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Interview: MOONSPELL
Titel: Geschichten aus dem Innersten

Seit ihrer damaligen Bandgründung zu Anfang der 1990er und sehr erfolgreichen Veröffentlichungen wie „Wolfheart“ und „Irreligious“ zählen diese veränderungsfreudigen Portugiesen zu einer festen Größe im Bereich Gothic Dark Metal.

Und nachdem Moonspell ihre Fans nach längerer Zeit endlich wieder in stilistisch altbewährte Gefilde geleiteten, welche durch das vorhergehende Werk „Darkness And Hope“ führten, scheint sich das Quintett nun abermals einer scheinbar endlosen Suche nach sich selbst hingegeben zu haben. So macht man auf dem neuen Album „The Antidote“ zwar überraschende Bekanntschaft mit einerseits wiedergekehrten Härtetugenden und abermalig neu definierter Klangdüsternis.

Die spanischen Mystiker um den charismatischen Frontmann Fernando Ribeiro wagten sich simultan abermalig auch auf bisher unerschlossenes kompositorisches Terrain. Dieser feierte am Tag unseres Interviews, also am 26. August, seinen 29. Geburtstag.

„Die Hörer werden sehr schnell registrieren, dass wir wieder mit mehr musikalischer Härte auf dem neuen Album vorgegangen sind. Wir besannen uns während des zugrunde liegenden Songwritings wieder auf unsere damaligen Anfänge, während derer wir sehr dunkle und spirituelle Themen in Angriff nahmen. Dabei entstand ganz automatisch die neue Richtung bei Moonspell“, erklärt mir der Sänger nach meiner anfänglichen Beglückwünschung.

„Jedes unserer bisherigen Alben nahm seinen Platz würdig in unserer Bandhistorie ein, da macht auch `The Antidote` keine Ausnahme. Wir möchten unseren Fans eben mit jeder Veröffentlichung die Möglichkeit geben, neue und eventuell auch bisher unbekannte Dinge an uns zu entdecken“, verteidigt Fernando die neue Platte, welcher ich im Gespräch eine meiner Meinung nach unnötige erneute Änderung des stilistischen Kurses vorwarf.

„Die ganze Band fühlt sich auch mit dem neuen Album sehr tief verbunden. Es war schließlich noch niemals unser Ding, uns einer gewissen Konzeption kreativ zu beugen. Mit jedem unserer Werke wollten und wollen wir den Leuten imaginative Geschichten aus unserem Innersten erzählen, sie an unserer gedanklichen Welt teilhaben lassen. Moonspell sind da immer sehr spontan“, legt der Portugiese dazu dar.

Auch auf „The Antidote“ behandeln die Stücke laut seiner Aussage überwiegend fiktive Horrorgeschichten, die sich um den oftmals sehr schmalen Grat zwischen Mensch und Monster drehen.

Und der sich mit besonnener aber erstaunlich tiefer Stimmlage im Gespräch artikulierende Frontmann bekennt sich im Weiteren gleichermaßen als Anhänger von Death Metal-Bands wie beispielsweise Morbid Angel, Obituary und Grave. Er konsumiert laut eigenem Bekunden aber auch hin und wieder ganz gerne typische Gothic-Acts wie beispielsweise Fields Of The Nephilim.

„Da bin ich eigentlich sehr offen, es hängt jedoch von meiner Stimmungslage ab.“ Fernando tituliert den derzeitigen Sound von Moonspell als Gothic Death Metal, in dieser Schiene sollten die neuen Songs fahren.

Seiner Meinung nach ist ganze Gothic Metal-Szene leider total überlaufen: „Die meisten der Bands machen hier doch mehr oder weniger Dasselbe. Man denke doch nur an diese ganzen stereotypen Gut/Böse-Klischees: Lieblich weiblichen Gesang als Counterpart etc. Ich möchte deshalb mit meiner Band auf jeden Fall etwas betont Individuelles, etwas absolut Eigenständiges machen. Deshalb unterscheiden sich unsere Veröffentlichungen auch von Album zu Album voneinander; primär, was die Musik, und sekundär, was die Texte anbelangt. Und sicherlich verlieren wir damit immer wieder Fans, gewinnen aber im selben Atemzug auch neue hinzu. Und der harte Kern unserer Anhänger definiert sich somit eins ums andere Mal neu, was uns aber auch nur recht ist.“

© Markus Eck, 02.10.2003

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