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Interview: MADRIGAL
Titel: Reife, ein Spiegel von Erfahrungen?

Diese selten schwermütig klingende Band wurde 1998 im Metal-Mekka Göteborg in Schweden gegründet. Schnell gewannen Madrigal einen Talentwettbewerb, dessen erster Preis ein Studioaufenthalt war. Den nutzten die sensiblen Melancholiker und spielten ein erstes Demo ein, welches danach auf mp3.com plaziert wurde und bemerkenswert erfolgreich war. So notierten die Geschichtsschreiber der Musikusse nachfolgend den dritten Platz in den dortigen Gothic-Charts unter vergleichbaren Düstermusikanten wie Lacuna Coil und Moonspell.

Als Madrigal dann Anfang des Jahres 2.000 die Chance hatten, eine In Flames-Show in ihrer Heimat zu eröffnen, stellte sich dies als Initialzündung für die weiteren Bandgeschicke heraus. Die Resonanzen waren überwältigend: Auch In Flames-Sänger Anders Friden war so sehr von dem Ensemble angetan, daß er sie spontan in die Fredmann-Studios – welche ihm gehören – einlud, um gleich auch noch mit ihnen ihr aktuelles Debütalbum „I Die, You Soar“ aufzunehmen.

Der Rest ist Geschichte und dieser Tage findet das gute Stück den Weg in die Shops. Die Band stellte sich dem virtuellen Dialog mit mir in Gemeinschaft und erwies sich als ebenso talentierte wie weltoffene und kluge Formation.

„Keiner da draußen kann auch nur annähernd nachvollziehen, wie neugierig wir alle auf die Reaktionen der Öffentlichkeit sind“, freuen sie sich, denn „wir sind vollkommen überzeugt von unserem Debütalbum und das ist auch im Moment das Wichtigste für uns. Wenn man nicht von dem überzeugt ist, was man tut und getan hat, wie soll man denn dann andere davon überzeugen können?“

Eine beispielhafte Meinung, die man auch auf alles Andere im Leben übertragen kann. Wir erfahren weiter:

„Wir hoffen inständig, daß viele Leute unser Album zu schätzen wissen. Für uns wäre es das Größte, wenn Menschen mit total verschiedenen Musikgeschmäckern unseren Sound mögen würden. Es ist wohl für keinen Musiker eine angenehme Erfahrung, eine schlechte oder ungerechtfertigte Kritik über das neueste Werk seiner Band zu lesen. Aber selbst, wenn es eintreten würde, sind wir gut dafür gerüstet. Auf der anderen Seite werden uns gute Reviews mit Stolz erfüllen und uns die nötige Bestätigung für unser Tun liefern.“

Madrigal ist ein Begriff aus dem Mittelalter, so die Band, der große Harmonien beinhaltet. „Wir fühlten intuitiv, daß er sehr gut zu uns passen würde, da dies auch auf unsere Musik zutrifft.“

Bevor Madrigal das Debütalbum aufnahmen, veröffentlichten sie noch einige Demos, darunter auch eines mit dem namhaften Produzenten Andy La Roque in den Los Angered Recording-Studios. „Wir sind echt froh darüber, auf diese Weise vorgegangen zu sein. Mit jedem Demo wuchs unsere musikalische Reife, so daß wir bei den Aufnahmen zu `I Die, You Soar` bereits sehr routiniert zu Werke gehen konnten.“

Der aktuelle Albumtitel soll laut Aussage der Band ausdrücken, dass man nach dem Sterben einfach wegfliegt, in eine andere Welt: „Eine Welt, die uns Lebenden bis zum Tode unbekannt und verschlossen bleibt und dabei keinerlei Schmerzen spürt. In unserer durchdachten Konzeption nimmt diese Bedeutung einen nicht unerheblichen Spielraum ein; wir beziehen sie auf eine Beziehung zwischen zwei Menschen, oder besser gesagt eine sterbende Beziehung. Obwohl wir auf der Platte eigentlich kein steifes und festgefahrenes Konzept verfolgen. Unsere Songs kommen überwiegend aus der selben Ecke an Gefühlen und Stimmungen.“

Aufgenommen hat die Band wie erwähnt bei einem alten Bekannten: „Wir nahmen das Album im Fredmann mit Anders Fridén auf. Er hatte zu der Zeit gerade dieselbe im Studio übrig und obwohl wir damals noch gar keinen Deal in der Tasche hatten, bot er uns spontan an, mit ihm aufzunehmen. Das resultierte in elf Tagen harter aber sehr befriedigender Arbeit mit ihm. Anschließend mixte Fredrik Nordström alles in vier Tagen ab. Beide, Anders und Fredrik, brachten all ihr Wissen und Können in die Produktion ein. Sie haben einen großartigen Job erledigt. Wir sind sehr glücklich mit dem Endresultat und ihnen für immer zu großem Dank verpflichtet.“

Die Produktion ist fürwahr sehr gut geworden, doch auch die Stücke sind nicht von schlechten Eltern. Madrigal hierzu:

„Die Entwicklung der Songs dauerte auch über zwei Jahre, bis wir mit ihnen restlos zufrieden waren. Sämtliche Stücke dokumentieren unsere kreative Entwicklung als Band und auch als Menschen und Musiker in Vollendung. Denn wir sind definitiv keine Band, die mal eben auf die Schnelle einige Songs zimmert und dann noch schneller aufnimmt. Unsere Musik ist sehr tiefsinnig und schwer.“

Die Band scheint also aus wirklich leidenschaftlichen und vor allem auch guten Musikern zu bestehen. Und die sind sehr gut aufeinander eingespielt. Die Hauptverantwortlichen für die Stücke waren Kristoffer, Linda und Marcus, wie herauszukriegen war. „Meistens geht die konkrete Arbeit an einem neuen Song dann los, wenn jemand von uns ein neues Riff oder eine neue Idee hat. Irgendeiner von uns hat dann immer schnell eine zur musikalischen Vision passende Idee und schon komm der Stein ins Rollen. Dann geht es so schnell als möglich in den Rehearsal-Room.“

In der Vergangenheit bestanden Madrigal wirklich nicht aus den fleißigsten Songwritern, wie sie zugeben. „Aber seit die Band dermaßen professionelle Ausmaße angenommen hat, fallen die Ideen bei uns geradezu vom Himmel.“ Na, was will eine aufstrebende junge Kapelle denn mehr? Sie erzählen mir noch: „Die Dinge, welche uns inspirieren, sind verschiedenster Natur. Natürlich kann ich hier in erster Linie gute Musik nennen und dann noch unsere verschiedenen Stimmungen, welche wir durchleben. Es mag sich wie ein Klischee anhören: Aber die besten Songs schreiben wir alle immer genau dann, wenn wir niedergeschlagen und depressiv sind.“

© Markus Eck, 03.09.2001

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