralte Poesie und all die Sehnsucht, die in den alten Liedern steckt – sie haben nichts von ihrer Relevanz verloren. Ich entdecke ja so unsagbar gerne neue Länder sowie deren Sitten, Gebräuche und Traditionen – meine Musik benutze ich im Zuge dessen stets als künstlerisches Vehikel, um die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen zu transportieren. Und genau das teile ich sehr gerne mit vielen anderen Menschen – immer wieder erreicht mich Post von meinen Hörern, welche mir darin ihren Dank dafür aussprechen, durch meine Musik aus dem monotonen beziehungsweise nicht selten sehr stressigen Alltagsleben unserer gegenwärtigen Welt entfliehen zu können.“

Und ihre ganz individuelle Vorgehensweise beim Liederschreiben hat sich das kanadische Multitalent laut eigener Aussage über all die Jahre hinweg vollauf bewahrt:

„Wenn ich an Songs arbeite, sei es nun an allerersten Fragmenten, bei konkreter gewordenen Liedmustern oder sogar beim Aufnehmen im Studio, reise ich in Gedanken durch die besungenen Erdteile und Länder. Mit den Jahren habe ich so viele interessante und liebe Menschen auf meinen weltweiten Reisen kennen lernen dürfen. In meiner Musik versuche ich alle gesammelten Impressionen zu kollektivieren. Bei meinen Reisen lege ich stets Wert darauf, auf eine möglichst breite Vielfalt von Menschen beziehungsweise Persönlichkeiten zu treffen: Mein Interesse bewegt sich dabei vom einfachen Volk über allerlei Akademiker und Musiker bis hin zu zahlreichen Archäologen und Historikern. Dies alles beeinflusst die Ausrichtung und sogar die Aufnahmen meiner Lieder stets sehr.“

Beim Erstellen ihrer noblen Kompositionen lässt sich die ebenso sensible wie sympathische Hochbegabte von diversen Faktoren inspirieren, wie sie voller inniglicher Andacht im Stimmfall zu berichten weiß:

„Oft geben mir beispielsweise alte Gedichte oder auch meine eigenen Textzeilen die nötigen Impulse zum Erschaffen von Melodien und anfänglichen Liedpassagen. Oder eben die auf meinen Forschungsreisen gesammelten Eindrücke und Erfahrungen, welche primär beim Resümieren derselben ergiebige Liedideen in mir aufkommen lassen. Es passiert mir aber auch immer mal wieder, dass ich urplötzlich eine ganz bestimmte neue Melodie im Kopf habe, zu der ich mir dann denke, aus welcher Zeit beziehungsweise Epoche und von welchem Platz auf dieser Erde sie wohl zu mir spricht. In dem Fall mache ich mich nachfolgend dann daran, eine Interaktion der Klangvorgabe mit dazu passenden Worten zu erstellen.“

Obwohl sie gerne Harfe und Akkordeon spielt, entstehen ihre Lieder für gewöhnlich zuerst am Keyboard beziehungsweise am Piano, so Loreena. „Das ist darin begründet, dass ich mich beim Spiel auf den Tasten selbst am wohlsten fühle, das liegt mir wohl am besten. Ich selbst halte mich nicht für eine so besonders gute Instrumentalistin, doch am Klavier oder Keyboard spricht mein Herz einfach immer am deutlichsten zu mir“, lässt sie mich noch mit rührend liebenswerter Bescheidenheit wissen.

© Markus Eck, 30.10.2009

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