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Interview: MORGION
Titel: Zwischen Leben und Tod

Als eine der autarksten, konzeptionell treuesten und auch originellsten Bands überhaupt ist dieses Doom Metal-Outfit aus den vereinigten Staaten von Amerika einzuschätzen.

Was tonnenschwere Düsterwalzen des langsamen Todes wie My Dying Bride oder Paradise Lost einst begannen, das führen Morgion aus dem südkalifornischen Costa Mesa in aller stilistisch tiefen Konsequenz fort.

Nun veröffentlichen sie ihr drittes Album „Cloaked By Ages, Crowned In Earth“, nach den beiden Vorgängern „Among Majestic Ruin“ aus dem Jahr 1996 und dem 1999er Untergangsmanifest „Solinari“. Bereits 1990 von Schlagzeuger Rhett Davis sowie Gitarrist und Sänger Dwayne Boardman zum Dasein erweckt, entwickelte das seit jeher betont emotional agierende Quartett schon früh seinen ureigenen Stil.

So versetzen seither alles unter sich begrabende Lava-Riffs, hypnotische Monumental-Arrangements und weitläufige Atmosphären von Angst vor dem Untergang erzeugender Agonie-Anmut die Hörerseelen mit restlos paralysierenden Tonfolgen.

Laut dem wortkargen Drummer und Songtexter Rhett Davis sind die hinter der Friedhofs-Combo stehenden Musiker gar nicht so düstere Naturen, wie man aufgrund der gebotenen Verzweiflungsklänge vermuten möchte.

„Wir spielen zwar dunkle und sehr emotionale Musik, aber wir sind jedoch in keinster Weise melancholisch oder depressiv veranlagt. Unsere Songs sind für uns eben Mittel des Ausdrucks, außerhalb von Morgion erinnert nichts mehr daran, welchen Sound wir machen.“

Rhett selbst beschreibt sich in diesem Atemzug selbst noch als einen gleichermaßen intensiven wie kreativen, einzigartigen, emotionalen und ausdrucksstarken, aber auch manchmal infantilen sowie exzentrischen Außenseiter. Eine vielfältige Person ist er also auf jeden Fall.

In den Köpfen seiner Hörer wünscht sich der bärtige Schlagwerker so einige eindringliche Gefühlsregungen, wie er im Weiteren erwartungsgemäß verlauten lässt.

„Ja, unsere Lieder sollen solch unterschiedliche Emotionen wie überschäumende Wut, endlos schmerzende Qualen, grenzenloses Leid auslösen. Aber auch frenetische Begeisterung, unstillbare Sehnsucht, immense Faszination und überwältigende Stille sollen sich breit machen.“

Doom Metal: Ein im Allgemeinen kompositorisch recht starr gerahmtes Genre, dessen oftmals kauzig klingende Vertreter schon immer mit derselben großen Idealistik und Hingabe operieren, mit welcher wiederum auch die Fans ihren Helden lauschen.

Und was Black Sabbath Anfang der 1970er einst lostraten, fand mit den Jahren noch zahllose Exekutiven.

Für diejenigen, deren Interesse geweckt wurde, gewährt Rhett im Folgenden einen kleinen Ausflug zu seinen persönlichen Vorlieben aus dieser Richtung:

„Ich stehe vornehmlich auf die alten Sachen von Candlemass, Cathedral, Winter und Anathema. Bisweilen höre ich mir aber auch sehr gerne Scheiben von Paradise Lost, Goatsnake, Warhorse, Confessor, Solitude Aeturnus, Pentagram, Mourning Beloveth, The Prophecy, Orodruin und Penance an.“

Lyrisch ließen sich Morgion laut Rhett von Autoren wie Kevin Seimbeida, Tracy Hickman und Margeret Weiss, RA Salvatore, Edgar Allan Poe, Shakespeare und Robert E. Howard inspirieren.

Was eine weitere hochinteressante Ausrichtung dieses Metiers in Form von epischem Power Doom angeht, so sind wir beide uns darüber einig, dass uns mit Candlemass und Solitude Aeturnus zwei absolut talentierte Ausnahmegruppen begeistern können.

„Das Candlemass-Debüt `Epicus Doomicus Metallicus` sowie die Solitude Aeturnus-Scheibe `Beyond The Crimson Horizon` sind niemals weit von meiner Stereoanlage zu finden”, gibt Rhett preis.

Der von mir vorsichtig angestellte Vergleich mit Solitude Aeturnus kommt für ihn gar einer großen Ehre gleich.

„Vielen Dank, das ist ein großartiges Kompliment für mich und Morgion. Unser Gitarrist Gary Griffith hat auch so einige Einflüsse von Pink Floyd und Porcupine Tree im Kopf herumspuken, so dass unser Sound oftmals massive Anklänge an diese Bands aufweist. So einige Leute verglichen sein Songwriting auch schon mit dem von Brendan Perry von Dead Can Dance.“

Im direkten Vergleich mit dem neuen Werk „Cloaked By Ages, Crowned In Earth“ beschreibt der Schlagzeuger das letzte Album „Solinari“ als vordergründig von opulenten Keyboard-Linien orchestriertes Stück Musik.

„Obwohl sich unsere Einflüsse nicht verändert haben, lebt unsere neue Veröffentlichung im Gegensatz zum Albumvorgänger deutlich mehr von den Gesangs- und Gitarrenspuren.“

Die Bedeutung des aktuellen Albumtitels legt Mr. Davis im Übrigen mit dem fließenden Zusammenhang zwischen Leben und Tod dar und hängt ergänzend an:

„Als wir daran gingen, die neuen Stücke zu schreiben, trugen sich diverse Veränderungen in der Band zu, welche mitunter massive Auswirkungen auf das Songwriting hatten. Unser neuer Bassist Justin Christian ermöglichte uns um einiges flüssigere Basslinien, was eine deutliche Bereicherung für unsere Rhythmussektion darstellt. Mit der Hilfe des ehemaligen Mindrot-Sängers Adrian Leroux erreichten wir zudem eine ausgeprägter anfallende Bandbreite an Gesangsstrukturen auf `Cloaked By Ages, Crowned In Earth`.“

Und dass Leroux schlussendlich aufgrund zeitlicher Schwierigkeiten nicht ganz in Morgion einsteigen konnte, sollte sich noch als absoluter Glücksfall erweisen. „So ergänzten wir seine Gesangslinien mit unseren eigenen. Gary übernahm den Klargesang und unser zweiter Gittarist Dwayne Boardman die Growls. Jeder der beiden brachte seinen individuellen Vokalcharakter ein.“

© Markus Eck, 03.04.2004

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