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Interview: MINAS MORGUL
Titel: Barbarisch und böse

1997 formierten sich diese Verdammten unter einem gemeinsamen Hassbanner entschlossen in Frankfurt an der Oder. Betont mystisches, sehr atmosphärisches und primär mordsgrimmiges Liedgut sollte es sein.

Abgegossen wurden solcherlei musikalische Fanatikervisionen fürderhin in angenehm melodisch verzierte Black Metal-Formen, stets dezent garniert mit einer Prise an naturheidnischem Bewusstsein.

Einer Reihe von bisherigen Underground-Veröffentlichungen lassen die fünf Schwarzseelen Minas Morgul nun endlich ihr neues Studiowerk „Todesschwadron Ost“ folgen, welches den programmatischen Untertitel „Die wunderbare Vielfalt des Mordens“ trägt.

Dieser zweite Langspieler kommt mit einer unbändigen Portion Aggression daher, und auch in Sachen ausgefeilte Spieltechniken scheinen die fünf aufmüpfigen Urheber sich mächtig gesteigert zu haben.

„Die schier endlose Verzögerung unseres neuen Studioalbums lag nicht nur an uns. Nach dem Release des Vorgängeralbums „Schwertzeit“ haben wir uns eigentlich nur kurz die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Leider war unser damaliges Label, Aural Attack, nicht Willens oder nicht in der Lage, ein Jahr später eine neue Produktion in Angriff zu nehmen. Im Endeffekt haben uns Black Attakk dann aus dem Vertrag gekauft, allerdings hatten wir schon eine Menge Zeit verloren und nach der Recording-Session lag die „Todesschwadron Ost“- CD noch ganze eineinhalb Jahre im Studio herum. Die Gründe für die Veröffentlichungspause sind also ganz sicher nicht beim Studio oder uns zu suchen“, sagt mir Brüllmonster-Vokalist Nidhogg vom Walde.

Minas Morgul-Trommelschläger Andreas kann sich da natürlich nicht hinter dem Berg halten. Er ergänzt rasch:

„Die Aufnahmen begannen wir im Januar 2005, mit der festen Überzeugung, die Platte im nachfolgenden Frühling zu veröffentlichen. Alles hätte prima funktioniert, wenn da nicht die Liquiditätsproblematik unser damaligen Plattenfirma Black Attakk gewesen wäre! Es floss kein Geld ins Spiderhouse Studio und der Rohmix lagerte bei Harris Johns, der verständlicherweise seine Arbeit an den Aufnahmen vorerst beendete. Es folgten Monate der Ausreden, Aufschübe und Vertröstungen seitens Black Attakk. Unverständnis, Ärger und Wut schürten sich in uns, jedoch waren wir machtlos. Alsbald kündigten wir unseren Vertrag mit Black Attakk und somit unsere Zusammenarbeit für weitere Veröffentlichungen. Circa eineinhalb Jahre nach den Aufnahmen zu „Todesschwadron Ost“ schien endlich das Studio bezahlt zu sein, Harris arbeitete mit uns am Endmix und kurz darauf hatten wir den „Master“ in unseren Händen, der dann sofort zu Black Attakk ging. Fast ein weiteres halbes Jahr verging wieder bis zur Veröffentlichung. Insgesamt streckte sich die Angelegenheit über fast zwei Jahre. Wir könnten uns hier ohne Ende auskotzen, aber das soll hier nicht Gegenstand des ganzen Interviews sein. Letztendlich sind wir froh und stolz auf „Todesschwadron Ost“, vor allem aber hat das Warten unserer Freunde und Feinde auf die neue Scheibe ein Ende.“

Laut Nidhogg sind die Hordenmitglieder von Minas Morgul nicht nur älter geworden, sondern auch ein bisschen reifer.

„Da hat sich natürlich auch unser Musikgeschmack etwas verschoben. Nach dem Ausscheiden von Frau Jepsen, welche für Keyboard und Flöte verantwortlich zeichnete, mussten wir notgedrungen ohnehin Einiges umstellen. Dem geneigten Hörer wird auffallen, dass wir aktuell etwas fetter klingen und ein wenig deathiger – ein Trend den wir wohl beibehalten werden, wie es scheint.“

Und wieder hat Fellverdrescher Andreas das Wort:

„Klar mussten wir uns musikalisch was einfallen lassen. „Todesschwadron Ost“ ist mit Ausnahme eines Akustikstückes komplett ohne Keyboards und Flöte. Fette Gitarrenriffs und Melodien, ausgefeilte Liedstrukturen, vermehrte Clean-Vocals und stilistisch vielfältige Stücke sollten das Werk interessant und wieder erkennbar machen. Wir wollten primär eine abwechslungsreiche Scheibe, welche sich durch mehrere Metal-Stile hindurch zieht, jedoch nicht völlig von den Minas Morgul, die jeder kennt, entfernt. Wir streben nicht an, uns ausschließlich durch eine Richtung zu definieren, auch waren wir nie eine reine „Pagan Metal“-Band, weder musikalisch noch textlich. Die neue Scheibe ist auf jeden Fall ausgefeilter als ihr Vorgänger. Doch wir sind noch lange nicht an unsere schöpferischen Grenzen gestoßen, denn das Bestreben nach musikalischer Weiterentwicklung besteht bei uns natürlich immer.“

Nidhogg fühlt sich von vielen Faktoren angetrieben, um Minas Morgul-Musik zu machen, so bekennt er.

„Ich bin ein Fantasy- Fan, ich bin von Gewalt fasziniert und auch politisch interessiert, ich lese viel und versuche mich ständig an irgendwelchen Projekten. Natürlich spielt auch mein Glaube eine Rolle. Aber was genau da in mir drinnen sagt „Mach das jetzt so!“? Keine Ahnung. Es fließt einfach, aus mir heraus, meine Persönlichkeit spiegelt sich darin wider oder sagen wir es mal so: Einige Aspekte daraus. Und diese müssen eben vielleicht genauso klingen; dazu kommt ja, dass dies dann auch noch ein Mix von fünf verschiedenen Persönlichkeiten ist.“

Laut Andreas ist die ganze Horde sowieso völlig dem Metal verfallen.

„Uns verbindet der Grundgedanke, diese kraftvolle, aggressive und emotionale Musik als eine Art Medium zu sehen, in dem wir uns darstellen können und selbst wieder finden. Metal ist Leidenschaft, ist pure Energie, ist Leben, ist ein Teil von uns.“

Das neue Album wurde sogar bei Reglerdreher-Legende Harris Johns im einschlägig berühmten Spiderhouse-Studio aufgenommen. Wir erfahren dazu:

„Harris ist ein Sahneschnittchen: Voll korrekt und Vollprofi! Der sitzt mit der Stoppuhr am Mischpult und macht einem ordentlich Dampf und bewusst, das man ja dabei auch richtig arbeiten soll. Das ist schon was anderes als ein kleines Studio. Harris hat natürlich seinen Preis, aber den hat er auch zu Recht. Das ganze Ding hat zwei Wochen zum Einspielen gebraucht und hätte Black Attakk letztendlich 4.000 Steine gekostet, am Ende haben sie den Preis ja dann sogar selbst erhöht. Harris hat dann noch mal eine ganze Weile zum Mixen gratis hinten drangehängt, weil er wollte, das dass, was aus seinem Laden kommt, auch Harris “Friemelmaxe“ Johns würdig ist. Echt ein klasse Typ, bei dem man eine Menge lernen kann“, so Nidhogg.

Andreas und der Rest der Band kannten Johns bis dato noch nicht persönlich. Er berichtet: „Wir wussten zuvor auch nur das über ihn und sein Studio, was man davon bislang so las und hörte. Und genau das war auch der Grund unserer Wahl. Natürlich hatten wir alle irgendwie die Schlüpper voll, weil wir nicht wussten, ob wir Johns’ etwaigen Vorstellungen oder Anforderungen an professionelle Musiker gerecht werden könnten. Aber die Arbeit mit ihm gestaltete sich großartig. Wir profitierten enorm von seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung. Das Studiobudget war natürlich begrenzt, so dass wir in zwei Wochen alles im Kasten haben mussten. Ich glaube das Abmischen dauerte am längsten und beschäftigte Johns noch weit über die Zeit und das Budget hinaus. Letztlich war es eine echt tolle Zeit und die richtige Entscheidung mit Harris zu arbeiten. Der Typ hat’s echt drauf.“

Wie Nidhogg dann anschließend zu Protokoll gibt, ist er im Großen und Ganzen zufrieden mit dem neuen Minas Morgul-Produkt.

„Vollends zufrieden ist man ja nie. Jede Woche möchte man eigentlich noch mal was anderes ändern. Aber unsere neue CD ist fett und wird ihre Fans finden, die ersten Reaktionen sind schon alle Mühe wert gewesen. Leider fehlte am Ende etwas Zeit, ich wollte beim Gesang noch viel mehr machen. Man höre sich nur mal den Song „Stahlpakt 54°“ an: Eine von drei geplanten Gesangsspuren, die ganzen kleinen Schnörkel sind einfach untergegangen, weil das zu lang gedauert hätte. Außerdem war ich so besoffen, das nicht alles ganz gerade geworden ist. Beim Grafik-Layout der Veröffentlichung hat uns Black Attakk dann noch ein paar Schnitzer rein gehauen: Fehlendes Glanzlogo auf dem Digipak, verschobene Worte, falsche Schnittkanten etc., aber ansonsten kann ich eigentlich nicht klagen.“

Auch Andreas fühlt sich wohl mit dem neuen Silberdeckel hinter sich: „Gemessen an dem begrenzten Budget und der daraus resultierenden eingeschränkten Möglichkeiten zur Perfektionierung des Werkes, kann sich das Endresultat doch sehen und hören lassen. Es ist eine musikalische und tontechnische Steigerung gegenüber der „Schwertzeit“-Scheibe erkennbar. Das neue Album klingt druckvoller und ausgereifter. Es scheint jedoch nicht ganz fertig, so meinen wir. Soundtechnisch gibt es zwischen den einzelnen Liedern geringe Abweichungen, denn das Bereinigen von kleinen musikalischen Patzern war uns leider nicht hundertprozentig möglich. Jedes geschulte Musiker-Ohr wird das hören. Nicht die fehlende Kompetenz seitens Harris Johns ist dafür verantwortlich, sondern eben das begrenzte monetäre Budget. Denn wer eine perfekte Produktion haben will, braucht nur genügend Kohle. Da muss man nicht mal ein guter Musiker sein. Machen wir uns doch nichts vor, das ist heute eben nun mal einfach so!“

Sieht man sich die auffallend bunte Cover- und Booklet-Gestaltung von „Todesschwadron Ost“ in der regulären Jewel Case-Version so an, macht sich schnell ein imaginärer Seltenheitscharakter breit.

Ich frage gezielt nach, ob Minas Morgul denn keinerlei Bedenken dabei hatten, dass ein solch´ ungewöhnlich buntes, beinahe „Comic“-artiges Cover viele der engstirnigen „True“-Black Metal-Anhänger zu Spott und Häme animieren könnte?

„Fuck you“, schreit Nidhogg in Richtung aller Zweifler, und er stellt dabei noch eindeutig klar:

„Genau das ist meine Antwort für jeden engstirnigen Arsch, egal woher oder was er ist. Dieses „True“-Gequatsche von halbgaren Pussies ohne Eier, ist eh etwas das abprallt an meiner Rüstung. Am lustigsten ist es ohnehin immer wieder, wenn einem so ein 15-jähriger Nietenträger die Welt erklärt, das ist schon beeindruckend. Ich wollte für diese CD ein so opulentes Artwork und Aussehen, wie es der Name verspricht. Böse, groß, blutig, ohne eine schriftliche Aussage zu treffen. Es sollte einem sofort ins Auge springen – wie gesagt, auf der regulären CD-Version. Es sollte modern und doch barbarisch sein, wild, ein Schlachtfest für den Gesichtssinn, ein Leckerbissen, kein ödes schwarzweißes Standard-Black Metal-Albumcover. Anders eben, besonders, Minas Morgul eben, brachial, derb.“

Jetzt wird es heftig, denn der Kehlenmeister legt in aller Deutlichkeit nach:

„Ein Bilderbuch für genau die Sinne, die mit Hören und Sehen einhergehen. Lass´ dich darauf ein und schwelge ein wenig! Blut. Mächtige Kämpfer, welche durch die kniehoch gestapelten Körperteile ihrer Opfer schreiten, der Duft dessen was ein Sterbender ausscheidet, Mordmaschinen aus Fleisch und Blut – mit glänzenden Panzern in grellen Farben, welche ihren Gegnern sagen: Ich bin mächtig – geh´ mir aus dem Weg! Stählerne Kolosse auf Ketten – die Erde und Leiber zermahlend. Hier gibt es nicht die edlen, stolzen Menschen, wie sie einige Pagan Metal-Bands besingen, sondern nur Schmutz und gebrochene Sklaven. Und für alle die es bunt und fett nicht mögen, gibt es ja das Digipak – schlichter, viel schwarz, mehr Boni, mehr Pagan. Das neue Cover-Artwork stammt komplett aus meinem Pinsel; wie gesagt, ich wollte etwas Eigenes erschaffen, keine Bilder von Leuten die nichts mit uns zu tun haben, die Musik und den Sinn darin nicht fühlen können, das Werden, das Entstehen. Wer könnte es besser als der, welcher die Musik macht oder Texte schreibt, der es von innen heraus fühlt? Ich hatte ein Bild, ein Schema vor meinem geistigen Auge, das ich umsetzen wollte, denn „Todesschwadron Ost“ ist auch in gewisser weise ein Konzeptalbum und es sollte rund und stimmig sein, von vorn bis hinten. Und ich bin recht stolz darauf, das geschafft zu haben, wie ich glaube. Außerdem bin ich kein großer Freund des Realismus in meinen Arbeiten und meine Worte, die Texte, sind meine gesprochenen Bilder. Was ich singe, sieht für mich so aus.“

Andreas hat viel zu lange die Luft angehalten, nun ist er endlich wieder dran:

„Ja, die grafische Gestaltung übernahm ausschließlich Nidhogg. Die etwas farbenreichere Variante gehört zur normalen CD. Eine schlichtere Version ist wie gesagt bei dem limitierten Digipak zu finden. Ziel war es, für ein und dieselbe Scheibe zwei komplett unterschiedliche Artworks zu kreieren, wobei auf dem Digipak noch ein Bonuslied mit drauf ist. Auffällig und anders ist das bunte Cover schon, es soll sich ja auch zwischen anderen Scheiben hervorheben. Bedenken wegen etwaigem Spott und Gelächter haben wir nicht. Ist ja schließlich kein „Comic“. Klar, die Geschmäcker sind verschieden, aber dafür haben wir ja auch zwei Varianten, von der das Digi als so genannte „Pagan-Edition“ auf den ersten Blick dezent und schlicht erscheint und in der sich im Booklet unsere Verbundenheit zur heidnischen Mythologie darstellt. Also, im Zweifel beide kaufen, es lohnt sich.“

Der Untertitel „Die wunderbare Vielfalt des Mordens“ hat mich zum Nachdenken angeregt. In diesem Sinne frage ich meine beiden Interview-Partner: Hat die moderne dekadente und weltweit Mensch und Tier nach Belieben ermordende globale Wohlstandsgesellschaft den Tod ihrer neuzeitlichen Erscheinung verdient?

Denn in einer mehr und mehr ihren lebenswichtigen Wurzeln, Traditionen, Identifikationsmöglichkeiten und einstigen Idealen beraubten Wohlstandsgesellschaft herrscht gigantischer Bedarf für alles, was künstlerischen beziehungsweise spirituellen Zugang zu Werten und geistigen Festhaltemöglichkeiten bietet. Der deutsche Staat arbeitet da gemeinhin aber eher entgegen – und genau das war dann auch das Stichwort für einen Wutanfall von Nidhogg:

„Der deutsche Staat? Ein scheindemokratisches Produkt von Altnazis ist das. Man sehe sich doch nur mal diesen Schweinestall in Berlin an. „Dem deutschen Volke“ steht drauf? Da regieren die Lobbyisten! Die lenken die Parteien, nicht deren Wähler. Bonzen ohne Eier, ohne Schwanz und ohne Hirn und vor allem Herz. Bespitzeln, Unterdrücken, Abzocken, das können sie. Meinungsfreiheit? Fehlanzeige! Und wir Insassen in diesem Irrenhaus namens Deutschland, wir beschweren uns nicht mal angemessen über diese übel riechende Grütze, die uns zum Fressen gereicht wird. Manipuliert und schön am Arschloch abgeschmiert werden wir allesamt. Wir sind das Volk! Kann sich daran noch jemand erinnern? Wir blöden Ossis? Das interessiert doch keine Sau in diesem Land, solche Proteste werden hier schnell aufs Abstellgleis geschoben, siehe die Proteste gegen das Hartz-4-Gezeter. Diese Politik ist genau wie ein „Galadinner gegen den Welthunger“ – voll daneben. Der Untertitel zur neuen Scheibe entstand allerdings aus der Not heraus, da Black Attakk der Black Metal-Band Zorn mitteilte, das wir kein Problem damit hätten, das sie ihre Platte „Todesschwadron“ nennen würden – was uns ziemlich zum Kotzen brachte, da wir den Namen schon angekündigt und auch eigentlich für „Schwertzeit“ geplant hatten. Er tauchte zuerst auf der „Paganlord“-Mini-CD auf. Aber Du liegst ganz richtig mit deinen Vermutungen. „Todesschwadron Ost“ ist oberflächlich schon noch ein Pagan-Album, aber wer genauer hinhört und sich alle Erklärungen auf der CD durchliest, der wird schnell feststellen, dass diese Platte ein ziemlich zorniger Wutschrei ist. Die Welt ist ein Schlachthaus, die einen leben im Überfluss und die anderen krepieren am Mangel von Wasser und Fressen. Das ist nicht die Zukunft, das ist wie das christlich gefärbte Mittelalter, wir stecken da nach voll drinnen. Festhalten kann man sich an einem Abzug.“

Und weil wir gerade so schön dabei sind, locke ich den guten Nidhogg noch in Sachen gegenwärtig noch immer ansteigender Rekord-Globalisierung und zum immer schlimmer um sich wütenden weltweiten Turbo-Kapitalismus aus der Reserve.

„Eine Kugel für jeden Bonzen, das ist meine Antwort darauf. Die Evolution bevorzugt die natürliche Auslese, aber wir sind an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter. Wir sind eine Gesellschaft mit angeblich humanistisch-aufklärerischen Grundprinzipien, aber selbst in Deutschland werden die Schwachen nur noch stärker getreten, die Regierung macht es vor. Und nur als Ganzes werden wir das Überleben unserer Spezies sichern können, doch dazu benötigen wir ein anderes Bewusstsein. Wir haben die Pflicht und die Verantwortung nach den Schwächeren zu schauen, nicht, sie auszulöschen. Die Welt dreht sich doch nicht nur ums Geld! Was hier betrieben wird ist ja Massenmord. Ich war immer ein Freund des Kämpfens, ein schlechter Verlierer – der um jeden Preis seinen Gegner besiegen will, ehrlich und fair, aber was hier geschieht ist nur abscheulich. Die dritte Welt stirbt an AIDS und die einzige Therapie betrifft nur den Stamm der in den westlichen Ländern grassiert. Die dritte Welt ist nicht rentabel. „Lebens- und Wirtschaftsraum schaffen“ – für mich klingt das eher nach Genozid. Ein Holocaust? Böses Wort! Aber vielleicht haben die Verschwörungstheoretiker auch Recht. Hier schreien alle nach Discountpreisen, dafür braucht man Discountjobs, mit Discountlöhnen, die finden wir woanders, wo die Menschen Discount leben und alle regen sich dann wieder auf, das ihre Jobs flöten gehen. Ist es der Kapitalismus oder nur die Blödheit der Masse? Das sich Menschen bereichern wollen ist ein Fakt der gegeben ist, jeder will Sicherheit und einen gewissen Grad an Luxus. Aber dies maßlos zu tun und auf die Kosten anderer – das ist echt für den Arsch. Das fängt beim Kleinsten an und hört bei den großen Bankern und Bossen auf. Bob Geldof sagte in einem Interview, über den Beginn seiner Hilfsarbeit in Afrika, dass er empört über die Schmarotzer war, die an dem Leid anderer verdienen – den ganzen „Beamten“, all den Bonzen, all den Typen die er nicht bräuchte. Ich beteilige mich seit 2002 aktiv an einem Hilfstransport, zu einem Kinderheim in Siebenbürgen, ich habe die Korruption dort gesehen und das Leid von Menschen, die mit dem Nötigsten schon zufrieden sind und denen der Reichtum des „Westens“ vor die Nase gebaut wird. Früher war der Weg da runter nachts ziemlich dunkel, heute erhellen die Leuchtreklamen der gleichen Laden-, Baumarkt- und Möbelhausketten wie hier, die Nacht. Und das in wenigen Jahren: Praktiker-Baumarkt in den Karpaten! Leute, lebt doch nicht einfach so in den Tag hinein! Macht doch eure Augen auf und schaut wo ihr zupacken könnt – an jeder Ecke sitzt eine arme Sau, der ihr mal irgendwie helfen könnt! Und ja, scheißt so einem Bonzen-Arschloch ruhig mal auf die Motorhaube seines Schlittens.“

Nach dieser Aussage fühle ich ein seltsames Bedürfnis, meinen Darm an empfohlener Zielstelle vollständig zu entleeren.

Doch lieber zurück zum Album, ich erkundige mich nach Einflüssen und Inspirationen.

„Als Bands beeinflussend waren da für mich sicher unser Weltfreund Ares und Aeternus, Satyricon, Body Count, Rage Against The Maschine, Illdisposed, Warhammer, Tolkien natürlich, Nutten und Koks, literweise Alkohol, Charles Bukowski, gescheiterte Beziehungen, arabisches Essen, Henry Miller sowie Marx, meine Katze – die einzig wahre Frau in meinem Leben. Die Erfahrungen der letzten Jahre halt, all die Grütze, die sich so aufstaut. Das ist alles schon drei bis fünf Jahre alt und Vieles will ich nur vergessen, weil es mich frisst. Wen es wirklich interessiert, der soll die Word-Datei auf der CD lesen, da kotze ich mich dann so richtig schön aus und bedanke mich am Ende bei all jenen, welche die letzten Jahre wichtig für mich waren. Ich muss mich neuen Dingen widmen, schließlich wollen wir dieses Jahr wieder ins Studio gehen und es ist noch viel zu tun. Vor allem viel mehr trinken.“

Laut Andreas kommen seine Inspirationen aus dem Interesse und dem Bekennen zu seiner eigenen Kultur und Vergangenheit. „Eben aus der Erkenntnis, wer ich war, bin und sein werde. Die Findung und Führung des eigenen Lebensweges der mit tausenden von Steinen belegt ist, ist genug Inspiration um hundert Jahre Musik und Texte zu schreiben. Bei uns hämmert ansonsten wirklich ein breit gefächertes Spektrum der Metal-Szene aus den heimischen Boxen. Das hier alles aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Außerdem hört der eine oder andere von uns auch noch Musik, die rein gar nichts mit Metal zu tun hat. Ich persönlich halte meinen Horizont dahingehend sehr beschränkt und finde es ist eine natürliche und positive Eigenschaft meiner Art, nicht weltoffen, nur bedingt tolerant zu sein und zum „Nein-sagen“ zu stehen.“

Anschließend dreht sich der Gesprächsinhalt der angeregten Dreierrunde um die Liedertexte, beziehungsweise woher das Interesse an den lyrischen Themen der neuen Minas Morgul-Songs stammt. Nidhogg expliziert:

„Ich ging da tief genug ran, um einen an der Bommel zu bekommen. Wie schon gesagt, geht’s um ein reiches Spektrum an Einflüssen, natürlich Tolkien und sein Werk, aber eben auch Soziales und Persönliches. Ich schreibe ganz gern Gedichte und manchmal ist ein ganz anständiges dabei. Es soll bei den Themen schon um Fantasy, um Pagan gehen und ich verstehe unter Pagan das Barbarische und Wilde. Aber der Pagan, wie ihn alle kennen – und ich meine damit nicht diesen Equilibrium-Finntroll-Polkastil, den möchte ich vielleicht in einer etwas anderen Art als üblich, etwas subtiler. Ich muss mich nicht hinstellen und sagen: „Wir sind die stolzen Heiden – stolze Menschen, stolzes Blut, Wotan-Wotan, Hörner hoch!“, und das in jedem Song. Das überlasse ich lieber anderen. Wenn ich über solche Dinge schreibe, möchte ich, dass die Leute merken und begreifen, das dies Teil meines Lebens und meiner Lebenskultur ist – nichts Aufgesetztes, sondern etwas, dass den Alltag durchdringt und auch Teil der Moderne ist. Außerdem wollte ich zu den Wurzeln zurück, wieder mehr Black Metal, zynisch gemein und freakig. Wenn du als Künstler überleben willst, darfst du nicht starr mit dem Strom schwimmen, du musst dich auch mal neu erfinden. Wir versuchen das ein wenig und Black Metal muss das auch – und er tut’s auch. Das wird schon laufen und wenn nicht – scheiß´ drauf!“

Nidhogg will also auf dem Boden bleiben und arbeiten. „Der Rest kommt. Man soll nie zu viel erwarten oder erhoffen, sonst wird man nur enttäuscht. Ich persönlich hoffe, unsere Videos mal verlegt zu sehen, damit wir noch mehr Faxen machen können. Den Rest wird man erfahren, wenn es soweit ist.“

Andreas bekundet im Weiteren noch, dass sich seine Band für 2007 wieder mehr Bühnenpräsenz erhofft. „Wir feiern in diesem Sommer unser zehnjähriges Bestehen mit Open Air in Frankfurt/Oder, und außerdem haben wir bereits Liedmaterial für unsere dritte Scheibe komplettiert, die wir im Herbst veröffentlichen wollen. Ob das eine Eigenproduktion wird oder wir uns wieder auf ein Label einlassen, wissen wir noch nicht. Markus, du siehst, wir haben noch so einiges vor.“

Was die Bühnenshows von Minas Morgul anbelangt, so war da laut Nidhogg von überragend bis beschissen eigentlich so alles dabei. „Es gibt Momente die vergisst man niemals und andere möchte man einfach nur abhaken. Ich bin für meine verbalen Attacken auf Techniker bekannt. Wir wollen 2007 natürlich oft spielen und das erste halbe Jahr sieht ganz gut aus, aber leider müssen wir auch viel absagen, wir gehen halt arbeiten und haben Familien. Allerdings versuchen wir so viel zu drehen wie geht und den Leuten live eine gute Show zu bieten. Wir sind nicht Rammstein, aber Feuermachen können wir auch – am liebsten unterm Arsch“, lacht er.

„Live zu wüten ist für uns immer noch das Schönste“, ergänzt Drummer Andreas seinen Bandkollegen abschließend. „Unsere Gigs zogen sich durch Kneipen, Klubs und kleinere Festivals, eigentlich immer mit positiver Resonanz, einer Menge Spaß und viel, viel Bier! Für dieses Jahr 2007 stehen Konzerte wie „Ragnarök“-Festival, zehn Jahre Minas Morgul Open Air, „Rock For Roots“-Festival und „Wolfszeit“-Festival fest, andere wie „Ultima Ratio“-Festival – und diverse Klub-Gigs sind bereits in Planung. Danke für diese Gelegenheit, uns präsentieren zu können. Auf die nächsten zehn Jahre Minas Morgul, zum Wohle!“

© Markus Eck, 19.01.2007

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