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Interview: MORGENSTERN
Titel: Flammende Leidenschaft

Diese linien- und imagetreuen Mittelalter Metal-Klangknechte, aufgrund ihres Bandnamens vereinzelt mit dem hell leuchtenden Morgenstern verglichen, melden sich mit neuem Liedwerk bei ihren Anhängern zurück. Und erinnern dabei diesmal auf ihrem neuen und vierten Album „Fuego“ eher an die gleichnamige gefährliche Ritterwaffe, den todbringenden stählernen Zackenball.

Musikalisch also härter und druckvoller als je zuvor ins Land hinein erschallend, lyrisch aber bissig wie immer, behielt das zumindest auf Portraits stets aufwändig kostümierte Sextett ansonsten seine bewährten Trademarks bei. Am 28.02.2003 hatte der rockende Spielmannszug Gitarren, Sackpfeifen und Schlagwerk zur Seite gelegt und sein fünfjähriges Bestehensjubiläum in aller denkbaren Ausgelassenheit gefeiert.

Schlagzeuger Ulli Ullmann, vormals noch unter dem Pseudonym Silvester Goldfarb in Erscheinung getreten, erinnert sich gerne daran zurück. Schelmisch grinsend bekennt er:

„Die Marathon-Feier hat ohne Unterbrechungen ganze 16 Tage lang gedauert. Für die ersten vier Tage hatten wir einen Saal gemietet, danach haben wir in unserem Proberaum weitergezecht.“ Prost Mahlzeit, möchte man sagen. Allzu leicht vorzustellen, dass herbem Gerstensaft dabei eine rühmliche Rolle zuteil wurde.

Der letzte Langspieler, ein flacher Rundsilberling namens „Rausch“, brachte die sechs Morgensterne ein entscheidendes Stück weiter nach oben auf ihrer Karriereleiter.

„Wir sind im Großen und Ganzen noch immer zufrieden mit diesem Album. Die Rezensionen dafür sind zwar überwiegend positiv ausgefallen, es war aber auch einiges an – durchaus berechtigter – Kritik dabei, was auch jetzt noch nicht immer leicht für uns zu verdauen ist.“

Das musikalische Ziel beim Schreiben der neuen Songs für „Fuego“ hatten Morgenstern laut dem Trommelstockschwinger ganz klar vor Augen: „Wir wollten primär härter und komplexer werden. Ich denke, dass uns das wenigstens bei ein paar Songs in Vollendung gelungen ist. Bei den Songtexten jedoch lasse ich mich sowieso immer treiben. Da gibt es keinen Themenplan, an den ich mich halte. Dafür bin ich, glaube ich, auch viel zu undiszipliniert. Das lasse ich auf mich zukommen.“

Dieses Statement wird bestätigt. Denn alle Belange, welche in den Lyriken der aktuellen Kompositionen Verwendung fanden, sind sehr persönlicher Natur. Denn sie betreffen entweder ihn selbst oder einen Kollegen aus der Band, gibt der Morgenstern-Kesselwart im Weiteren preis.

„Da geht es wie in den Songs `Inferno`, `Untertan`, `Carneval`, `Schlange` und `Feuer` um Beziehungsstress. Das Stück `Blut` dreht sich um positives Denken, während hingegen `Abgesang` und `Kinderspiel` die Auswirkungen von negativem Denken darstellen. Das Lied `Abwärts ` thematisiert die Angst, in `Sommernacht` wird dem Wunsch nach Alleinsein lyrisch Rechnung getragen. `Asche` schließlich widmet sich dem Thema Tod.“

Nachfolgend dreht sich der Dialog darum, wie sehr sich das neue Album in die Reihe der bisherigen Veröffentlichungen von Morgenstern einfügt. Darauf hat er offenbar nur gewartet, denn mein Gesprächspartner erwächst hier nun zu vollstem Selbstwertgefühl:

„`Fuego` ist eine typische Morgenstern-Platte wie die drei Albumvorgänger auch. Sicherlich gibt es auch noch andere Gemeinsamkeiten aber: `Fuego` ist eindeutig das beste Album, welches wir bis jetzt geschnitzt haben, daran besteht für mich kein Zweifel. Der größte Unterschied neben der gesteigerten metallischen Härte zu den anderen Alben ist der, das wir uns diesmal zwei Jahre intensiv dafür vorbereitet haben.“ Sehr glücklich ist Ulli über den Sound der neuen Scheibe, wie er zu berichten weiß. „Der Klang des Albums ist diesmal wunderbar geworden. Das haben wir Alex Krull und den anderen Jungs von Atrocity beziehungsweise dem Mastersound Studio zu verdanken“, lautet das Lob dafür.

Der aktuelle Albumtitel „Fuego“ entstammt Inspirationen aus einer absolvierten Mexiko-Tour, wie anschließend in Erfahrung zu bringen ist. Ulli hierzu:

„Wir konnten uns zuerst nicht auf einen Namen für die Scheibe einigen, haben uns aber dann dazu entschlossen, die Platte `Feuer` zu nennen, was aber ehrlich gesagt ein ziemlich doofer Titel gewesen wäre. Da trug es sich zu, dass wir vor der letzten Show in Mexico City noch mal über den Titel für diese CD geredet haben. Kurz gesagt wurde aus `Feuer` dann ganz schnell `Fuego`, weil wir unsere Mexiko-Reise für uns unsterblich machen wollten. Außerdem ist in dem Wort `Fuego` wesentlich mehr Leidenschaft drin als im deutschen Wort `Feuer`.“

Und Rhythmusritter Ulli ist noch immer vollkommen begeistert, wenn er an seine Reise ins Land der Kakteen zurückdenkt. „Alles dort war viel cooler als ich das jemals erwartet hätte. Erst fliegt man zehntausend Kilometer und dann spielt man vor tausend Leuten, welche sämtliche Songs fehlerfrei in einer ihnen eigentlich fremden Sprache mitsingen können. Das ist doch phantastisch“, fabuliert er fasziniert.

Wie man immer wieder auf ihren stilvollen Bandportraits sieht, legen diese ostdeutschen Musikanten großen Wert auf passende Kostüme. „Teilweise sind es unsere eigenen, teilweise sind sie im Theater ausgeliehen. Doch mit dem Aufzug kann ich aber beim besten Willen kein Schlagzeug spielen.“ Abschließend bekundet der Schlagwerker noch in aller Ehrlichkeit, dass es seiner Meinung nach wohl noch genug Leute gibt, die Morgenstern für eine „Mischung aus Schrubber und Besenstiel“ halten. Jedoch: „Wir wissen schon, dass unsere Position zwischen all den Mittelalter-Truppen nicht schlecht ist, denn wir haben eine ganze Menge treuer Fans.“

© Markus Eck, 04.08.2004

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