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Interview: MORGAINE
Titel: Im Zeichen des Friedens

Gefühlvolle Folk-Songs in der Tradition von musizierenden Aktivistinnen wie Joan Baez gibt es von Maren Herz zu hören. Und der Nachnahme der jungen Künstlerin hinter Morgaine ist Programm.

Denn die 13 Lieder ihres Debütalbums „Wir sind Eins“ dienen der reinen Liebe und Rückführung in uralte Spiritualität. Überhaupt fing die inniglich Naturverbundene schon früh mit der eigenen Musik an, um sich ein Ventil für die teils harten Prüfungen ihres nicht immer einfachen Daseins zu schaffen. 


Der für sie persönlich am meisten bezaubernde Ort, an dem Maren schon einmal war, ist für die mutige Dame nicht leicht zu nennen. „Da ist gar nicht so einfach, sich da für einen zu entscheiden … es gibt so viele schöne Orte! Als Kind war ich oft im Mohnbachtal wandern, für mich ein wirklich ganz wundervoll magischer Ort.“



Das Mohnbachtal liegt im Schwarzwald. Und es sieht dort ein bisschen so aus wie aus einem Fantasy-Film, so Maren. „Es gibt einen glasklaren, eiskalten und sanft vor sich hin plätschernden Bach, moosüberwachsene Steine und Felsen, viel Wald, umgestürzte Bäume. Überall wuchern Farne und andere Pflanzen … wie ein Märchenland. Es würde einen nicht wundern, wenn da auf einmal eine Elfe oder ein paar Kobolde an einem vorbei spazieren würden.“

Ein ganz spezieller Ort, den Maren unbedingt noch erleben möchte, ist für sie auf jeden Fall und ganz klar die Grotte von Benagil in Portugal.

„Das ist immer schon ein kleiner Wunsch von mir gewesen, seit ich Bilder davon im Internet gesehen habe. Das sieht einfach beeindruckend, faszinierend und wunderschön aus, wie das Meer in diese halbe Höhle fließt, mit dem Sand dazu, und von oben wie die Sonne durch das Loch scheint und einfach alles - das sieht schon total magisch aus, finde ich!“


Inzwischen ist sie sehr erdverbunden.

„Als Kind und Jugendliche bin ich eher ein wenig ‚in den Wolken geschwebt‘. Vermutlich weil ich gar nicht wirklich auf der Erde sein und lieber weit weg fliegen wollte. Inzwischen habe ich hier meine Aufgaben erkannt und auch, dass es durchaus sehr schön kann sein, eine Erdbewohnerin zu sein. Als ich noch nicht so geerdet war, hat mir eine Frau mal eine gute Übung verraten, die habe ich dann jeden Tag gemacht und die hat mir auch geholfen, mich mehr zu erden. Ich habe mir vorgestellt, wie aus meinen Fußsohlen goldene Wurzeln in die Erde hinein wachsen, und wie mich das immer tiefer mit dem Herz der Erde verbindet. Heute verbinde ich mich bewusst mit Himmel und Erde, wie der Weltenbaum sozusagen.“


Morgaine will berühren. Die überzeugte Folk-Bardin erklärt: „Ich möchte das Innerste in den Herzen der Menschen erreichen und sie (wieder) spüren lassen. Sie dazu bewegen, ihr eigenes schöpferisches Potential voll zu leben und mit Mitgefühl, offenem Herzen und Mut durch die Welt zu gehen, und diese dabei zum Positiven zu verändern. Die Musik ist ganz dem Weltfrieden gewidmet – im Innen und Außen.“

Live gespielt hat Maren in der letzten Zeit sehr viel.

„Da ich hauptsächlich auf politischen beziehungsweise auf Veranstaltungen spiele, die für Frieden und gegen Kriege sind oder andere alternative und bewusstere Lebensmodelle propagieren, wie vegane Straßenfeste, etc. bin ich viel unterwegs … die Welt sieht ja leider alles andere als friedlich aus, da ist es besonders wichtig, sich zu engagieren. 2015 habe ich außerdem noch ein Crowdfunding-Projekt gemacht, um mein Album finanziell realisieren zu können. Ich durfte auch Konstantin Wecker kennenlernen und ihm vorspielen. Diese Erfahrung war sehr wertvoll für mich, da er mir auch einige Ratschläge gegeben hat. Unter anderem engagiere ich mich für die ‚Stopp Ramstein‘-Kampagne, in der wir auf die Drohnenkriege aufmerksam machen wollen. Ich denke, als Musiker und Künstler hat man eine gewisse Verantwortung, weil man in der Öffentlichkeit steht und viele Menschen erreicht. Man kann eine Botschaft überbringen und man hat die Chance gehört zu werden. Deswegen sollte man dann auch den Mund aufmachen und sich gegen Unrecht stellen – was leider viel zu wenige meiner Künstlerkollegen machen. Auch, wenn man sich damit vielleicht nicht immer nur Freunde macht. Ende letzten Jahres habe ich mir dann noch einen wunderbaren Gitarristen ins Boot geholt, den lieben Tjorben, er ist ein grandioser Musiker und Sänger, und macht übrigens auch eigene Musik, bei der ich ihn dann begleite. Dieses Jahr durfte ich Cr7z, einen der ganz wenigen Rapper mit spirituellen und intelligenten Texten, bei seinem Konzert in Wien supporten, was eine besonders große Ehre für mich war. Ich habe auf ein paar schönen alternativen Festivals mit Hippie-Vibes gespielt, wie beispielsweise dem ‚Wald Healing‘, dem ‚WaldWelt-Festival‘ oder der ‚Wonderland‘. Am liebsten spiele ich sowieso draußen, nahe bei der Natur. Jede freie Minute, die ich aufbringen konnte, habe ich an meinem Album ‚Wir sind Eins‘ gearbeitet, das ich ab dem 16.09. endlich in meinen Händen halten darf.“

Der Name Morgaine stammt aus der keltischen Mythologie. Maren:

„Einerseits verbinde ich damit die Priesterin Morgan(e) Le Fay von Avalon (es gibt da so viele Schreibweisen; Morgan, Morgana, Morgaine etc.), andererseits vor allem auch die Göttin Morrígan. Sie ist eine Dreifaltigkeitsgöttin, wie viele große Göttinnen die als ‚große Mutter‘ galten, und erscheint u.a. in Gestalt einer jungen Frau, welche für Fruchtbarkeit steht, einer Frau mittleren Alters, welche ihren kämpferischen Anteil repräsentiert und einer alten Frau, die als Heilerin erscheint, jedoch auch als Brücke zwischen Leben und Tod, welche die Sterbenden ins Jenseits geleitet. Symbolisch steht das alles für mich, für die verschiedenen Anteile und Gesichter einer Frau. Ob diese Göttin in Zusammenhang mit Morgaine Le Fay aus Avalon steht, ist nicht ganz klar – für mich tut sie es. Ich fühle mich dieser Figur/Göttin sehr nahe und verbunden, deswegen habe ich sofort diesen Namen ausgewählt … er kam sozusagen zu mir, aber das ist eine andere Geschichte. Interessanterweise haben Maren und Morgaine beinahe dieselbe Namensbedeutung.“



Darum gebeten, ihre hauptsächliche lyrische und mentale Botschaft näherzubringen, erhellt sich ihre Miene. „Mir geht es um eine ganzheitliche Form des Friedens, um Mitgefühl und bedingungslose Liebe, für alle Lebewesen. Ich setze mich für all jene ein, die unterdrückt werden und keine Möglichkeit haben gehört zu werden.“


Die geneigten Hörer erwartet auf „Wir sind Eins“ auf jeden Fall etwas Neues, so die Musikerin. „Für mich ist es besonders schön zu sehen und zu erleben, wie die Vision aus meinem Kopf wahr wurde. Wie die Instrumente miteinander harmonieren, das Wechselspiel von Gitarre und Geige, untermalt von einem zauberhaften Klavier. Das alles ergibt das einmalige Soundbild, das ich versucht habe zu zeichnen und ist schon deswegen eine ganz andere Welt als bei meinen Live-Shows - da mich die Allermeisten nur von Konzerten und Festivals kennen und ich dort meistens nur mit Gitarre sitze und singe. Das macht die Musik zu viel mehr, es geht viel tiefer und eröffnet den Hörern eine ganz neue Klangwelt.“ 



Die neuen Lieder handeln sehr viel von Innenwelten, davon, dass man sich selbst seines Potentials und seiner eigenen Kraft bewusst wird und diese lebt.

„Es geht um ein ganzheitliches Bewusstsein für Mutter Erde und das Universum, das eigene Sein und der eigenen Verantwortung. Entstanden sind die Songs immer aus meinen eigenen Erfahrungen, und aus Erlebnissen die ich machen durfte, aus meiner Intuition und meiner Wahrnehmung auf die Welt. Aus besonderen Momenten, die sich mir eingeprägt oder mich sehr berührt haben, oder aus Begegnungen mit anderen Menschen. Und natürlich aus meinem großen Wunsch nach Frieden auf der Erde und zwischen allen Menschen.“


Das neue Album ist sehr facettenreich. Darum ist es für die Künstlerin schwierig, sich einen Favoriten rauszusuchen.

„Vor allem, da mich alle Songs sehr bewegen – je nachdem in welcher Stimmung ich gerade bin. Das Lied ‚Sternenkinder‘ erinnert uns daran, woher wir kommen und warum wir hier sind. Eigentlich umfasst es meine ganze Lebenseinstellung und Herzenswahrheit. ‚Goldener Kreis‘ ist meine Liebeserklärung an Mutter Erde und erfüllt mich beim Hören immer mit sehr großer Dankbarkeit. Hingegen stimmt mich beispielsweise ‚Wolfsliebe‘ eher traurig und wehmütig, berührt mich sehr tief und lässt mir auch mal eine Träne über die Wange rollen. Da alle meine Songs aus einer persönlichen Erfahrung entstanden sind, berührt mich auch jeder Einzelne.“


Was die allergrößten Stärken der auserwählten Kompositionen sind, ist für die junge Frau schwierig zu sagen, da alle ihre Besonderheiten haben. „Jeder soll sich selbst sein eigenes Bild davon machen. Was jedoch mein gesamtes Album ausmacht, ist, dass die Lieder alle ‚echt‘ sind und aus dem Herzen kommen. Da ist nichts erfunden oder ausgedacht, sondern alles basiert auf Empfindungen und Gedanken die ich wirklich so hatte in dem Moment. Deswegen berührt die Musik noch mehr.“

Für Maren stand anfangs schon fest, dass sie genau 13 Titel auf der CD haben möchte – wegen des weiblichen Prinzips.

„Da es mein erstes Album ist, war es mir wichtig ein komplettes Bild meines gesamten musikalischen Schaffens zu erzeugen - von alt bis neu – und die richtige Mischung zu finden. Die Lieder kamen irgendwie alle im richtigen Moment zu mir und ich habe dann gefühlt, dass es passt.“

Nennenswerte Höhen und Tiefen beim Songwriting der Stücke gab es.

„Meistens waren die Tiefen vor dem Songwriting da und veranlassten mich zum Schreiben. Die Tiefen habe ich durch die Musik in Höhen verwandelt, indem ich mir alles von der Seele geschrieben habe. Aber natürlich gab es auch einige ‚Spezialfälle‘. Zum Beispiel bei den Songs ‚Ich werd Dich immer lieben‘ und ‚Wolfsliebe‘ hatte ich großen Liebeskummer und habe mich damit von zwei Menschen verabschiedet, zumindest auf einer bestimmten Ebene. Da war das Schreiben natürlich mit besonders vielen Emotionen verbunden. Bei den Songs ‚Wir sind Eins‘ und ‚Weltfriedensutopie‘ hingegen war ich in purer Verbundenheit und Liebe, weil ich die Menschen, jeder Nationalität/Religion/Hautfarbe, jedes Geschlechts usw. zusammenführen und sie das spüren lassen wollte, was ich in meinem Herzen so stark spüre – nämlich dass wir alle eine große Familie und alle Eins sind.“ 


Wie viel Zeit das gesamte Ausarbeiten des Materials auf „Wir sind Eins“ in Anspruch nahm, kommt darauf an, so Maren, ab welchem Zeitpunkt man die Hochrechnung beginnt. „Spannenderweise ist nämlich mein allererster Song, den ich mit 17 geschrieben habe, auch auf dem Album drauf. Einige der Stücke sind schon zwei bis drei Jahre alt, wurden aber nie veröffentlicht oder live gespielt. Das gesamte Werk ist die Quintessenz von meinem bisherigen Künstlerdasein. Die meiste Arbeit begann erst im Studio, da ich ein sehr intuitiver Mensch bin. Und dann kommt es meistens ganz wie von selbst. Oft beginnt es nur mit einer Melodie in meinen Kopf oder einer Textzeile. Insgesamt könnte man also sagen, seit circa neun Monaten – oder eben seit Anbeginn meiner musikalischen Arbeit.“

Der letzte Song auf dem Album ist ein Feature und Rapsong mit dem Polit-Rapper Kaveh.

„Er heißt: ‚Es ist an der Zeit‘ und ist ein Aufruf zur (R)evolution für alle Menschen und dazu, sich endlich im ‚Menschsein‘ zu vereinen und sich nicht mehr teilen und spalten zu lassen. Wie Volker Pispers es so schön sagt: ‚Dividende et Impera.‘ Wenn wir wirklich eine Veränderung möchten, und die herrschenden und menschen-/ bzw. lebensverachtenden Verhältnisse umwerfen wollen, dann muss das von ‚Unten‘ passieren. Die Menschen dürfen erkennen, dass es doch total egal ist, wie jemand aussieht, an was er glaubt oder welche sexuelle Orientierung er hat - wir lernen erst zu hassen, von Natur aus hasst niemand. Wir leben in Ungerechtigkeit auf der Welt, bomben alles nieder und beuten aus. Der Kapitalismus ist eines der größten Probleme. Das alles haben wir in dieser Zusammenarbeit versucht zu vereinen. Das Besondere der CD ist, dass auf ihr einerseits sehr persönliche und intime Themen und andererseits sehr weltliche Inhalte zu finden sind. ‚Wir sind Eins’ vereint innere und äußere Welten.“

Was sind Marens liebste eigene, mystische Träume, wenn sie dafür Zeit und Muse hat?

„Oft träume ich davon mit Delfinen im tiefen Ozean zu schwimmen und mich mit diesen magischen Wesen auf geistiger und emotionaler Ebene zu verbinden. In Eilat in Israel hatte ich die Möglichkeit mit wilden Delfinen zu schwimmen und so in eine ganz andere Welt einzutauchen. Das war eine der wunderschönsten Erfahrungen in meinem Leben.“ 



Nach wie vor bezieht sie den stärksten Antriebsfaktor für die eigene Musik aus Hoffnung und dem Glauben, dass eine bessere Welt möglich ist. „Und weil ich immer wieder sehe, was meine Musik in den Menschen auslöst. Das zu sehen, ist das Allerschönste für mich! Leider zählt für die meisten Künstler heutzutage fast nur noch der finanzielle Erfolg und kaum noch Ideale, wie sie z.B. einst Joan Baez hatte, und dafür mit ihrer gesamten Arbeit einstand.“

Maren wünscht sich, dass ihre Lieder Gehör finden und die Menschen ihrer Kunst mit offenen Herzen und Ohren begegnen. „Dass die Botschaft meiner Songs sich verbreitet und die Hörer ganz persönlich berühren wird … und somit einen Teil zur (R)evolution der Herzen und des Bewusstseins beitragen kann. Am Ende des Jahres möchte ich glücklich und zufrieden auf meine Entscheidungen und mein erstes Album zurückblicken. Ich bin sehr gespannt wohin mich meine weitere Klangreise führen wird. One Love.“



© Markus Eck, 04.08.2016

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