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Interview: MEGAHERZ
Titel: Unkonventionell geprägt

2012 sorgten die bayerischen NDH-Bekanntheiten mit dem Album „Götterdämmerung“ für nicht wenig Aufsehen.

Seither hatten sich die Fans der Band auf einen Langspielnachschlag zu gedulden. Doch das Ausharren und Warten hat für Freunde der Formation nun schon bald ein Ende. Kürzlich schlossen die beständigen Megaherzen nämlich die Produktionsarbeiten für die neue Liederkollektion „Zombieland“ im bandeigenen Fürstenfeldbrucker Tonstudio Herzwerk ab.

Nach einer ersten Hörprobe des neuen Materials stellen sich Sänger Lex und Gitarrist Christian alias X-ti gemeinsam den Fragen zu den neuen Songs.

„Zwischen ,Götterdämmerung‘ und ,Zombieland‘ waren ja zwei größere Touren und auch etliche Festivals für uns zu absolvieren. Aber es stimmt schon, wir haben uns für das neue Album natürlich auch die nötige Zeit genommen“, so X-ti in aller Gelassenheit.

Lex steigt sogleich ein, nicht minder mitteilungsfreudig:

„Wir sind ein gut eingespieltes Team, was sich bis zum Abschluss des aktuellen Kompositionsprozesses wieder mal neu bewiesen hat. Wir haben jedoch natürlich erst einmal den Erfolg der ,Götterdämmerung‘ ausgiebig genossen. Top 20 in den Albumcharts, das hatten wir ja vorher auch noch nicht, und auch die tollen Konzerte. Da braucht man schon erst ein wenig Zeit, um wieder in den Songwriter-Modus zu schalten. Ich würde sagen, vor gut einem Jahr hat X-ti dann angefangen für das neue Album zu schreiben. Davor gab es jede Menge Diskussionen darüber, in welche Richtung wir jetzt gehen wollen. ,Götterdämmerung‘ war und ist ein sehr rundes Album, aber einfach so weitermachen wollten wir auch nicht. X-ti hat viel Neues in seinem Studio ausprobiert. Nicht alles schafft es dann natürlich aufs Album aber hilft herauszufinden was man will und wohin es konzeptionell sowie stilistisch gehen soll. So ein Findungsprozess kann ziemlich anstrengend und langwierig sein. Aber wenn man damit durch ist, dann fühlt es sich um so besser an. Und wir können es kaum erwarten die neuen Songs auf Tour zu spielen.“

Das Bandklima ist top, wie X-ti informiert. „Vielleicht sogar zu gut, denn ein bisschen Ärger ist ja manchmal auch inspirierend. [lacht] Nein, Spaß beiseite, bei uns gibt es eigentlich nie wirklich Knatsch. Das merkt man glaube ich auch auf der Bühne und im Umgang mit den Fans. Wir sind einfach ein guter Haufen und genießen die Zeit auf Tour!“

Laut Lex dürfen sich die geneigten Hörer primär auf eine größere musikalische Vielfalt bei Megaherz freuen.

„Ich denke, dass wir im NDH-Bereich sowieso die unkonventionellste Truppe sind, die so recht in keine Schublade passen will. Das werden wir mit diesem Album auch wieder beweisen. Einige werden mit Sicherheit sehr überrascht sein, wenn sie ,Zombieland‘ hören. Das reicht von groovigen Gitarrenriffs bis hin zu Ohrwürmern, die man - hoffentlich - nicht mehr aus dem Schädel bekommt, von düsterem, Riff-orientiertem Metal bis hin zu emotionalen Balladen. Ja, ganz recht gehört. Auf diesem Album wird es von uns auch Balladen geben. Auch stimmlich kann ich hier mal alles zeigen, was ich so mit mir rumtrage. Nicht nur tiefer, düsterer Sprechgesang - der für manchen NDH-Fan fester Bestandteil seiner Bibel ist -, sondern große Melodien, die natürlich von den fetten Gitarren untermauert werden, für die Megaherz ja bekannt sind.“

So gibt es auf „Zombieland“ auf jeden Fall nennenswerte Unterschiede zum Albumvorgänger zu hören, wie X-ti wissen lässt.

„Die Riffs sind frischer, moderner und das musikalische Spektrum ist glaube ich so breit wie auf noch keinem unserer Alben bislang.“

Die neuen Stücke sind außerordentlich tiefsinnig und teils sogar drückend düster geworden.

„Vielleicht werde ich ein wenig altersweise“, plaudert Lex mit einem Grinsen aus, „ich bin halt so. Ich mache mir über alles und jeden einen Kopf. Und es stimmt schon, die Themen, über die ich schreibe, sind tatsächlich etwas ernster geworden.“

Die allergrößte Stärke der neuen Megaherz-Kompositionen sieht der Frontmann in der Unberechenbarkeit.

„Es gibt bei uns kein Schema F nach dem wir vorgehen. Das ist manchmal brutal anstrengend. Denn nichts, was wir tun, ist wirklich geplant. Es entsteht aus Stimmungen, unterschiedlichen Meinungen. Und manchmal wird da auch heftig über einen Text diskutiert und gestritten und man würde den anderen am liebsten erwürgen, weil er nicht einsieht, wie genial das ist, wovon man gerade selbst überzeugt ist. Aber am Ende entsteht etwas Unvorhergesehenes, das großartig ist. Ich hätte vor der Produktion nicht gedacht, dass wir manche Songs, die wir gemacht haben, so machen können. Und jetzt finde ich es einfach nur genial sie zu hören.“

Die neuen Songs wurden hauptsächlich von X-ti geschrieben, so der Vokalist. „Ich bin für die Texte zuständig. Gerade beim Texten machen wir öfter einige kreative Brainstorming-Abende, die manchmal ganz schön aus dem Ruder laufen können. Zudem habe ich auf dem Album auch zum ersten Mal mit befreunden Musikern getextet. So habe ich beispielsweise zwei Texte mit Michael Boden von Subway To Sally verfasst.“

Wie Lex sich zurückbesinnt, klappte die Zusammenarbeit der einzelnen Bandmitglieder für die Stücke der neuen Scheibe im Großen und Ganzen ziemlich gut.

„Auch wenn X-ti diesmal recht lange gebraucht hat bis er wusste wohin die Reise musikalisch hingeben soll. Er sitzt dann im Studio, nimmt eine Idee auf und schickt sie mir dann mit der Frage ob mir ein Text dazu einfällt. Seine Songs sind in diesem Stadium meist auch schon recht gut ausgearbeitet und klingen gut, sodass es mir oft nicht schwer fällt mich textlich auf die Musik zu setzen. Wenn ich dann noch etwas verändert haben will oder ihn der Text nicht gleich umhaut, gelingt es uns meist recht schnell einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das sind eben die Vorteile wenn man im eigenen Studio seine Ideen entwickeln kann.“

Sind Megaherz selbst eigentlich auch so große Dramatikerseelen, wie es ihre Stücke partiell durchblicken lassen?

„Du meinst, ob wir Zwangsneurotiker, schizophren, Heuchler oder Miststücke sind?“, kontert Lex blitzartig.

„Manchmal mag das durchaus auf einige von uns zutreffen. Aber ich denke, die große Kunst an unseren Texten besteht darin, ein durchaus intimes Gefühl so groß auszudrücken, dass sich so viele Menschen wie möglich damit identifizieren können. Da reicht es manchmal auch nur aus der eigenen Haut zu fahren und den Wahnsinn um sich herum zu erkennen“, entfährt es dem Mann noch grinsend.

„Zombieland“ - ganz klar sehr zeitgemäß, wenn man auf den Straßen der Großstädte etwas genauer Ausschau nach dem heutigen Homo Sapiens hält … doch was genau steckt hinter dem Titel?

Laut Lex geht es dabei jedenfalls nicht einfach nur darum, Zombies zu jagen und ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen.

„Nein, das wäre uns zu platt. Es geht eigentlich mehr um den allgemeinen Verwesungszustand unserer Art. Sprich Werteverfall, ferngelenkt durch Medien, Ängste einer jungen, verlorenen Generation. Das, verpackt in eine schön düstere Endzeitstimmung.“

Die Songs auf „Zombieland“ sind insgesamt viel euphorischer und optimistischer als noch auf „Götterdämmerung“, wie er ergänzt.

„Glaubt man gar nicht, wenn man den Titel des Albums hört. Ist aber so. Zum einen geht es um den Kampf mit sich selbst. Seine Zweifel und Ängste überwinden, sich den eigenen Dämonen stellen. Aber letzten Endes ist auch viel von Aufbruch, von Veränderung und dem Mut, sich dieser Veränderung zu stellen, in den Liedern zu spüren. Wenn man überhaupt einen solch großen Bogen spannen möchte. Denn einen allgemeinen roten Faden, der sich durch alle Songs durchzieht, gibt es nicht. Jeder Song erzählt für sich eine ganz eigene Geschichte.“

Fühlt sich der Vokalist selbst manchmal wie ein Untoter, gequält von der weitgehend völlig entseelten Moderne und ihren vielfältigen Narreteien? „So fühle ich mich höchstens mal nach einer durchzechten Nacht. Man ist ja auch nicht mehr der Jüngste und früher hat man so etwas schon mal schneller weggesteckt“, wie er schelmisch grinsend bekennt, „aber das, was du mit deiner Frage anklingen lässt, sind durchaus auch Bilder, die mir beim Texten zu ,Zombieland‘ durch den Kopf gegangen sind.“

Am 24. Oktober, dem Tag der offiziellen Veröffentlichung von „Zombieland“, verkündet X-ti noch, werden die bajuwarischen NDH-Rocker im Werk des Münchner Backstage-Geländes auf der dortigen Bühne stehen und den Fans ihr neues Album live präsentieren. „Wir haben uns ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Wir wollen in der kompletten Releasewoche und auch noch danach unsere Tour durchziehen. Elf Dates am Stück plus drei weitere Shows in Österreich.“

Lex ergänzt seinen Kollegen, ebenfalls ankündigend: „Und für besagte Tour im Oktober werden wir uns diesmal extra was überlegen, damit das Musikalische auch visuell Gefallen findet.“

© Markus Eck, 04.08.2014

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